19 Uhr
Ein Gespräch mit
Andreas Wegner (Künstler und Projektleiter von Le Grand Magasin, Berlin) und
Hans-Gerd Nottenbohm (innova eG, Projektbüro Dortmund, Bundesverband zur
Förderung des Genossenschaftsgedankens), Moderation:Dr. Bernd Wagner
In einem
Kaufhaus werden üblicherweise die künstlerischen Disziplinen unter das Primat
der Ökonomie gestellt, d.h. die Künste werden in den Dienst für das Geschäft
genommen (z.B. Werbung, Design, Architektur). Andreas
Wegner wird erläutern, worum es im Projekt „Le Grand Magasin“ geht: Hier sind es die
Künstler, die sich in einem umkehrenden Akt das Kaufhaus aneignen und dieses
für Zwecke nutzbar machen, die von der Kunst als relevant erklärt werden.

ANDREAS WEGNER, „Le Grand Magasin”, 2009
Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein 2009, Foto: Norbert Miguletz, 2009, © Frankfurter Kunstverein
Courtesy the artist and several cooperatives
Von September 2008 bis Ende 2009 wurde in Berlin das Kaufhaus Le Grand Magasin betrieben, in dem ausschließlich Waren europäischer Produktivgenossenschaften aus dem Nonfood-Bereich ausgestellt wurden. Eine Dependance bestand zwischen dem 11. November 2009 und 17. Januar 2010 im Kontext der Ausstellung „Bilder vom Künstler" im Frankfurter Kunstverein. Drei Ausstellungen in Ungarn und Tschechien sowie ein Kongress in Deutschland fassen die Ergebnisse zusammen. Ein Teil der Ausstellung ist derzeit im Frankfurter Kunstverein in der Ausstellung „Das Wesen im Ding" zu sehen.

ANDREAS WEGNER, „Le Grand Magasin”, 2010
Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein 2010, Foto: Norbert Miguletz, 2010, © Frankfurter Kunstverein
Courtesy the artist and several cooperatives
„In sozialen
Transformationskrisen nehmen Bedeutungen alternativer ökonomischer
Produktionsmodelle zu. Eine begrifflich unmissverständliche und klare
Bestimmung der Formen alternativen Wirtschaftens – einer ‚Gegenökonomie’
innerhalb der kapitalistischen Produktionsordnung – fällt schon deshalb schwer,
weil diese Formen seit ihrer Entstehung selbst diverse Transformationsprozesse
durchlaufen haben. Diese Tendenz ist durch das sogenannte Oppenheimersche
Transformationsgesetz ausgedrückt,
demzufolge alternative Betriebe im Kontext der Marktwirtschaft nicht in der
Lage sind, ihre ursprünglichen Ziele über einen längeren
Zeitraum aufrecht zu erhalten, sodass sie sich im Laufe der Zeit immer mehr den
konkurrierenden Unternehmen angleichen.“ (Andreas Wegner)
Von
Genossenschaften, selbstverwalteten Betrieben, interkulturellen Gärten bis zu
Open Source und Freier Software gibt es auch in Europa eine große Bandbreite
sogenannter alternativer Wirtschaftsformen.
Manche
Beobachter sind der Meinung, dass gerade auch im Zuge der Finanz- bzw.
Wirtschaftskrise im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach selbstbestimmter
Arbeit und solidarischer Ökonomie und fehlenden Berufsperspektiven der Bereich
der selbstverwalteteten Ökonomie wachsen wird. Andere sehen diese tendenziell
allerdings eher auf eine Armutsökonomie beschränkt, die exkludierte
Bevölkerungsgruppen auffängt.
Die Veranstaltung an der Schnittstelle zwischen Kunst,
Politik und Ökonomie befasst sich zum einen mit Produktivgenossenschaften und
Alternativbetrieben in Europa und fragt nach deren Perspektive, zum anderen mit
der Frage, was das Künstlerische an Le Grand Magasin ist.
Eine Veranstaltung der Heinrich Böll Stiftung Hessen in Kooperation mit dem Frankfurter Kunstverein
Eintritt frei
Ort: Café im Kunstverein