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Adam Harvey, CV Dazzle, 2010-2017, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein 2018, Foto: N. Miguletz, © Frankfurter Kunstverein, Courtesy the artist

Adam Harvey

Das Projekt CV Dazzle von Adam Harvey präsentiert Styling-Vorschläge, die dazu dienen, der automatischen Erkennung durch Identifikationssysteme zu entgehen. Algorithmen zur Gesichtserkennung werden trainiert indem sie mit tausenden Bildern von Gesichtern gefüttert werden, in denen sie bestimmte Merkmale analysieren. Die Analysen liegen dann zur Mustererkennung vor. So werden zum Beispiel die ovale Form des Gesichts, der Abstand zwischen Augen und Ohren sowie die Symmetrie zwischen Nase und Mund erfasst. Werden diese Merkmale in neu eingespeisten Aufzeichnungen wiedergefunden, werden Gesichter erkannt. Harvey analysierte die Sichtweise dieser Algorithmen, um sie mit zwei Methoden zu unterlaufen: einerseits indem vorhandene Merkmale versteckt werden (zum Beispiel indem ein Auge oder die Nasenwurzel mit einer Haarsträhne verdeckt wird), andererseits indem zusätzliche Merkmale erzeugt werden, die der Algorithmus nicht zuordnen kann (zum Beispiel durch das Schminken zusätzlicher Linien und Formen im Wangenbereich, oder helle Schminke auf dunkler Haut und umgekehrt). Was in der menschlichen Wahrnehmung immer noch eindeutig als Gesicht zu erkennen ist, kann dann aus Computersicht nicht mehr zugeordnet werden. Das Video CV Dazzle Look 5 veranschaulicht den Prozess der automatischen Bilderkennung bei einem geschminkten und einem ungeschminkten Gesicht im Vergleich.

Ausgangspunkt des Projekts ist Harveys kritische Haltung gegenüber der zunehmenden Überwachung im öffentlichen Raum. Die steigende Anzahl an Überwachungskameras steht der Unwissenheit der Bürger gegenüber, wer ihre Bilder zu welchem Zweck sieht und ob sie analysiert und dauerhaft gespeichert werden. Harveys aktivistischer Ansatz spielt mit der Erkenntnis, dass Überwachungsbilder meist von Maschinen ausgewertet werden und diese zum Teil überlistet werden können, da sie nur das erkennen, was vorab einprogrammiert wurde. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Schwachstellen in Zukunft beseitigt und die Systeme noch differenzierter Gesichter erkennen werden.

Adam Harvey ist ein in Berlin ansässiger Künstler und Forscher. Seine Produktionen wurden bei zahlreichen Veranstaltungen ausgestellt, wie TEDxVilnius (2017), Deutsches Spionagemuseum (2017), re: publica Berlin (2016), das jährliche Sicherheitssymposium der Europäischen Kommission (Brüssel, 2015), HOPE (NYC), dem Elevate Festival in Graz (AT, 2017) und Chaos Computer Club, Hamburg (DE, 2016).

I am here to learn: Zur maschinellen Interpretation der Welt

15.02. — 08.04.2018 | Ausstellung

Frankfurter Kunstverein
Steinernes Haus am Römerberg
Markt 44
60311 Frankfurt am Main
Anfahrt

Öffnungszeiten
Festival der jungen Talente:

Do, 3. Mai 2018 – Eröffnung um 20 Uhr
Fr, 4. Mai 2018 – 14-22 Uhr
Sa, 5. Mai 2018 – 14-19 Uhr / 19-02 Uhr: Nacht der Museen (Eintritt nur mit Ticket)
So, 6. Mai 2018 – 14-22 Uhr
Eintritt frei!

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