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Bayerisches Landeskriminalamt - Zentrale Fototechnik und 3D-Tatortvermessung, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein 2017, Foto: N. Miguletz, © Frankfurter Kunstverein

Bayerisches Landeskriminalamt

Aus dem krimimaltechnischen Institut, Sachgebiet „Zentrale Fototechnik und 3D-Tatortvermessung“ des Bayerischen Landeskriminalamt München, werden erstmalig für die Öffentlichkeit digitale Visualisierungen und Darstellungen realer Tatorte in VR zugänglich gemacht. Die entwickelten Applikationen ermöglichen es, digital erfasste Tatorte zu begehen, um sie orts- und zeitunabhängig zu untersuchen und dabei jede erdenkliche Position – von Nahansichten zu Panoramaeinstellungen – einzunehmen. Die Bilder entstehen, indem bildgebende Techniken und Methoden kombiniert werden. Sie dienen dem Zweck einer genauen Mess- und Nachvollziehbarkeit.

Eine weitere Applikation stammt aus dem Kontext forensischer Medizin. 3D-Rekonstruktionen der Körper von Opfern können aus einer virtuellen Innenansicht erforscht werden, um aus der Struktur von Gewebe und Organen Rückschlüsse über externe Gewalteinwirkungen zu ziehen. So wie in der Renaissance neue Vermessungstechniken und mathematische Methoden eine neue bildliche Darstellung von Raum, Landschaft und dem Inneren des menschlichen Körpers ermöglichten, so hat heute die Vermessung durch Laserscanner, photogrammetrische Technologien, Methoden der digitalen Kartierung und Bildbearbeitung eine neue dreidimensionale Darstellung ermöglicht. Es entsteht eine Kombination von Perspektiven, eine Synthese von Kartografie, mathematischem und geodätischem Wissen, die der Betrachter dank Datenbrille sichtet. In präzisen Rekonstruktionen kann insbesondere das lineare Verhältnis von Objekten im Raum bestimmt und abgebildet und die Relation zur jeweiligen Position des Betrachters verändert werden.

Diese neuen Methoden einer genauen Vermessung entstehen nach Kriterien der Plausibilität. Die Bilder visualisieren Daten und Informationen, müssen nachvollziehbar sein und dem Stand neuester wissenschaftlicher Kategorien entsprechen. Die Bildwelten des BLKA lösen die Zentralperspektive der Renaissance auf und erweitern sie in eine immer neu bestimmbare Position. Die technische Forensik fasst zeitlich unterschiedliche Momente zusammen, vereint sie in einem Bildraum, der als fotografische Dokumentation des Kriminalortes und gerichtsmedizinische Beweisaufnahme dient. Noch sind die technologischen Applikationen Experten vorbehalten, Forensikern, Kriminalexperten, Richtern und Anwälten. Im Laufe der nächsten Jahre wird sich diese Visualisierung von Daten und Informationen allerdings durchsetzen und eine schriftliche Aktenführung ersetzen. Virtuelle Bildwelten werden so für die Überprüfung von Zeugenaussagen und zur Zusammenführung von Beweismittel rekonstruiert und dauerhaft zugänglich sein. Diese immersiven Umgebungen werden Raum für Experten bieten, um sich virtuell zu treffen und Beweise zu überprüfen. Dies ist sowohl für aktuelle als auch historische Kriminalschauplätze der Fall, die anhand von vorliegenden Dokumenten, Plänen, Fotos und Grundrissen rekonstruiert werden.




„Forensische High-End-Technologien beim Bayerischen Landeskriminalamt“

14.11.2017 | Veranstaltung

Perception is Reality: Über die Konstruktion von Wirklichkeit und virtuelle Welten

07.10.2017 — 07.01.2018 | Ausstellung