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Esther Hovers, False Positives, 2015-16, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein, 2018, Foto: N. Miguletz, © Frankfurter Kunstverein, Courtesy the artist

Esther Hovers

Esther Hovers Arbeit False Positives thematisiert die Funktion lernender Systeme hinter sogenannten Smart Cameras. Diese zeichnen nicht nur ihre Umgebung auf, sondern interpretieren die Bilder in Echtzeit. Menschliches Verhalten und besonders deren Bewegungen im Raum werden analysiert und mit erlernten Mustern abgeglichen. Stellt ein System abweichende Bewegungen fest, stuft dieses das Verhalten als verdächtig ein. Allerdings sind Mustererkennungen so offen konzipiert, dass sie einen bestimmten Spielraum zulassen, sodass sich die meisten bemerkten Anomalien als Fehlalarm, False Positives genannt, herausstellen.

In Zusammenarbeit mit Experten aus dem Sicherheitsbereich benennt Hovers acht verdächtige Bewegungsmuster: „Stillstehen“, „Schnelle Bewegungen“, „Einsame Objekte“, „Platzieren an einer Ecke“, „Auseinanderbrechende Gruppierungen“, „Synchrone Bewegungen“, „Wiederholtes Zurückschauen“ und „Abweichende Richtungen“. Hovers Bilder entstanden in einem Brüsseler Verwaltungsviertel, wo sie sowohl zufällig vorbeikommende Passanten als auch inszenierte Bewegungen im öffentlichen Raum fotografierte. In der digitalen Nachbearbeitung fügt sie bis zu zwanzig Aufnahmen zu einem Bild zusammen und verdichtet somit das Geschehen eines ausgedehnten Zeitraums zu einem einzigen, konstruierten Moment. Die Synthese verweist auf die Funktionsweise intelligenter Überwachungssysteme, die größere zeitliche Zusammenhänge auswerten.

Algorithmen steuern eine immer größere Anzahl an Systemen, von komplexen Prozess- und Infrastruktursteuerungen bis hin zum ‚Scoring’ von Individuen. Das Wissen in der Bevölkerung um die Anwendungen wächst und verändert das Verhalten der Menschen. Systeme und Menschen bedingen sich heute gegenseitig und passen sich wechselwirkend aneinander an. Was als normal oder außerhalb der Norm gilt, wird nicht mehr allein durch ein gesellschaftliches Kollektiv bestimmt, sondern entspringt Daten und Statistiken. Diese bilden ein mathematisches Modell der Welt und kommen in Algorithmen zur Anwendung. Welche Berechnungen und Statistiken dafür verwendet werden, liegt im Ermessen der Behörden oder privaten Firmen, die solche Systeme einsetzen. Welche Klassifizierungen führen somit zu False Positives? Welche Eigenschaften einer Person werden als verdächtig und potentiell kriminell erkannt? Akzeptieren wir eine Gesellschaft, in der algorithmisch berechnete Einschätzungen zur Quantifizierung und Einordnung von Individuen führen?


Die niederländische Künstlerin Esther Hovers (*1991) studierte Fotografie an der Royal Academy of Art in Den Haag (NL), wo sie heute lebt und arbeitet. Seit ihrem Abschluss war sie in zahlreichen internationalen Ausstellungen zu sehen, unter anderem in der C/O Berlin Foundation (DE), der Alan Gallery, Istanbul (TR), im Foam Museum, Amsterdam (NL) und in der Nationalgalerie in Prag (CZ).

I am here to learn: Zur maschinellen Interpretation der Welt

15.02. — 08.04.2018 | Ausstellung

Frankfurter Kunstverein
Steinernes Haus am Römerberg
Markt 44
60311 Frankfurt am Main
Anfahrt

Öffnungszeiten
Festival der jungen Talente:

Do, 3. Mai 2018 – Eröffnung um 20 Uhr
Fr, 4. Mai 2018 – 14-22 Uhr
Sa, 5. Mai 2018 – 14-19 Uhr / 19-02 Uhr: Nacht der Museen (Eintritt nur mit Ticket)
So, 6. Mai 2018 – 14-22 Uhr
Eintritt frei!

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