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Fito Segrera, 1 & N Chairs, 2017, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein 2018, Foto: N. Miguletz, © Frankfurter Kunstverein

Fito Segrera

Die Arbeit 1 & N Chairs von Fito Segrera besteht aus vier Elementen: einem Holzstuhl, zwei Monitoren und einer Kamera. Die Kamera nimmt den Stuhl auf, zoomt in Teile und Details des Möbels hinein und fotografiert den jeweiligen Bildausschnitt. Das Bild wird über eine Internetverbindung zu einem Bilderkennungsservice von Microsoft gesendet und nach einer algorithmischen Analyse in eine sprachliche Bildbeschreibung übersetzt. Diese wird auf dem rechten Bildschirm angezeigt. Gleichzeitig dient die Bildbeschreibung als Suchbegriff für eine Online-Bildsuche. Das dadurch gefundene Bild wird auf dem linken Bildschirm angezeigt. Der Vorgang wird kontinuierlich mit einem neuen Bildausschnitt und einer neuen Textbeschreibung wiederholt.

Das von Segrera geschaffene System führt eine Bildinterpretation und eine Abstraktion durch, die als künstliches Imaginieren bezeichnet werden kann. Das System erkennt meist das Objekt, den Stuhl, interpretiert aber häufig zusätzliche nicht existente Gegenstände in das Bild hinein. Segreras Arbeit basiert auf einem von ihm programmierten Algorithmus, der immer neue Kombinationen und Optionen zusammenstellt, um mögliche Deutungen eines Gegenstandes zu generieren.

1 & N Chairs zitiert das Konzeptkunstwerk One and Three Chairs von Joseph Kosuth aus dem Jahr 1965, in dem ein handgefertigter Holzstuhl mit seinem fotografischen Abbild und einer Lexikonbeschreibung ausgestellt wurden. Der von Segrera gewählte Titel ist nahezu identisch, nur die natürliche Zahl Drei wurde durch das mathematische Symbol N, der Menge aller natürlichen Zahlen, ersetzt. N steht für die endlose Suche des programmierten Systems nach neuen Bild-Begriff-Paaren. Sowohl die historische Arbeit Kosuths als auch die Segreras beziehen sich auf Platons Gedanken zur Idee eines Gegenstandes, also der Frage nach dem Verhältnis zwischen Abbildung, Begriff und dem materiellen Referenten. Kosuth wies diese logische Fähigkeit noch dem menschlichen Denken zu, Segrera hingegen ersetzt diesen Vorgang durch mathematische Rechenprozesse. Während Kosuths Arbeit von einer einzigen, statischen Definition eines Gegenstandes in Sprache und Bild ausgeht, befindet sich Segreras maschinelles System in einem ständigen Untersuchungsprozess, der in einem fortwährenden Fluss immer neue Bilder und Begriffe aus dem Internet zusammenstellt.

Fito Segrera ist Künstler, Technologe und Leiter der Abteilung Forschung und Kreation am Chronus Art Center, Shanghai (CN). Er studierte Bildende Kunst und audiovisuelle Multimedia-Produktion an der Jorge Tadeo Lozano Universität in Bogotá (CO), sowie Design und Technologie an der New School in New York (US).

I am here to learn: Zur maschinellen Interpretation der Welt

15.02. — 08.04.2018 | Ausstellung

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