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Hans Op de Beeck, „The Garden Room“, 2017, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein, Foto: N. Miguletz, © Frankfurter Kunstverein

Hans Op de Beeck

„The Garden Room“ ist eine von Hans Op de Beeck (*1969) für die Ausstellung geschaffene Installation, ein immersiver Raum, der gänzlich analog den Betrachter in eine fiktive Parallelwelt versetzt. Op de Beeck produziert einen Raum im Raum, eine naturgetreu konstruierte, in monochromen Grau gestaltete Welt. Ein artifizielles Wasserbecken, Pflanzen, Diwans und Figuren sind zu sehen. Das Wasserbecken bestimmt den Raum – das Wasser ist erstarrt zu einer gläsernen, schwarzen, reflektierenden Oberfläche. Objekte und Figuren in der Rauminstallation sind lebensgetreue Rekonstruktionen, exakte Nachformungen real existierender Dinge und Lebewesen. In ihrer Unbeweglichkeit ist alles Lebendige eingefroren und leblos geworden – alles ist opak und grau, das Licht wirft keine Schatten. Das Grau des Raumes erinnert an das Grafit des Zeichenstiftes, mit dem der Zeichner die Wirklichkeit auf dem Blatt Papier für immer bannt.

Op de Beeck versetzt den Betrachter in eine virtuelle Realität, in eine Parallelwelt. Seine Environments sind keine Rekonstruktionen von Wirklichkeit, sondern eine Repräsentation innerer, assoziativer Welten, in denen der Betrachter sich körperlich um die erstarrten Figuren bewegt. Es entsteht ein belebtes Stillleben, ein Bild, in dem Werk und Betrachter eins werden und sich für die Dauer der Begegnung in derselben Zeiteinheit befinden. Der Künstler de-vitalisiert das Bild und die Figur. Die Dinge sind farbentleerte Hüllen, die in einer noch lebendig erscheinenden Bewegung erstarrt sind. Spiegelwände erweitern den realen Raum in eine konstruierte Unendlichkeit. Alles verharrt in skulpturaler Starre, nur der Betrachter bewegt sich in diesem „hortus conclusus“ wie in einem verdichteten Erinnerungsraum.

Völlig ohne VR-Technologie lässt der Künstler die artifizielle, immersive Welt entstehen. Es sind dreidimensionale Stillleben im Raum, deren Motiv die Abwesenheit und der Stillstand der Zeit wird. In diese dringt der Betrachter ein und bricht den Schein, indem sein Abbild in den spiegelnden Wänden die Illusion verrät. In diesem künstlichen Illusionsraum trifft der physische Leib des Betrachters auf die erstarrte Materialität der Plastiken, wodurch Leben und Zeitlosigkeit miteinander konfrontiert und zu einer dreidimensionalen Erinnerung, einer Traumkulisse werden. Op de Beecks Skulpturen und Rauminstallationen sind begehbare Landschaften, artifizielle Bühnen der Begegnung, in denen sich der Betrachter wie in einer zeitlosen Fotografie oder in einer Zeichnung bewegt.

Hans Op de Beeck lebt und arbeitet in Brüssel (BE). Seine Installationen und multimedialen Arbeiten sind in zahlreichen Sammlungen und Einzelausstellungen vertreten. Zuletzt im Kunstmuseum Wolfsburg (DE), auf der Biennale Venedig (IT), der Tate Modern, London (UK) und im Shanghai Art Museum (CN). Er absolvierte seinen Master of Visual Arts am Higher Institute Sint-Lukas in Brüssel, sowie am Higher Institute for Fine Arts in Antwerpen (BE) und beendete seine Ausbildung an der Rijksakademie in Amsterdam (NL).



Perception is Reality: Über die Konstruktion von Wirklichkeit und virtuelle Welten

07.10.2017 — 07.01.2018 | Ausstellung