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Jerry Galle, The Thing That Isn't, 2016, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein, 2018, Foto: N. Miguletz, © Frankfurter Kunstverein, Courtesy the artist

Jerry Galle

The Thing That Isn’t von Jerry Galle kombiniert ein Textverarbeitungssystem mit einem Zeichenroboter. Die Arbeit wird von zwei Computern gesteuert und verfügt über Elektronikkomponenten, die die Zeichenarme steuern sowie über Lautsprecher, aus denen gesprochene Sätze zu hören sind. Das maschinelle System führt einen Programmcode aus, der die Zeichenhandlungen bestimmt. Diese Aktion überprüft das System während seiner Ausführung, kommentiert sie und modifiziert dann gegebenenfalls seine Handlung.
Galle hat das lernende System mit Texten gefüttert, die Themen wie die Künstliche Intelligenz oder Interviewtechniken der CIA beleuchten, aber auch mit Essays über Kunst und Pädagogik. Algorithmen aus der Computerlinguistik (NLTK – Natural Language Toolkit) suchen darin eigenständig nach Bedeutung. Zuerst werden die Texte in kleinere Einheiten zerlegt, welche durch gemeinsame Merkmale klassifiziert und verschiedenen, von Galle vorgegebenen Themen wie Kunst, Sprache und Psychologie zugeordnet werden. Als zweites wird der gesamte Text nach Verbindungen zwischen einzelnen Wörtern durchsucht, zum Beispiel Synonyme, ähnliche Wörterbucheinträge, etymologische Verbindungen, Häufigkeit der Worte. In der dritten Stufe wird ein Entscheidungsbaum, eine baumähnliche grafische Repräsentation der Verbindungen und Korrelationen im Textkorpus generiert. Dieser Entscheidungsbaum liefert Vektoren, nach deren Anordnung der Zeichenkopf gesteuert wird. Gleichzeitig wird mit Begriffen, die aus den zugrundeliegenden Texten und dem Entscheidungsbaum stammen, ein eigenständiger Satz generiert. Der Satz bedingt die Handlung des Zeichenarms und gleichzeitig wird er über Lautsprecher ausgesprochen, sodass der Mensch die Essenz des maschinellen Denkvorgangs wahrnimmt.
In einem endlosen Prozess sucht The Thing That Isn‘t nach Korrelationen zwischen Worten und deren Bedeutungsmöglichkeiten. Dabei kommt es nicht zu einer endgültigen Interpretation, sondern zu vielen miteinander vernetzten Interpretationen. Es werden Informationen extrahiert und mehrmals verändert. Kommt es in einem solchen Übersetzungsprozess zu einem Informationsverlust, weil das Begriffsfeld sich somit immer mehr erweitert oder weitet sich die Fähigkeit zu komplexem „Denken“ der Software aus? Es stellt sich generell die Frage nach den Fähigkeiten und Grenzen der algorithmischen Wahrnehmung. Trauen wir einer Maschine zu, subjektive, ästhetische Erfahrungen zu machen? Wie sinnvoll oder absurd ist der Ansatz, menschliches Verhalten maschinell zu simulieren?

Das Werk des belgischen Künstlers Jerry Galle (*1969) dreht sich um die Beziehung zwischen digitaler Technologie und zeitgenösssischer Kultur. Galle forscht aktuell als Postdoktorand an der KASK School of Arts University College in Gent (BE).

I am here to learn: Zur maschinellen Interpretation der Welt

15.02. — 08.04.2018 | Ausstellung

Frankfurter Kunstverein
Steinernes Haus am Römerberg
Markt 44
60311 Frankfurt am Main
Anfahrt

Öffnungszeiten
Festival der jungen Talente:

Do, 3. Mai 2018 – Eröffnung um 20 Uhr
Fr, 4. Mai 2018 – 14-22 Uhr
Sa, 5. Mai 2018 – 14-19 Uhr / 19-02 Uhr: Nacht der Museen (Eintritt nur mit Ticket)
So, 6. Mai 2018 – 14-22 Uhr
Eintritt frei!

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