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Manuel Roßner, „Wetware“, 2017, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein 2017, Foto: N. Miguletz, © Frankfurter Kunstverein

Manuel Roßner

Manuel Roßner hat in seiner Arbeit „Wetware“ die Architektur des Frankfurter Kunstvereins digital nachmodelliert. Unzählige Fotografien vom Innen- und Außenraum lieferten Roßner die Daten für seine illusionistisch gestaltete virtuelle Umgebung. Mit der VR-Brille betritt der Besucher die Replik des realen Raumes, in dem er sich befindet und in dessen fiktiver Dopplung er die Umgebung verändert wahrnehmen und darin agieren kann. Im virtuellen Raum befindet sich eine gewaltige skulpturale Form: ein Kubus mit unbestimmtem Aggregatszustand, der sich wie Quecksilber bewegt. Er bricht durch die Decke, verflüssigt sich, ergreift und flutet mit seinem Aufprall den gesamten Erlebnisraum. Standort, Zeitablauf und Verhalten des flüssigen Materials kann der Benutzer über den Controller bestimmen.

Roßner nutzt Physiksimulationen, Software und wissenschaftliche Datenbanken aus dem Internet als Werkzeuge, um das Verhalten der Materie im Raum zu visualisieren. Mit Hilfe von Simulationstools und programmierten Effekten generiert er die Materie zwar nach physikalisch exakten Parametern, kombiniert und gestaltet diese jedoch frei und unabhängig von realen Gesetzmäßgkeiten. Die Oberfläche der fließenden Form hat die Reflektionseigenschaften von Metall und bricht das Licht, das der Künstler artifiziell im virtuellen Raum positioniert hat. Der Benutzer kann den Grad der Viskosität verändern, von flüssig auf pastos, wodurch sich die Form im Raum unterschiedlich verhält. Die Bildwelten Roßners folgen keiner Narration. Sie sind reines Erleben von Farbe, Form und Materie im Raum.
In diesem kontrollierten Bildraum bestimmt der Künstler die Eigenschaften von Materialien neu und schafft Plastiken im virtuell konstruierten ästhetische Simulationsszenario. Der Titel der Arbeit verweist weniger auf das virtuelle Erlebnis der verflüssigten Form, als auf den Nutzer. „Wetware“ ist ein umgangssprachlicher Begriff, der aus dem Bereich der Informationstechnologie stammt. Als Gegenpol zu Hard- und Software bezeichnet er die biologische Lebensform, den Menschen und dessen Organismus, der weitgehend aus Wasser besteht.

Der in Berlin lebende Künstler Manuel Roßner (*1989) studierte an der HfG in Offenbach, sowie an der École des Arts-Décoratifs in Paris (FR) und an der Tongji University in Shanghai (CN). 2012 startet er die Float Gallery, mit der er den klassischen „White Cube“ in den digitalen Raum erweitert. Roßner ist Teil von Internet TBD, ein Projekt, das Untersuchungen zum Überdruss des Internets anstellt.




Perception is Reality: Über die Konstruktion von Wirklichkeit und virtuelle Welten

07.10.2017 — 07.01.2018 | Ausstellung