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Marnix de Nijs, „Run Motherfucker Run“, 2001/2004, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein, 2017, Foto: N. Miguletz, © Frankfurter Kunstverein

Marnix de Nijs

In seinen Arbeiten untersucht der Multimediakünstler und Bildhauer Marnix de Nijs (*1970) die Auswirkung von interaktiven Technologien auf die sensorische und körperliche Wahrnehmung des Betrachters. Seine Werke setzen den menschlichen Körper in ein direktes Verhältnis zur Maschine, indem er seinen Körper als Erweiterung dieser erlebt und intuitiv über den physischen Einsatz steuert. In der interaktiven Installation „Run Motherfucker Run“ läuft der Nutzer auf einem Laufband vor einer Projektion, die das gesamte Blickfeld einnimmt. Nur durch seine körperliche Aktion aktiviert der Betrachter die 3D-Bilder und unterschiedlichen Szenarien und entscheidet darüber, welche Sequenzen er auslöst.

Die Installation koppelt den physischen Akt des Laufens direkt mit den interaktiven Bildwelten und akustischen Landschaften. Die Projektion zeigt eine Kombination aus Film und 3D-Bildern eines düsteren urbanen Rotterdams. Es erscheinen unterschiedliche nächtliche Szenarien, in denen jegliche menschliche Präsenz fehlt. Der Nutzer wird durch die technische Übertragung seiner Bewegungen zu seinem eigenen Interface. Ganz im Sinne von McLuhan ist das Laufband bei Marnix de Nijs die Ausweitung des menschlichen Körpers.
Die Installation zielt auf eine körperliche Erfahrung zwischen digital und analog und eine Spaltung zwischen Geist und Körper ab. Das Tempo mit dem der Betrachter das Laufband betätigt, hat eine direkte Auswirkung auf die Intensität der ästhetischen Erfahrung. Die physische Erschöpfung ist real und erfahrbar, doch der Effekt nur visuell simuliert, da der Betrachter im Grunde keine Distanz zurücklegt. Wer treibt wen oder was an? Lassen sich Ursache und Effekt im Verhältnis zwischen Mensch und Maschine noch trennscharf unterscheiden? Das Gefühl auf der Flucht zu sein, ist tragendes Element der Erfahrung und versinnbildlicht den immanenten Moment der Gefahr. Hält der Betrachter unmittelbar seinen Lauf an, schleudert ihn das weiterlaufende Band zu Boden. Die Geschwindigkeit und das Risiko sind körperlich erfahrbar und Teil der Erfahrung.

Der niederländische Installationskünstler Marnix de Nijs (*1970) lebt in Peking (CH) und Rotterdam (NL). Er studierte Bildhauerei am Arnhem Institute for the Arts (NL). 2013 wurde er auf der „Prix Ars Electronica“ in Linz (AT) ausgezeichnet. Sein experimenteller Umgang mit Medien und Technologien macht ihn zu einem Pionier im künstlerischen Forschungsfeld. Die Werke werden an zahlreichen internationalen Medienkunstinstitutionen präsentiert.




Perception is Reality: Über die Konstruktion von Wirklichkeit und virtuelle Welten

07.10.2017 — 07.01.2018 | Ausstellung