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Trevor Paglen, Adversarially Evolved Hallucination, 2017, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein, 2018, Foto: N. Miguletz, © Frankfurter Kunstverein, Courtesy the artist and Metro Pictures, New York

Trevor Paglen

Paglen untersucht in seinen neuesten Werkgruppen die politische Dimension von Systemen Künstlicher Intelligenz. KI wird trainiert, indem Menschen sie mit unzähligen Daten füttern, sogenannten Training Sets. Das KI-System lernt durch Ähnlichkeiten und Differenzen Muster zu erkennen und so Objekte oder Begriffe zu identifizieren. Die Daten unterliegen immer einer Vorauswahl und transportieren dadurch kulturelle Beurteilungen und Werte. Diese bestimmen somit implizit Algorithmen, deren Kriterien wir weder nachvollziehen können noch in Frage stellen.

In der Ausstellung zeigt Paglen drei Werke aus der Serie Adversarially Evolved Hallucination. Die Bilder entstanden aus der Interaktion zweier KI-Systeme: einem bilderkennenden und einem bildgenerierenden Algorithmus. In Kooperation mit der Stanford University programmierte Paglen eine Software, für die er eigens Taxonomien entwickelte, also Methoden zur Bildung von Klassen unter Aspekten der Ähnlichkeitsbeziehung. Die Kategorien stammten aus den Bereichen Poesie und Literatur, Psychoanalyse und Wirtschaft. Es entstanden KIs, die Bilder aus den jeweiligen Begriffs-Clustern 'sehen' konnten, so zum Beispiel das Werk Vampire (Corpus: Monster of Capitalism), bei dem monströse Figuren entstanden, die für das menschliche Auge fast metaphorisch wirken.

Darüber hinaus präsentiert Paglen die Videoinstallation Behold these Glorious Times!. Sie veranschaulicht, wie maschinelles Sehen in Deep Neural Networks (neuronalen Netzwerken) ausgebildet wird und was diese in den Bildern sehen. Die Videoarbeit konzentriert sich auf Funktionen, die dem Training von Gesichtserkennung dienen. Emotionen, Gesten und Gesichtszüge werden untersucht und untereinander in Bezug gesetzt. Dafür werden die Bildinhalte in Einzelteile zerlegt und daraus verschiedene Merkmale extrahiert. Das neuronale Netz fügt dann die Einzelteile wieder zusammen und versucht daraus Bedeutung zu erzeugen. Holly Herndon, Künstlerin für elektronische Musik, komponierte den Soundtrack der Arbeit. Hierfür kombinierte sie Stimmproben aus digitalen Archiven, die dazu dienen, lernende Systeme darauf zu trainieren, menschliche Sprache zu erkennen.

Der in New York lebende Künstler Trevor Paglen (*1974) ist einer der wichtigsten Vertreter des Landschaftsbildes im Zeitalter von Big Data. Er studierte Geografie, Kunst und Religionswissenschaften und war in zahlreichen international renommierten Ausstellungen vertreten.

2015 zeigte der Frankfurter Kunstverein die Ausstellung "The Octopus", für die Paglen mit dem Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2016 ausgezeichnet wurde.

I am here to learn: Zur maschinellen Interpretation der Welt

15.02. — 08.04.2018 | Ausstellung

Trevor Paglen: The Octopus

20.06. — 30.08.2015 | Ausstellung

Frankfurter Kunstverein
Steinernes Haus am Römerberg
Markt 44
60311 Frankfurt am Main
Anfahrt

Öffnungszeiten
Festival der jungen Talente:

Do, 3. Mai 2018 – Eröffnung um 20 Uhr
Fr, 4. Mai 2018 – 14-22 Uhr
Sa, 5. Mai 2018 – 14-19 Uhr / 19-02 Uhr: Nacht der Museen (Eintritt nur mit Ticket)
So, 6. Mai 2018 – 14-22 Uhr
Eintritt frei!

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