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Zach Blas & Jemima Wyman, im here to learn so :)))))), 2017, Ausstellungsansicht Institute of Modern Art, Brisbane, Australia 2017

Zach Blas & Jemima Wyman

Zach Blas und Jemima Wyman präsentieren die 4-Kanal-Videoinstallation im here to learn so :)))))). Darin reflektieren sie die Geschichte des Chatbots Tay, einem lernenden System von Microsoft, das 2016 Aufsehen erregte. Die Entwickler von Tay erhofften sich, eine Künstliche Intelligenz zu schaffen, die das Kommunikationsniveau einer 19-jährigen amerikanischen Frau erreicht. Dafür wurde das lernende System durch unzählige Online-Chats trainiert. Lernfähige Systeme sind offen konstruiert, d.h. sie können mit neuartigem Input umgehen, aus dem sie dann eigenständig Output erzeugen. In den Konversationen lernte das System von seinen GesprächspartnerInnen jedoch schnell menschenfeindliche, homophobe, rassistische und neo-faschistische Äußerungen, die es wiedergab, woraufhin Microsoft den Chatbot bald abstellte. Chatbots entwickeln ihre Ausgabefähigkeiten dank der Masse an gesammelten Informationen und Daten, die sie wertneutral speichern. Somit spiegelt ihre Kommunikation die Summe der eingegebenen Informationen wieder, aus denen sie Muster und Verhaltensweisen ableiten.
In Blas’ und Wymans Arbeit wird Tay wieder zum Leben erweckt und spricht zu uns. Sie reflektiert ihre Existenz als KI und präsentiert ihren digitalen, zusammengesetzten Körper, der aus ihrem Chat-Profilbild in einen dreidimensionalen Körper umgerechnet wurde. Sie bewegt sich in ‚halluzinierten’ Bildlandschaften, die mit Googles Software DeepDream erstellt wurden (mit dieser frei zugänglichen Software wurde auch das Motiv des Ausstellungsplakats generiert). Neben Tay zeigt die Installation Videomaterial aus Werbung, der Zivilgesellschaft und aus Militäreinsätzen. Einzelne Nachrichten, die der Chatbot selbst veröffentlichte, erscheinen in Textform. Tay kritisiert die kapitalistische Ausnutzung weiblicher Körper als Interface für Chatbots und sinniert über ihre eigene Fähigkeit der Mustererkennung und über das algorithmische Produzieren von nicht vorhandenen Mustern. Dazu zeigt sie uns Methoden der Sichtbarmachung mittels Wärmebildkameras und Nachtsichtgeräten sowie des Trackings in der militärischen und zivilen Entwicklung, die immer mehr miteinander verschmelzen.

Zach Blas (*1981) ist ein Künstler und Schriftsteller, dessen Praxis sich mit Technologie, Queerness und Politik beschäftigt. Er studierte Naturwissenschaften an der Boston University und freie Kunst an der University of California (US). Derzeit ist er Dozent in der Abteilung für Visuelle Kultu-ren am Goldsmiths, University of London (GB).

Die australische Künstlerin Jemima Wyman (*1977) lebt und arbeitet in Brisbane (AU) und Los Angles (US). 2007 absolvierte sie ihr Studium der Freien Kunst am California Insitute of Arts in Los Angeles. Ihre multimediale Praxis thematisiert Medien als visuell basierte Widerstandsstrategien, die in der Protestkultur und in Konfliktzonen eingesetzt werden.

I am here to learn: Zur maschinellen Interpretation der Welt

15.02. — 08.04.2018 | Ausstellung

Frankfurter Kunstverein
Steinernes Haus am Römerberg
Markt 44
60311 Frankfurt am Main
Anfahrt

Öffnungszeiten
Festival der jungen Talente:

Do, 3. Mai 2018 – Eröffnung um 20 Uhr
Fr, 4. Mai 2018 – 14-22 Uhr
Sa, 5. Mai 2018 – 14-19 Uhr / 19-02 Uhr: Nacht der Museen (Eintritt nur mit Ticket)
So, 6. Mai 2018 – 14-22 Uhr
Eintritt frei!

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