Die Stadt als performativer Raum. Francis Alys’ Praxis des Umherstreifens

29.09.2010

Das Umherstreifen im Stadtraum ist die zentrale Praxis des belgischen Konzeptkünstlers Francis Alys, der seit zwanzig Jahren in Mexiko Stadt lebt und arbeitet. Die auf seinen Streifzügen gesammelten Motive und Fundstücke verdichtet er in Fotografien, Performances und Videos zu Bildern des urbanen Raums.

Alys’ Arbeiten mit zahlreichen Referenzen an künstlerische Positionen der 1960er und 70er Jahre sind an der Grenze zwischen ‚Kunst und Leben‘ angesiedelt: Nach frühen plastischen und performativen Arbeiten – die als Spuren im Gefüge der Großstadt angelegt sind – kommt der belgische Künstler zu raumgreifenden Werken, die die Stadt selbst als performativen Raum erscheinen lassen. Der Vortrag diskutiert Alys’ Interpretationen des urbanen Raums, die nicht in einem einheitlichen Bild aufgehen, sondern eigene politische und ästhetische Dynamiken behaupten. Wie setzt der belgische Künstler dabei Fiktion und ‚Realität‘ in Szene? Welche Möglichkeiten bieten aktuelle Ansätze der Stadt- und Raumforschung, um das Spezifische seiner urbanen Raumkonzeptionen zu bestimmen? Nach einer Einführung in das Werk konzentrierte sich der Vortrag auf die fotografischen Arbeiten von Alys, die sich mit den gesellschaftlichen und politischen Realitäten von Mexiko Stadt befassen.

Ursula Grünenwald (geb. 1976) studierte Kunstgeschichte, Soziologie und Philosophie in Heidelberg und Frankfurt am Main. Nach Abschluss des Soziologiestudiums mit den Schwerpunkten Gender Studies, Kritische Theorie und Internationale Politik, arbeitete sie mehrere Jahre in entwicklungspolitischen Organisationen. Seit 2006 promoviert sie am kunsthistorischen Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main zu dem Thema „Francis Alys: Umherstreifen als künstlerische Praxis“.