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	<title>Ordnung | Frankfurter Kunstverein</title>
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		<title>Gintarė Sokelytė, A-Type-Complex und 25</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2024 14:02:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[A-Type Complex, 2024 Installation Baugitter, Steinkohle, Spiegelfolie, Bildschirm, Skulpturenserie aus Hasendraht, Gips und Motoröl Höhe 255 cm / ⌀ 260 cm 25, 2024 Wandskulptur Styropor, Eisendraht, Metall, verschiedene Kunststoffe, Motoröl 5 x 1,8 m Courtesy die Künstlerin A-Type Complex heißt die Halbkugel, Iglu-artig, welche aus geborgenen rostigen Baugittern geflochten mittig im Raum steht. Menschliche Figuren <a href="https://www.fkv.de/gintare-sokelyte-a-type-complex-und-25/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>A-Type Complex</em><em>, </em>2024<br />
Installation <em><br />
</em>Baugitter, Steinkohle, Spiegelfolie, Bildschirm, Skulpturenserie aus Hasendraht, Gips und Motoröl<br />
Höhe 255 cm / ⌀ 260 cm</p>
<p><em>25</em><em>, </em>2024<br />
Wandskulptur<em><br />
</em>Styropor, Eisendraht, Metall, verschiedene Kunststoffe, Motoröl<br />
5 x 1,8 m</p>
<p>Courtesy die Künstlerin</p>
<p><em>A-Type Complex</em> heißt die Halbkugel, Iglu-artig, welche aus geborgenen rostigen Baugittern geflochten mittig im Raum steht. Menschliche Figuren befinden sich aufrecht oder sitzend in ihrem Inneren. Sie sind weder weiblich noch männlich, keine Individuen, sondern Formen des Menschseins. Ihre Körper sind offen, roh und durchlässig. Sie erinnern an Überlebende einer Katastrophe. Das Material, aus dem Gintarė Sokelytė sie schafft, ist Gips – formbar und porös zugleich. Sokelytė hat die Figuren mit dem ausgebrannten Maschinenöl von Motoren bemalt. Das mineralische Öl ist zähflüssig, toxisch und gleichzeitig die Flüssigkeit, mit der das Triebwerk des Industriezeitalters am Laufen gehalten wurde.</p>
<p>Der Boden ist bedeckt mit Steinkohle, aus der heraus die Menschen sich erheben. Die Leiber sind hohl, zerfressen und wie durch einen Brand auf ihre essenzielle Figur reduziert. Unter ihnen ein Monitor. Der Lauf der Zeit tickt unerbittlich weiter und springt dann doch immer wieder auf einen Ausgangspunkt zurück. Zeit nimmt einen besonderen Stellenwert in Sokelytės Arbeit ein. <em>The Tyranny of the Clock</em> des Schriftstellers George Woodcock fasziniert die Künstlerin. Zeit, Taktung und Vermessung als unterscheidendes Merkmal zwischen frühen Gesellschaften und den Menschen in der Moderne. Und Zeit als Struktur und Ordnung, die das Leben und die Erfahrung von Individuen bestimmt. Über dem Gitter-Iglu hängt ein Spiegel, der die halbkugelhafte Form doppelt. In der Spiegelung deutet sich die Erinnerung an eine Sanduhr an. Zeit und Vergänglichkeit, Vergangenes und immer Wiederkehrendes als ewige Prinzipien allen Lebens.</p>
<p>Der letzte Teil der Großinstallation besteht aus einer 5 Meter langen Wandskulptur. <em>25</em> lautet der Titel des schwarzen, dreidimensionalen Werkes. Ein dichtes Gebilde aus Architektur, geometrischen Strukturen, Ruinen aus Gitter und Stein und einem Menschenstrom, der sich durch die Konstruktion windet. In seiner Verdichtung und Überlagerung erinnert das Werk an ein mittelalterliches Altarbild. Abstrakt und doch konkret. Gintarė Sokelytė hat es aus Fundmaterialien gebaut. Aus den Werkstoffen, die die Stadt selbst hervorbringt, verwendet und zurücklässt.</p>
<p>Die Künstlerin schreibt jedem ihrer Materialien einen starken erzählerischen Wert zu. So ist das Wandbild, ebenso wie die menschlichen Figuren, nicht mit Farbe bemalt, sondern geschwärzt durch den schichtweisen Auftrag von verbranntem Motoröl. Dieser toxische Stoff ist ein Restabfall industrieller Produktion. Aus der Verbrennung der Motoren. Ein Schmieröl, das, nicht abbaubar, an den Menschen klebt. Auch die Steinkohle stellt für die Künstlerin einen assoziativ dichten Stoff dar. Das Material vereint in sich die Zeit – die Urzeit ihrer erdgeschichtlichen Entstehung seit über 350 Millionen Jahren, es war Katalysator der menschlichen Energiegewinnung, von der Frühzeit bis zur Industrialisierung im Zeitalter der Maschinen und dann als Rohstoff und Treiber toxischer Umweltauswirkungen.</p>
<p>Wie wirkt das Vergangene ins Heute, wie ist das Zukünftige im Jetzt schon angelegt? Gintarė Sokelytė hat für die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein eine verblüffende und monumentale Welt geschaffen. Ihre Bildräume sind Erlebniswelten, die Assoziationen öffnen und die Betrachter bis ins Mark ihrer emotionalen Schattenwelt zu treffen wissen. Sokelytė denkt in Bildern und arbeitet mit ganz eigenen Referenzen. Wie ein Aby Warburg stellt sie ihren Bildatlas – ihren <em>Mnemosyne-Atlas</em> &#8211; zusammen, aus dem sie ihre Großinstallationen speist.</p>
<p>Sie ist eine Suchende, die danach strebt, Wissen zu erlangen, Verbindungen herzustellen, um das zu ergründen, was die Welt, was die Menschheit, was die Ewigkeit der Zeit im Innersten zusammenhält.</p>
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		<title>Gintarė Sokelytė, * (Asterisk) </title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2024 14:02:26 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[* (Asterisk), 2023–24 Rauminstallation Gips, Äste, Holz, Jutestoff 40 m2, Höhe 2,5 m Videoinstallation Fünf Videos 7:04 min, 3:44 min, 6:15 min, 4:21 min, 11:00 min Holz, MDF, Karton, Papier, 5 Bildschirme 3 x 3 x 3 m Skulptur Metall 92 x 68 x 210 cm Courtesy die Künstlerin Der Körper ist eine materielle Einheit, <a href="https://www.fkv.de/gintare-sokelyte-asterisk/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>* (Asterisk)</em><em>, </em>2023–24<em><br />
</em>Rauminstallation<em><br />
</em>Gips, Äste, Holz, Jutestoff <em><br />
</em>40 m<sup>2</sup>, Höhe 2,5 m</p>
<p>Videoinstallation<br />
Fünf Videos 7:04 min, 3:44 min, 6:15 min, 4:21 min, 11:00 min<br />
Holz, MDF, Karton, Papier, 5 Bildschirme<br />
3 x 3 x 3 m</p>
<p>Skulptur<br />
Metall<br />
92 x 68 x 210 cm</p>
<p>Courtesy die Künstlerin</p>
<p>Der Körper ist eine materielle Einheit, mit der das Individuum im Hier und Jetzt die Zeit bewohnt. Aber was macht unsere Existenz aus? Was ist das Unreduzierbare und das Wesentliche menschlichen Seins? Was ist der Mensch, wenn er nicht von seinen selbst geschaffenen Ordnungsstrukturen getaktet wird?</p>
<p>Für ihre neue Ausstellung hat Gintarė Sokelytė eine in sich geschlossene Welt erbaut. Sie entrückt die Betrachter:innen aus der gewohnten Wahrnehmung und entlässt sie in eine konstruierte Parallelwelt. Wie durch ein <em>rabbit hole</em> gelangen wir nur durch den Aufzug in sie hinein. Die Tür öffnet sich und wir stehen in einer vorzeitlichen Höhle. Sokelytė hat einen Teil der südafrikanischen Blombos Höhle anhand von wissenschaftlichen 3D Modellen aufwendig nachgebaut. Blombos ist die älteste steinzeitliche Fundstätte, in der Zeugnisse menschlicher Kreativität und Kultur entdeckt worden sind. Gravuren in Stein von sich kreuzenden Linien, ausgemalt mit Ockerfarbe und zahlreiche Artefakte zeugen davon, dass vor 71.000 Jahren <em>Homo sapiens</em> abstrakt dachten. Sie mussten die Fähigkeit besitzen, sich etwas vorzustellen, zu synthetisieren und zu visualisieren. Das Ergebnis war deren Felskunst. Es sind Spuren menschlicher Wesen aus der Urzeit und deren Bedürfnis Abbilder und Symbole zu schaffen, die von reichen Innenwelten zeugen.</p>
<p>Diese ersten Zeugnisse von durch Menschen geschaffener Kunst, die erste visuelle Sprache der Urmenschen, greift Gintarė Sokelytė auf. <em>* (Asterisk)</em> ist der Titel der multimedialen Installation, die der Höhle gegenübersteht. Das Ursymbol prähistorischer Felskunst gab ihr den Anstoß zur Schaffung ihrer Metallskulptur. Sokelytė hat sie in der Größe eines menschlichen Körpers geschweißt, dieses wiederkehrende Zeichen der Menschheit – von der Blombos Höhle bis in die digitale Welt auf jeder Tastatur zu finden. An den Metallstern hat die Künstlerin fünf Menschen, fünf Freiwillige, an Armen und Beinen festgebunden. An der kreuzhaften Skulptur gefesselt, führt Gintarė Sokelytė eine Befragung durch. Zu Angst, Macht und Ordnung: wie beschreibst Du Angst? Vor was hast Du am meisten Angst? Was, wenn dies eintrifft? Was ist Macht? Wem ist es erlaubt, Macht auszuüben? Beschreibe Deine Auffassung von Ordnung. Wie fühlst Du Dich, wenn die Realität Dir entgleitet? Welche Kräfte lassen Dich Machtlosigkeit empfinden?</p>
<p>In einer ständigen, kreislaufartigen Wiederholung wurden die fünf Menschen befragt. Jeder spricht in seiner jeweiligen Muttersprache. Die Personen ließen es zu, dass ihre Körper einem äußeren Zwang unterworfen wurden. Schutzlos dem Auge der Kamera ausgesetzt, schmerzten ihre Leiber durch die auf ihr Gewicht ausgeübte Schwerkraft. Der Einwirkung dieser äußeren Macht lieferten sie sich aus, bis sie in einem entrückten Zustand der Essenzialität einen tieferen Einblick in die eigene Wahrnehmung von Gesellschaft und dem Selbst erlangten.</p>
<p>Entstanden sind fünf Filme, die Teil einer großen geometrischen Skulptur sind. Einem Dodekaeder – einer geometrischen Konstruktion mit zwölf gleichgroßen Flächen und dreißig gleichlangen Kanten. Betrachter:innen können in die von den fünf Monitoren grell erleuchtete Form eintreten und den fünf Menschen zuhören, wie sie zu Angst, Macht und Ordnung ihr Innerstes befragen. Der Dodekaeder ist eine von fünf geometrischen platonischen Formen. Platon hat sie alle als grundlegende geometrische Figuren seinem Weltbild zugeordnet und deren Bedeutung ist bis heute grundlegend für Mathematik und Wissenschaft. Durch seine vollendete Symmetrie wird der Dodekaeder als der heiligste der fünf platonischen Körper angesehen. Der Goldene Schnitt findet sich mehrfach darin wieder. Zu Platons Zeit war es Menschen sogar verboten über die Figur zu sprechen. Sie symbolisierte die Weltseele (Äther) und das Universum. Seine zwölf Flächen schaffen eine Verbindung zu einer Zahl, die für menschliche Systeme besondere Bedeutungen hat: die zwölf Tierkreiszeichen, die Anzahl der Monate oder der Stunden in der Zeiteinheit bis hin zu den zwölf Aposteln. Der Dodekaeder bildet für Gintarė Sokelytė einen konzeptionellen Gegenpol zur Ursprünglichkeit der Höhle.</p>
<p>In seinem Inneren ist er mit zahlreichen Textkopien ausgekleidet. Sokelytė hat antike bis heutige Codex Texte recherchiert und ausgedruckt. Fast zweihundert internationale Staatsverfassungen und an die vierzig Gesetzessammlungen, von der Prähistorie bis in die Gegenwart, zeitlich angeordnet und meist in ihrer ursprünglichen Nationalsprache. Für die Künstlerin stehen sie für das menschliche Ringen um Struktur. Gesetze sind Schutz und Beschränkung gleichermaßen. Sie definieren einen Übergang in der Menschheitsgeschichte hin zu der normativen Ordnung für das gemeinschaftliche Leben. Sokelytė forscht nach einem zeitlosen Drang, mit dem sich der Mensch gegen das Ungewisse durch Ordnung und Form widersetzt.</p>
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