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	<title>Veränderung | Frankfurter Kunstverein</title>
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		<title>La Caoba (Larry Bonćhaka und Sopo Kashakashvili)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Feb 2025 10:19:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[La Caoba, 2025-fortlaufend Performative Installation Maße variabel Mit Beiträgen von Anna Pezzoli, Tracy Naa Koshie Thompson, Elene Gelovani und Lizi Kashakashvili Realisiert dank der Unterstützung von Sonja Prochorow, Samuel Götschin, Leonie Englert und Romildo Olympio Courtesy der Künstler:innen La Caoba ist eine globale off-the-grid Bewegung, die von Larry Bonćhaka (*1994, Accra, GH) und Sopo Kashakashvili <a href="https://www.fkv.de/la-caoba-larry-bonchaka-und-sopo-kashakashvili/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>La Caoba</em>, 2025-fortlaufend</p>
<p>Performative Installation</p>
<p>Maße variabel</p>
<p>Mit Beiträgen von Anna Pezzoli, Tracy Naa Koshie Thompson, Elene Gelovani und Lizi Kashakashvili</p>
<p>Realisiert dank der Unterstützung von Sonja Prochorow, Samuel Götschin, Leonie Englert und Romildo Olympio</p>
<p>Courtesy der Künstler:innen</p>
<p>La Caoba ist eine globale <em>off-the-grid</em> Bewegung, die von Larry Bonćhaka (*1994, Accra, GH) und Sopo Kashakashvili (*1994, Tiflis, GE) ins Leben gerufen wurde und sich für die Wiederherstellung der Umwelt, die nachhaltige Entwicklung der Gemeinden und die Stärkung der Wirtschaft einsetzt. Durch die Integration groß angelegter Aufforstungsprojekte mit gemeinschaftlich geführten Initiativen zielt La Caoba darauf ab, sich selbst erhaltende Ökosysteme zu schaffen, in denen Mensch und Natur gemeinsam gedeihen.</p>
<p>Im Frankfurter Kunstverein wächst ein lebendiger Raum heran. Ein gemeinsamer Esstisch steht im Mittelpunkt – ein Ort, an dem das Brot gebrochen und Brücken geschlagen werden. Workshops, forschungsbasierte Beiträge/künstlerische Recherchen und Materialien rund um Landwirtschaft und um den Handel und Transport von Lebensmitteln beleben den Raum im Verlauf der Ausstellung <em>And This is Us 2025</em>. Wir arbeiten mit örtlichen Landwirt:innen, Umweltstiftungen und weiteren kreativen Menschen zusammen, die wie wir tief in den Rhythmen der Natur verwurzelt sind und die Umwelt und Lebensmittel als Orte der Heilung und der Hoffnung neugestalten wollen.</p>
<p>Unsere Präsentation beinhaltet externe Beiträge von Anna Pezzoli, Tracy Naa Koshie Thompson, Elene Gelovani und der Designerin und Architektin Lizi Kashakashvili und wurde realisiert dank der Unterstützung von Sonja Prochorow, Samuel Götschin, Leonie Englert und Romildo Olympio. Gemeinsam verwandeln wir diesen Raum in ein lebendiges Ökosystem – eine gemeinsame Basis für Dialog, Aktion und kollektives Träumen.</p>
<p>Unser gemeinsamer Hunger nach Veränderung brachte uns zusammen. Durch die universellen Sprachen der Musik und des Kochens fanden wir nicht nur eine gemeinsame Basis, sondern auch einen gemeinsamen Herzschlag. Das Vertrauen in die Ideen und Projekte der anderen wuchs organisch, so dass wir ein Geflecht der Zusammenarbeit webten, welches zu einem Kollektiv wurde. Indem wir Menschen mit unterschiedlichen Leidenschaften zusammenbrachten, lernten wir, gemeinsam zu recherchieren, Performances zu entwickeln, Interventionen zu inszenieren, Vorträge zu halten und etwas aufzubauen, das größer ist als wir selbst – eine Familie.</p>
<p>Doch die Fragen, die uns antreiben, sind nach wie vor dringend und unnachgiebig: Wie kann Kunst zu einer lebendigen, atmenden Kraft der Veränderung werden? Welche Arten von Gemeinschaften formen wir, wenn wir Menschen über die Grenzen hinweg zusammenbringen?</p>
<p>Unsere Arbeit beginnt immer mit dem Persönlichen – unseren eigenen Geschichten, unseren Autobiografien. Wir tauschen Ideen aus, graben in Archiven und beschäftigen uns mit Objekten, Architektur und Raum als Orte der Aktivierung. In einer Welt, die durch Spaltung und Angst zerrissen ist, wurzelt unser Widerstand in der Praxis und im Austausch unserer Traditionen. Für uns ist Widerstand keine große Geste, sondern ein intimer Akt – eine gemeinsame Mahlzeit, ein Gespräch, ein Samen, der von Hand zu Hand weitergegeben wird.</p>
<p>Mit La Caoba, unserem Projekt und unserer Bewegung, richten wir unser Augenmerk auf Ghana, wo die Abholzung der Wälder eine Krise darstellt, die sofortiges Handeln erfordert. Dies ist nicht nur ein Umweltproblem, es ist ein Kampf ums Überleben, um das Erbe, um die Zukunft. Ihre Anwesenheit und Ihre Unterstützung sind nicht nur wertvoll &#8211; sie sind lebenswichtig. Schließen Sie sich uns an, wenn wir die Aromen Georgiens und Ghanas miteinander teilen und die Heilung der Vorfahren in einen globalen Wandteppich einweben.</p>
<p>Lebensmittel sind unsere Waffe des Widerstands und der Erneuerung. Durch den Austausch von Konservierungstechniken, Rezepten und Gewürzen beseitigen wir Grenzen &#8211; sowohl physische als auch metaphorische. Wir lehnen Kategorisierung und Trennung ab und laden Sie stattdessen zu Zeremonien des „Wurzelteilens“ und zu kollaborativen Kunstpraktiken ein, die Verbindung statt Trennung feiern.</p>
<p>Handel, Austausch und Gewerbe waren schon immer das Lebenselixier des menschlichen Überlebens und der Gemeinschaft. Wir fordern diese Handlungen zurück und verleihen ihnen einen Sinn. Diese Ausstellung ist nicht nur eine Präsentation, sie ist ein Aufruf zum Handeln, eine Plattform für den Wandel.</p>
<p>La Caoba &#8211; Mahagoni auf Deutsch &#8211; ist mehr als nur ein Baum. Es ist die Verkörperung der Widerstandsfähigkeit. Das in den Tropen beheimatete Mahagoni wurde zu Möbeln, Booten und Musikinstrumenten verarbeitet, und seine Stärke zeugt von seinem Wert. Und doch hat genau diese Stärke zu seinem Niedergang geführt. La Caoba ist auch der zweite Vorname unseres Sohnes, ein Symbol für Wachstum und Vermächtnis. Mit der Unterstützung unseres Projekts leisten Sie einen Beitrag zu einem Wiederaufforstungs- und Skulpturenparkprojekt in Prampram, Ghana, im Großraum Accra &#8211; ein lebendiges Denkmal der Regeneration.</p>
<p>Text von Sopo Kashakashvili und Larry Bonćhaka</p>
<p><strong>WARUM LA CAOBA IHRE UNTERSTÜTZUNG BENÖTIGT</strong></p>
<p>Eingebettet in die Küstenstadt Prampram, Ghana, liegt dieses wertvolle Stück Land – reich an Biodiversität, kulturellem Erbe und natürlicher Schönheit. Benannt nach den majestätischen Mahagonibäumen (<em>caoba</em> auf Spanisch), die einst hier wuchsen, war dieses Gebiet ein Rückzugsort für Wildtiere, eine Quelle heilender Pflanzen und ein unverzichtbarer grüner Raum für die lokale Gemeinschaft.</p>
<p>Doch im Laufe der Jahre haben unkontrollierte Bebauung und Landraub das empfindliche Gleichgewicht von Pflanzen- und Bodenleben bedroht. Wälder wurden gerodet, Feuchtgebiete trockengelegt, Wildtiere verdrängt – und so steht dieses ökologische Juwel kurz davor, für immer verloren zu gehen.</p>
<p>Aber es gibt noch Hoffnung. Wir setzen uns mit aller Kraft dafür ein, dieses Land vollständig zu erwerben und dauerhaft zu schützen – als Zufluchtsort für die Natur, als CO₂-Speicher und als lebendiges Vermächtnis für kommende Generationen. Durch die Sicherung des Landes können wir seine Ökosysteme wiederherstellen, nachhaltige Landwirtschaft fördern und ein Modell für gemeinschaftlich getragene Naturschutzprojekte schaffen.</p>
<p>Dieses Land ist mehr als nur Boden – es ist unser Erbe, unsere Umwelt und unsere Zukunft. Mit Ihrer Unterstützung können wir es wieder zum Leben erwecken – mit Pflanzen, Wasser und Tierwelt.</p>
<p>Unser Ziel ist es, ein etwa 4.000 Quadratmeter großes Grundstück vollständig zu erwerben, den Boden zu regenerieren, Bäume wie Akazien als natürlichen Windschutz zu pflanzen, Betreuer:innen auszubilden und einen Brunnen zu graben, da es in dieser Region bislang keinen Zugang zu Wasser gibt. Um das Wiederaufforstungsprojekt voranzubringen, benötigen wir 25.000 Euro.</p>
<p><strong>UNSERE ZIELE UND WOZU WIR UNS VERPFLICHTEN</strong></p>
<ul>
<li>Erwerb eines 4.000 Quadratmeter großen Grundstücks – 15.000 Euro</li>
<li>Bodensanierung mit Kompost und stickstoffbindenden Pflanzen – 2.500 Euro</li>
<li>Pflanzung von Bäumen wie Akazien, Eichen und Mahagoni als natürlicher Windschutz – 3.000 Euro</li>
<li>Gartenbau-Schulung für Betreuer:innen (Dauer: 3 Monate) – 2.500 Euro</li>
<li>Schaffung eines Wasserzugangs für die Gemeinschaft, Pflanzenwelt und Tierwelt – 2.000 Euro</li>
</ul>
<p>Mit Ihrer Unterstützung – durch den Kauf von Naturprodukten von La Caoba und Spenden über GoFundMe – können wir sicherstellen, dass neues Leben entsteht und die Menschen in Prampram inspiriert werden, Teil dieser Bewegung zu werden.</p>
<p><strong>Spenden Sie jetzt</strong> und werden Sie Teil dieser wichtigen Mission!</p>
<p>GoFundMe-Link: <a href="https://gofund.me/fb6c6e79">https://gofund.me/fb6c6e79</a></p>
<p><strong>Vielen Dank!</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Anna Pezzoli</strong></p>
<p><em>Aliveness</em>, 2025</p>
<p>Sojabohnensprossen führen im Inneren eines Aquariums die Choreografie mit dem Titel <em>Aliveness</em> (<em>Lebendigkeit)</em> auf.<br />
Geleitet von der Pumpe – dem pulsierenden Herzen, das durch Luftstöße den Rhythmus vorgibt – drehen sie sich in stillen Schleifen.<br />
Der Blick wird hineingezogen, verführt von der Transparenz, sicher an seinem trockenen Ort.<br />
Diese keimenden Samen stecken im Kreislauf fest. Ist das Drehen eine Überlebensstrategie? Was, wenn wir aufhören? Wäre Wurzeln schlagen vielleicht fruchtbarer? Würde die Ruhe neue Formen des Wachstums ermöglichen?</p>
<p><strong>Tracy Naa Koshie Thompson</strong></p>
<p><em>Kanzo Caves</em>, 2025</p>
<p>Die <em>Kanzo-Höhlen</em> sind Teil meiner topografischen Erkundung der Mikrowelten der Lebensmittel. „Kanzo“ bedeutet in der ghanaischen kulinarischen Tradition ‚verkohlter Reis‘, der sich am Boden von Töpfen bildet. Die digitalen Landschaften für diese Virtual-Reality-Erkundung entstehen durch eine Kombination aus Digital Elevation Modelling und Mikroskopie modifizierter Lebensmittel. Ich verändere Lebensmittel aus Reis, Weizen und Hirse zu unterschiedlichen Kristallisationsstrukturen, die anschließend in digitale Formen zurückübersetzt werden. Dieses Werk verschmilzt und hinterfragt die Genres Stillleben und Landschaft, um sich mit der gemeinsamen Morphogenese und Ökologie der Dinge auf unterschiedlichen Maßstabsebenen auseinanderzusetzen – einschließlich mikrobiellen Lebens und ungewöhnlicher Formen. Auf den digitalen Terrains erscheinen auch die Körper von Buchläusen, die als Teil des Ökosystems die von mir verwendeten Lebensmittel zersetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Larry Bonćhaka und Sopo Kashakashvili arbeiten als künstlerisches Duo zusammen und verbinden in ihrer Arbeit kulinarische Praktiken, theoretische Forschung und Improvisation, um partizipative Erfahrungen zu schaffen. Beide sind Gründungsmitglieder des Künstler:innen- und Architekt:innenkollektivs commune6x3 und haben ihr Studium an der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main (DE) absolviert, Bonćhaka 2023 und Kashakashvili 2024.</p>
<p>Ihre Performances und Interventionen wurden u.a. im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden e.V., Wiesbaden (DE), den Opelvillen, Rüsselsheim (DE), dem Theater der Welt, Frankfurt am Main (DE), der Kressmann Halle, Offenbach am Main (DE), dem Diamant Museum of Urban Culture, Offenbach am Main (DE), der Documenta 15 mit commune6x3, Kassel (DE), dem Künstler*innenhaus Mousonturm, Frankfurt am Main (DE) und den Royal Parade Grounds, Kumasi (GH) präsentiert. Sie haben auch Interventionen im öffentlichen Raum geschaffen, Dinner-Performances veranstaltet, an Modenschauen gearbeitet und 2024 ein mobiles Skulpturenpark-Projekt in Kumasi (GH) initiiert.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bending the Curve – Eine Einführung von Franziska Nori (Co-Kreation Kunst)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Oct 2023 08:49:39 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Bending the Curve – Wissen, Handeln [Für&#124;Sorge für Biodiversität Co-Kreation Kunst: Franziska Nori WARUM CO-KREATIONEN? Bending the Curve schließt sich an eine Reihe von Ausstellungen (Trees of Life – Erzählungen für einen beschädigten Planeten 2019/2020, Die Intelligenz der Pflanzen 2021/2022) an, in denen der Frankfurter Kunstverein mit internationalen naturwissenschaftlichen Forschungsinstituten und zeitgenössischen Künstler:innen zusammenarbeitet, um <a href="https://www.fkv.de/bending-the-curve-eine-einfuehrung-von-franziska-nori-co-kreation-kunst/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Bending the Curve – Wissen, Handeln [Für|Sorge für Biodiversität</em></strong><br />
<strong>Co-Kreation Kunst: Franziska Nori</strong></p>
<p><u>WARUM CO-KREATIONEN?</u></p>
<p><em>Bending the Curve</em> schließt sich an eine Reihe von Ausstellungen (<em>Trees of Life – Erzählungen für einen beschädigten Planeten</em> 2019/2020, <em>Die Intelligenz der Pflanzen</em> 2021/2022) an, in denen der Frankfurter Kunstverein mit internationalen naturwissenschaftlichen Forschungsinstituten und zeitgenössischen Künstler:innen zusammenarbeitet, um eine Vielzahl von Aspekten rund um die Frage der sozial-ökologischen Transformation und des sich verändernden Verhältnisses zwischen Mensch und Natur gezielt zu untersuchen.</p>
<p>Diese Ausstellung entsteht angesichts der Erkenntnis, dass die weltweite Artenvielfalt seit Jahrzehnten in alarmierendem Maße abnimmt. Um diesen Abwärtstrend aufzuhalten oder umzukehren, ist es wesentlich, zu wissen, was getan werden kann, noch wesentlicher ist es aber, ins aktive Handeln überzugehen. „Klimawandel bestimmt, wie wir leben, Artensterben bestimmt, ob wir in Zukunft überhaupt überleben“, so fasst Katrin Böhning-Gaese die Komplexität der Krisen prägnant zusammen. <em>Bending the Curve</em> entsteht in der Hoffnung und aus der Überzeugung, für einen noch möglichen Wandel öffentlich einzutreten.</p>
<p>Seit der Ausstellung <em>Trees of Life</em>, unserer ersten Kooperation mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, sind Katrin Böhning-Gaese und ich fortwährend im Gespräch geblieben. Uns vereint eine tief empfundene Dringlichkeit, nicht darin nachzulassen, immer wieder Menschen dafür zu begeistern, sich für den Erhalt der Schönheit und Vielfalt von Leben auf diesem Planeten einzusetzen. Jede durch ihre Kompetenz und ihre Netzwerke. So haben wir uns entschlossen, diese Ausstellung gemeinsam anzugehen und diesen Weg mit zahlreichen Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Entwickler:innen transformativer Ansätze zu beschreiten.</p>
<p>Katrin Böhning-Gaeses Blick ist der einer profunden Kennerin der Zusammenhänge von Biodiversität. Nicht nur ihre Arbeit als Wissenschaftlerin, als Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums und als Trägerin des Deutschen Umweltpreises 2021, sondern auch ihr Engagement als Expertin in politischen Beratungsgremien und internationalen Foren macht sie zu einer Fachfrau im Kampf um den Erhalt der Artenvielfalt.</p>
<p>Der Frankfurter Kunstverein versteht sich als kulturelles Forum in der Mitte der Gesellschaft, in dem Künstler:innen und Expert:innen aus verschiedenen Bereichen sich mit unterschiedlichen Akteur:innen aus der Zivilgesellschaft austauschen können, um mit den Mitteln der Kunst und des bildhaften Denkens einen öffentlichen Diskurs zu führen und politisches Handeln herauszufordern.</p>
<p><u>KUNST UND WISSENSCHAFT IN DER VERANTWORTUNG</u></p>
<p>Seit Jahren steht die kuratorische Arbeit des Frankfurter Kunstvereins für Ausstellungen, die die Visionen von Wissenschaft und Kunst gleichberechtigt würdigt. Es sind wesentliche gesellschaftliche Themen, die aus deren Perspektiven immer wieder eingehend untersucht und befragt werden.</p>
<p>Wissenschaft ist ein System, um kausale Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten zu beobachten und zu kategorisieren. Sie ist methodisch und prozesshaft und unterliegt Regeln, um diese Erkenntnisse nachvollziehbar zu veranschaulichen. Wissenschaft kann Vergangenes analysieren, aber auch Prognosen entwickeln. Durch bestehende Evidenzen, Daten und Informationen erstellt sie Modelle. <em>Bending the Curve</em> ist das Resultat unzähliger Informationen, die Zukunftsszenarien aufspannen. Hier bringen Wissenschaftler:innen das vorhandene Wissen in den öffentlichen Diskurs ein, damit gesellschaftliches und politisches Handeln immer wieder anders und aktuell diskutiert und danach ausgerichtet werden kann.</p>
<p>Kunst erzeugt ebenfalls Wissen. Ein Wissen, das die Ebene der Information und Faktizität erweitert, und zwar um die Erfahrung eines Erfühlens. Kunst entwickelt so eine transformative Macht. Für jede:n Einzelne:n als Kontemplation und somit als privater Akt und, darüber hinaus, für Gemeinschaften als Symbol. Kunst kann die Wirklichkeit mit gänzlich unabhängigen Verfahren untersuchen und Realität unvertraut und anders darstellen. Sie schafft Bilder und Erzählungen, die die Welt der menschlichen Imagination subversiv verändern können.</p>
<p>Denker:innen und Wissenschaftler:innen wie Donna Haraway, Anna Lowenhaupt Tsing, Frédéric Lenoir, Stefano Mancuso, Andreas Weber und viele weitere vermitteln uns, dass diese Transformation nicht nur über den Intellekt, über das Wissen um makroökologische Aspekte oder Modellierungen allein, geschieht. Sie erzählen Geschichten von Individuen, von einzelnen Lebewesen, die sie beobachten und kennenlernen. Sie erzählen von Verbindungen zwischen den Arten und von Formen der Verständigung. Wer will, kann darin eine Art von Ode an die Liebe zu allem Lebendigen herauslesen sowie die Erkenntnis, dass das Leben so furchtbar fragil, so furchtbar vergänglich und so furchtbar einmalig ist. Nicht jedem Menschen gelingt es, empathisch auf Mitlebewesen zu schauen. Ich bin der Überzeugung, dass die Fähigkeit, sich einzufühlen und eine Achtung vor allem Lebenden zu empfinden, Teil der Transformation und ein sogenannter Deep Leverage Point ist. Es führt zu der Frage nach Ethik und Verantwortung, wenn wir über andere Lebewesen verfügen und ihr Recht auf Leben missachten. Und es führt zu der Frage nach Machtgefügen. Die Künste leisten hier bereits einen nicht unwesentlichen Beitrag für dieses Bewusstsein.</p>
<p>Das Werk wird zu Kunst, wenn die künstlerische Untersuchung mehr ist als eine objektive Feststellung und gleichzeitig auf mehr verweist als auf das subjektiv Erlebte.</p>
<p>Die Ausstellung <em>Bending the Curve</em> möchte nicht den Abgesang auf den Planeten anhand dystopischer Narrative perpetuieren, sondern im Gegenteil denjenigen Stimmen der Kunst und der Wissenschaft folgen, die konkrete Wege aufzeigen, welche Handlungsmöglichkeiten jede:r Einzelne, aber auch Unternehmen, politische Akteur:innen und die gesamte Gesellschaft umsetzen können, um eine Wiederherstellung von Ökosystemen und Biodiversität anzustreben.</p>
<p><u>KNOWING, ACTING, CARING FOR BIODIVERSITY</u></p>
<p>Zunächst einige Gedanken zum Untertitel der Ausstellung <em>Bending the Curve</em>, den wir im Laufe der zweijährigen Recherchen zu einer programmatischen Setzung gewählt haben: <em>Wissen, Handeln, [Für]Sorge für Biodiversität</em> (im Englischen <em>Knowing, Acting, Caring for Biodiversity</em>). Er wurde für die kuratorische Arbeit zu einem wesentlichen Prisma, das die zugrunde liegende Haltung und die Auswahl der Exponate bestimmt hat. Die Werke der eingeladenen Künstler:innen stehen für mehr als nur symbolhafte Verweise. Die Auswahl haben wir getroffen, um exemplarische Projekte und Initiativen vorzustellen, die sich einer sozial-ökologischen Transformation aktiv verschrieben haben.</p>
<p>Denn rund um den Planeten haben sich Menschen auf den Weg gemacht, Teil des Wandels zu werden. Die meisten Exponate in  sind in einer Haltung und mit der Idee der Co-Creation entstanden: mit anderen Menschen, aber auch mit nicht-menschlichen Lebewesen. Die eingeladenen Künstler:innen suchen nach Wegen, die Ausbeutung planetarer Materialien und Lebewesen zu überwinden. Sie kooperieren mit ihnen, kennen ihre Eigenschaften und Verhaltensweisen und treten mit ihnen in einen Austausch. Sie verfolgen veränderte, paradigmatische Sichtweisen, indem sie nicht-menschlichen Lebensformen eine „<em>Agency</em>“, also eine Handlungsmacht, zuschreiben und sie anerkennen. Somit beschreiten sie einen neuen Weg der Verortung des Menschen als Teil eines Ganzen, in dem Mitlebewesen hierarchielos(er) gesehen werden. Die Künstler:innen und Wissenschaftler:innen sind Teil einer Durchwurzelung dieses neuen und gleichzeitig alten Denksubstrats. Ihre Werke und Arbeitsmethoden weisen darauf hin, wie eine veränderte Handlung und Priorisierung von Werten aussehen und sich anfühlen kann. Sie sind Zeugnis von <strong>Wissen</strong>, von <strong>Handeln</strong> und einer tiefen <strong>(Für)Sorge</strong> für das Verlassen des menschlichen Anthropozentrismus hin zu dem Gedanken transformativer Naturecultures (D. Haraway, 2008).</p>
<p>Das kurzfristige Denken, das Denken in Regierungs- und Wahlperioden, in Wachstumsmaximierung und Jahresabschlüssen, in Ausbeutung von Gemeinschaften und Landschaften, ist stark unter Druck geraten. Es ist ein Kampf der Weltbilder im Gange, bei dem globale Gemeinschaften Forderungen nach einem gesellschaftlich und ökologisch gerechten und generationsübergreifenden Denken und Handeln erheben. Die Konsequenzen der Klimakrise und des Artensterbens werden alle gleichermaßen betreffen, Menschen, Tiere, Pflanzen und ganze Ökosysteme, auch jenseits jeder politischen oder kulturellen Verortung. Und hier sind wir alle, als Zivilgesellschaft und als menschliche Art, gefragt, in unserem unmittelbaren Umfeld in ein verändertes, bewussteres und verantwortungsvolleres Handeln zu kommen.</p>
<p>Werden wir dieses Ziel gemeinsam erreichen? Was bedeutet es, mit dem Vertrauten zu brechen und es aufzubrechen? Wie funktioniert Veränderung, wie sieht sie aus?</p>
<p>Was wir in den vielen Monaten der Recherchearbeit, der unzähligen Gespräche und Begegnungen mit Künstler:innen, Forscher:innen, Wissenschaftler:innen, New-Material-Designer:innen und Gesellschaftswissenschaftler:innen immer wieder erlebt haben, ist, dass eine grundlegende Transformation hin zu einem veränderten Handeln tatsächlich bereits im Gange ist. An unzähligen Orten entwickelt sich neues Wissen, entstehen Initiativen, Labore, Ateliers und Kooperativen sowie internationale Forschungsprojekte und Start-ups.</p>
<p><u>BENDING THE CURVE – WEITERE POSITIVE ANSÄTZE DER MACHBARKEIT</u></p>
<p>Der Titel der Ausstellung ist eine Würdigung des Konzepts „Bending the Curve of Biodiversity Loss“. Die Naturschutzbiologin Georgina Mace hat in ihrem gleichnamigen Text 2018 in „Nature Sustainability“ diesen Begriff geprägt. Auf dieser Arbeit aufbauend haben David Leclère und ein internationales Netzwerk von etwa 60 Wissenschaftler:innen und 46 Institutionen erste umfassende Modellierungen unterschiedlicher Zukunftsszenarien entwickelt. Wir konnten Leclère für die Zusammenarbeit gewinnen und somit einen weiteren Resonanzraum in der Kulturwelt für dieses zentrale Unterfangen öffnen. In seinem Textbeitrag stellt er die Arbeit und die Ziele der Bending the Curve-Initiative selbst vor.</p>
<p>Die vorgeschlagenen Handlungsoptionen der Bending the Curve-Initiative sind Stimmen aus den Naturwissenschaften und deren Aufruf zu einer Veränderung, die an die Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft gerichtet ist. In den Gesellschaftswissenschaften findet international und disziplinübergreifend eine mit der sozial-ökologischen Transformation einhergehende Debatte über die Notwendigkeit eines great mindshifts mit unzähligen Positionen statt. Dabei geht es um Überzeugungen und Orientierungsmuster, die Gesellschaften und Individuen in der Welt verorten, und um eine daraus folgende veränderte Praxis. Publikationen wie Uwe Schneidewinds <em>Die Große Transformation: Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels</em> (2018), Maja Göpels <em>The Great Mindshift: How a New Economic Paradigm and Sustainability Transformations go Hand in Hand</em> (2016), Paul Hawkens <em>Regeneration: Ending the Climate Crisis in One Generation</em> (2021) oder Karen O’Brians <em>You matter more than you think: Quantum Social Change for a Thriving World</em> (2021) sind nur einige, die bereits im Titel einen positiven Habitus der Machbarkeit aufzeigen.</p>
<p><u>SOZIAL-ÖKOLOGISCHE TRANSFORMATIONEN</u></p>
<p>Was in naturwissenschaftlichen und ökonomischen Kontexten oft außer Acht gelassen wird, ist, dass sozial-ökologische Transformationen nicht nur mit einer materiellen, sondern auch mit kulturellen Transformationen einhergehen müssen. Was immer mit der Forderung um einen verantwortlicheren Umgang mit natürlichen Ressourcen und Mitlebewesen mitverhandelt wird, sind mögliche Modelle des Wirtschaftens. Naomi Kleins Publikation <em>Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima</em> von 2015 kann hier stellvertretend genannt werden. Die Suffizienz- und Postmaterialismus-Debatten schließen jedoch diejenigen aus, die nicht zu den wohlhabenden Klassen und Weltregionen zählen und dementsprechend nicht weiterhin verzichten können. Forderungen nach Wachstumsverzicht müssen mit einem solidarischen Blick gestellt werden und unterschiedliche Perspektiven einbeziehen.</p>
<p>Das hierarchische Gefälle, die Ausübung von Macht und somit der Nutzung, die Objektivierung entrechteter Wesen steht unter Druck. Es geht um ein neues Verhältnis, eher als Zusammenspiel, als Kooperation und Co-Existenz des Menschen mit anderen Menschen, aber auch mit nicht-menschlichen Lebewesen und zwischen verschiedenen Systemen. Machtverhältnisse, Klassenstrukturen, Verschiebungen in den überholten Hegemonien zwischen globalem Norden und Süden verlangen nach neuen Deutungen der Geschichte. Es herrscht das Ringen um Narrative, die die jeweilige Verortung einer Gesellschaft und deren geschichtliche Erfahrung abbilden. Es wird ein Wandel der Beziehungen gefordert. „Care“, „Healing“, „Reciprocity“ und „Repair“ sind nur einige Bezeichnungen für eine veränderte Haltung.</p>
<p>Der Wandel erwächst aus einer historischen Aufarbeitung und manifestiert sich als kollektive Forderung nach Fürsorge, nach Heilungsprozessen, nach Gleichberechtigung und Solidarität. Er betrifft Kulturen und Gemeinschaften, die in der Vergangenheit unter kolonialem Unrecht, gewaltsamen Konflikten, Kulturgutraub, Vertreibung und Unterdrückung gelitten haben. Und es betrifft die Ausbeutung von Landschaften, die für dort lebende Menschen Orte der Bedeutung und der kulturellen Identität waren.</p>
<p><u>VERÄNDERTE PERSPEKTIVEN UND WISSENSFORMEN</u></p>
<p>Wie geht das, mit dem Dualismus „Kultur vs. Natur“, mit der Aufklärung zu brechen und neue Wege des Seins in der Welt zu versuchen? Lässt sich altes und zum Teil verlorenes Wissen neu beleben? Kann man Ökonomie auch jenseits industrieller Nutzung und kapitalistischer Ausbeutung praktizieren? Das Versprechen liegt darin, das alte und das neue Wissen miteinander zu verbinden und es für die Spezifizität des jeweiligen Ortes und Kontextes angepasst anzuwenden – eine Form des Wissens, die sich aus der situativen Verankerung ergibt:<em> situated knowledge</em> (Donna Haraway). Diese Idee stellt die Vorstellung von Wissen als objektive, allgemeingültige und neutrale Wirklichkeit fundamental infrage. Wissen wird somit als eine dynamische Größe verstanden, nicht als absolute Wirklichkeit. Es entsteht über Individuen und Gruppen zu einem bestimmten historischen Moment, an einem bestimmten Ort, mit einer spezifischen Erfahrung.</p>
<p>Der Ökonom und Sozialwissenschaftler Enrique Leff definiert die Umweltkrise als eine Folge der Krise des westlichen Denkens. Um die Dominanz vorherrschender Wissensansichten aufzubrechen und einen Wissensdialog, eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kulturen, zu fördern, ist interkulturelle Vermittlung notwendig. Diese umfasst nicht nur unterschiedliche Sprachen und Kulturen, sondern auch unterschiedliche Vorstellungen und Definitionen von menschlichen Gemeinschaften, Natur und der entsprechenden gegenseitigen Abhängigkeit.</p>
<p>Immer häufiger werden indigene, nicht-westliche Naturvorstellungen vermittelt, aktiv in Erinnerung gerufen oder erst wiedergefunden. Sie werden erkannt und erweitern naturwissenschaftliche Entwürfe in der Biodiversitätsforschung. Es existieren nicht nur zwei Grundtypen von Naturkonzepten (naturwissenschaftlich oder mythologisch), sondern eine heterogene Vielfalt. An diesem grundlegenden Wandel nehmen viele Künstler:innen, aber auch Wissenschaftler:innen teil. Robin Wall Kimmerer, Dr. Teresa Ryan, Dr. Max Liboiron, Elizabeth A. Povinelli mit dem Karrabing Film Collective – und dies sind nur einige Namen – stehen für veränderte Grundsätze, die in unterschiedlichen kulturellen Kontexten eine Rückbindung von lokalem Wissen mit den Naturwissenschaften praktizieren. Daten, Informationen und quantifizierendes Sachwissen werden zunehmend um die Ebene des Gefühls erweitert, um eine existenzielle Erfahrung der Verbundenheit einzubeziehen.</p>
<p>Auch in der Landwirtschaft finden wir Anwendungsbeispiele. Angesichts von Klimawandel, Bodenerosion und Wassermangel steht diese global vor enormen Herausforderungen. Neben nachhaltiger Bioökonomie sind auch zahlreiche Projekte entstanden, die traditionelle Methoden wie die Agroforstwirtschaft und Permakultur als gangbare Wege für zukunftsorientiertes Handeln einsetzen.</p>
<p>Wenn Wirklichkeit eine kulturelle Konstruktion ist, die auf einem gedachten Verhältnis zwischen einem Subjekt und seinem Gegenüber in der Welt basiert, so stehen wir gegenwärtig erneut vor der Herausforderung einer Neudefinition unseres Selbst.</p>
<p>Was wir derzeitig erleben, ist das Ringen um neue kollektive Narrative. Transformation kann auch als Chance begriffen werden. Sie kann gelingen, wenn wir alle etwas aufmerksamer, selbstloser und liebevoller werden. Voraussetzungen sind Kenntnis und Verantwortlichkeit. Mut, Leidenschaft und Imagination sind die notwendigen Fähigkeiten für das Gestalten der Zukunft in Anbetracht der aktuellen Lage. Aber auch Solidarität und Einfühlungsvermögen, Neugierde und Begegnung. Vielleicht vereint in der Idee der Fürsorge. Transformation kann aus der Sorge um die Folgen einer massiven Bedrohung erwachsen und dazu motivieren, Verantwortung zu übernehmen. Transformation hat das Potential, Sinn zu erzeugen und eine Verbundenheit mit Übergeordnetem (wieder)herzustellen.</p>
<p>Franziska Nori, Direktorin Frankfurter Kunstverein</p>
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