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	<title>Alexandra Daisy Ginsberg | Frankfurter Kunstverein</title>
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	<title>Alexandra Daisy Ginsberg | Frankfurter Kunstverein</title>
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		<title>Pressestimmen zu „Bending the Curve”</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Feb 2024 15:30:46 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„Und deshalb setzt die Schau auf positive Erzählungen und nicht auf apokalyptische Narrative, von denen die Künste in Zeiten von Krisen überschwemmt werden. Die Präsentation wird vielmehr von dem positiven Impuls getragen, dass der steile Anstieg des Artensterbens durch neue Handlungsoptionen gemildert werden kann. Doch so wenig, wie sie die ökologische Kränkung durcharbeitet, die dem Menschen derzeit widerfährt, die lähmende Macht von Verlustangst und Umwelttrauer, so wenig ist die Ausstellung ein einhegendes Unternehmen, das falschen Optimismus durch die Illusionsmaschine Kunst verbreitet. Die Finesse, Kunst und Wissenschaft als gleichberechtigte und sich gegenseitig ergänzende Sichtweisen zu präsentieren, ist ein Gewinn und folgt aktuellen Ansätzen von Donna Haraway, Anna Lowenhaupt Tsing, Stefano Mancuso und einer Reihe anderer theoretischer Positionen. (…) Seit Jahren profiliert sich der Frankfurter Kunstverein mit Projekten zur Transformation von Mensch-Natur-Verhältnissen, die die utopischen Potentiale der Kunst mit wissenschaftlichen Erkenntnissen verflechten, wie etwa in den Ausstellungen <em>Trees of Life</em> (2019 / 20) oder <em>Die Intelligenz der Pflanzen </em>(2021 / 22). (…) Könnte die Präsentation dieser fein austarierten Mikrowelten symbiotischer Existenz nicht zu einer Kultur des Staunens verhelfen? Und könnte nicht das Staunen über das Winzige, das eine grandiose Wirkung zu entfalten vermag, zu mehr Behutsamkeit und Fürsorge führen? In der Begriffstradition jedenfalls begegnet die <em>admiratio</em>, das Staunen über die Natur, als Demutsbegriff, und in diesem Sinne bräuchte es noch viel mehr Ausstellungen wie diese.”</p>
<p><a href="https://www.kunstforum.de/artikel/bending-the-curve/">Judith Elisabeth Weiss, <em>Bending the Curve</em></a><a href="https://www.kunstforum.de/artikel/bending-the-curve/">, Kunstforum International, Band 294, Februar 2024</a></p>
<p>„Im ersten Obergeschoss zeigt ein munteres Diagramm mit Tieren, Bäumen, Menschen auf der weißen Wand, wie das tatsächlich gelingen kann, die Kurve abzuflachen, wenn nicht gar zu drehen, bis ins Jahr 2100. Wenn wir mehr Erhaltungspflege betreiben, unsere Konsum umstellen und nachhaltig produzieren. Das hat man schon oft gehört – aber in Zeiten, in denen die einen mit Protest auf jedes gefühlte Verbot reagieren und zugleich viele, vor allem junge Leute bis zur psychischen Erkrankung hoffnungslos sind angesichts der ökologischen Entwicklung, ist das Diagramm, bunt auf weiß, samt einiger Zitate, die den großen Wandel in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft in machbare Päckchen aufteilen, geradezu tröstlich. Und Trost, so seltsam das klingen mag, ist ein Gefühl, das die Besucher durchaus ergreifen kann angesichts der künstlerischen Positionen, die regelrecht verschmelzen mit der Wissenschaft in „Bending The Curve“. Trägt die Ausstellung doch den Untertitel „Wissen, Handeln, (Für)sorge für Biodiversität“. (…) So versucht der Parcours durch den Kunstverein, die fatal nach unten zeigende Kurve unserer Zuversicht und Tatkraft umzukehren. Er spricht die Empathie jedes Einzelnen an und eine Ermunterung aus: Sich als Teil eines Ganzen zu verstehen. Für das es sich zu kämpfen lohnt.”</p>
<p><a href="https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/frankfurter-kunstverein-zeigt-kunst-zum-klimawandel-19242404.html">Eva-Maria Magel, <em>Die Kurve der Zuversicht</em>, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2023</a></p>
<p>„Zugvögel, Ameisen und Biodaten sollen Kunst schaffen? Der Frankfurter Kunstverein zeigt Schönes aus der Natur, um ihrer Zerstörung entgegenzutreten. (…) Die ungewöhnliche Zusammenarbeit zwischen Franziska Nori vom Kunstverein und Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszen­trums, zeigt aber keine – oft effekthascherische – „Bio Art“. Die Ausstellung präsentiert bedacht ausgewählte Exponate aus Naturwissenschaft und bildender Kunst unter einer prägnanten These: Um Klimawandel, Verlust von Biodiversität und Umweltverschmutzung zu stoppen und so die Ökosysteme zu schützen, bedürfe es „positiver Erzählungen“. (&#8230;) Wenn man erst mal angefangen hat, die Exponate wie reine Kunstwerke zu betrachten, kommen die erstaunlichsten Assoziationen. Da sind zum Beispiel sechs Aluminiumabgüsse von unterirdischen Ameisenbauten des US-amerikanischen Biologen Walter R. Tschinkel. Von der Decke hängend sehen sie aus wie abstrakte Kleinskulpturen, die von Calder, Giacometti oder Brâncuși inspiriert sein könnten.”</p>
<p><a href="https://taz.de/Ausstellung-ueber-Schoenes-aus-der-Natur/!5971864/">Tilman Baumgärtel, <em>Die Kunst der Tiere</em>, taz, 15.11.23</a></p>
<p>„Die mit Glasröhren verbundenen Glaskuben ziehen das Publikum unwiderstehlich an. In ihrem Inneren krabbeln Ameisen, zerschneiden Blätter, legen Pilzgärten an. Was fasziniert uns so? (…) Stundenlang möchte man staunen: über die Präzision des Ablaufs, die Fresskammern oder Abfallhaufen – ausgeschiedene organische Reste, die so gar nichts mit unseren toxischen Müllhaufen zu tun haben.“</p>
<p><a href="https://www.springerin.at/aktuell/">Yvonne Volkart, <em>Bending the Curve. Wissen, Handeln, [Für]Sorge für Biodiversität</em>, Springerin, 4/2023</a></p>
<p>Umwerfend, was Design-Professorin Julia Lohmann präsentiert: eine begehbare Skulptur aus Seetang und eine Werkschau ihrer Arbeit mit den Pflanzen der Ozeane, die schnell wachsen und umweltfreundliches Baumaterial abgeben. (…) Noch mehr wow: Alexandra Daisy Ginsberg entwarf einen Algorithmus, der Pflanzen und Bestäuber mit den größten Erfolgsaussichten je nach Standort zusammenbringt – und schuf fünf großformatige digitale Pflanzengemälde in den Farben, in denen die Bestäuber sie sehen. Wow. Und noch einmal wow: Oben unterm Dach wachsen zu sphärischen Klängen im Dämmerlicht Kohlenstoff-Felsen aus dem Boden, die man berühren darf, eine interaktive Rauminstallation. Dazu Virtual-Reality-Brillen als Einladung, an atemberaubenden Vogelflügen teilzunehmen. Und warum „Bending the Curve“? Weil es darum geht, noch die Kurve zu kriegen fürs Klima und die Biodiversität. Die Kurve in ihren verschiedenen Verläufen ist Teil der Ausstellung. Sie zeigt: Es liegt an uns, dass es wieder aufwärts geht mit der Vielfalt.“</p>
<p><a href="https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-die-artenvielfalt-retten-aber-aesthetisch-92574194.html">Thomas Stillbauer, <em>Die Artenvielfalt retten, aber ästhetisch</em>, Frankfurter Rundschau, 12.10.23</a></p>
<p>„Ein Stockwerk höher findet sich ein ganz besonderes Ausstellungsstück: ein zeltähnliches Gebilde aus Algen. Die Gestalterin Julia Lohmann hat es gebildet. (…) Das Erstaunliche: Von der Konsistenz und der Struktur her erinnert das Material tatsächlich an Leder. Das begehbare Algenhäuschen und andere Algenexponate dürfen nämlich – was ansonsten oft nicht erlaubt ist – berührt werden. Dadurch solle das Museum als Raum dienen, um intensiver nachzudenken und mit anderen zusammenzukommen, statt die Stücke nur allein zu begutachten.“</p>
<p><a href="https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Kultur-9/Artenvielfalt-im-Frankfurter-Kunstverein-Kunst-und-Wissenschaft-Algenhaeuschen-Tier-Pilz-Symbiosen-und-Blumengemaelde-41441.html">Till Geginat, <em>Kunst und Wissenschaft: Algenhäuschen, Tier-Pilz-Symbiosen und Blumengemälde</em>, Journal Frankfurt, 13.10.23</a></p>
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		<title>Alexandra Daisy Ginsberg</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Oct 2023 08:50:56 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Pollinator Pathmaker: AfyLbwTriWhuR7PDkd77LZ (Pollinator Vision, Late Spring)<br />
</em><em>Pollinator Pathmaker: ARr77zvQW8Bq8q6hgDHUmp (Pollinator Vision, Late Summer)<br />
</em><em>Pollinator Pathmaker: AfyLbwTriWhuR7PDkd77LZ (Pollinator Vision, Late Summer)</em> </strong><br />
<strong><em>Pollinator Pathmaker: iFADDiPqc5HU3KiFxjBEuG (Pollinator Vision, Early Summer)</em> </strong><br />
<strong><em>Pollinator Pathmaker: AfyLbwTriWhuR7PDkd77LZ (Pollinator Vision, Midsummer)</em></strong>, 2023<br />
Fünf Pigmentdrucke auf Barytpapier mit Landschaftskreationen, hergestellt mit der Software <em>Pollinator Pathmaker<br />
</em>Jeweils 203 x 125 cm<br />
Beauftragt von Frankfurter Kunstverein</p>
<p><strong><em>Pollinator Pathmaker</em></strong>, 2021<br />
Online Tool pollinator.art<br />
© Alexandra Daisy Ginsberg Ltd</p>
<p>Courtesy die Künstlerin</p>
<p>Alexandra Daisy Ginsberg arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Ökologie und Technologie. Für den Frankfurter Kunstverein hat sie eine neue Werkserie geschaffen. Fünf großformatige Drucke zeigen die verschiedenen Jahreszeiten der noch nicht realisierten lebenden Kunstwerke von Pollinator Pathmaker. Die gewählte Perspektive ihrer Bilder ist die von Bestäuberinsekten. <em>Pollinator Pathmaker</em> ist Ginsbergs fortlaufendes Kunstwerk, bei dem die Künstlerin Grundstücke zu biodiversen Landschaften umgestaltet. Sie hat einen Algorithmus entwickelt, der standortspezifische Bepflanzungsschemata erstellt, die, sobald sie gepflanzt sind, zu lebenden Kunstwerken für andere Arten werden. Das Design des Algorithmus gestaltet die Bepflanzung nicht nach menschlichen ästhetischen Kriterien, sondern nach den Bedürfnissen und der Art der Nahrungssuche der Bestäuberinsekten, darunter Bienen, Wespen, Motten, Käfer und Schmetterlinge. Die Auswahl der Pflanzen ergibt sich aus den jeweiligen Bioregionen, an denen bereits <em>Pollinator-Pathmaker </em>&#8222;Plant Palettes&#8220; (Pflanzenpaletten) bisher in Auftrag gegeben wurden – zurzeit in Atlantik- und Kontinental-Europa. Die Liste der Pflanzen wurde von der Künstlerin in Zusammenarbeit mit Gartenbaukünstler:innen und Expert:innen für Bestäubung recherchiert und kuratiert.</p>
<p>Jeder Garten ist ein Unikat mit einzigartigem Bepflanzungsplan, der die größtmögliche Vielfalt an lokalen Bestäuberarten unterstützt. Die Künstlerin bezeichnet die Technologie, die sie geschaffen hat, als „altruistischen Algorithmus“ oder als „Empathie-Tool“, weil ihre Priorisierung auf die größtmögliche Anzahl von Vorteilen für Bestäuber und nicht auf Menschen ausgerichtet ist. Berücksichtigt werden Bestäubertypen, Blütezeiten, die Verträglichkeit von Pflanzen miteinander, Blütenform und visuelle Wahrnehmungsspektren von Farbfrequenzen werden berücksichtig. Der Algorithmus kalkuliert die Auswahl und Anordnung der Pflanzen so, sodass die ganzjährige Blütezeit und die Formen der Nahrungssuche berücksichtig werden: Einige Insektenarten merken sich die effizientesten Routen zwischen den Blumen, um mit minimalem Energieaufwand so viel Nektar wie möglich zu sammeln, während andere eher zufällig suchen.</p>
<p>Für <em>Bending the Curve</em> sind fünf großformatige Drucke von nicht realisierten Bepflanzungsplänen entstanden, die nicht die menschliche Sichtweise abbilden. Alexandra Daisy Ginsberg malt digital jede Pflanze, die in ihren &#8222;Plant Palettes&#8220; erscheint, so dass man sich jedes potentielle lebende Kunstwerk in einem virtuellen raum vorstellen kann, bevor es gepflanzt wird. Ginsberg ist durch digitale Gärten geflogen und hat die Perspektive von Bestäubern gewählt – aus der Sicht eines niedrigen Fluges oder vom Boden aus. Die Farben der Blüten lassen auf die verschieden Farbwahrnehmungsspektren von verschiedenen Insektenarten schließen. Bewusst bricht Ginsberg mit den Prinzipien klassischer Landschaftsmalerei. Man könnte fast an eine extreme Erweiterung der Idee englischer Landschaftsgärten denken. Im 18. Jahrhundert brachen diese mit den mathematisch-geometrischen Anordnungen der damals dominierenden französischen Barockgärten, um sich der natürlichen Pflanzenanordnung anzunähern.</p>
<p>Trotz der Nutzung von Technologie distanziert sich Ginsberg ausdrücklich von der Idee, Klima und Biodiversitätskrisen über sogenannte Techno-Fixes zu lösen. Sie plädiert für eine grundlegende Veränderung des menschlichen Verhaltens, politischer Entscheidungen und wirtschaftlichen Handelns. Alexandra Daisy Ginsbergs Arbeit wird weniger von einer Idee der Reparation geleitet als der einer Fürsorge für nicht-menschliche Mitlebewesen. <em>Pollinator Pathmaker</em> strebt einen Perspektivenwechsel sowohl in der Betrachtung als auch in der Gestaltung des Miteinanders an. Sich von einer rein menschlichen, anthropozentrischen Sicht zu lösen, bedeutet, die vielfältigen nicht-menschlichen Welten wahrzunehmen und in den Blick zu bekommen.</p>
<p>Alexandra Daisy Ginsberg steht für einen Kunstbegriff, der nicht allein das Werk in den Mittelpunkt stellt, sondern auch eine Haltung. Sie schafft Langzeitprojekte, die auf einer wissenschaftlichen Grundlage beruhen und durch einen erweiterten Kunstbegriff in den realen gesellschaftlichen Raum eingreifen. <em>Pollinator Pathmaker</em> aktiviert Menschen und gewinnt sie für gemeinschaftliche Bepflanzungsaktionen. Auf den Flächen entstehen lebende Werke als artenübergreifende soziale Plastiken im öffentlichen Raum. Dafür sucht sie explizit auch die Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen. So entstanden im Auftrag der LAS Art Foundation ein <em>Pollinator-Pathmaker</em>-Kunstwerk auf dem Vorplatz des Museums für Naturkunde in Berlin, ein weiteres in den Kensington Gardens für die Serpentine Gallery in London und das Eden Project in Cornwall (UK). Ginsberg betrachtet jeden Auftrag als Kunstedition einer stetig wachsenden Serie lebender, prozesshafter Kunstwerke.</p>
<p>Die Künstlerin will ihr Wissen teilen und stellt auf der Webseite pollinator.art den <em>Pollinator-Pathmaker</em>-Algorithmus der Allgemeinheit zur Verfügung. Von der Größe eines Blumenkastens bis zu einer Fläche von 15 x 15 Metern kann ein Bepflanzungsplan zur individuellen Umsetzung erstellt werden. Anhand von Größe und geografischer Lage des Areals, der Bodenart, des Lichts und der Exposition berechnet der Algorithmus individuelle Entwürfe für die Bepflanzung. Indem es Ginsbergs digitale Gemälde verwendet erstellt das System ein einzigartiges Design, eine Pflanzanleitung und grundlegende Informationen über die empfohlenen Pflanzen, ihre Entwicklung zu unterschiedlichen Jahreszeiten sowie eine Visualisierung des Gartens aus menschlicher Sicht und aus der von Bestäubern.</p>
<p>Ginsbergs Vision ist es, immer mehr Mitstreiter:innen zu finden, die mit dem <em>Pollinator-Pathmaker</em>-Algorithmus auf dem gesamten Globus ortsspezifische Kunstwerke für Insekten anlegen. Entstehen könnte ein global verteiltes Kunstwerk mit kollektiver Autor:innenenschaft und nicht-menschlicher Nutzung. Jede Edition würde als weiterer Zufluchtsort für Bestäuber dienen und dazu beitragen, ein grenzüberschreitendes Kunstwerk und Netzwerk zu schaffen.</p>
<p>Regeneration, so der Umweltschützer Paul Hawken in seinem Buch <em>Regeneration:</em> <em>Ending the Climate Crisis in One Generation</em>, bedeutet, das Leben in den Mittelpunkt jeder Handlung und Entscheidung der Gesellschaft zu stellen. Es rücken Fragen der Ethik zwischen den Arten und die Notwendigkeit praktischer Wege in den Vordergrund, wie Menschen und andere Lebewesen Räume gerecht teilen können und wie eine radikale Neuplanung und Neuausrichtung unserer Beziehungen, zum Beispiel zu Insekten, aussehen kann. Es würde bedeuten, anzuerkennen, dass alles Wachstum auf Gegenseitigkeit beruht.</p>
<p>Auch in der zeitgenössischen Kunst tragen Künstler:innen seit Jahren Ideen und praktische Anweisungen für regenerative Ansätze bei. Regeneratives Handeln fordert ein Umdenken in der Art und Weise, wie wir die gebaute Umwelt gestalten und schaffen. Regeneratives Wirtschaften und Handeln trägt mit Ideen und verändertem Vorgehen dazu bei, die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft zu verbessern, die Gesundheit des Planeten wiederherzustellen und ökologische Systeme zu regenerieren. In diesem Kontext bietet <em>Pollinator Pathmaker</em> von Alexandra Daisy Ginsberg einen wegweisenden Ansatz, eine Haltung der Selbstermächtigung im Kampf für den Erhalt der Artenvielfalt.</p>
<p><u>BESTÄUBER UND BLUMEN: EINE (NUN GEFÄHRDETE) SYMBIOSE SEIT ÜBER 200 MILLIONEN JAHREN</u></p>
<p>Bienen, Schmetterlinge, Motten, Fliegen, Käfer und Wespen zählen zu den Bestäuberinsekten. Weltweit gibt es 350.000 Arten von Bestäubern. Sie besuchen Blüten, um Nektar zu trinken oder sich von Pollen zu ernähren, und transportieren dabei Pollenkörner von Ort zu Ort. Sie helfen somit der Pflanze bei ihrer Reproduktion und Verbreitung. Weil sich Pflanzen nicht fortbewegen können, gehen sie eine Kooperation mit den Insekten ein, um ihre eigene Existenz zu sichern. Die Schönheit von Blumen, einschließlich ihrer leuchtenden Farben, spielt eine wichtige Rolle bei der Anziehung von Bestäubern. Insekten werden besonders von blauen Farben angezogen, die in der Natur selten vorkommen. Einige Blumen erzeugen dafür optische Effekte wie das sogenannte Irisieren. Auch Duft spielt eine zentrale Rolle.</p>
<p>Neue Forschungen an der Universität von Tel Aviv (Prof. Lilach Hadany, Molecular Biology Ecology of Plants, Faculty of Life Sciences) beschäftigen sich mit der Phytoakustik, die die Wirkung von Geräuschen auf Pflanzen untersucht. Ihre Erkenntnisse zeigen, dass Blumen die Vibrationen anfliegender Insekten wahrnehmen und darauf reagieren, indem sie süßeren Nektar für diese produzieren. Diese Art symbiotischer Beziehung wird „Mutualismus“ genannt. Die Wechselseitigkeit zwischen Pflanzen und bestäubenden Insekten hat die Geschwindigkeit der Evolution blühender Pflanzen erhöht. Sie passen sich an die körperlichen Merkmale der Insekten innerhalb weniger Generationen an.</p>
<p>Blumenwiesen gehören zu den Ökosystemen mit der höchsten Biodiversität. Ein Drittel der heimischen Pflanzenarten, Bestäuberinsekten und weiterer Tierarten lebt in Blühwiesen. Im letzten Jahrhundert sind rund 98 % der Blumenwiesen aufgrund von Flächenversiegelung sowie der Umwandlung von Land in Monokulturen für agroindustrielle Landwirtschaft, intensiver Düngung mit Gülle und Kunstdünger sowie kurzer Mähintervalle verschwunden. Durch staatliche finanzielle Unterstützung, beachtliche Mittel aus Steuergeldern und EU-Subventionen werden Magerwiesen und Feuchtwiesen in profitables Grünland verwandelt. Die Bedrohung der Blumenwiesen als Lebensraum steht im direkten Zusammenhang mit dem Rückgang der Bestäuberinsekten. Allein in Deutschland sind in den letzten 25 Jahren 75 % der Insekten verschwunden, was einen alarmierenden Rückgang der bestäubenden Insekten bedeutet und den rapiden Verlust der Artenvielfalt verdeutlicht. Der Rückgang betrifft nicht nur die Biomasse der Insekten, sondern vor allem ihre Vielfalt.</p>
<p>Ein Rückgang der Artenvielfalt bei Bestäubungsinsekten steht zudem im direkten Zusammenhang mit dem Rückgang der Pflanzenvielfalt. Der rasante Rückgang der Arten verarmt Ökosysteme und in letzter Instanz bedroht es das menschliche Überleben. Denn Bestäuber unterstützen Ökosysteme und drei Viertel des weltweiten Nahrungssystems. Eine neue Achtsamkeit für die Bedürfnisse von Insekten würde bedeuten, unser Leben auf dem Planeten zu sichern – nicht nur, weil diese Lebewesen den Menschen zugutekommen (nature for people, IPBES), sondern auch, weil sie allein durch ihre Existenz einen Wert haben (nature for nature, IPBES). Der Wert eines Lebewesens kann nicht nur in monetären Begriffen gemessen werden.</p>
<p>Unter der Berücksichtigung, dass die Veränderung der Landnutzung ein direkter Auslöser ist für das Artensterben, die Zerstörung von Ökosystemen und somit das Verschwinden von Insekten, ist die Rückgabe von Raum an die Natur ein regenerativer Lösungsansatz, der von zahlreichen internationalen Wissenschaftler:innen gefordert wird (Bending the Curve of Biodiversity Loss; IPBES; Club of Rome).</p>
<p><strong>Alexandra Daisy Ginsberg</strong> (*1982, London, GB) ist eine multidisziplinäre Künstlerin, die in London lebt und arbeitet. Sie promovierte im Fach Design Interactions am Royal College of Art, London (GB) und erlangte einen Masterabschluss in Architektur an der University of Cambridge (GB). Seit vielen Jahren beschäftigt sich Ginsberg mit unseren komplexen Beziehungen zur Natur und Technologie. Anhand verschiedener Themen wie Künstliche Intelligenz, synthetische Biologie, Naturschutz und Evolution untersucht sie den menschlichen Drang, die Welt zu verbessern, während er die natürliche Welt um uns herum vernachlässigt. Ihr Projekt Pollinator Pathmaker, das sie im Jahr 2021 veröffentlichte, wurde mit dem S+T+ARTS Grand Prize 2023 for Artistic Exploration bei der Ars Electronica ausgezeichnet. Ihre Arbeiten sind Teil von internationalen Sammlungen wie der des Art Institute of Chicago (US), dem Cooper Hewitt Smithsonian Design Museum in New York (US) und dem ZKM Karlsruhe (DE). Sie hat in zahlreichen internationalen Institutionen ausgestellt, unter anderem im MoMa, New York (US), Centre Pompidou (FR), Bozar &#8211; Palais des Beaux Art, Brüssel (BE), Serpentine Galleries, London (GB), Vitra Design Museum, Weil am Rhein (DE) und der Royal Academy of Arts, London (GB). Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen gehören Präsentationen im Museum für Naturkunde, Berlin (DE) und im Toledo Museum of Art, Toledo (US).</p>
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