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	<title>Scherenschnitt | Frankfurter Kunstverein</title>
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		<title>Sonja Yakovleva, INSTAREXIE, Gym Bro und Pink sexy gym boot camp</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2024 14:02:35 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Gym bro, 2024 Papierschnitt, Fotokarton 110 x 318 cm Pink sexy gym boot camp, 2024 Papierschnitt, Fotokarton 265 x 295 cm Ohne Titel, 2024 Papierschnitt, Fotokarton 680 cm / ⌀ 47 cm INSTAREXIE, 2024 Deckeninstallation aus 240 Papierschnitten, Fotokarton, Farbfolie je 68 x 68 cm Courtesy die Künstlerin Seit mehr als zehn Jahren perfektioniert Sonja <a href="https://www.fkv.de/sonja-yakovleva-instarexie-gym-bro-und-pink-sexy-gym-boot-camp/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Gym bro</em><strong>,</strong> 2024<br />
Papierschnitt, Fotokarton<br />
110 x 318 cm</p>
<p><em>Pink sexy gym boot camp,</em> 2024<br />
Papierschnitt, Fotokarton<br />
265 x 295 cm</p>
<p><em>Ohne Titel</em>, 2024<br />
Papierschnitt, Fotokarton<br />
680 cm / ⌀ 47 cm</p>
<p><em>INSTAREXIE,</em><em> 2024<br />
</em>Deckeninstallation aus 240 Papierschnitten, Fotokarton, Farbfolie<br />
je 68 x 68 cm</p>
<p>Courtesy die Künstlerin</p>
<p>Seit mehr als zehn Jahren perfektioniert Sonja Yakovleva die Kunst des Scherenschnittes. Sie überführt dieses historische Medium in die absolute Gegenwärtigkeit. Yakovleva lebt mit Intensität und ist gleichzeitig Chronistin der heutigen Zeit. Ihr Blick auf die Welt, auf Menschen und auf die Alltagskultur ist präzise und lustvoll, sie sammelt und erkennt Muster menschlichen Verhaltens, die sie in Zeichnungen bannt und in ihren Schattenbildern verdichtet zeigt. Ihre Kunst ist prall und lebensbejahend. Ihre Arbeit ist wie der Beitrag einer „embedded artist“. Sie berichtet unabhängig aus gegenwärtigen Popkulturen, für die sie sich ins unmittelbare Geschehnis begibt.</p>
<p>Für die Ausstellung des Frankfurter Kunstvereins hat Sonja Yakovleva ihren Blick und ihre intensive Recherche auf neue Bereiche gerichtet. Alle Werke wurden neu geschaffen und über drei Räume als monografische Präsentation entwickelt. Es ist die Macht des Körpers, den die Künstlerin untersucht – einerseits der Körper als formbare Materie für die mediale Eigeninszenierung und andererseits der streikende Klassenkörper im städtischen Raum.</p>
<p>Yakovleva eröffnet den Ausstellungsparcours mit überdimensionalen Figuren aus dem Körperkult der Fitnesswelten: <em>Gym bro</em> und <em>Pink sexy gym boot camp</em><em>.</em> Zwei Silhouetten, eine männliche und eine weibliche, in der Pose des Muskeln flexens – Körper aus der CrossFit Welt &#8211; <em>bigger than life</em>, muskulös, stark und geformt.</p>
<p>Sonja Yakovleva entwickelt die Motive zwischen Dokumentation und Fiktion, zwischen der eigenen Trainingspraxis, umfassenden Recherchen in Studios, Instagram Fitness Feeds und geprompteten Fantasien, die sie dann in ihren Scherenschnitten verdichtet. Sie durchforstet digitale Bildwelten in den unterschiedlichen Echoblasen der Online-Kulturen und filtert Bilder heraus, die sie als Material verwendet. Ihr sicheres Gespür für ikonografische Elemente und kulturelle Symbole, die unsere Zeit markieren, ist unverwechselbar.</p>
<p>Selbstoptimierung und Selbstinszenierung des Körpers sind schon immer menschliche Bestrebungen. In der digitalen Netzkultur haben Beauty-Filter die Schönheitsideale durch die Übertreibung einzelner Merkmale so verschoben, dass Menschen den realen Körper an ihr digitales Abbild anpassen – ein Zeitgeist Phänomen ist einstanden: Snapchat-Dysmorphia.</p>
<p>In thematischen Fitnesswelten wird jede und jeder zum/zur Bildhauer:in und Image Produzent:in des eigenen Körpers und dessen Abbilds. Allein in Deutschland wachsen Mitgliedschaften in Fitnessstudios um 10% im Jahr. Aktuell bescheren mehr als 11 Millionen Menschen der Branche Umsätze in Höhe von über 5,44 Milliarden Euro.</p>
<p>Sonja Yakovlevas Werk feiert schon von Beginn an die Körperlichkeit. Der Gegensatz zwischen absolut gegenwärtigen Motiven und der historischen Technik, die sie seit Jahren perfektioniert hat, ist ihr Wiedererkennungsmerkmal. Bilder aus der schnelllebigen Netzkultur übersetzt sie mit extremer Zeitintensität und manuellem Aufwand als minuziöse Handarbeit zu Scherenschnitten.</p>
<p>In <em>INSTAREXIE</em> erschafft Yakovleva ihre Schattenbildarbeit zum ersten Mal als Deckeninstallation. Sechs Bildflächen mit insgesamt 240 Kacheln komponieren das monumentale Motiv. Jedes einzeln gezeichnet, skaliert, übertragen und herausgeschnitten. Eine komplexe Komposition aus Konturen und Binnenschnitten. In der neuen, raumgreifenden Installation ist das zentrale Element der Körper als Materie des optimierbaren Selbst. Die Deckenareale zeigen in sich geschlossene Fitnesswelten mit differenzierten Community-Ästhetiken &#8211; Barry’s Bootcamp, Urban Heroes, Pilates Fused und unzählige mehr &#8211; <em>Boutique Gyms</em>, die zu thematischen Bühnen werden. Hier tritt man auf und performt die Arbeit am eigenen Körper unter den Blicken der Anderen. Die großflächigen Spiegel, transparenten Glasfassaden und allgegenwärtigen Handykameras dienen nicht nur als perfekte Kulissen für die Präsentation des Körpers. Sie dienen auch der Selbstkontrolle, zum Vergleich, zum Antrieb und der Konkurrenz. Jede:r will die persönliche körperliche Macht inszenieren und dafür Anerkennung ernten. Aussehen wird durch Leistung geformt. Sag mir welcher Fitness Welt du angehörst und ich sage dir, wer du bist.</p>
<p>Yakovleva betont explizit den anstaltsähnlichen Charakter der Fitnessstudios. In der Multioptionsgesellschaft wird der menschliche Körper quantifiziert, vermessen, überwacht. Die Fitnessuhr misst immer mit. Der Leib ist nicht schicksalhaft zu akzeptieren, sondern das Resultat von Willen, Disziplin und Arbeit.</p>
<p>Es ergibt sich ein neoliberales Spannungsfeld zwischen Freiwilligkeit und Unterwerfung. Leistungsanforderungen und Idealbildanpassung sind verinnerlicht und üben Macht aus. Das Fitnessstudio wird zu einer Körperfabrik: Körper werden optimiert, die Effizienz gesteigert, Flexibilität ist ein Leitbild, Strenge und Härte gegenüber der eigenen Durchhaltekraft sind Tugenden. Das Arbeiten gegen die eigenen Grenzen gilt als übergeordnetes Motto.</p>
<p>Sonja Yakovlevas Arbeit führt ans Licht, dass jeder Körper Spuren seiner sozialen Herkunft trägt und sich an ihm die Machtverhältnisse einer Gesellschaft abzeichnen. Die Häufigkeit der Besuche von Fitnessstudios wird zum Statussymbol – genauso wie die Auswahl des Clubs. Man besucht ihn täglich, vor und nach der Arbeit – besonders bei den gut bezahlten Jobs, in denen keine körperliche Arbeit mehr verrichtet wird, ist Workout Pflicht. Und eine Statistik von 2017 zeigt, dass Frankfurt die Großstadt mit dem höchsten Anteil an aktiven Fitnesstudiobesucher:innen ist, meist im Premium-Segment.</p>
<p>Yakovleva selbst boxt im Ibra Boxing in Frankfurt. Für die Ausstellung hat sie exzessiv neue Fitnesswelten ausprobiert. Die Essenz ihrer Beobachtungen hat sie in den Schattenbildern gebannt. <em>Ass Ass Ass</em> ist ein dominantes Element. Der weibliche <em>Arsch</em> als Ikone. Das <em>Brazilian Butt Lifting</em> ist weltweit zum praktiziertesten Eingriff avanciert. Inbegriff der Objektivierung des weiblichen Körpers durch den männlichen Blick und gleichzeitig Symbol der neoliberalen, postfeministischen Weiblichkeit – autonom, frei entscheidend, unternehmerisch. Yakovlevas Arbeiten provozieren dadurch, dass ihre Bilder sexistische Darstellungen zitieren, sie aber in der Haltung befreiten Empowerments geschaffen wurden. Die Selbstoptimierung des Körpers in der Fitnesskultur ist harte Arbeit. Arbeit in der freien Zeit, einem inneren Diktat folgend, verspricht durch den perfekten Körper gesellschaftliche Anerkennung und Teilhabe.</p>
<p>Yakolevas monumentale Bildwelten verdichten und komprimieren, zitieren und karikieren ihre Beobachtungen. Sie schaut mit Humor und Ironie auf die neue Generation der Gläubigen bei der Zelebrierung kollektiver Rituale eines Fitnesskultes. Sie portraitiert die Orte, in denen fanatisch Körperarbeit ausgeübt und quantifizierte Leistungssteigerung durch Coaches, Headsetkommandos und präzise Taktungen geleistet wird. Oder die Dehnbarkeit des idealen Körpers in minimalistischen Pilateswelten mit Smoothies und Bowls. Yakovlevas Blick ist schonungslos und sinnlich zugleich. Sie stellt sich aber nie über ihre Figuren, sondern lässt sich voll und ganz auf sie ein.</p>
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		<title>Sonja Yakovleva, State of Strike</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2024 14:02:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[State of Strike, 2024 Papierschnitt und Zeichnung, Fotokarton, Bleistift und Buntstift 10,65 x 2,71 m Courtesy die Künstlerin In den neuen Werken Sonja Yakovlevas, die für diese Ausstellung geschaffen wurden, ist das übergeordnete Motiv die Darstellung einer abstrakten Macht, die Körper reguliert und die in den Körpern eingeschrieben ist. In State of Strike ist die <a href="https://www.fkv.de/sonja-yakovleva-state-of-strike/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>State of Strike, </em>2024<br />
Papierschnitt und Zeichnung, Fotokarton, Bleistift und Buntstift<br />
10,65 x 2,71 m</p>
<p>Courtesy die Künstlerin</p>
<p>In den neuen Werken Sonja Yakovlevas, die für diese Ausstellung geschaffen wurden, ist das übergeordnete Motiv die Darstellung einer abstrakten Macht, die Körper reguliert und die in den Körpern eingeschrieben ist.</p>
<p>In <em>State of Strike</em> ist die Stadt selbst ein Körper, dessen vitale Funktionen von unterschiedlichen Organen aufrecht erhalten werden. Das Blut in dessen Adern sind die Arbeiterinnen und Arbeiter, die den lebendigen Organismus versorgen. Diese Menschen stellt Sonja Yakovleva dicht an dicht gedrängt in den Straßen dar. Sie streiken. Sie setzen ihre Körper im öffentlichen Raum ein. Aber auch die Schweine aus der industriellen Mast werden befreit und verweigern die Ausbeutung ihrer Körper.</p>
<p>Yakovleva hat eine über 10,5 Meter lange Wandarbeit geschaffen. Zu sehen ist eine Stadt, in der Onlineversandhandel, Fleischindustrie, Lieferdienste, Kitas, Krankenhäuser, Baustellen, Gebäudereinigung und Gastronomie auf engstem Raum verdichtet wurden. In ihre Komposition fügt Yakovleva gezielt auch wiedererkennbare Frankfurter Gebäude ein – die Alte Oper, den Hauptbahnhof, Pufffassaden und die Sudfass-Beine. Die Motive hat die Künstlerin zum Teil in Frankfurt fotografiert, andere stammen von Stockfotoanbietern oder Instagram. In der Bildkomposition werden verschiedene Orte der postindustriellen Stadt, die sonst an den Rand gedrängt oder unsichtbar gemacht werden, ins Zentrum gerückt.</p>
<p>Die Stadt wird hier als Symbol der Moderne und der Gesellschaft dargestellt. Alle Gebäude stehen für unterschiedliche Produktionsstätten. Ein dichter Strom an Körpern streikt. Yakovleva treiben die Widersprüche einer zunehmend flexibilisierten und von Unsicherheit gezeichneten Arbeitswelt um. Menschen, vor allem Personen mit migrantischer Geschichte, sind oft dazu gezwungen schwierige Arbeitsverhältnisse anzunehmen, die von schlechten Arbeitsbedingungen bestimmt sind. In ihrer Darstellung zeigt Sonja Yakovleva die Stadt der Lieferfahrer:innen, Leiharbeiter:innen, Reinigungskräfte und Fleischindustriearbeiter:innen. Was wäre, wenn nicht nur die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter:innen, sondern auch sie die Arbeit niederlegen würden? Würde alles ins Stocken geraten? Wer sind all die Menschen, die das pulsierende System der Stadt und eines Staates im Fluss halten? Yakovleva betrachtet intensiv migrantische Arbeiter:innen und lässt sie in ihrem Wandbild die Straßen der Stadt mit ihren Körpern bevölkern. Die Künstlerin bezieht auch Tiere in den Streik ein, denn auch sie haben die Selbstbestimmtheit über ihre Körper verloren.</p>
<p>Yakovleva gelingt es durch ihren thematischen Fokus auf den migrantischen Streik prekär beschäftigter Arbeiter:innen die Frage nach dem Verhältnis zwischen Körper und Politik auf doppelte Weise zu stellen: Wie werden zum einen die Körper der Arbeiter:innen in den prekären Arbeitsverhältnissen der heutigen Zeit kontrolliert und ausgebeutet? Und wie können diese Körper zum anderen aber auch in einem Streik zu einer neuen Kraft werden, die sich gegen eben diese Kontrolle und Ausbeutung stellt? Im Streik werden Forderungen nach Solidarität und neuen Formen der gesellschaftlichen Organisierung durch die protestierenden Körper auf die Straße gebracht.</p>
<p>Montage und Kollage, das Sammeln und Zusammensetzen bestimmen Yakovlevas Arbeitsprozess. Für Deutschland sind 2023 und 2024 die Jahre landesweiter Streikwellen. Nicht nur für höhere Löhne, sondern auch für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. Für <em>State of Strike</em> sind vielfältige Elemente in das monumentale Wandbild eingeflossen: Nachforschungen in historischen Quellen und Literatur über migrantische Streiks in den 1970er Jahren und die Arbeitsbedingungen prekärer Beschäftigter seit der Nachkriegszeit, Interviews mit Arbeitenden im Onlineversandhandel, die Veröffentlichung des investigativen Kollektivs „Correctiv“ Anfang 2024 und die Remigrationspläne der rechten Netzwerke. In der hieran anschließenden gesellschaftlichen Mobilisierung gegen Rassismus dachte Yakovleva über einen migrantischen Streik als Protestmittel gegen rassistische Tendenzen in der Gesellschaft nach. Aus ihrer eigenen Erfahrungswelt filterte sie in den Recherchen Szenen und Geschichten heraus, Widersprüche und Muster, die sie in die Themenfelder zu Arbeit und Streik einarbeitet. Yakovleva imaginiert den Streik der Migrant:innen, der Arbeiter:innen, die einen Großteil der arbeitenden Klasse darstellen und setzt dem schnelllebigen medialen Informationsfluss ihr monumentales Kunstwerk entgegen.</p>
<p>Für diese neue Wandarbeit zitiert Yakovleva die Bildsprache verschiedener Formen der Propagandakunst: die Agit-Prop der 1920er in Sowjetrussland, die <em>Murales</em> (Wandgemälde) des mexikanischen Diego Rivera bis hin zur Streetart. Sie bedient sich der isometrischen Perspektive, in der das Bild keinen einzelnen Fluchtpunkt besitzt und in dem Bauteilkanten verkürzt gezeichnet werden. Sonja Yakovleva collagiert und verdichtet, zeigt verschiedene Szenen in ihrer Gleichzeitigkeit, nutzt geometrische Formen und die Signalwirkung der Farben – schwarz, weiß, rot.</p>
<p>Zum ersten Mal verbindet die Künstlerin die für sie typische Technik des Scherenschnitts mit der Zeichnung. In Yakovlevas Praxis ist die Zeichnung zwar der zentrale Ausgangspunkt für Konstruktion und Bildaufbau, doch sie geht im Akt des Schnitts verloren. Dabei entstehen ihre Bilder als Zeichnungen, die die Künstlerin mithilfe der Rasterübertragung skaliert und auf ein im Maßstab größeres Papier überträgt. In <em>State of Strike </em>sehen wir Yakovlevas malerische Fähigkeit, die Beherrschung von Linien, Formen und Schattierungen, ihre Fähigkeit die Welt um sich herum zu beobachten und wiederzugeben, ihre Experimentierfreudigkeit und ihr handwerkliches Geschick. Sonja Yakovlevas Zeichnungen und Scherenschnitte leben von der Verflachung der Motive und von der bühnenartigen Perspektive. Ihr Stil kann mit dem Phänomen des Superflat in Zusammenhang gebracht werden, einem Kunststil, der in der Malerei der Postmoderne auf die Konsumkultur reagiert.</p>
<p>Yakovleva sagt über ihre Wahl des Scherenschnittes, dass ihr die Querbezüge der geschichtlichen Entstehung zusagen. Ab dem 17. Jahrhundert wurde der Scherenschnitt in Europa als zeit- und kostengünstiger Ersatz für das Porträtgemälde bekannt. Malerei war der Aristokratie vorbehalten. Die niederen Schichten konnten Silhouetten aus der Kontur eines Profils fertigen lassen, welche von Straßenkünstler:innen angeboten wurden.</p>
<p>In ihrer Arbeit <em>State of Strike</em> vereint Sonja Yakovleva also Referenzen einer künstlerischen Technik mit gesellschaftspolitischen Fragen – nach der Möglichkeit eines Streiks, durch den diese Unsichtbarkeit all der prekären, häufig migrantischen Arbeitsfelder sichtbar wird. Im Streik ist eine Solidarität unter den Arbeiter:innen gegeben, die Kraft für den Aufbau alternativer Lebens- und Arbeitsweisen schafft. In der Bewegung auf der Straße werden diejenigen Körper sichtbar, die sonst arbeiten, ausliefern, einpacken, transportieren oder spülen. Sie werden zu widerständigen Körpern, die ihre physische Kraft der Verwertung entziehen und stattdessen im Kollektiv bündeln, um gegen ihre Ausbeutung zu protestieren und Veränderungen zu bewirken.</p>
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