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	<title>Transformation | Frankfurter Kunstverein</title>
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	<title>Transformation | Frankfurter Kunstverein</title>
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		<title>Yein Lee</title>
		<link>https://www.fkv.de/yein-lee/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2025 09:55:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[System of In-between State, 2024 Drei Skulpturen Stahl, Polymergips, Epoxidkitt, Äste, trockener Traubenstiel, zerbrochener Staubsauger, Elektrokabel, Glasfaser, Acryltinte, Lack 125 x 110 x 186 cm; 100 x 110 x 175 cm; 84 x 88 x 174 cm Realisiert im Auftrag der 15. Gwangju-Biennale, mit Unterstützung des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport der <a href="https://www.fkv.de/yein-lee/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>System of In-between State</em>, 2024<br />
Drei Skulpturen<br />
Stahl, Polymergips, Epoxidkitt, Äste, trockener Traubenstiel, zerbrochener Staubsauger, Elektrokabel, Glasfaser, Acryltinte, Lack<br />
125 x 110 x 186 cm; 100 x 110 x 175 cm; 84 x 88 x 174 cm<br />
Realisiert im Auftrag der 15. Gwangju-Biennale, mit Unterstützung des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport der Republik Österreich</p>
<p><em>in other’s shoes – maybe no need for shoes</em>, 2022<br />
Skulptur<br />
Epoxidkitt, Motorradteile, Elektrokabel, Kunstblume, Polymergips, Stahl, Gips<br />
79 x 65 x 110 cm</p>
<p><em>Interlock Vertebra Devices</em>, 2021<br />
Skulptur<br />
3D-Druck, Epoxidkitt, Draht, Computerteile, Sprühlack, Ohrring, Kabel, Kabelbinder, Motorradteil, PET-Folie, Beschläge, Rohr<br />
45 x 68 x 160 cm</p>
<p>Courtesy die Künstlerin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Yein Lee leistet Widerstand gegen eine Vorstellung des Körpers als makellos, intakt und immer funktionierend. Ihre Plastiken stellen anthropomorphe, lebensgroße Figuren dar, die, von ihren äußeren Hüllen befreit, auf ihre inneren Strukturen blicken lassen. Die Skulpturen konstruiert Lee aus elektrischen Kabeln, Stahlrohren, Computerteilen, aber auch aus Zweigen und Ästen sowie gefundenen Alltagsobjekten. Ihr Material ist synthetisch und natürlich zugleich. Es stammt aus der industriellen Fertigung und den Überresten der vernetzten, digitalen Informationsgesellschaft sowie aus der Natur.</p>
<p>Lees Skulpturen tragen die Widersprüche ihres Ursprungs in sich – zwischen Handarbeit und schnelllebigem Wegwerfobjekt, die dem materiellen Verschleiß preisgegeben sind. Statt diese Gegensätze aufzulösen, macht Lee sie sichtbar. Ihre Werke bewegen sich in einem Zwischenzustand – schwankend zwischen Mensch und Maschine, Lebendigem und toter Materie, organischem Wachstum und Zerfall.</p>
<p>In Südkorea geboren und aufgewachsen, lebt und arbeitet Yein Lee seit einigen Jahren in Wien. Ihr Werk nimmt Einflüsse der klassischen Skulptur, von Science-Fiction und Cyberkultur auf. Sie ist fasziniert von Medardo Rossos fragilen Wachsfiguren und von den barocken Skulpturen Giovanni Lorenzo Berninis, der die Illusion lebendiger Leiber in Marmor schuf. Lees Interesse gilt auch Figuren aus Mythos und Literatur, die als hybride Wesen die Idee der Transformation verkörpern. Die Metamorphose der Daphne, die in der Mythologie der Griechen dem Übergriff Apollos entflieht, indem sich ihr weiblicher Körper zum Baum verwandelt. Oder der Junge Namu Doryeong aus dem koreanischen Gründungsmythos, Sohn einer himmlischen Fee und eines irdischen Baumes, der die große Sintflut übersteht und aus dem die Menschheit hervorgeht.</p>
<p>Yein Lee untersucht die Ähnlichkeit innerer Strukturen von Organismen: vom Geflecht menschlicher Blutbahnen, Nerven, Muskeln und Sehnen hin zu den Ästen und Wurzeln der Pflanzen. Ihre Figuren bestehen aus durchlässigen Fasern, die verschmelzen und wieder aufbrechen, rhizomartig wachsen und mit ihren Ausläufern nach Halt im Raum suchen. Lee denkt den Körper weg von der geschlossenen Form. Aus diesen Zusammenballungen gibt Lee ihren Figuren multiple Gesichter, die die Künstlerin als Abgüsse von sich selbst und von Menschen nimmt, die ihr nahestehen.</p>
<p>Sie spiegeln eine Welt wider, in der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine, Natur und Technik, Ich und anderen immer mehr verschwimmen. In dieser Zwischenwelt zeigt sich der Körper nicht mehr als stabiles Zentrum, sondern als instabile Schnittstelle in einem Zustand des ständigen Wandels.</p>
<p>So ist der zentrale Fluchtpunkt ihrer Überlegungen die Unmöglichkeit, den Körper als statische Einheit zu denken. Körper ist Transformation. Körper ist Erweiterung und Umbau. Und gleichzeitig ist er fragil. Aus ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte bringt Yein Lee diese Erfahrung mit. In ihrem Körper sind Implantate verankert worden, die verheilten und sie stützen. Ihr Körper ist mit dem Metall der Schrauben verwachsen. Wie ein Baum, dessen Borke einen Gegenstand ummantelt, der ihm im Wege stand. Der Körper als Amalgam von Organischem und Künstlichem als neue Normalität, die Leben ist.</p>
<p>Yein Lees Werk ist durchzogen von den Ideen der Cyberpunk-Ästhetik: Körper erscheinen erweitert, beschädigt, fragmentiert, durchzogen von Kabeln und Apparaturen. Lee zeigt fragile, provisorische Existenzen, die im Zustand des Dazwischen verharren. Transformation, Metamorphose und Offenheit sind keine Übergänge, sondern Zustände, in denen sich ihre skulpturalen Wesen immer wieder neu zusammensetzen.</p>
<p>In der Arbeit <em>Interlock Vertebra Devices</em> erscheinen spekulative Implantate zur körperlichen Optimierung, in Plastik verpackt wie eine schnell konsumierbare Ware. Der Wunsch nach Verbesserung, Jugend und Funktionalität klingt an: der Mensch als Getriebener eines besseren körperlichen Selbst.</p>
<p>Ihre Arbeiten sind Plädoyers für eine neue Körperlichkeit: verletzlich, prozesshaft, jenseits normativer Zuschreibungen. In einer Zeit, in der Optimierung zum Trend, Technologie zur Prothese und Erweiterung des Körpers geworden ist, öffnet Lee mit ihren Skulpturen ein Möglichkeitsfeld: für andere Körper, andere Zukünfte, andere Formen des Seins.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Yein Lee</strong> (*1988 Incheon, KOR) ist eine südkoreanische Künstlerin, die derzeit in Wien (AT) lebt und zwischen Installation, Skulptur, Malerei und Performance arbeitet. Nach ihrem Bachelor-Abschluss in traditioneller asiatischer Malerei an der Hongik University in Seoul (KOR) erwarb Lee einen Master-Abschluss an der Akademie der bildenden Künste in Wien (AT). Ihre Arbeiten wurden international in Gruppenausstellungen auf der 15. Gwangju Biennale (KOR), im Centre d&#8217;Art La Meute in Lusanne (CH), im Château &#8211; Centre d&#8217;Art Contemporain de la Ville d&#8217;Aubenas (FR), im Centre Culturel Suisse in Paris (FR), im Belvedere 21 in Wien (AT), im Kunstraum Niederösterreich in Wien (AT) gezeigt. 2025 wurde Lee eine Einzelausstellung in der Galerie Bremond Capela in Paris (FR) gewidmet.</p>
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		<title>Agnes Questionmark</title>
		<link>https://www.fkv.de/agnes-questionmark/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2025 09:43:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unkategorisiert]]></category>
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					<description><![CDATA[Incertae sedis I (Birth at Sea), 2025 Harz, transparentes Harz und Eisen 135 x 202 x 90 cm Incertae sedis II (Turn Male to Mate), 2025 Harz, transparentes Harz und Eisen 162 x 135 x 242 cm Incertea sedis III (Female Adulthood), 2025 Harz, transparentes Harz und Eisen 215 x 158 x 76 cm Multivisceral <a href="https://www.fkv.de/agnes-questionmark/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Incertae sedis I (Birth at Sea)</em>, 2025<br />
Harz, transparentes Harz und Eisen<br />
135 x 202 x 90 cm</p>
<p><em>Incertae sedis II (Turn Male to Mate)</em>, 2025<br />
Harz, transparentes Harz und Eisen<br />
162 x 135 x 242 cm</p>
<p><em>Incertea sedis III (Female Adulthood)</em>, 2025<br />
Harz, transparentes Harz und Eisen<br />
215 x 158 x 76 cm</p>
<p><em>Multivisceral abdominal resection with BiClamp®️ knife 220</em>, 2025<br />
Silikon<br />
245 x 440 cm</p>
<p><em>Partial liver resection using BiClamp®️ knife 220</em>, 2025<br />
Silikon<br />
410 x 225 cm</p>
<p><em>Heart Transplant Surgery:&#8217;No Room for Anything Less Than Perfection&#8216;</em>, 2025<br />
Silikon<br />
205 x 377 cm</p>
<p><em>is like living in two different planets</em>, 2025<br />
Wachs<br />
180 x 230 cm</p>
<p><em>i have an empty sit next to me</em>, 2025<br />
Wachs<br />
170 x 180 cm</p>
<p><em>my heart is pounding the idea of u coming</em>, 2025<br />
Wachs<br />
155 x 185 cm</p>
<p>Produziert von Frankfurter Kunstverein</p>
<p>Mit freundlicher Unterstützung der Zabludowicz Collection</p>
<p>Courtesy Agnes Questionmark</p>
<p>Agnes Questionmark lebt und arbeitet in Rom und New York. Ihre Überlegungen kreisen um das Thema, wie Körper gelesen werden, die von gesellschaftlichen Normvorstellungen abweichen. Was es für das Individuum bedeutet, wenn der eigene Körper zum Objekt medizinischer Eingriffe und biopolitischer oder juristischer Regulierung wird. Agnes Questionmark verweist auf die Macht rein medizinischer Betrachtung, die Subjekte fixiert, Geschlechter zuweist und Abweichungen pathologisiert. Indem sie sich klinische Bildwelten aneignet und diese transformiert, wird ihre Kunst zu einem Akt der Selbstermächtigung – jenseits binärer Kategorien von männlich und weiblich, gesund und krank, menschlich und nicht-menschlich, fragil und resilient.</p>
<p>Agnes Questionmarks Kunst entsteht in Performances, Skulpturen, Installationen und Videoarbeiten. Ausgangspunkt ihres Werks ist ihr eigener Körper. Frühe Erfahrungen ließen die Künstlerin an gesellschaftlichen Erwartungen und Bewertungen von Körper und Identität zweifeln. Im Kindesalter stand sie unter ständiger ärztlicher Beobachtung und medikamentöser Behandlung. Ihr Körper, so Questionmark, passte nicht in eine Kategorie oder in eine gesellschaftliche Normvorstellung, wie ein Körper sein soll. Er funktionierte nicht so, wie es erwartet wurde. Und so begann die Künstlerin, vorerst in einer männlich konnotierten Identität, andere Formen und Kategorien zu nutzen, um ihren eigenen Körper zu denken und darzustellen. Die Frage nach der Zuschreibung von gesund und pathologisch, zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung wurde zum Fluchtpunkt ihrer Überlegungen und Hinterfragung.</p>
<p>Sie fragte, was Wirklichkeit ist, suchte nach Begriffen für deren Abbildbarkeit und Beschreibung. Susan Sontags, Roland Barthes’ und Walter Benjamins Theorien zur Fotografie legten einen wesentlichen Grundstein. Über die Jahre entwickelte die Künstlerin ihr Alter Ego. In ihrer Performance <em>TRANSGENESIS</em>, in der sie 23 Tage lang je acht Stunden täglich einen übergroßen Oktopus verkörperte, feierte sie ihre eigene Transformation und Wiedergeburt als Agnes Questionmark. Oktopusse sind eine Leitfigur in Questionmarks Werk. Sie stehen für Mutterschaft, denn die klugen Meerestiere sterben, um ihre Nachkommen mit ihrem Leib zu nähren. Und sie besitzen nicht nur ein Gehirn, sondern Denkzentren in jedem ihrer Tentakel, mit dem sie die Welt um sich herum gleichzeitig erfahren.</p>
<p>Questionmark geht es um eine Transformation, um Körper, die nicht dualistisch und gesellschaftlich konstruiert sind, sondern ein Dazwischen darstellen – und somit selbstermächtigt eine neue Identität anzunehmen und das alte Ich zu überwinden. Das Fragezeichen (engl. question mark) in ihrem Namen steht sinnbildhaft für ebendiese Überzeugung, dass das Selbst kein starrer Zustand ist, sondern ein ständiger Fluss an wechselnden Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühlen im Austausch mit der Welt.</p>
<p>Für die Ausstellung <em>Anatomie der Fragilität</em> hat die Künstlerin eine raumgreifende Installation geschaffen. Drei lebensgroße Skulpturen und sechs Wandobjekte. Ausgangsmaterial sind Bilder chirurgischer Eingriffe am offenen Herzen, Leber oder Magen. Die operierenden Hände der Ärzte greifen tief ins Innere des Körpers. Die Körperbilder verfremdet Questionmark digital und analog und überformt sie mit Silikon oder übergießt sie mit Wachs wie eine dicke Haut. Farbpigmente verschmelzen mit dem Material zu organischen Landschaften, die wie aufgeschnittenes Körpergewebe anmuten. Die haptische Präsenz von Silikon und Wachs erinnert an Fleisch und an innere Körperräume. So entstehen viszerale Bilder, die einen intimen Blick auf die Verletzlichkeit des Körpers gewähren. Der Raum ist in eine Klanglandschaft getaucht. Gedämpfte Herzschläge, das Strömen des Blutes, der Klang des Fließens und Pumpens, wie es aus dem Inneren unseres Leibes gegen die Oberfläche pocht.</p>
<p>Das Zentrum des Raumes bilden die drei lebensgroßen Skulpturen. Mischwesen, zwischen Aliens, mythologischen Wasserfiguren und Fischen. Ihr blaues Äußeres wirkt kühl, ihre Oberfläche wirkt nass, als wären sie gerade aus dem Wasser aufgetaucht oder eben erst geboren worden. Das Wasser ist für Agnes Questionmark Urort der Transformation und Ort des Werdens und Vergehens – Ozeane als Beginn alles Lebens oder das Fruchtwasser im Mutterleib. Ihre Skulpturen und Installationen verkörpern hybride Gestalten, die sich einer eindeutigen Zuordnung entziehen. Halb Mensch, halb Tier. Oder wie ein Seepferdchen, dieses wundersame zarte Wasserwesen, bei denen es die Männchen sind, die ihre Brut austragen. Das Fremde, das Andersartige, das in der Gesellschaft als monströs gilt, wird bei Questionmark zu einem Bild des Offenen und Möglichen.</p>
<p>Die hybriden Kreaturen von Agnes Questionmark lassen sich keiner Spezies und keinem Territorium zuordnen. Unter Wasser oder auf der Erde, organisch oder künstlich, geboren oder ungeboren – sie verkörpern Zustände des Dazwischen. In dieser Schwebe verweisen sie auf eine posthumane Existenzidee: eine Welt, in der Körper nicht mehr über Hierarchie, Identität oder Eindeutigkeit definiert sind, sondern durch Verflechtung, Vielheit und gegenseitige Abhängigkeit.</p>
<p>Questionsmarks Erfahrungen und Empfindungen spiegeln sich in den philosophischen Gedanken von Donna Haraway zur „tentakulären Verflechtung“, in Rosi Braidottis Idee des „nomadischen Subjekts“ und in den Ideen des Posthumanismus. Dieser lehnt ein festes Menschenbild ab und weitet den Fokus über die Gattung Mensch hinaus und betrachtet auch Tiere, Technologien und die Umwelt als bedeutsame Akteure, die die Welt mitformen. Im Zentrum steht die Frage nach den Beziehungen zwischen Menschen und den zahlreichen nicht-menschlichen Wesen in einer immer neuen Verbindung, frei von Hierarchie.</p>
<p>Questionmark macht sich die Ästhetiken chirurgischer Eingriffe und biotechnologischer Verfahren zunutze. In ihren Arbeiten wird der Körper geöffnet, durchlässig, verändert. Doch während Medizin und Technologie für die Künstlerin oft der Normierung und Kontrolle dienen, nutzt sie dieselben ästhetischen Mittel, um genau diese Machtverhältnisse deutlich sichtbar zu machen. Der Blick auf den Körper wird dabei selbst zum politischen Akt: Wer darf ihn formen? Wer wird geformt?</p>
<p>Für Questionmark sind Fragilität und Schmerz die Voraussetzung für Transformation. Ihre hybriden Wesen verbinden Schmerz mit Hoffnung, Monstrosität mit Fürsorge, Abscheu mit Schönheit. Sie und ihre Figuren entwerfen Bilder einer Zukunft, in der Menschlichkeit nicht als starre Norm erscheint, sondern als offener Prozess – formbar nach individuellen Sehnsüchten und Wünschen. Agnes Questionmark lädt dazu ein, den Körper neu zu denken – als Prozess, als Möglichkeit, als Fragilität, die zur Stärke wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Agnes Questionmark</strong> (*1995 Rom, IT) ist eine Künstlerin, die zwischen Performance, Skulptur, Video und Installation arbeitet. Zu ihren jüngsten Langzeitperformances gehören <em>CHM13hTERT</em> (2023), präsentiert in einem öffentlichen Bahnhof im SpazioSERRA, Mailand (IT), und <em>TRANSGENESIS</em> (2021), präsentiert von The Orange Garden und Harlesden High Street in London (GB). Ihre Arbeiten wurden unter anderem auf der 60. Biennale von Venedig (IT), im Centre d’Art Contemporain in Genf (CH), im MAXXI Museum in Rom (IT), auf der 14. Gwangju Biennale (KOR), auf der Malta Biennale in Valletta (MLT), in der König Galerie in Berlin (DE) und in der Fondazione Mario Merz in Turin (IT) präsentiert. Ihre erste italienische Einzelausstellung fand 2025 im SPE &#8211; Spazio Performatico ed Espositivo Dello Scompiglio in Lucca (IT) statt. Zudem wurden ihre Texte im NERO Magazine veröffentlicht und in der Fondazione ICA in Mailand (IT) vorgestellt. 2025 nimmt Agnes Questionmark an der 18. Quadriennale di Roma (IT) teil.</p>
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		<title>Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP)</title>
		<link>https://www.fkv.de/fraunhofer-institut-fuer-angewandte-polymerforschung-iap/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Oct 2023 08:51:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Prof. Dr. Alexander Böker, Direktor Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP Dipl.-Ing. Thomas Büsse, Leitung Verarbeitungstechnikum für Biopolymere Schwarzheide Dr. Jens Balko, Leitung Verarbeitungstechnikum für Biopolymere Schwarzheide Heiko Ziller, Technischer Mitarbeiter Danny Pytek, Technischer Mitarbeiter Jens Kunkel, Versuchsplanung und Zusammenstellung Exponate Fabian Textor, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Frischhalte-Dosen, Cremedosen, Kabeldurchführungen und Schraubverschlüsse (Spritzguss), Joghurt-Becher und Schalen (Thermoformen), Trink- <a href="https://www.fkv.de/fraunhofer-institut-fuer-angewandte-polymerforschung-iap/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Prof. Dr. Alexander Böker, Direktor Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP<br />
Dipl.-Ing. Thomas Büsse, Leitung Verarbeitungstechnikum für Biopolymere Schwarzheide<br />
Dr. Jens Balko, Leitung Verarbeitungstechnikum für Biopolymere Schwarzheide<br />
Heiko Ziller, Technischer Mitarbeiter<br />
Danny Pytek, Technischer Mitarbeiter<br />
Jens Kunkel, Versuchsplanung und Zusammenstellung Exponate<br />
Fabian Textor, Wissenschaftlicher Mitarbeiter</p>
<p>Frischhalte-Dosen, Cremedosen, Kabeldurchführungen und Schraubverschlüsse (Spritzguss), Joghurt-Becher und Schalen (Thermoformen), Trink- und Shampooflaschen (Blasformen), Folien (Flach- und Blasfolien) aus Polybutylensuccinat<br />
Diverse Größen</p>
<p>Courtesy Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP</p>
<p>Kunststoffe kommen aufgrund ihrer Materialeigenschaften in allen Anwendungsfeldern zum Einsatz: von Verpackungen in unserem Alltagsgebrauch bis hin zu Hochleistungskomponenten in der Luft- und Raumfahrt. Sie haben eine geringe Materialdichte und sind kosteneffizient in der Herstellung. Gegenüber anderen Materialien erzeugen sie weniger Energieeinsatz.</p>
<p>Allein im Jahr 2021 lag die weltweit produzierte Kunststoffmenge bei 391 Mio. Tonnen und die Tendenz steigt nach wie vor. Etwa 90 % der produzierten Menge entfällt dabei auf Massenkunststoffe wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET) oder Polystyrol (PS) – sie stellen als thermoplastische Polymere einen wesentlichen Teil der Endprodukte in der chemischen Industrie dar. Für diese heute eingesetzten Kunststoffe werden fast ausschließlich fossile Rohstoffe verwendet.</p>
<p>Nur ca. 1,5 % der 2021 produzierten Kunststoffe basieren auf nachwachsenden Rohstoffen. Zur erfolgreichen Transformation einer auf fossilen Rohstoffen basierenden Wirtschaft hin zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft muss der Anteil an nachwachsenden Rohstoffen in der weltweiten Kunststoffherstellung unbedingt zunehmen.</p>
<p>Ein noch vollständig ungelöstes Problem ist die Menge an Kunststoff in allen Bereichen der Umwelt, in Flüssen und Meeren, aber auch in Böden. Kunststoff wird absichtlich weggeworfen, wenn Abfallsammelsysteme fehlen, aber auch unabsichtlich. Große Mengen kommen auch durch Abrieb- und Abnutzungsvorgänge in die Umwelt. Die Kunststoffteilchen sind in allen Größenordnungen bis in den Mikro- und Nanometerbereich zu finden. Das Ausmaß der Auswirkungen auf die Flora und Fauna sowie auf den menschlichen Körper ist erheblich.</p>
<p>Biokunststoffe werden derzeit produziert, um die Massenkunststoffe zu ergänzen und zum Teil schon zu ersetzen. Ein Beispiel für einen Biokunststoff ist Polybutylensuccinat (PBS). PBS ist besonders vielversprechend, weil es ähnliche mechanische, optische und haptische Eigenschaften sowie Verarbeitungsbedingungen wie die ölbasierten Massenkunststoffe PE und PP hat. PBS wird aus zwei Monomeren synthetisiert: Bernsteinsäure und Butandiol. Diese chemischen Grundbausteine werden über ein Polykondensations-Verfahren synthetisiert.</p>
<p>Beide Stoffe können aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, die aus Cellulose-haltigen Abfällen aus der Land- und Forstwirtschaft stammen. Die Cellulose wird in einem chemischen Verfahren aufgespalten und die dabei entstehenden Zucker werden im nächsten Schritt mithilfe von Bakterien zu Bernsteinsäure und Butandiol fermentiert. Aus Bernsteinsäure und Butandiol kann das zu 100 % biobasierte PBS hergestellt werden. Dieser Stoff ist neben der Polymilchsäure (PLA) ein wichtiger Meilenstein im Wandel zu einer biobasierten Kunststoffindustrie.</p>
<p>PBS ist gut biologisch abbaubar. Bei geeigneten Umweltbedingungen hat es ein ähnliches Abbauverhalten wie Holz. Bakterien verstoffwechseln und zerlegen PBS unter Nutzung ihrer Enzyme. Was als Abbaustoffe übrig bleibt, sind Kohlendioxid und Wasser. Bei einem Anstieg des Einsatzes biologisch abbaubarer Biokunststoffe könnte in Zukunft die besorgniserregende Verbreitung ölbasierter Kunststoffe in sämtlichen Biotopen unseres Planeten reduziert werden.</p>
<p>Die Neuproduktion von ölbasierten, nicht abbaubaren Kunststoffen muss so schnell wie möglich verringert und dann in geeigneten Einsatzgebieten möglichst vermieden werden. Auf dem Weg zu einer vollkommen nachhaltigen Wirtschaftsweise muss die Steigerung der Rate der Wiederverwendung und des Recyclings ölbasierter Kunststoffe – aber auch von Biokunststoffen – höchste Priorität haben.</p>
<p>PBS kann wie die meisten konventionellen thermoplastischen Kunststoffe recycelt werden, denn es kann in modernen Sortieranlagen erkannt und aussortiert werden. Das heißt, dass Voraussetzungen für eine Wiederverwertung aller Kunststoffe eine moderne Anlage mit optischen Materialerkennungstechniken und die Trennung des Mülls bereits bei den Verbraucher:innen sind.</p>
<p>Wiedergewonnenes PBS kann in neue Produkte eingearbeitet werden. Das Fraunhofer IAP kooperiert mit Industriepartner:innen, um die Typenvielfalt des PBS zu erhöhen und dadurch die Anwendungsmöglichkeiten zu erweitern. Um PBS einzusetzen, bedarf es keiner neuen Verarbeitungstechnologien. Der biobasierte Stoff kann für Spritzgussverfahren, zur Folienherstellung sowie für Blas- und Thermoformen verwendet werden. Die am IAP entwickelten nachhaltigen Materialien stehen an der Schwelle zu ihrem Markteintritt.</p>
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		<title>Neue Materialien</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Oct 2023 08:51:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Magna Glaskeramik Stormy Grey Bodenplatten, 2017 24 Glasplatten aus recyceltem Glasbruch und Überschuss beschichteter Solarpaneele Jeweils 135 x 60 x 2 cm Samples 6 Glasfliesen aus recyceltem Glasbruch und Überschuss beschichteter Solarpaneele Courtesy Magna Glaskeramik BlueBlocks: Seawood Samples Faserplatten aus braunem Seetang Courtesy BlueBlocks RikMakes: Compostboard Samples Bretter aus agrarwirtschaftlichen Abfällen Courtesy RikMakes Shards – <a href="https://www.fkv.de/neue-materialien/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Magna Glaskeramik<br />
</strong></p>
<p>Stormy Grey Bodenplatten, 2017<br />
24 Glasplatten aus recyceltem Glasbruch und Überschuss beschichteter Solarpaneele<br />
Jeweils 135 x 60 x 2 cm</p>
<p>Samples<br />
6 Glasfliesen aus recyceltem Glasbruch und Überschuss beschichteter Solarpaneele</p>
<p>Courtesy Magna Glaskeramik</p>
<p><strong>BlueBlocks: Seawood</strong><br />
Samples<br />
Faserplatten aus braunem Seetang<br />
Courtesy BlueBlocks</p>
<p><strong>RikMakes: Compostboard</strong><br />
Samples<br />
Bretter aus agrarwirtschaftlichen Abfällen<br />
Courtesy RikMakes</p>
<p><strong>Shards – Fliesen aus Bauschutt</strong><br />
Samples<br />
Fliesen aus Bauschutt<br />
Courtesy Shards – Fliesen aus Bauschutt</p>
<p><strong>Smile Plastics  </strong><br />
Samples<br />
Paneele aus recycelten Kunststoffabfällen<br />
Courtesy Smile Plastics</p>
<p><strong>Spared</strong><br />
Samples<br />
Recycelte Muscheln aus der Fischereiindustrie</p>
<p><strong>StoneCycling</strong><br />
Samples<br />
Ziegelsteine aus Bauschutt<br />
Courtesy StoneCycling</p>
<p><strong>UpBoards</strong><br />
Samples<br />
Platten aus recycelten Kunststoffabfällen</p>
<p>Das 21. Jahrhundert steht vor einem radikalen Paradigmenwechsel dafür, wie viele Materialien unter welchen Produktionsbedingungen hergestellt werden und zum Einsatz kommen. Das lineare Konzept von „Produzieren, verwenden, wegwerfen“ hat sich angesichts knapper Ressourcen und eines exponentiell wachsenden Abfallaufkommens sowie einer rapide steigenden Weltbevölkerung als nicht tragbar für die zukünftige Bewohnbarkeit des Planeten erwiesen. Um den Abbau natürlicher Rohstoffe zu minimieren, müssen Kreisläufe aus Produktion, Nutzung und Wiederverwendung entwickelt werden, die neben einem geringeren Verbrauch von Ressourcen eine Transformation des Wirtschaftens ermöglichen.</p>
<p><em>Knowing, Acting, Caring</em> als Haltung eines veränderten Handelns hat unterschiedliche Stufen der Produktion und eine Bandbreite von Materialien hervorgebracht, die nicht mehr nur als spekulative Forschungsprojekte, sondern zur realen Anwendung zur Verfügung stehen.</p>
<p>Die hier präsentierte Auswahl junger Unternehmen steht stellvertretend für eine neue Generation von Firmen, die ihr wirtschaftliches Modell im Zeichen der Transformation entwickelt haben. Magna Glaskeramik, Blue Blocks Seawood, Compost Board, Shards-Fliesen aus Bauschutt, Smile Plastics, Spared, Stone Cycling, UpBoards und Mogu stehen für innovatives Wirtschaften im Bereich der New Materials. Recycling, Urban Mining, der Einsatz natürlich nachwachsender und abbaubarer Rohstoffe bilden das Zentrum ihrer Produktpaletten.</p>
<p>Die erste Stufe für veränderten Wertstoffverbrauch besteht im Ansatz des Recyclings bereits bestehender Stoffe. Hier geht es darum, bereits vorhandene, oft ölbasierte Materialien wieder zu verwerten, anstatt sie zu entsorgen. Dies reduziert nicht nur den Energieverbrauch bei Neuproduktionen, sondern verringert auch die Menge der Abfälle, die weltweit auf den Deponien landen. Recycling trägt dazu bei, unsere begrenzten natürlichen Ressourcen zu schonen und die Umweltbelastung zu minimieren. Voraussetzung für das Recycling ist die Trennung in einzelne Stoffe. Weil viele Produkte als Verbund zahlreicher Einzelstoffe designt werden, deren Trennung schwierig ist, landen wertvolle Materialien als Ganzes auf den Deponien. Verändertes Design, neue Produktionsverfahren und effizientere Trennung in einzelne Stoffe sind daher die neuen Herausforderungen.</p>
<p>Städte und die gebaute Umwelt befinden sich im ständigen Wandel. Was bleibt, sind Tonnen von Trümmern aus Beton, Ziegeln und diversen anderen Baumaterialien. Die Reste werden als Bauschutt auf Müllhalden entsorgt. Immer mehr wird jedoch verstanden, dass dieser Abbruch auch recycelbare Stoffe liefern kann. Als Urban Mining werden eine neue Wirtschaft und ein Prozess genannt, der Rohstoff nicht aus der Natur, sondern aus bereits verursachtem Abbruch extrahiert und die Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe aus städtischen Abfällen und Altprodukten betreibt. Dabei werden Techniken wie Recycling, Wiederverwendung und Aufbereitung eingesetzt, um Metalle, Kunststoffe, Elektronik und andere Ressourcen aus Haushalten, Gewerbegebieten und Industrieabfällen zurückzugewinnen. Urban Mining trägt dazu bei, die Abhängigkeit von primären Rohstoffquellen zu reduzieren, und fördert eine nachhaltigere Nutzung von Ressourcen in urbanen Umgebungen.</p>
<p>Shards ist ein junges Unternehmen aus Kassel, das sich auf die nachhaltige Verwertung von Abfällen aus der Bauindustrie spezialisiert hat, indem es Fliesen aus Bauschutt herstellt. Die Fliesen verzichten vollständig auf Primärrohstoffe, geben mineralischen Abfallstoffen, die normalerweise auf Deponien landen würden, ein zweites Leben und etablieren gleichzeitig ein zirkuläres System. Bei einer Beschädigung können sie, ohne zu Abfall zu werden, zu neuen Fliesen recycelt werden. Die Palette von Farben und Oberflächenstrukturen wird ohne Farbstoffe produziert und reicht von Weiß, Creme, Braun, Grau, Schwarz bis zu Grün- und Blautönen. Sie können glänzend, griffig oder rau sein. Bei der Herstellung der Shards-Fliesen setzt das Unternehmen auf erneuerbare Energiequellen und verzichtet vollständig auf fossile Brennstoffe. Aufgrund seiner Nachhaltigkeit wurde das Unternehmen 2018 mit dem Bundespreis Ecodesign und 2021 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Design ausgezeichnet.</p>
<p>StoneCycling ist ein niederländisches Unternehmen mit Sitz in Amsterdam, das ebenfalls das Ziel verfolgt, den Einsatz von Primärrohstoffen in der Baubranche zu reduzieren. Bereits im Studium hatte der Industrial-Designer Tom van Soest einen Mixer entworfen, der Abbruchabfälle wie Fensterglas, Ziegel und Beton pulverisiert. Dieses Verfahren brachte er später in einem größeren Maßstab mit der Gründung von StoneCycling zu unternehmerischer Reife. Das resultierende Pulver wird gemischt und gebrannt. Recyceltes Glas dient als Bindemittel. Das Material, das aus dem Ofen kommt, hat steinähnliche Eigenschaften. Das Unternehmen StoneCycling produziert heute Ziegel oder Fliesen für nachhaltige Bauprojekte. In der Ausstellung <em>Bending the Curve</em> werden Produkte aus der Serie WasteBasedBricks vorgestellt. Die Backsteine werden zu zwischen 60 % und 100 % aus Abfallmaterialien hergestellt und tragen zur Abfallreduzierung bei, indem sie zwischen 91 kg und 150 kg Abfall pro Quadratmeter aufwerten. Die Produktion ist CO₂-kompensiert und entspricht den Branchenstandards. WasteBasedBricks eignen sich sowohl für den Innen- als auch den Außenbereich und können in individuellen Formen und Größen geliefert werden.</p>
<p>Die Firma Magna Glaskeramik mit Sitz in Teutschenthal produziert Designprodukte mit Glasabfällen. Für die Ausstellung <em>Bending the Curve</em> präsentiert die Firma eine Installation mit Bodenplatten in der Farbe Stormy Grey. Aus 100 % recyceltem Brauchglas stellt Magna Glaskeramik-Platten her, die aus farblich getrennten und geschmolzenen Scherben bestehen. Die Farbpalette umfasst Grau, das aus dem Glas beschichteter Solarpaneele hergestellt wird, Blau aus blauen Mineralwasserflaschen, Grün aus Bierflaschen, Schwarz aus Fehlproduktionen von grauem Flachglas und Weiß aus Abfallglas von Schutzgläsern für Solarzellen. Bei der Herstellung von Flach-, Solar-, Farb- oder Flaschenglas fallen Ausschüsse, Fehlproduktionen und Übermengen von ca. 5 % der gesamten Glasproduktion an. Diese Industrieabfälle stellen die Rohstoffquelle für die Produktion von Magna Glaskeramik dar: Sie werden kontrolliert in Scherben gebrochen und durchlaufen ohne Zusatz von Bindemitteln und ohne Druck, nur mithilfe von Temperatur und Zeit, einen aufwendigen Kompaktierungsprozess, Sinterungsprozess genannt. Anschließend werden die gesinterten Platten in Kühlhauben abgekühlt. In der Endverarbeitung werden die Rohplatten kalibriert, auf Wunsch poliert und auf Endmaß geschnitten. Der Energiebedarf im Produktionsprozess wird aus eigenen Solaranlagen generiert und das Wasser für den Herstellungsprozess wiederaufbereitet und mehrfach verwendet.</p>
<p>Die Unternehmen Smile Plastics, Spared und UpBoards präsentieren in <em>Bending the Curve</em> Materialproben aus ihren Produktpaletten, die zu 100 % aus recyceltem Plastikgranulat herstellt wurden. Plastikabfälle lassen sich zu allen möglichen Formen pressen. Die so entstandenen neuen Materialien haben jeweils eigene Qualitäten und ein verschieden designtes Aussehen. Sie sind für eine breite Palette von Anwendungen konzipiert, die an den Bedarf angepasst werden können. Zusätzlich präsentiert das Unternehmen Spared auch eine Probe des Verbundmaterials Molelk, das aus recycelten Muscheln aus der Fischereiindustrie entsteht. 6 bis 8 Millionen Tonnen Muschelabfälle fallen jedes Jahr in der Lebensmittelindustrie an. Der größte Teil davon landet auf der Mülldeponie.</p>
<p>Für das Recycling von Plastik setzen sich nicht nur junge Unternehmen aus der Designbranche ein. Dafür engagieren sich auch weltweite Bürger:innenbewegungen, wie zum Beispiel die Initiative „Precious Plastic“. Diese wurde 2012 von Dave Hakkens in den Niederlanden gegründet. Die Idee basiert auf von Hakkens selbstgebautem Werkzeug für das Recycling von Plastik: einem Schredder, einer Spritzgussmaschine und einer Formpresse. Später stellte Hakkens die Baupläne für die „Recycling-Infrastruktur“ unter dem Creative-Commons-Siegel für jeden verfügbar ins Internet, was bewirkte, dass sich weltweit ca. vierhundert von Bürger:innen gegründete Werkstätten der Bewegung anschlossen.</p>
<p>Diese zweite Stufe veränderter Produktion konzentriert sich auf die Entwicklung und Verwendung neuer Materialien, die organisch und abbaubar sind. Die Materialien sind eine Alternative zu herkömmlichen, nicht abbaubaren Kunststoffen und Chemikalien. Sie sind umweltfreundlicher und bauen sich nach ihrer Verwendung schneller ab, indem sie möglichst wenige oder gar keine schädlichen Rückstände hinterlassen. Solche Materialien sind besonders wichtig, um die Verschmutzung der Ozeane und Böden zu reduzieren.</p>
<p>Das Holz-ähnliche Produkt CompostBoard basiert auf dem Prinzip Zero Waste. Das Material besteht aus landwirtschaftlichen Abfällen und ist zu 100 % biobasiert, erneuerbar und vollständig kompostierbar. Die Fasern für CompostBoard stammen aus den Niederlanden (Flachs) und Belgien (Hanf), die Verarbeitung erfolgt auf herkömmlichen Holzbearbeitungsmaschinen mit Verfahren wie Fräsen, Sägen und Mahlen. Das Material fördert eine Kreislaufwirtschaft, da es nach Gebrauch zu fruchtbarem Boden für den Anbau von Nutzpflanzen verwandelt werden kann. Der verwendete Klebstoff ist umweltschonend hergestellt und ungiftig, da er keine ölbasierten Stoffe verwendet. Er ist nicht flüchtig sowie umweltschonend hergestellt. Das damit kompaktierte Material bleibt intakt, solange es trocken gehalten wird, und bietet den Benutzer:innen vorteilhafte Eigenschaften wie Atmungsaktivität und ein neutrales Raumklima. Es bindet Wasserdampf, wenn die Luft feucht ist, und gibt ihn in trockenen Zeiten wieder ab. CompostBoard beginnt zu zerfallen, wenn es mehrere Tage lang Regen ausgesetzt ist. Nach sieben bis 14 Tagen in Kontakt mit Wasser zerfällt das Material und kann von Würmen und Insekten zersetzt werden.</p>
<p>SeaWood ist das Resultat einer Kooperation zwischen The Seaweed Company, North Sea Farmers, BlueCity und Circular Factory. Sie produzieren Faserplatten, die aus braunem Seetang hergestellt werden. SeaWood ist ein zu 100 % natürliches, kompostierbares und chemikalienfreies Plattenmaterial, das als Baumaterial für Produkte im Bereich der Inneneinrichtung und als akustische Wandpaneele verwendet werden kann.</p>
<p>Die dritte Stufe transformativen Wirtschaftens wird aktuell unter dem Begriff der Regeneration diskutiert. Der Begriff wurde von Paul Hawkens geprägt und sieht eine Umstellung in allen Bereichen der Herstellung, der Gewinnung, des Verbrauchs und der Wiederverwendung von Dingen vor, die Menschen zum Leben brauchen. Die zentrale Forderung ist, dass der Mensch einen weiter belebbaren Planeten hinterlässt und Ökosysteme, Klima und Biodiversität versteht und respektiert. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn ein radikaler kultureller Wandel stattfindet und damit einhergehend neue Methoden und Materialien in möglichst allen Bereichen menschlichen Lebens zum Einsatz kommen.</p>
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