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	<title>belice erdbeben | Frankfurter Kunstverein</title>
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		<title>Alberto Stabile</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Oct 2024 14:04:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Gibellina Heartquake VR, 2022–2024 Immersive Virtual-Reality-Erfahrung 26-30 min Für die Bereitstellung des Archivmaterials danken wir dem Archivio storico del Centro Sviluppo Creativo “Danilo Dolci” und Rai (Radiotelevisione Italiana) Courtesy Alberto Stabile Gibellina Heartquake VR ist aus dem Wunsch heraus entstanden, die Geschichte von Gibellina und der Region Belice zu erzählen, die durch das Erdbeben von <a href="https://www.fkv.de/alberto-stabile/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Gibellina Heartquake VR</em>, 2022–2024<br />
Immersive Virtual-Reality-Erfahrung<br />
26-30 min<br />
Für die Bereitstellung des Archivmaterials danken wir dem Archivio storico del Centro Sviluppo Creativo “Danilo Dolci” und Rai (Radiotelevisione Italiana)<br />
Courtesy Alberto Stabile</p>
<p><em>Gibellina Heartquake VR</em> ist aus dem Wunsch heraus entstanden, die Geschichte von Gibellina und der Region Belice zu erzählen, die durch das Erdbeben von 1968 tief geprägt wurden. Mit einer VR-Brille lässt das immersive Erlebnis unmittelbar an zentralen Momenten während und nach dem Erdbeben teilhaben. Dabei sollen die User:innen nicht nur zusehen, sondern auch aktiv interagieren. Die virtuellen Bilder kombinieren computergeneriertes Material mit authentischen Fernseh- und Radioaufnahmen. Sie erzählen auf bewegende Weise, wie die Identität einer ganzen Gemeinde über Generationen hinweg geformt wurde. In der Ausstellung <em>Das Anwesende des Abwesenden</em> zeigt <em>Gibellina Heartquake VR</em> zusammen mit dem Fotoprojekt <em>Il Cretto è casa mia</em> der Associazione Gibellina Parco Culturale und dem Film <em>Il Grande Cretto di Gibellina</em> von Petra Noordkamp, wie Erinnerung durch Kunst lebendig bleiben kann.</p>
<p>Das VR-Projekt wurde 2021 mit Geldern der Gemeinde Gibellina finanziert. Einige der Einwohner:innen und Überlebenden sind in Originalmitschnitten zu hören, darunter der Aktivist Danilo Dolci sowie der damalige Bürgermeister Ludovico Corrao. Doch trotz der großen Unterstützung der Gemeinde und der Übergabe der endgültigen Fassung dieses virtuellen Werks an das Museum für zeitgenössische Kunst „Ludovico Corrao“ im Jahr 2022 wird <em>Gibellina Heartquake VR</em> im Frankfurter Kunstverein erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.</p>
<p>Das Andenken an Gibellina und seine Zerstörung durch das Erdbeben von Belice vor mehr als 55 Jahren hat ganz Sizilien nachhaltig verändert. Es darf nicht in Vergessenheit geraten. <em>Gibellina Heartquake</em> <em>VR</em> wurde geschaffen, um nachfolgenden Generationen die Möglichkeit zu geben, die damals gemachten Erfahrungen nicht nur als fernes, historisches Ereignis zu kennen, sondern sie selbst zu erleben, sich davon berühren zu lassen – und so die Wunde der Menschen zu verstehen, deren Leben die Naturgewalt für immer verändert hat.</p>
<p>Der erste Teil der VR-Erfahrung zeigt die historischen Ereignisse vom Januar 1968. Die Erzählung beginnt mit TV-Bildern von Gibellina unmittelbar nach dem Erdbeben. Danach finden sich die User:innen virtuell in einem eleganten Wohnzimmer in Rom wieder. Im Fernsehen sehen sie originale Fernsehberichte und Eilnachrichten über das Erdbeben. In einer weiteren Szene lassen sich die dramatischen Momente der Katastrophe virtuell aus der Perspektive von Einwohner:innen Gibellinas erleben. Der Kontrast zwischen dem Wohlstand in der Hauptstadt und der in Gibellina herrschenden Armut verdeutlicht die tiefgreifenden Ungleichheiten zwischen Süditalien und mit dem Rest des Landes zu jener Zeit. Die Erzählung führt die User:innen in Zeltstädte und Hütten, in denen die Überlebenden jahrelang unter prekären Bedingungen ein normales Dasein zu führen versuchten. Ein Gewitter tobt über den fragilen Hütten, Wasser dringt ein. Im Hintergrund hört man historische Aufnahmen des freien Radiosenders „Radio Libera“, in denen der Aktivist Danilo Dolci das Versagen der italienischen Behörden bei der Bereitstellung menschenwürdiger Lebensbedingungen in den Notunterkünften und beim Wiederaufbau der Stadt öffentlich anprangert.</p>
<p>Der zweite Teil der VR-Erfahrung führt in eine traumartige, surreal anmutende Welt. Hier stehen die Kunstwerke und baulichen Wahrzeichen des neuen Gibellina in einer leeren Landschaft, verlassen und darauf wartend, entdeckt zu werden. Die Bauten sind vielfach nicht fertiggestellt. Wie auch in Wirklichkeit nicht: Diese Traumwelt steht für die Utopie einer Stadt, Gibellina Nuova (Neu-Gibellina), die in den 1970er Jahren am Reißbrett entstand, 18 Kilometer von den Trümmern der einstigen Stadt entfernt. Die Hoffnung des Neuanfangs sollte durch Kunst(werke) symbolisiert werden. Zusätzlich zum berühmten <em>Cretto di Gibellina</em> des Künstlers Alberto Burri, das auf den Ruinen des zerstörten alten Gibellina entstand, stellten zahlreiche weitere Künstler:innen aus ganz Italien der Kleinstadt Gibellina Nuova Werke, Monumente und Gebäude zur Verfügung. Doch der Traum blieb eine unvollendete Utopie.</p>
<p><em>„Die Vision von der Wiedergeburt der zerstörten Stadt durch Kunst und Architektur verbindet sich mit meinem persönlichen Traum, die VR-Erfahrung </em>Gibellina Heartquake VR<em> der Öffentlichkeit zeigen zu können. Beide Träume teilen das Schicksal, irgendwie unvollendet geblieben oder durch die Umstände ausgebremst worden zu sein. Und beide leben von der Zuversicht, vollständig realisiert zu werden.</em> Gibellina Heartquake VR <em>wird im Frankfurter Kunstverein zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Es ist mein großer Wunsch, dass dieses Projekt, das auf Drängen der Bewohner:innen von Gibellina entstanden ist, nicht nur in Italien, sondern auch im Ausland neues Leben und neue Sichtbarkeit erlangt. So kann die Geschichte von Gibellina einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden, damit diese nachdenken kann über den Umgang mit Wunden und Verlust, aber auch mit Hoffnungen und dem Willen zur Transformation, wie sie dramatische Ereignisse erzeugen.“</em></p>
<p>Alberto Stabile</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Alberto Stabile</strong> (*1994, Gibellina Nuova, IT) ist ein 3D-Künstler und VR-Entwickler. Seine Familie erlebte das Erdbeben 1968 in Gibellina und gehört zu den Menschen, deren Schicksal bis heute davon geprägt und verändert wurde. Seit 2018 arbeitet er als 3D-Artist und VR-Entwickler und kooperiert dabei mit Architekturbüros sowie internationalen Automobilunternehmen. Nach Jahren in der 3D-Visualisierung und Full-CGI-Animation ist das Projekt <em>Gibellina Heartquake VR </em>für Stabile eine Rückkehr zu seinen Wurzeln – ein Versuch, das kollektive Gedächtnis seiner Gemeinde durch digitale Kunst neu zum Leben zu erwecken.</p>
<p><iframe title="Nicolò Stabile, Giusepe Ippolito und Alberto Stabile über Gibellina | Das Anwesende des Abwesenden" width="1778" height="1000" src="https://www.youtube.com/embed/Ve1cgEcersM?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Associazione Gibellina Parco Culturale</title>
		<link>https://www.fkv.de/associazione-gibellina-parco-culturale/</link>
		
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		<pubDate>Thu, 17 Oct 2024 12:10:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Il Cretto è casa mia (Der Cretto ist mein Zuhause), 2024 – fortlaufend Ein Projekt von Nicolò Stabile 34 Fotografien von Giuseppe Ippolito Digitale Fotografie, Maße variabel Gedanken der Überlebenden des Erdbebens von Belice 1968, aufgeschrieben und ausgewählt von Giovanna Giordano Courtesy Giuseppe Ippolito (Fotos) und Giovanna Giordano (Text) Il Cretto è casa mia (Der <a href="https://www.fkv.de/associazione-gibellina-parco-culturale/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Il Cretto è casa mia </em>(Der Cretto ist mein Zuhause), 2024 – fortlaufend<br />
Ein Projekt von <strong>Nicolò Stabile</strong><br />
34 Fotografien von <strong>Giuseppe Ippolito </strong><br />
Digitale Fotografie, Maße variabel<br />
Gedanken der Überlebenden des Erdbebens von Belice 1968, aufgeschrieben und ausgewählt von <strong>Giovanna Giordano</strong></p>
<p>Courtesy Giuseppe Ippolito (Fotos) und Giovanna Giordano (Text)</p>
<p><em>Il Cretto è casa mia</em> (Der Cretto ist mein Zuhause) wird im Frankfurter Kunstverein zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Die fotografische Arbeit wurde 2024 durch die beharrliche Entschlossenheit von Nicolò Stabile ins Leben gerufen, der sie als Teil seiner unermüdlichen Arbeit zur Bewahrung des <em>Cretto</em> von Alberto Burri und der Geschichte von Gibellina umsetzt.</p>
<p>Zu sehen sind Porträts von Menschen, die das Erdbeben von Belice überlebten, das 1968 den Westen Siziliens mehrfach erschütterte und zerstörte. Sie sind die letzten Zeug:innen dieses traumatischen Erlebnisses. Die betroffenen Menschen verloren Angehörige und ihr Zuhause. Das Erdbeben sowie die Untätigkeit der Behörden ließen sie heimatlos und mit dem Verlust ihrer gesamten Existenz allein zurück. Nach Jahren in temporären Baracken wurde 18 Kilometer entfernt Gibellina Nuova (das neue Gibellina) erbaut. Künstler:innen und Architekt:innen spendeten Werke. Es war die Stadt einer Utopie der Moderne, die im Laufe der Jahre wieder dem Verfall preisgegeben wurde.</p>
<p>2024 entstand das partizipative Projekt <em>Il Cretto è Casa Mia</em> als Versuch der Heilung und der Wiederaneignung eines Ortes, der in seiner gesamten Präsenz von einer tief empfundenen Abwesenheit zeugt. Mehr als fünfzig Jahre nach dem Erdbeben haben sich Menschen zusammengetan, um ihre Porträts anfertigen zu lassen. Sie stehen vor den einstigen Trümmern ihrer Häuser. In den 1980er Jahren entstand auf diesen Überresten das Landschaftskunstwerk von Alberto Burri, der <em>Cretto di Gibellina</em>, als Ort der Stille und der Erinnerung. Dem Künstler gelang es, den Schmerz durch einen respektvollen gestalterischen Akt in eine Form erhabener Schönheit umzugestalten. Seine weißen Betonschichten verhüllten die Überreste, einem Leichentuch gleich, und bewahren sie in der Verborgenheit ihres Inneren.</p>
<p>Nicolò Stabile, selbst Überlebender und Gründer des Vereins Associazione Gibellina Parco Culturale ist der Impulsgeber eines visionären wie monumentalen Bestrebens, diesen Ort nicht dem Verfall preiszugeben, sondern ihn zu bewahren und dafür kollektive Kräfte zu mobilisieren. Seit Jahren engagiert er sich für den Erhalt der Kunst und der Gedenkstätte. So lud er 2024 den Fotografen Giuseppe Ippolito ein, die Überlebenden vor Ort zu porträtieren. Die als fortlaufender Prozess konzipierte Fotoaktion umfasst inzwischen 60 Porträts, von denen 34 gedruckt und erstmals im Rahmen der Gruppenausstellung <em>Das Anwesende des Abwesenden</em> gezeigt werden. Die Menschen, deren Gesichter wir sehen, gehören der letzten Generation an, die dieses für Sizilien und ganz Italien erschütternde Ereignis bezeugen kann.</p>
<p>Von den Fotos aus schauen sie uns an. Sie zucken nicht vor der Gewalt der Geschichte zurück, sondern treten als Individuen hervor. Sie erzählen der Schriftstellerin Giovanna Giordano ihre Geschichten, die in der Ausstellung in Auszügen zu lesen sind. Sie sind stolz darauf, dass Alberto Burri die Ruinen ihrer Häuser nutzte, um eines der wichtigsten Denkmäler der Welt und sein Meisterwerk zu schaffen. Ein lebendiger Ort der Landschaft, der Erinnerung, der Kultur.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nicolò Stabile</strong> (*1966, Gibellina, IT) arbeitete in den 1980er Jahren in noch jungem Alter an der Seite von Ludovico Corrao (*1927, Alcamo, IT; †2011, Gibellina, IT), dem ehemaligen Bürgermeister von Gibellina, IT, am Wiederaufbau der Stadt nach dem Erdbeben von Belice von 1968. In den 1990er Jahren lebte und arbeitete er in Brüssel, BE, wo er als Dramatiker, Organisator, Pressesprecher und Übersetzer für verschiedene Theater, Festivals und Künstler:innen tätig war, darunter Kunstenfestivaldesarts, Brüssel (BE), Kaaitheater, Brüssel (BE), CharleroiDanses, Charleroi (BE) und Needcompany, Brüssel (BE). Zudem arbeitete er als Produzent für Thierry Salmon. Im Jahr 2000 kehrte Stabile nach Gibellina zurück, wo er die Compagnia Caterina Sagna leitete und zahlreiche Koproduktionen mit bedeutenden Institutionen wie dem Théâtre de la Ville, Paris (FR), Théâtre de la Bastille, Paris (FR), Festival d’Avignon (FR) und Biennale di Venezia (IT) realisierte. Von 2006 bis 2010 war er für die Öffentlichkeitsarbeit und das Ente Promozione Danza der Fondazione Romaeuropa, Rom (IT), sowie für das Programm am Teatro Palladium, Rom (IT) verantwortlich. Seit 2010 engagiert sich Stabile für den Erhalt und die Dokumentation des öffentlichen Kunstbestands der Stadt Gibellina, insbesondere des <em>Cretto</em> von Alberto Burri. In diesem Zusammenhang hat er mit Künstler:innen, Fotograf:innen, Regisseur:innen, Forscher:innen, Dramaturg:innen, Archiven, Universitäten und Institutionen zusammengearbeitet, um die Stadt Gibellina und ihre Widersprüche zu dokumentieren. Zu den Mitwirkenden zählen Thierry de Mey, Marzia Migliora, Petra Noordkamp, Elisa Giardina Papa, Onorato &amp; Krebs, David Williams, Maya Bosch, Christian Lutz, Pablo Fidalgo, Alexander Rosenkranz, Istituto Svizzero, Rom (IT), Accademia Tedesca Villa Massimo, Rom (IT), Fondazione Sandretto Re Baudengo, Turin (IT) und Archivio Pietro Consagra, Gibellina (IT).</p>
<p><strong>Giuseppe Ippolito</strong> (*1987, Novara, IT) ist ein italienischer Fotograf, der auf Porträt- und Reportagefotografie für die Verlags- und Werbebranche spezialisiert ist. Seine Reportagen wurden in nationalen und internationalen Publikationen veröffentlicht, darunter The Guardian, Vanity Fair, La Cucina Italiana, Business Traveller UK, The Creative Brothers, Athleta Magazine, Suq Magazine und Trentino Magazine. Ippolito ist im Bereich <em>Food and Beverage</em> als Fotograf von Celebrity Chefs bekannt und hat mit La Repubblica, Panorama, Dispensa Magazine und Fine Dining Lovers von San Pellegrino zusammengearbeitet. Im Jahr 2017 erhielt er eine besondere Erwähnung von der World Photography Organization und wurde in die Shortlist für den Preis Food Photographer Of The Year aufgenommen. Kürzlich erweiterte er sein Engagement auf die Erstellung von institutionellen Kampagnen für die Regione Sicilia, die SIAE (Società Italiana degli Autori ed Editori) und das MiBAC (Ministero per i Beni e le Attività Culturali). Ippolitos Eltern stammen aus Gibellina.</p>
<p><strong>Giovanna Giordano</strong> (*1961, Mailand, IT) lebt in Catania, IT, wo sie Philosophie an der Accademia di Belle Arti unterrichtet und als Journalistin und Autorin arbeitet. Giordano ist bekannt für ihre Romane, die Leser:innen auf eine Reise von Sizilien zu anderen Orten außerhalb Italiens mitnimmt. Sie hat afrikanische Kunstgeschichte studiert und schreibt regelmäßig für Publikationen wie La Stampa, Il Giornale di Sicilia, Il Mattino und aktuell für La Sicilia. Giordano erhielt zahlreiche Preise wie den Premio Recalmare Sciascia für ihre Romane, darunter <em>Trentaseimila giorni</em> (1996), <em>Un volo magico</em> (1998) und <em>Il mistero di Lithian</em> (2004). 2020 stand sie auf der Shortlist für den Literaturnobelpreis. Ihr Werk <em>Il profumo della libertà </em>(2021; in deutscher Sprache 2023 erschienen, <em>So viele Paradiese</em>, Eichborn) war für den Premio Strega 2022 nominiert.</p>
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		<title>Petra Noordkamp</title>
		<link>https://www.fkv.de/petra-noordkamp/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Oct 2024 15:43:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Il Grande Cretto di Gibellina, 2015 Film, 14 min Courtesy Petra Noordkamp und The Solomon R. Guggenheim Foundation Petra Noordkamp ist Künstlerin. Sie arbeitet mit Fotografie und Film und erforscht den Einfluss von Erfahrungen, Erinnerungen, Filmen und Träumen auf die Wahrnehmung von Architektur und der städtischen Umwelt. 2015 entstand auf Einladung des Guggenheim Museums New <a href="https://www.fkv.de/petra-noordkamp/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Il </em><em>Grande Cretto di Gibellina</em>, 2015<br />
Film, 14 min<br />
Courtesy Petra Noordkamp und The Solomon R. Guggenheim Foundation</p>
<p>Petra Noordkamp ist Künstlerin. Sie arbeitet mit Fotografie und Film und erforscht den Einfluss von Erfahrungen, Erinnerungen, Filmen und Träumen auf die Wahrnehmung von Architektur und der städtischen Umwelt.</p>
<p>2015 entstand auf Einladung des Guggenheim Museums New York ihr Film <em>Il</em> <em>Grande Cretto di Gibellina</em>. Noordkamp widmete ihn dem Landschaftsmonument des italienischen Künstlers der Arte Povera, Alberto Burri (*1915, Città di Castello, IT; † 1995, Nizza, FR). Die Errichtung des <em>Cretto</em> begann im Jahr 1984 und wurde 2015 abgeschlossen. Das Werk erstreckt sich heute über eine Fläche von 90.000 Quadratmetern.</p>
<p>Die Geschichte des <em>Cretto di Gibellina</em> (Der Riss von Gibellina) von Alberto Burri ist komplex. 1979 begann Burri mit der Idee für das Werk. Zwischen 1985 und 1989 ließ er eine 1,50 Meter hohe Schicht aus weißem Zement über die Trümmer gießen, die das große Erdbeben vom 14. Januar 1968 hinterlassen hatte und das die Stadt Gibellina sowie das Leben ihrer 5.000 Bewohner:innen zerstörte. Straßen, Plätze, Häuser, Geschäfte, Schulen, Kirchen, ein Theater, das Chiaramonte-Schloss aus dem 14. Jahrhundert, alles stürzte ein und begrub Menschen sowie ihr Hab und Gut unter sich. Etwa hundert Menschen starben. Alle anderen verloren ihr Zuhause und jede Familie hatte Opfer zu beklagen. Eine traumatisierende und grundlegende Erfahrung der Unentrinnbarkeit vor der Macht der Natur. Burris Werk, das elf Jahre nach dem Geschehnis entstand, bewahrt die Ruinen und bedeckt sie mit der weißen Zementschicht.</p>
<p>Es ist ein Ort der Abwesenheit, der Erinnerung und der Stille. Burris Größe liegt darin, den Schmerz und die Trauer der Menschen gespürt und geachtet zu haben. Er gab dem eine Form. Burri wählte ausdrücklich weißen Zement. Die Farbe Weiß war für ihn ein Symbol des Lichtes. Ein Licht, das an dem Ort dunkelster Erfahrungen von Zerstörung und Tod sich diesen widersetzt. Das scheinbar harte Material ist selbst verletzlich. Die Zeit macht es brüchig. Kapernpflanzen wurzeln und sprengen Risse in die Oberfläche, Algen und Moos zersetzen sie, Wind, Sonne und Regen. All dies erinnert uns an die menschliche Form des Lebens, die immer verletzlich ist. Der Zement und die menschengemachte Form würden im ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen zerfallen, hätten die Überlebenden des Erdbebens sich nicht der Aufgabe verschrieben, den skulpturalen Körper des <em>Cretto</em> zu pflegen. Wie schwer es ist, das Weiß des Betons zu bewahren, wissen die Menschen, die den Verein Associazione Gibellina Parco Culturale gegründet haben. Ihre Fürsorge trotzt der Zeit und dem Vergessen. Denn in seiner erhabenen Schönheit soll der <em>Cretto</em> bestehen bleiben. Als Symbol einer Abwesenheit und gleichzeitig als Zeichen der Kraft des Schönen ist dies einigen Menschen von Gibellina ein Wert.</p>
<p>Burri suchte nach der Schönheit. Für ihn ist es die Form, die in einem strengen Gleichgewicht sinnlich und geistig bildhaft zu uns spricht. Es ist nicht die Auffassung einer Schönheit, die das Hässliche, das Unverständliche, die Verletzung und Zerbrechlichkeit verdeckt und beschönigt, sondern er vertritt die Überzeugung, dass Kunst sie in sich aufnimmt und zu Sinnhaftigkeit macht.</p>
<p>Petra Noordkamp verbrachte viele Monate in Gibellina. Für sie war es ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit, die Stille des <em>Cretto</em> zu erleben, Zeit dort zu verbringen und eine Form zu finden, diesen Ort Menschen in der Ferne filmisch nahe zu bringen. Sie sichtete historische Fotos und Filmaufnahmen, die ihr die Menschen zeigten, die das Erdbeben überlebt hatten. Sie war berührt von den Bildern vergangener Zeiten und des heute abwesenden Lebens. Dieses Material fügte sie in ihren Film ein als Hommage an die Freund:innen und Bewohner:innen von Gibellina. So sehen wir eine Szene, in der der Vater und der Bruder von Nicolò Stabile, heute Initiator der Associazione Gibellina Parco Culturale und Aktivist, zu sehen sind, und der zu einem engen Freund wurde.</p>
<p>Aus der Luft erscheint der minimalistische Entwurf von Burri wie ein weißes Quadrat, wie eine Leinwand, die den gesamten Hügel bedeckt, durchfurcht von tiefen Spalten und Rissen. Diese erinnern an die Straßen der zerstörten Stadt Gibellina. Sie lassen auch an die Furchen denken, die Erdbeben anrichten. Und sie stehen sinnbildhaft für die Risse in den Existenzen der Menschen, die in Gibellina alles verloren.</p>
<p>Petra Noordkamp wählt bewusst den Blickwinkel (altern. Kameraeinstellung) auf Augenhöhe. Es ist, als führte ihr Film uns durch die Wege des <em>Cretto di Gibellina</em>. Ihre Arbeit schafft ein Gefühl der Anwesenheit. Noordkamp erzeugt in den Betrachtenden den Eindruck, den Ort zu durchschreiten und nachzuempfinden, was dort passiert sein mag.</p>
<p>Für die Vertonung ihres Filmes hat Petra Noordkamp die niederländische Klangkünstlerin Nathalie Bruys eingeladen. Sie nahm vor Ort Umgebungsgeräusche auf – die Geräusche der Schafe, des Windes und der Vögel – und integrierte sie als Tonfragmente in die endgültige Klanglandschaft des Films.</p>
<p>Burri selbst hatte hinterlassen, dass der <em>Cretto </em>ein Ort der Stille bleiben soll. Nur Elemente der Natur sollen zu hören sein – die Vögel, der Wind, die Grillen. Kein touristischer Trubel, keine Vermarktung sollen stören. Momente der Selbsteinkehr. Die Erfahrung des Individuums als Ausdruck des Hier und Jetzt in Anbetracht der Ewigkeit von Raum und Zeit stellt sich an diesem besonderen Ort ein.</p>
<p>Noordkamps gesamtes Werk ist von den Gedanken des finnischen Architekten Juhani Pallasmaa zur Stille beeinflusst. Die Welt verliert ihr Mysterium, ihre Poesie und ihre sinnliche Anwesenheit, so der Architekt. Der Verlust der Stille und der Dunkelheit stehen sinnbildhaft für eine Entfremdung des Menschen von einem spirituellen Bezug zur Welt und zur Natur.</p>
<p>Der Film von Petra Noordkamp verdeutlicht, wie das <em>Cretto</em> von Alberto Burri für seine eigene Geschichte und als Narbe in der Zeit steht. Er erinnert an die Katastrophe und zeigt gleichzeitig einen Ort der Schönheit inmitten der ewigen Hügellandschaft des Belice-Tals. Hier hat die Kunst die Aufgabe erfüllt, eine Wunde zuzudecken. Das Verletzte zu schützen und zu bewahren. Die Anwesenheit des Abwesenden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Petra Noordkamp</strong> (*1967, Losser, NL) ist eine niederländische Künstlerin und Filmemacherin, die in Amsterdam (NL) lebt und arbeitet. Von 1996 bis 2000 studierte sie Fotografie an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam (NL). 2012 präsentierte Noordkamp ihren ersten Kurzfilm <em>The Mother, the Son and the Architect</em>, gedreht in der Chiesa Madre des Architekten Ludovico Quaroni in Gibellina (IT), in einer Einzelausstellung im Fotografiemuseum Foam in Amsterdam (NL). Der Film wurde auf zahlreichen internationalen Filmfestivals gezeigt. 2013 war sie Artist-in-Residence an der American Academy in Rom (IT). 2014 kehrte sie im Auftrag der Guggenheim Foundation, New York (US), nach Gibellina zurück, um den Kurzfilm <em>Il Grande Cretto di Gibellina</em> über das Land-Art-Kunstwerk <em>Cretto</em> von Alberto Burri zu realisieren. Dieser wurde in renommierten Institutionen wie dem Guggenheim Museum, New York (US), K21, Düsseldorf (DE), und dem Centre Pompidou, Paris (FR), gezeigt. Ihr Film <em>When You Return I&#8217;ll Be Living by the Waterside</em> (2017) feierte seine Weltpremiere beim International Film Festival Rotterdam (IFFR) im Jahr 2018. 2017 realisierte Noordkamp die Diptychon-Installation <em>Fragile &#8211; Handle with Care</em>, die vom Museo Nazionale delle Arti del XXI Secolo &#8211; MAXXI in Rom (IT) in Auftrag gegeben wurde. 2020 begann sie das Projekt <em>Better Not Move</em> in Tokio (JP), das sich in einem Buch, einem Film und mehreren Ausstellungen manifestierte.</p>
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