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		<title>Pressestimmen zu „Bending the Curve”</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Feb 2024 15:30:46 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„Und deshalb setzt die Schau auf positive Erzählungen und nicht auf apokalyptische Narrative, von denen die Künste in Zeiten von Krisen überschwemmt werden. Die Präsentation wird vielmehr von dem positiven Impuls getragen, dass der steile Anstieg des Artensterbens durch neue Handlungsoptionen gemildert werden kann. Doch so wenig, wie sie die ökologische Kränkung durcharbeitet, die dem Menschen derzeit widerfährt, die lähmende Macht von Verlustangst und Umwelttrauer, so wenig ist die Ausstellung ein einhegendes Unternehmen, das falschen Optimismus durch die Illusionsmaschine Kunst verbreitet. Die Finesse, Kunst und Wissenschaft als gleichberechtigte und sich gegenseitig ergänzende Sichtweisen zu präsentieren, ist ein Gewinn und folgt aktuellen Ansätzen von Donna Haraway, Anna Lowenhaupt Tsing, Stefano Mancuso und einer Reihe anderer theoretischer Positionen. (…) Seit Jahren profiliert sich der Frankfurter Kunstverein mit Projekten zur Transformation von Mensch-Natur-Verhältnissen, die die utopischen Potentiale der Kunst mit wissenschaftlichen Erkenntnissen verflechten, wie etwa in den Ausstellungen <em>Trees of Life</em> (2019 / 20) oder <em>Die Intelligenz der Pflanzen </em>(2021 / 22). (…) Könnte die Präsentation dieser fein austarierten Mikrowelten symbiotischer Existenz nicht zu einer Kultur des Staunens verhelfen? Und könnte nicht das Staunen über das Winzige, das eine grandiose Wirkung zu entfalten vermag, zu mehr Behutsamkeit und Fürsorge führen? In der Begriffstradition jedenfalls begegnet die <em>admiratio</em>, das Staunen über die Natur, als Demutsbegriff, und in diesem Sinne bräuchte es noch viel mehr Ausstellungen wie diese.”</p>
<p><a href="https://www.kunstforum.de/artikel/bending-the-curve/">Judith Elisabeth Weiss, <em>Bending the Curve</em></a><a href="https://www.kunstforum.de/artikel/bending-the-curve/">, Kunstforum International, Band 294, Februar 2024</a></p>
<p>„Im ersten Obergeschoss zeigt ein munteres Diagramm mit Tieren, Bäumen, Menschen auf der weißen Wand, wie das tatsächlich gelingen kann, die Kurve abzuflachen, wenn nicht gar zu drehen, bis ins Jahr 2100. Wenn wir mehr Erhaltungspflege betreiben, unsere Konsum umstellen und nachhaltig produzieren. Das hat man schon oft gehört – aber in Zeiten, in denen die einen mit Protest auf jedes gefühlte Verbot reagieren und zugleich viele, vor allem junge Leute bis zur psychischen Erkrankung hoffnungslos sind angesichts der ökologischen Entwicklung, ist das Diagramm, bunt auf weiß, samt einiger Zitate, die den großen Wandel in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft in machbare Päckchen aufteilen, geradezu tröstlich. Und Trost, so seltsam das klingen mag, ist ein Gefühl, das die Besucher durchaus ergreifen kann angesichts der künstlerischen Positionen, die regelrecht verschmelzen mit der Wissenschaft in „Bending The Curve“. Trägt die Ausstellung doch den Untertitel „Wissen, Handeln, (Für)sorge für Biodiversität“. (…) So versucht der Parcours durch den Kunstverein, die fatal nach unten zeigende Kurve unserer Zuversicht und Tatkraft umzukehren. Er spricht die Empathie jedes Einzelnen an und eine Ermunterung aus: Sich als Teil eines Ganzen zu verstehen. Für das es sich zu kämpfen lohnt.”</p>
<p><a href="https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/frankfurter-kunstverein-zeigt-kunst-zum-klimawandel-19242404.html">Eva-Maria Magel, <em>Die Kurve der Zuversicht</em>, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2023</a></p>
<p>„Zugvögel, Ameisen und Biodaten sollen Kunst schaffen? Der Frankfurter Kunstverein zeigt Schönes aus der Natur, um ihrer Zerstörung entgegenzutreten. (…) Die ungewöhnliche Zusammenarbeit zwischen Franziska Nori vom Kunstverein und Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszen­trums, zeigt aber keine – oft effekthascherische – „Bio Art“. Die Ausstellung präsentiert bedacht ausgewählte Exponate aus Naturwissenschaft und bildender Kunst unter einer prägnanten These: Um Klimawandel, Verlust von Biodiversität und Umweltverschmutzung zu stoppen und so die Ökosysteme zu schützen, bedürfe es „positiver Erzählungen“. (&#8230;) Wenn man erst mal angefangen hat, die Exponate wie reine Kunstwerke zu betrachten, kommen die erstaunlichsten Assoziationen. Da sind zum Beispiel sechs Aluminiumabgüsse von unterirdischen Ameisenbauten des US-amerikanischen Biologen Walter R. Tschinkel. Von der Decke hängend sehen sie aus wie abstrakte Kleinskulpturen, die von Calder, Giacometti oder Brâncuși inspiriert sein könnten.”</p>
<p><a href="https://taz.de/Ausstellung-ueber-Schoenes-aus-der-Natur/!5971864/">Tilman Baumgärtel, <em>Die Kunst der Tiere</em>, taz, 15.11.23</a></p>
<p>„Die mit Glasröhren verbundenen Glaskuben ziehen das Publikum unwiderstehlich an. In ihrem Inneren krabbeln Ameisen, zerschneiden Blätter, legen Pilzgärten an. Was fasziniert uns so? (…) Stundenlang möchte man staunen: über die Präzision des Ablaufs, die Fresskammern oder Abfallhaufen – ausgeschiedene organische Reste, die so gar nichts mit unseren toxischen Müllhaufen zu tun haben.“</p>
<p><a href="https://www.springerin.at/aktuell/">Yvonne Volkart, <em>Bending the Curve. Wissen, Handeln, [Für]Sorge für Biodiversität</em>, Springerin, 4/2023</a></p>
<p>Umwerfend, was Design-Professorin Julia Lohmann präsentiert: eine begehbare Skulptur aus Seetang und eine Werkschau ihrer Arbeit mit den Pflanzen der Ozeane, die schnell wachsen und umweltfreundliches Baumaterial abgeben. (…) Noch mehr wow: Alexandra Daisy Ginsberg entwarf einen Algorithmus, der Pflanzen und Bestäuber mit den größten Erfolgsaussichten je nach Standort zusammenbringt – und schuf fünf großformatige digitale Pflanzengemälde in den Farben, in denen die Bestäuber sie sehen. Wow. Und noch einmal wow: Oben unterm Dach wachsen zu sphärischen Klängen im Dämmerlicht Kohlenstoff-Felsen aus dem Boden, die man berühren darf, eine interaktive Rauminstallation. Dazu Virtual-Reality-Brillen als Einladung, an atemberaubenden Vogelflügen teilzunehmen. Und warum „Bending the Curve“? Weil es darum geht, noch die Kurve zu kriegen fürs Klima und die Biodiversität. Die Kurve in ihren verschiedenen Verläufen ist Teil der Ausstellung. Sie zeigt: Es liegt an uns, dass es wieder aufwärts geht mit der Vielfalt.“</p>
<p><a href="https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-die-artenvielfalt-retten-aber-aesthetisch-92574194.html">Thomas Stillbauer, <em>Die Artenvielfalt retten, aber ästhetisch</em>, Frankfurter Rundschau, 12.10.23</a></p>
<p>„Ein Stockwerk höher findet sich ein ganz besonderes Ausstellungsstück: ein zeltähnliches Gebilde aus Algen. Die Gestalterin Julia Lohmann hat es gebildet. (…) Das Erstaunliche: Von der Konsistenz und der Struktur her erinnert das Material tatsächlich an Leder. Das begehbare Algenhäuschen und andere Algenexponate dürfen nämlich – was ansonsten oft nicht erlaubt ist – berührt werden. Dadurch solle das Museum als Raum dienen, um intensiver nachzudenken und mit anderen zusammenzukommen, statt die Stücke nur allein zu begutachten.“</p>
<p><a href="https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Kultur-9/Artenvielfalt-im-Frankfurter-Kunstverein-Kunst-und-Wissenschaft-Algenhaeuschen-Tier-Pilz-Symbiosen-und-Blumengemaelde-41441.html">Till Geginat, <em>Kunst und Wissenschaft: Algenhäuschen, Tier-Pilz-Symbiosen und Blumengemälde</em>, Journal Frankfurt, 13.10.23</a></p>
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		<title>Pressestimmen zur Ausstellung „Fake Views”</title>
		<link>https://www.fkv.de/pressestimmen-zur-ausstellung-fake-views/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Jul 2023 14:23:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[„Natürlich sind die Datenströme für die Betrachterinnen und Betrachter nicht sichtbar. Es ist auch kein Rauschen zu hören. Und das ist das Seltsame überhaupt an der digitalen Infrastruktur, auf der die Menschheit ihr Leben aufbaut. Sie ist meistens unsichtbar. Sie funktioniert irgendwie im Hintergrund. Eva &#38; Franco Mattes haben jetzt eine Art künstlerisch transformiertes Datacenter <a href="https://www.fkv.de/pressestimmen-zur-ausstellung-fake-views/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Natürlich sind die Datenströme für die Betrachterinnen und Betrachter nicht sichtbar. Es ist auch kein Rauschen zu hören. Und das ist das Seltsame überhaupt an der digitalen Infrastruktur, auf der die Menschheit ihr Leben aufbaut. Sie ist meistens unsichtbar. Sie funktioniert irgendwie im Hintergrund. Eva &amp; Franco Mattes haben jetzt eine Art künstlerisch transformiertes Datacenter in den Kunstverein gebaut. Der Besuch ihrer Ausstellung ist gewissermaßen auch ein Baustellenbesuch, ein Vordringen in das Gehäuse einer Serverfarm, ein Gang entlang des Datenflusses, durch Algorithmen, Memes und digitale Parallelwelten. Das Erstaunlichste dabei ist: Am Ende trifft man nicht auf eine KI, nicht auf eine maschinelle Blackbox, sondern: auf Menschen.”<br />
<a href="https://www.fr.de/kultur/kunst/eva-franco-mattes-im-frankfurter-kunstverein-immer-entlang-des-datenflusses-92409037.html"><strong>Lisa Berins, <em>Eva &amp; Franco Mattes im Frankfurter Kunstverein: Immer entlang des Datenflusses…</em>, Frankfurter Rundschau, 18.07.2023</strong></a></p>
<p>„Die Neongelben Datenautobahnen winden sich wie die Schlange des Laokoons durch das Treppenhaus in die Ausstellungsräume. Durch die Kabel werden tatsächlich Dateien rumgeschickt, die freilich unsichtbar bleiben. Auch diese Installation ist eine kluge, eine überzeugende Pointe in der Ausstellung <em>Fake Views</em>. Bei seiner investigativen Recherche arbeitet das Duo mit Journalisten zusammen. Es verhandelt aber darüber hinaus nach formal ästhetischen Settings, die die Erkenntnisse in eine künstlerischen Sprache übersetzen.”<br />
<a href="https://www.deutschlandfunk.de/fake-views-der-frankfurter-kunstverein-zeigt-eva-franco-mattes-dlf-375f7b2c-100.html"><strong>Georg Imdahl, <em>Fake Views – Der Frankfurter Kunstverein zeigt Eva Franco Mattes</em>, Deutschlandfunk, 15.07.2023</strong></a></p>
<p>„Eva &amp; Franco Mattes versuchen sichtbar zu machen, was das Internet mit uns macht. Wie es uns steuert und dirigiert. Welche Machtstrukturen sich darin verbergen. Auf welchen Materialitäten es beruht. Und nutzen dazu den klassischen verfremdenden Blick. (…). Um diese kurzen Videos zu sehen, muss man sich selbst verrenken und eine Performance durchführen. (…) Aber diese Verrenkungen, die von den Besucher:innen verlangt werden, sind keine abgedroschenen Übungen in Sachen Partizipation. Sie verweisen auf ironische Art auf die Verformungen, die das Internet bei uns bewirkt, ohne dass wir es vielleicht spüren. (…) Die <em>fake views</em>, die trügerischen Bilder, mit denen uns das Internet oft genug als Meinungsmacher oder zur Stimulierung des Konsumverhaltens überschwemmt, werden von Eva &amp; Franco Mattes mit Ironie und Aufklärungshoffnung dekonstruiert. Ein animierendes Lehrstück in Sachen Medienkompetenz.”<br />
<a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/das-internet-enttarnen-kuenstlerduo-eva-franco-mattes-zeigt-seine-fake-views-dlf-kultur-f5407f25-100.html"><strong>Rudolf Schmitz, <em>Das Internet enttarnen: Künstlerduo Eva &amp; Franco Mattes zeigt seine „Fake Views“</em>, Deutschlandfunk Kultur, 13.07.2023</strong></a></p>
<p>„Es hat Wochen gedauert, die vertrackte Konstruktion von „Untitled. Yellow Cable Tray“ in den Kunstverein einzubauen, dafür Paneele aus den Decken zu nehmen und die leuchtend gelben Kabeltrassen, die ein Hersteller gesponsert hat, um Kurven, über Treppen und alle Stockwerke zu führen. Es ist ein ästhetisch attraktiv gewordenes Gebrauchsstück, das ein System der Bezüge regelrecht greifbar macht, die auch lokal sind: Frankfurt als international bedeutender Internetknotenpunkt wird so in den Kunst-Alltag und vor aller Augen geholt.”<br />
<a href="https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/ausstellung-von-eva-und-franco-mattes-fake-views-im-frankfurter-kunstverein-19050662.html"><strong>Eva-Maria Magel, <em>Was das Netz mit uns macht</em>, F.A.S., 23.07.2023</strong></a></p>
<p>„Liegt das Problem nun in den sozialen Netzwerken, den dahinterstehenden Milliardenunternehmen, der Politik oder doch im Menschen selbst begründet? Was ist nun jener überhaupt im World Wide Web, wenn man frei nach Friedrich Kittler feststellte: „Letztlich passen wir uns der Maschine an, nicht die Maschine an uns“? Wo andere verkürzen, fächern Eva &amp; Franco Mattes die Dinge weiter auf.”<br />
<a href="https://taz.de/Pioniere-der-Netzkunst-in-Frankfurt-aM/!5948487/"><strong>Katharina J. Cichosch, <em>Pioniere der Netzkunst in Frankfurt a.M., Und ganz oben surrt der Gottserver</em>, 27.07.2023</strong></a></p>
<p>„Jeden Tag teilen wir am Rechner oder am Smartphone Unmengen von Daten. Mit dem Hochladen in die Cloud verschwinden sie scheinbar im Nirgendwo. Doch ein junger Künstler zeigt: An manchen Stellen in Frankfurt wird das Internet greifbar &#8211; und damit auch angreifbar.”<br />
<a href="https://www.hessenschau.de/kultur/radtour-auf-der-spur-unserer-daten-wo-in-frankfurt-das-internet-wohnt-v1,kuenstler-macht-das-internet-sichtbar-100.html"><strong>Lara Karbalaie, <em>Wo in Frankfurt das Internet wohnt</em>, Hessenschau, 14.07.2023</strong></a></p>
<p>„Die Medienkünstler Eva und Franco Mattes setzen sich kritisch mit der digitalen Gesellschaft auseinander. Im Frankfurter Kunstverein haben sie einen Ausstellungsparcours errichtet, der Täuschungen, Machtstrukturen und Narrative sichtbar machen soll. (…) Zum einen ist Frankfurt einer der wichtigsten Standorte unserer digitalen Zeit, denn hier befindet sich der weltweit größte Internetknotenpunkt DE-CIX genannt. (…) Zum anderen ist es der Direktorin des Kunstvereins Franziska Nori, die die Ausstellung kuratiert hat, ein großes Anliegen, gesellschaftliche Phänomene ins Bewusstsein zu rufen und das Nicht-Sichtbare sichtbar zu machen. Man denke nur an die eindringliche Ausstellung „Three Doors“ im vergangenen Jahr.”<br />
<a href="https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Kultur-9/Frankfurter-Kunstverein-Fake-Views-41027.html"><strong>Jasmin Schülke, <em>Fake Views</em>, Journal Frankfurt, 14.07.2023</strong></a></p>
<p>„Für uns Nutzerinnen und Nutzer sind solche Content-Moderatorinnen und Moderatoren unsichtbar. Und das steht sinnbildlich für das Internet insgesamt. (…) Die im Hintergrund ausgetauschten Daten sind für uns nicht greifbar. Und was das Internet mit uns macht, auch nicht. Eva &amp; Franco Mattes machen das in ihrer Ausstellung deutlich und fordern Besucherinnen und Besucher mit ihren Installationen heraus. (…) Auf diese Weise zeigen Eva &amp; Franco Mattes wie viel Macht hinter dem Internet und seinen Materialien steckt.”<br />
<a href="https://www.hessenschau.de/kultur/fake-views-im-frankfurter-kunstverein,audio-84152~_story-kuenstler-macht-das-internet-sichtbar-100.html"><strong>Lara Karbalaie, <em>“Fake Views” im Frankfurter Kunstverein</em>, Hessenschau, 14.07.2023</strong></a></p>
<p>„Die Ausstellung macht sehr nachdenklich. Was geben wir alles preis? Auf was fallen wir rein? Wie viel Zeit verdaddeln wir im Internet? Alles so schön falsch hier. Alles nicht nur schillernd bunt, sondern beklemmend. Denn das Internet ist eben nicht nur ein Ort, an dem es viele Informationen, Kommunikation und niedliche Katzenvideos gibt. So abstrakt es sein mag, so sehr verändert es unseren Alltag und unsere Gesellschaft. Und das nicht zwingend zum Guten”<br />
<a href="https://www.main-echo.de/ressorts/kultur/alles-so-schoen-falsch-hier-art-7987351"><strong>Fee Berthold-Geis, <em>Alles so schön falsch hier</em>, Main-Echo, 21.07.2023</strong></a></p>
<p>„Zu sehen ist also die materielle Infrastruktur der Daten, all die Hardware, die für die meisten zweitrangig ist, weil es zuerst ums Internetsurfen geht. Aber so verweisen die Mattes darauf, dass wir uns etwas vormachen: Die Technologie wird benötigt fürs Senden und Empfangen, Speichern und Teilen. Dahinter stehen jedoch Konzerne, die sich den Datenzugriff sichern. Da kommt jeder ins Grübeln, ob er nicht besser aufpassen sollte.”<br />
<strong>Christian Huther, Schminktipps gegen Hetze im Netz, Frankfurter Neue Presse, 29.07.2023</strong></p>
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		<title>Up Next, 2023</title>
		<link>https://www.fkv.de/up-next-2023/</link>
		
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		<pubDate>Thu, 13 Jul 2023 14:52:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Videoinstallation, erhöhter Boden wie in Rechenzentren 24:04 Min. Courtesy die Künstler:innen und Apalazzo Gallery Als Premiere zeigt der Frankfurter Kunstverein Eva und Franco Mattes‘ neue Videoarbeit Up Next. Diese thematisiert das Schicksal von Fatemeh Khishvand (*2001, Teheran, Iran), die auf Instagram als Sahar Tabar bekannt wurde. Ihre Geschichte wurde zu einem Phänomen der Internetkultur. Der <a href="https://www.fkv.de/up-next-2023/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Videoinstallation, erhöhter Boden wie in Rechenzentren<br />
24:04 Min.<br />
Courtesy die Künstler:innen und Apalazzo Gallery</p>
<p>Als Premiere zeigt der Frankfurter Kunstverein Eva und Franco Mattes‘ neue Videoarbeit <em>Up Next</em>. Diese thematisiert das Schicksal von Fatemeh Khishvand (*2001, Teheran, Iran), die auf Instagram als Sahar Tabar bekannt wurde. Ihre Geschichte wurde zu einem Phänomen der Internetkultur.</p>
<p>Der Fall von Fatemeh Khishvand berührt viele Themen, mit denen sich Eva &amp; Franco Mattes in ihrer Arbeit beschäftigen: Sichtbarkeit, Fehlinformationen, Bildverbreitung, Meme-Kultur, Viralität, Ausbeutung und Manipulation.</p>
<p>Seit 2019 hat das Künstler:innenduo den Fall der iranischen Social Media-Berühmtheit verfolgt und tausende Fotos und Artikel archiviert. Für die Video-Slideshow, die gänzlich ohne Ton konzipiert wurde, haben die Künstler:innen hundert Bilder ausgewählt: Selfie-Fotos von Tabar wechseln sich mit nicht belegten Zitaten aus Artikeln über die Bloggerin ab – hauptsächlich Clickbait-Artikel, die über die Jahre vorwiegend abfällige, widersprüchliche und teilweise falsche Informationen über die Instagrammerin gestreut haben.</p>
<p>Zwischen den einzelnen Bildern fügt das Künstler:innenduo Schwarzbilder, leere Pausen, ein, die den Betrachter:innen Zeit geben sollen, über die Wahrhaftigkeit des Gesehenen nachzudenken. Dieses stilistische Mittel bricht mit der Schnelligkeit des auf Instagram herrschenden Modus für die zeitliche Begrenzung von Stories und Reels. Diese dürfen die maximale Dauer von 15 bzw. 90 Sekunden nicht überschreiten und folgen pausenlos aneinander. Das Ganze gehört zu einer Strategie, die den sozialen Medien inne liegt. Sie wurde dahingehend entwickelt, neuronale Reaktionen zu erzeugen, die denjenigen einer Abhängigkeit gleichen, was durch den ständigen Fluss neuer Bild-Stimuli ausgelöst wird. Das Phänomen ist Teil der Aufmerksamkeitsökonomie, die in der Social Media-Welt herrscht und hat unsere Sehgewohnheit nachhaltig verändert.</p>
<p>Zu Hochphasen folgten dem Instagram Profil Tabars bis zu 486.000 Menschen. Sie veröffentlichte dort Selfies, die sie mit übertriebenen Lippen und spitzer Stupsnase, fahler Hautfarbe, bunt gefärbten Haaren, Augenringen und sehr dünnen Armen und Beinen zeigten. Die daraus resultierende Ästhetik eröffnete Ähnlichkeiten zu Kostümierungen, Zombies oder Animationsfiguren wie zum Beispiel Tim Burtons <em>Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche</em> (2005).</p>
<p>Auch wenn die Bloggerin diese Ästhetik hauptsächlich durch Make-Up, Photoshop und Filter simulierte, wurden ihr von der Clickbait-Presse und Internetöffentlichkeit ein Aufspritzen der Lippen, Fettabsaugungen und Rhinoplastik unterstellt. Es entstand eine Welle der Entrüstung und der Skandalisierung. Die Mutmaßungen wurden durch die Nennung zweifelhafter Quellen gestützt.</p>
<p>Viel Aufmerksamkeit bekam Tabars Profil insbesondere, als die Online-Klatschseiten auf ihre Ähnlichkeit mit der Schauspielerin Angelina Jolie hinwiesen und ihr den Spitznamen „Zombie-Angelina Jolie“ gaben. Sie behaupteten sogar, dass sie sich bis zu 50 medizinischen Eingriffen unterzog, um wie die Schauspielerin auszusehen. Dies war nur eine der vielen verwirrenden Aussagen, die die Online-Boulevardzeitungen posteten und die viral gingen.</p>
<p>Viele der Medien, die über den Fall berichteten, stellten nie in Frage, ob es sich um eine Parodie und somit um eine mediale Falschmeldung handeln könnte. Die Tabloid Öffentlichkeit diskutierte nicht die Plausibilität des Falles selbst, sondern empörte sich über die junge Frau. Es war genau diese Empörung, Überraschung und unkritische Haltung des Online-Publikums, die Tabar zu einem weltweiten Phänomen machten.</p>
<p>Was an diesem Fall sinnbildhaft abzulesen ist, ist die Macht von Missinterpretationen und Fake News als Treibstoff einer Online-Ökonomie der Aufregung und Skandalisierung. Tabar selbst deklarierte ihre Auftritte als Online-Selfie-Performance in der Tradition einer Cindy Sherman.</p>
<p>Inszenierungen von fiktiven Identitäten sind in der Kunst ein wiederkehrendes Element: Cindy Sherman nimmt in ihren Arbeiten zwischen den 1970er bis in die frühen 2000er Jahre die Erscheinung meist weiblicher Figuren ein, indem sie Kleidung, Frisuren und unterschiedliche Bildkontexte arrangiert. Auf ihrem aktuellen Instagram Account postet sie Selbstportraits, die durch heutige Filter die Veränderungen des Realen auf die Spitze treiben. Auch jüngere Künstler:innen, zum Beispiel Amalia Ullman, haben auf Instagram fiktive Identitäten erfunden und ein Online-Publikum gleichermaßen verwirrt und unterhalten.</p>
<p>Historisch hat das Spiel mit Pseudonymen eine lange Tradition: Künstler:innen wie Marcel Duchamps, dessen Alter Ego Rrose Sélavy hieß, Lynn Hershman Leesons mit zahlreichen fiktiven Persönlichkeiten und auch Eva &amp; Franco Mattes im Jahr 1998 mit dem erfundenen Künstler Darko Maver. Sein fiktives Leben und seine Werke verbreiteten sich in den Medien und in der Kunstwelt. Mavers Karriere fand 1999 mit seiner Einladung zur 48. Biennale von Venedig ihren medialen Höhepunkt. Später erklärte das Künstler:innenduo öffentlich, dass sowohl Mavers Leben als auch seine Werke nicht real seien.</p>
<p>Inszenierungen entwickelten sich in ihrer modernen und zeitgenössischen Form zu kollektiven Online-Performances, an denen jeden Tag auf Instagram Millionen von Menschen teilnehmen: in Form von Fotos und Reels, Stories und Selfies, Make-Up Tutorials und Outfits of the Day.</p>
<p>Das mediale Phänomen um die Figur der Tabar führte zu einer dramatischen realen Wendung. Am 22. Oktober 2019 berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasmin, dass Fatemeh Khishwand in Teheran unter dem Vorwurf der „Blasphemie, der Anstiftung zur Gewalt, des illegalen Erwerbs von Eigentum, der Verletzung der nationalen Kleiderordnung und der Ermutigung junger Menschen zur Korruption“ offiziell angeklagt und verhaftet wurde.</p>
<p>Dies ist kein Einzelfall. Ab 2016 wurden zunehmend Influencerinnen aufgrund ihrer Online-Aktivität festgenommen.</p>
<p>Zum Zeitpunkt von Khishwands Festnahme war im Iran Instagram noch eine erlaubte Social Media-Plattform. Twitter und Facebook waren staatlich bereits gesperrt. Anonymität und Meinungsfreiheit waren aber auch auf Instagram nicht gesichert. Vor dem aktuellen Hintergrund in Iran und den Protesten für Frauenrechte, gewinnt die Geschichte von Tabar bezüglich der Bedeutung von Social-Media-Kanälen an Gewicht. Diese spielen seit dem Arabischen Frühling eine zentrale Rolle für den zivilen Ungehorsam, die Vernetzung von Demonstrant:innen und die Verbreitung von unabhängigen Nachrichten.</p>
<p>Seit 2011 bieten die sozialen Medien die Möglichkeit einer Open Source-Untersuchung, die Menschenrechtsverletzungen dokumentieren und öffentlich anprangern soll. In autokratischen Staaten werden diese Untersuchungen überwacht, beschränkt oder gesperrt. Gleichzeitig hat die iranische Regierung verstanden, wie sie die sozialen Medien zu ihrem Vorteil nutzen kann: sie wurden vom Instrument der Information zum Instrument der Desinformation, für Kontrolle und Überwachung, für politische Zwecke und zur Einschränkung der Freiheit. Das Instagram-Konto von Sahar Tabar wurde zum Zeitpunkt der Verhaftung gelöscht. Ihre online Persona bleibt zwar sichtbar, jedoch wird sie von den zahlreichen Fake News und Fake Profilen überlagert und somit unkenntlich gemacht.</p>
<p>Warum greifen Eva &amp; Franco Mattes dieses Phänomen auf? Das Künstler:innenduo stellt immer wieder die übergeordneten Fragen nach der Wahrhaftigkeit von Bildern und Informationen, der Inszenierung und der Ambivalenz, die in der digitalen Sphäre herrschen. Das übergeordnete Thema ist das der Manipulation der Identität im Netz und die Rückkopplung dieser Fakes auf die gesellschaftliche Wirklichkeit. Digitale und analoge Kommunikation bildet heute eine untrennbar miteinander verwoben Einheit.</p>
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