Wir trauern um Georg Bussmann

Georg Bussmann 1933 – 2026

Der ehemalige Direktor des Frankfurter Kunstvereins von 1970 bis 1980 ist am 18. März 2026 verstorben.

Mit der Ausstellung Kunst und Politik (1970) setzte Georg Bussmann zu Beginn seiner Amtszeit ein programmatisches Zeichen. Er verstand Ausstellungen als aktive Form gesellschaftlicher Auseinandersetzung und prägte den Frankfurter Kunstverein als einen Ort, an dem künstlerische Praxis und politische Fragestellungen in einen unmittelbaren Dialog traten.

In der Nachkriegszeit, in der Deutschland Kunst und Kultur komplett neu ausrichten musste und in der es in Frankfurt nur wenige institutionelle Orte für die Präsentation zeitgenössischer Kunst gab, entwickelte Bussmann eine eigene Stimme und ein mutiges Ausstellungsprogramm mit einer politischen Dimension von Kunst.

Besonders bedeutsam war die Ausstellung Kunst im 3. Reich. Dokumente ihrer Unterwerfung (1974). Sie gilt als die erste Ausstellung in der Bundesrepublik, die sich umfassend und kritisch mit der Kunstproduktion im Nationalsozialismus auseinandersetzte. Durch die konsequente Kontextualisierung der Werke legte Bussmann ideologische Funktionen von Kunst offen. Diese entwickelte sich zu einem wichtigen Bezugspunkt für die kritische Aufarbeitung der NS-Kunst und für eine politisch reflektierte Ausstellungspraxis.

Mit Ausstellungen wie Kunst in der Revolution (1972), Der Deutsche Adler – Funktionen eines politischen Symbols (1973), Präsentationen zu Hans Haacke, die Ausstellung Mit, neben, gegen. Beuys und seine Schule (1976/77) sowie Staeck im Kunstverein – Rückblick in Sachen Kunst und Politik (1978) wurde Bussmann zu einem zentralen Ausstellungsmacher, der die Stadt Frankfurt in eine nationale Sichtbarkeit brachte.

Der Vorstand des Frankfurter Kunstvereins, Franziska Nori (Direktorin) und das gesamte Team trauern um Georg Bussmann, eine einmalige Persönlichkeit und ein Freund unseres Hauses.