Oguz Sen & Honji Wang

La La Land – Aufhören anzufangen

Wandzeichnung und Performance
Performer:innen: Schülerinnen der Rudolf Koch Schule Offenbach, Caterina Politi, Marco Di Nardo
2026

Der finale Raum des Ausstellungsparcours ist dem Künstler und Aktivisten Oguz Sen und der Performerin und Choreografin Honji Wang gewidmet. Für den Frankfurter Kunstverein entwickelten Sen und Wang gemeinsam eine partizipative Arbeit an der Schnittstelle von Zeichnung und Performance. La La Land – Aufhören anzufangen versteht sich als offenes System, das von kollektiver Beteiligung und kontinuierlicher Transformation lebt.

Über mehrere Wochen entstand im Raum eine großformatige Wandarbeit, die von unterschiedlichen Gruppen gemeinsam entwickelt wurde. Beteiligt waren unter anderem Menschen mit Suchterfahrung, Wohnungslose, Menschen mit Migrationserfahrung sowie Kinder und Jugendliche aus betreuten Kontexten. Sie bringen ihre eigenen Erfahrungen, Perspektiven und Ausdrucksformen ein.

Der Prozess folgte einem einfachen Prinzip: Jede Gruppe setzte fort, was andere begonnen haben. Zeichnungen wurden ergänzt, überlagert oder weitergeführt – ein kollektives Bild entstand, das keinen festen Abschluss kennt.

Parallel dazu entwickelten Sen und Wang eine Performance, die gemeinsam mit Schülerinnen der Rudolf Koch Schule Offenbach und den Tänzer:innen Caterina Politi und Marco Di Nardo den Raum aktiviert. Ohne feste Choreografie entstand Bewegung aus Präsenz, Begegnung und Situation. Performer:innen und Teilnehmende teilten sich den Raum gleichberechtigt – zwischen Handlung und Stillstand, Entscheidung und Offenheit.

Die Arbeit schafft einen temporären, demokratischen Raum, in dem künstlerische Produktion als gemeinschaftlicher Prozess erfahrbar wird. Das Konzept ist übertragbar: Es kann sich an unterschiedliche Orte, Gruppen und Kontexte anpassen und bleibt dabei in seinem Kern gleich – anfangen, aufhören, weiterführen.

Die Rauminstallation wird durch eine Wandarbeit von Mathias Weinfurter erweitert. Eine Serie aus transparenten Zaunelementen legt sich als Raster vor die bestehende Zeichnung. Leichte Verschiebungen und Unterbrechungen innerhalb der Elemente lenken den Blick über die Wand und gliedern die Bildfläche. Einzelne Segmente werden partiell versperrt oder gerahmt. Diese Mechanismen von Schutz und Abgrenzung verändern die Bedingungen des Weiterzeichnens, indem sie Zugänge einschränken und mögliche Setzungen gezielt lenken.

Oguz Sen

Oguz Sen ist Aktivist im öffentlichen Raum und mischt sich in gesellschaftliche Diskurse ein. Mit seinen großflächigen Wandmalereien thematisiert er politische Fragen und gesellschaftliche Missstände. Zu seinen bekannten Arbeiten zählen die Wandmalerei am Osthafen, die dem 2015 auf der Flucht aus Syrien im Meer ertrunkenen Jungen Alan Kurdi gewidmet ist, sowie ein 27 Meter langes Gemälde unter der Frankfurter Friedensbrücke, das den Opfern des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau gedenkt und gemeinsam mit dem »Kollektiv ohne Namen« realisiert wurde. Mit der international gefeierten und preisgekrönten Tänzerin Honji Wang verbindet ihn eine jahrelange Freundschaft.

Honji Wang

Honji Wang ist Choreografin und Performerin, geprägt von der Hip-Hop-Underground-Kultur. In Frankfurt als Tochter koreanischer Eltern aufgewachsen, ist sie eine autodidaktische Künstlerin, die ihre Praxis außerhalb institutioneller Strukturen entwickelt hat. Ihre Arbeit entsteht aus gelebter Erfahrung, in der Bewegung zu einer Form von Wissen wird, verwurzelt im Breakdance, in Kampfkunst und in den physischen Realitäten von Disziplin, Arbeit und Resilienz. In ihren choreografischen und performativen Arbeiten interessiert sich Wang für den Körper als Ort von Erinnerung, Widerspruch und Transformation.

Die Performance konnte im Rahmen der Ausstellungseröffnung am 17. und am 18. April erlebt werden. Eine Videodokumentation macht die Performance im Raum auch nachträglich erfahrbar.