Hidden History – Facetten der Subkultur in Frankfurt Rhein Main

18.04.2026 — 17.05.2026

Eröffnung: 17. April 2026, 18 Uhr

Nacht der Museen: 25. April 2026, 19 – 01 Uhr (Hip Hop Night mit Janina Jackson, Dascha Reimt, Gunnpassion, Momma Rose und DJ Raenah)

Annette Gloser (feat. Silke Thoss), Die Schmiere, Hannibal Tarkan Daldaban, Heiner Blum, Honji Wang, Labelstore, Leonard Kahlcke, Oguz Sen, Rushy Diamond, Schwarzi 

Der Frankfurter Kunstverein lädt das Diamant Museum für Urbane Kultur, Offenbach ins Steinerne Haus am Römerberg ein. In intensiver Zusammenarbeit entsteht eine vierwöchige Kooperation mit Aktionen, Aktivierungen und Andockmöglichkeiten.

Hidden History ist mehr als eine Ausstellung. Gezeigt werden Protokollräume historischer und aktueller Positionen subversiver, subkultureller Aktivität in Form von Installationen, aktivierbaren Räumen, visuellen Wandzeitungen, kollaborativen Wandzeichnungen, Tape Art, Performances und Videoinstallationen.

Welche Akteur:innen und Aktivitäten haben die Szene in Frankfurt-Offenbach-Rhein Main in den vergangenen Jahren geprägt? Und wie wirken sie bis heute in das kulturelle Gewebe unserer Stadt hinein?

Kultur wird meist in bleibenden Bildern und Texten überliefert. Flüchtiges und Nichtaufgezeichnetes verbreitet sich durch mündliche Überlieferung, Mythen und Geschichten und verblasst, verschwindet dann im Fluss der Zeit. Dies gilt nicht nur für ferne Kulturen, sondern auch für unser Zeitalter der Information.

Die jüngere Kulturgeschichte unserer Region ist nicht nur geprägt von Institutionen und Hochkultur und deren Netzwerken und Öffentlichkeiten. Auch wenn Teile der Subkultur es in die Feuilletons geschafft haben, gibt es unter der Oberfläche immer noch eine Kultur der Straße und des Urbanen, die unter einer protokollwürdigen Wahrnehmungsgrenze liegt und dennoch innerhalb bestimmter Szenen oft wirkmächtig ist.

Hidden History wirft einen Blick hinter die Kulissen der Stadt und gibt exemplarische Einblicke in die Kultur einer für viele verborgenen Öffentlichkeit. Auch diese Kultur hat ihre Meister:innen, Legenden und Masterpieces. In Hidden History können wir sie gemeinsam entdecken.

Die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein erweitert so den kulturellen Wahrnehmungsraum. Mit der Kuration von Heiner Blum, der seit Jahrzehnten kreative Potenziale aktiv fördert und sichtbar macht, entsteht in Kooperation mit dem Team des Frankfurter Kunstvereins ein lebendiger und offener Ort kultureller Forschung und Aktivität.

Der Frankfurter Kunstverein lädt alle dazu ein, neue Perspektiven zu entdecken und sich spielerisch zu beteiligen. Wichtiger Teil von Hidden History sind performative Ereignisse, Lectures, Führungen und Konzerte. Für Kinder und Jugendliche gibt es ein Workshop-Programm mit Künstler:innen der Ausstellung.

Über die Dauer von 4 Wochen verwandelt sich der Frankfurter Kunstverein in ein lebendiges Archiv urbaner Kultur auf der Suche nach der Geschichte der Zukunft.

Damit die Besucher:innen die Möglichkeit haben, die Ausstellung und die zahlreichen Performances, Workshops und Sonderveranstaltungen mehrfach zu besuchen, hat der Frankfurter Kunstverein die Eintrittsregelungen für die Dauer der Ausstellung vergünstigt: 5 € pro Besuch. Die Teilnahme an einer Veranstaltung oder Führung während des Besuchs ist darin bereits enthalten. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Der Ausstellungsparcours

Annette Gloser

Annette Gloser eröffnet die Ausstellung Hidden History im Frankfurter Kunstverein mit ihrer Installation Sierretta Nevada. Gloser ist eine der prägenden Figuren der Frankfurter Off-Szene vom Beginn der 1990er Jahre bis heute. Sie ist Pionierin für die Schaffung immer neuer, unkonventioneller, temporärer Räume, in denen sich Menschen begegnen, um Kunst und Kultur unter freien und experimentellen Vorzeichen zu schaffen und zu erleben. Ihre Arbeit steht für eine Praxis, die Kunst unabhängig von institutionellen und kommerziellen Rahmen organisiert. „Galerie Fruchtig“, „Muttertag“ und „Gartner’s“ sind nur einige von Glosers Projekten, die im Gedächtnis der Frankfurter Kunstszene geblieben sind.

Für Hidden History hat Gloser mit der Künstlerin Silke Thoss eine raumgreifende Rauminszenierung geschaffen. Im Eingangsbereich des Frankfurter Kunstvereins entstand eine Aufenthaltslandschaft mit Wohnwagen, Campingmöbeln und Leuchtschildern. Gloser und Thoss inszenieren ihre Kunstaktion Sierretta Nevada Wanted! aus den 1990er Jahren neu. Der Wohnwagen war Behausung und Ausstellungsraum zugleich, mit dem die Künstlerinnen durch Deutschland fuhren, um an Orten der Subkultur Rast zu machen und dort die Kunstwerke einer fiktiven Künstlerin zu zeigen. Die Artefakte schufen sie über Nacht selbst. Immer wieder Aufbrechen und neu Ankommen, Improvisation und Eigeninitiative standen im Zentrum ihrer performativen Reise.

Mehrere Monitore mit Videodokumentationen ergänzen die Installation.

Leonard Kahlcke

Bereits aus der Ferne strahlt Passant:innen die Arbeit von Leonard Kahlcke entgegen. Im Windfang des Eingangs des Frankfurter Kunstvereins hat er einen fünfseitigen LED-Würfel und digitales Display angebracht. Auf dem Werbekubus zeigt Kahlcke eine Retrospektive seiner künstlerischen Interventionen in Frankfurts urbanem Raum. Leonhard Kahlcke hat mit seinen frühen straßennahen, künstlerischen Werken die Szene nachhaltig beeinflusst. In einer Zeit, die von Diskussionen über Stadtentwicklung und Aneignung urbaner Räume geprägt war, realisierte er gemeinsam mit anderen Akteur:innen klandestine, subversive Interventionen im Stadtraum. Die Intention seiner künstlerischen Praxis nennt Kahlcke „Kontakt zur Straße“. Unter diesem Motto spricht seine urbane Kunst eine subversive und kluge Sprache, mit der der Künstler die ökonomischen Machtverhältnisse der Stadt kommentiert und karikiert.

Hannibal Tarkan Daldaban

Über die Dauer der Ausstellung aktiviert Hannibal Tarkan Daldaban das Foyer im 1. Obergeschoss. Mit Unterstützung der Gestalterin Luzi Gehrisch entwickelte Daldaban für Hidden History einen Bar-Tresen, der an zwei Wochenenden durch eine DJ-Session mit Luzi Gehrisch und eine Lesung von Dr. Atmo zum Ort des Geschehens wird. Daldaban selbst aktiviert den Ausstellungsraum durch seine persönliche Präsenz und bietet Besuchenden die Möglichkeit, sich von den Ereignissen, Persönlichkeiten und Orten der Frankfurter Subkultur der 1990er- und 2000er-Jahre erzählen zu lassen. Über ein Menü können die Geschichten von den Besucher:innen auswählt werden. Die Erzählungen basieren auf persönlichen Erinnerungen Daldabans und werden als urban rumor, als mündliche Erzählung, über die Dauer der Ausstellung weitergegeben. Ist der Künstler nicht anwesend, sind seine Geschichten in Form von Videos wahrzunehmen.

Ergänzt wird die Installation durch einen fortlaufenden Strom von Videobildern, die einen Einblick in Daldabans Schaffen der vergangenen Jahrzehnte ermöglichen.

Seit Jahrzehnten ist Hannibal Tarkan Daldaban ein international bekannter Veranstalter und DJ. Er ist prägender Akteur der Frankfurter Club- und Eventkultur. Trotz internationaler Karriere hat er sich für ein Leben im Rhein-Main-Gebiet entschieden, wo er viele seiner Projekte umgesetzt hat. Im Zentrum seiner Arbeit steht immer die Begegnung zwischen Menschen. Dafür schafft er neue Räume, Orte für Begegnungen und Erlebnisse. Viele der vergangenen Ereignisse wurden nicht dokumentiert und existieren nur in der Erinnerung der Frankfurter:innen jener Zeit, sodass die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein zum Ort der Weitergabe und des Austauschs wird.

Heiner Blum

Der lichtdurchflutete Ausstellungsraum im 1. Obergeschoss, mit Fensterfront in die Frankfurter Altstadt hinein, ist Heiner Blum gewidmet. Der Frankfurter Kunstverein hat Blum eingeladen, die Ausstellung Hidden History gemeinsam umzusetzen. Blum ist Initiator des „Diamant / Museum für Urbane Kultur“. Immer wieder sucht und aktiviert er leerstehende Orte und widmet diese der Produktion und Präsentation soziokultureller Ereignisse.

An der Fensterfront des Frankfurter Kunstvereins setzt Blum eine flächenfüllende Tape-Installation um: Flying Glass. Mit Paket-Klebeband schafft er eine geometrische Komposition auf den großen Fensterscheiben, die aus der Frankfurter Neuen Altstadt auch von Weitem bereits zu sehen sein wird. Blum zitiert mit dieser Werkserie ein historisches Phänomen aus der Zeit der beiden Weltkriege. Menschen beklebten ihre Fenster mit Papierstreifen zum Schutz vorm Zerbersten bei Bombenexplosionen. Es entstand eine Ästhetik, die über die Funktion des Selbstschutzes hinaus das Bedürfnis der Menschen nach Struktur und Schönheit zum Ausdruck brachte. Blums Fensterarbeit ist ein Werk mit historischen, wie aktuellen Bezügen, das durch eine so einfache, doch essenzielle Technik eine Erinnerungsbrücke und Gedächtniskultur ins Hier und Jetzt zu schaffen weiß.

Im Ausstellungsraum präsentiert Blum eine fotografische Dokumentation seiner weitgehend unbekannten, straßennahen Arbeiten von 1974 bis heute. An den Wänden hat er eine beeindruckende Wandcollage geschaffen.

Hier finden sich unter anderem Bilder des Projekts Labelstore, das 1997 gemeinsam mit Leonard Kahlcke entstand. Unter diesem Brand-Namen präsentierten sie eine fiktive Modemarke, die Konsum, Markenlogik und Authentizität auf deren Formsprache und Ästhetik hin untersuchte. Die dazu entstandene fiktionale Werbekampagne wurde von Nadine Fraczkowski fotografiert. Anne Imhof war gemeinsam mit anderen Top Models Markenbotschafterin des Labels.

Eine aktuelle Werkserie Blums besteht aus Schildern, die zur Mitverantwortung für den öffentlichen Raum aufrufen.

Immer wieder platzierte Blum systematisch Objekte im öffentlichen Raum, so auch das grüne Pininfarina-Fahrrad, das als weit verbreitetes Alltagsobjekt der 2000er Jahre zum Träger kollektiver Erinnerung aufgestiegen war.

Schon immer gilt Heiner Blums zentrale künstlerische Untersuchung dem öffentlichen Raum und Formen kulturellen Ausdrucks außerhalb institutioneller Räume und Codes. Blums Schaffen kreist um die Frage, wem der urbane Raum gehört und wie dieser durch gestalterische Eingriffe angeeignet werden kann. In unterschiedlichen Allianzen hat er in Jahrzehnten immer wieder Interventionen im Stadtraum angestoßen und umgesetzt.

Die Schmiere

Im 2. Obergeschoss wird ein zeitlicher Bogen in die unmittelbare Nachkriegszeit des Steinernen Hauses gespannt. Der Ausstellungsraum ist dem Kabarett- und Satiretheater Die Schmiere gewidmet. Gegründet in den 1950er Jahren von Rudolf Rolfs, entstand Die Schmiere als fahrende Theaterkompanie. Mit einem hölzernen Bauwagen zog Rolfs durch das Land, bevor er 1950 am von Kriegstrümmern geprägten Römerberg Station machte und sein Theater vor dem Steinernen Haus (heutiger Sitz des Frankfurter Kunstvereins) aufschlug – mit dem programmatischen Motto: „Die Schmiere – das schlechteste Theater der Welt“.

Die Schmiere zog in das Kellergewölbe des stark zerstörten Gebäudes, wo bis heute Spuren der Schmiere in Form von Wandmalereien sichtbar sind. Auf einfachen Stühlen und improvisierter Bühne wurde ein unabhängiges, hoch politisches Theater gespielt, das mit unerhörtem Ungehorsam der Nachkriegsgesellschaft einen Spiegel vorhielt und sich Themen wie Atompolitik oder Friedensbewegung satirisch annahm. Rolfs betrieb das Theater bewusst ohne institutionelle Förderung, um keiner Zensur zum Opfer zu fallen. Er etablierte eine Praxis, die sich als frühe Form subkultureller Produktion in Deutschland lesen lässt. „Wenn es eine ‚Subkultur‘ in der Bundesrepublik gibt, begann sie 1950 mit der Schmiere“, heißt es in der 1985 erschienenen Chronik des Theaters.

Heute wird Die Schmiere von Rolfs Tochter Effi B. Rolfs und Matthias Stich weitergeführt und ist im Karmeliterkloster ansässig.

Die Flugblätter, Pamphlete und Bücher der Schmiere muten heute bedrückend aktuell an. Und gleichzeitig bringen sie die gesellschaftliche Notwendigkeit für geistig wache, mutige und unangepasste Kunst zum Ausdruck. Dass bürgernahe, innovative und mutige Formen der Kunst im Steinernen Haus ihre Heimat haben, ist bis heute ein zentrales Anliegen des Frankfurter Kunstvereins.

In der Nacht der Museen am 25. April 2026 wird dieser Raum zur Bühne junger weiblicher Hip-Hop-Artists aus der Rhein-Main-Szene.

Schwarzi

Das 3. Obergeschoss ist Schwarzi, einem der wichtigen Aktivist:innen der Skateboard-Subkultur gewidmet. Seit den frühen 1990er Jahren gehört er zu den bekanntesten Frankfurter Kultur Akteur:innen, die das brutalistische Betonareal an der Hauptwache für sich vereinnahmten und es als zentralen Treffpunkt der Skateboard-Szene Deutschlands etablierten. Während internationale Gruppen dort immer wieder Demonstrationen und Aktionen mit bundesweiter Strahlkraft durchführten, bewohnte, bespielte und prägte die Frankfurter Skateboard-Szene den Ort dauerhaft.

Für den Frankfurter Kunstverein überträgt Schwarzi die Codes und Ästhetik der Skater-Kultur in den Ausstellungsraum. Gleichzeitig übernimmt er formale und farbliche Merkmale aus dem urbanen Kontext der Hauptwache. Die Farben Grün und Rot entlehnt Schwarzi aus dem einstigen Orientierungssystem der zentralen U-Bahn-Station. Die Farben sind fest in der Erinnerung der Frankfurter:innen verankert und fungieren als kollektive Erinnerungsmarker. Diese Farb- und Formencodes überträgt Schwarzi auch ins T-Shirt- und Skateboarddesign seines Labels Hauptwache 2.0.

Zusammen mit einem Hauptwache 2.0-Obstacle stellt er seine Boards und Shirts im Raum aus und wagt so den Versuch einer Portierung urbaner Subkultur in institutionelle Räume.

Oguz Sen und Honji Wang

Der finale Raum des Ausstellungsparcours ist dem Künstler und Aktivisten Oguz Sen und der Performerin und Choreografin Honji Wang gewidmet. Für den Frankfurter Kunstverein entwickeln Sen und Wang gemeinsam eine partizipative Arbeit an der Schnittstelle von Zeichnung und Performance. La La Land – Aufhören anzufangen versteht sich als offenes System, das von kollektiver Beteiligung und kontinuierlicher Transformation lebt.

Über mehrere Wochen entsteht im Raum eine großformatige Wandarbeit, die von unterschiedlichen Gruppen gemeinsam entwickelt wird. Beteiligt sind unter anderem Menschen mit Suchterfahrung, Wohnungslose, Menschen mit Migrationserfahrung sowie Kinder und Jugendliche aus betreuten Kontexten. Sie bringen ihre eigenen Erfahrungen, Perspektiven und Ausdrucksformen ein.

Der Prozess folgt einem einfachen Prinzip: Jede Gruppe setzt fort, was andere begonnen haben. Zeichnungen werden ergänzt, überlagert oder weitergeführt – ein kollektives Bild entsteht, das keinen festen Abschluss kennt.

Parallel dazu entwickeln Sen und Wang eine Performance, die gemeinsam mit Schüler:innen der Rudolf Koch Schule Offenbach und den Tänzer:innen Caterina Politi und Marco Di Nardo den Raum aktiviert. Ohne feste Choreografie entsteht Bewegung aus Präsenz, Begegnung und Situation. Performer:innen und Teilnehmende teilen sich den Raum gleichberechtigt – zwischen Handlung und Stillstand, Entscheidung und Offenheit.

Die Arbeit schafft einen temporären, demokratischen Raum, in dem künstlerische Produktion als gemeinschaftlicher Prozess erfahrbar wird. Das Konzept ist übertragbar: Es kann sich an unterschiedliche Orte, Gruppen und Kontexte anpassen und bleibt dabei in seinem Kern gleich – anfangen, aufhören, weiterführen.

Oguz Sen ist Aktivist im öffentlichen Raum und mischt sich in gesellschaftliche Diskurse ein. Mit seinen großflächigen Wandmalereien thematisiert er politische Fragen und gesellschaftliche Missstände. Zu seinen bekannten Arbeiten zählen die Wandmalerei am Osthafen, die dem 2015 auf der Flucht aus Syrien im Meer ertrunkenen Jungen Alan Kurdi gewidmet ist, sowie ein 27 Meter langes Gemälde unter der Frankfurter Friedensbrücke, das den Opfern des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau gedenkt und gemeinsam mit dem „Kollektiv ohne Namen“ realisiert wurde.

Mit der international gefeierten und preisgekrönten Tänzerin Honji Wang verbindet ihn eine jahrelange Freundschaft. Honji Wang ist Choreografin und Performerin, geprägt von der Hip-Hop-Underground-Kultur. In Frankfurt als Tochter koreanischer Eltern aufgewachsen, ist sie eine autodidaktische Künstlerin, die ihre Praxis außerhalb institutioneller Strukturen entwickelt hat. Ihre Arbeit entsteht aus gelebter Erfahrung, in der Bewegung zu einer Form von Wissen wird, verwurzelt im Breakdance, in Kampfkunst und in den physischen Realitäten von Disziplin, Arbeit und Resilienz. In ihren choreografischen und performativen Arbeiten interessiert sich Wang für den Körper als Ort von Erinnerung, Widerspruch und Transformation.

Die Performance kann im Rahmen der Ausstellungseröffnung am 17. April, um 19 und 21 Uhr, ohne Anmeldung und kostenfrei erlebt werden. Tickets für eine zweite Aufführung am Samstag, den 18. April, um 19 Uhr, können über Eventbrite erworben werden. Eine Videodokumentation macht die Performance im Raum auch nachträglich erfahrbar.

Rushy Diamond

Über das gesamte Haus erstreckt sich die ortsspezifische Tape-Arbeit (Tape Modern) des Aktivisten und Künstlers Rushy Diamond. Seine Arbeitsweise entsteht im urbanen Raum und unter Verwendung von farbigen Klebebändern. Seine Ästhetik entlehnt er den funktionalen Leitsystemen von Straßenmarkierungen, die künstlerisch angeeignet und variiert werden.

Für den Frankfurter Kunstverein hat Rushy Diamond eine ortsspezifische Boden-Installation geschaffen, die sich über alle Etagen des Ausstellungshauses hin erstreckt. Hierfür hat er eine Arbeit aus weißem und neon-farbigem Tape geklebt, durch die er die unterschiedlichen Ebenen und Werke in einer Baum- und Motherboard Struktur miteinander verbindet. Das grafische System vernetzt so alle Räume, Werke und teilnehmenden Akteure miteinander zu einem einzigen Netzwerk.

Aufgewachsen im Umfeld der Hauptwache und der Zeil, wurde Rushy Diamond durch seine Interventionen im öffentlichen Raum bekannt. 2022 realisierte er auf Einladung des Deutschen Architekturmuseums eine großflächige Tape-Arbeit auf der oberen Ebene der Hauptwache. Mit farbintensiven Markierungen, die die unterirdischen Grundrisse zitierten, strukturierte er den Platz neu und regte im direkten Austausch mit Passant:innen eine Auseinandersetzung über die zukünftige Nutzung des als Durchgangsort ohne Aufenthaltsqualität entstandenen Ortes an.

Seit Jahrzehnten entsteht Rushy Diamonds Praxis als kreativer Akt des Widerstandes. Im Austausch mit Menschen aus allen Communities aktiviert er öffentliche Räume und schafft mit seinen künstlerischen Aktionen Bedingungen, um urbane Flächen als gemeinschaftlich genutzte Orte zurückzuerobern.

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