Lecture „Effi B. Rolfs und Matthias Stich: Das Abenteuer Schmiere”

23.04.2026, 17:30 Uhr

Das schlechteste Theater der Welt im Steinernen Haus in der Frankfurter Nachkriegszeit 

Gegründet in den 1950er Jahren von Rudolf Rolfs, entstand Die Schmiere als fahrende Theaterkompanie. Mit einem hölzernen Bauwagen zog Rolfs durch das Land, bevor er 1950 am von Kriegstrümmern geprägten Römerberg Station machte und sein Theater vor dem Steinernen Haus (heutiger Sitz des Frankfurter Kunstvereins) aufschlug – mit dem programmatischen Motto: „Die Schmiere – das schlechteste Theater der Welt“.

Die Schmiere zog in das Kellergewölbe des stark zerstörten Gebäudes, wo bis heute Spuren der Schmiere in Form von Wandmalereien sichtbar sind. Auf einfachen Stühlen und improvisierter Bühne wurde ein unabhängiges, hoch politisches Theater gespielt, das mit unerhörtem Ungehorsam der Nachkriegsgesellschaft einen Spiegel vorhielt und sich Themen wie Atompolitik oder Friedensbewegung satirisch annahm. Rolfs betrieb das Theater bewusst ohne institutionelle Förderung, um keiner Zensur zum Opfer zu fallen. Er etablierte eine Praxis, die sich als frühe Form subkultureller Produktion in Deutschland lesen lässt. „Wenn es eine ‚Subkultur‘ in der Bundesrepublik gibt, begann sie 1950 mit der Schmiere“, heißt es in der 1985 erschienenen Chronik des Theaters.

Die Flugblätter, Pamphlete und Bücher der Schmiere, die in der Ausstellung Hidden History – Facetten der Subkultur in Frankfurt Rhein Main präsentiert werden, muten heute bedrückend aktuell an. Und gleichzeitig bringen sie die gesellschaftliche Notwendigkeit für geistig wache, mutige und unangepasste Kunst zum Ausdruck. Dass bürgernahe, innovative und mutige Formen der Kunst im Steinernen Haus ihre Heimat haben, ist bis heute ein zentrales Anliegen des Frankfurter Kunstvereins.

Heute wird Die Schmiere von Rolfs Tochter Effi B. Rolfs und Matthias Stich im Karmeliterkloster weitergeführt. Mit Kabarett, Satire und wechselnden Formaten bleibt sie ein Ort, an dem gesellschaftliche und politische Themen unabhängig verhandelt werden.

In der Lecture geben Effi B. Rolfs und Matthias Stich Einblicke in diese Kontinuität: Von den Anfängen im zerstörten Frankfurt bis zur heutigen Praxis eines Theaters, das sich bis heute eine eigenständige, kritische Stimme bewahrt hat.

Eintritt: 5 € inkl. Besuch der Ausstellung. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.