Bertrand Flanet

Im Zentrum von Bertrand Flanets multimedialen Installationen stehen Animationsfilme, in denen der Betrachter in komplexe Traumwelten aus Figuren, Symbolen und Metaphern gezogen wird. Der Künstler schafft mehrdeutige Erzählungen, die den Zuschauer durch gekonnt eingesetzte filmische Mittel in ihren Bann ziehen, sich einer klaren Lesart jedoch verweigern.

Die emotionale Steuerung des Betrachters nimmt in den Werken von Bertrand Flanet eine zentrale Stellung ein. Den Mittelpunkt der Installation im Frankfurter Kunstverein bildet ein digital generierter Film. Flanet setzt in seiner Animation eine point-of-view Perspektive ein. Die subjektive Kamera suggeriert dem Betrachter, dass er den Blickwinkel eines Wesens einnimmt, das sich durch eine weite Landschaft aus Hügeln und Tälern bewegt. Die akustische Ebene verstärkt den subjektiven Blickpunkt. Immer wieder trifft die Kamera auf ein am Boden liegendes Wesen, dessen Gliedmaßen regungslos ausgestreckt sind. Die lauernde Erwartung, dass das Monster auf die Kommunikation der Ich-Perspektive reagiert, aufspringt und eine dramatische Wendung in die Handlung bringt, wird jedoch nicht eingelöst. Der Film eröffnet mögliche Szenarien und Erklärungsmodelle, die nicht eindeutig beantwortet werden.

Bertrand Flanet webt Geschichten, die enthüllen, wie erzählerische Konventionen im Film Narrative aufbauen und Charaktere entstehen lassen, denen ein Zuschauer eine individuelle Gefühlswelt zuschreibt. Für seine digitalen Animationen nutzt der Künstler ein Videospiel-Engine, das seit den späten 1990er Jahren vor allem für die Produktion von Ego-Shootern genutzt wird. Die populäre Verbreitung von Videospielen und Animationsfilmen hat dafür gesorgt, dass die technischen Rahmenbedingungen der Software zu einem allgemein verständlichen Bildvokabular wurden, mit dem sich jeder identifizieren kann.

Die Bildwelten von Bertrand Flanet werden von Figuren bewohnt, die durch die geläufigen Ästhetiken des Comics und der Animation abstrahiert wurden. Diese visuellen Sprachen sind bekanntlich darauf ausgerichtet, im menschlichen Blick eine emotionale und empathische Reaktion hervorzurufen.

An den Wänden hängen zwölf mit Text bedruckte Stoffbahnen, in denen die Geschichte eines Jungen erzählt wird, der in einer Fantasiewelt alte und harmlose Monster tötet. Das Genre der Heldengeschichte wird hier auf minimale Grundrisse reduziert und in seiner Melancholie gebrochen. Die Form der Narration wird zum Schauplatz von metaphorischen Analysen unserer Gegenwart.

(Text: Franziska Nori, Dennis Brzek)