Catharina Szonn

Catharina Szonns Skulpturen und Konstruktionen sind in sich geschlossene Systeme, die als obsolete Maschinen von ihrer ursprünglichen Bestimmung befreit, zu Sinnbildern eines Abgesangs auf Effizienz und Leistung unserer Wachstumsutopie werden.

Im Zentrum ihrer Arbeit für den Frankfurter Kunstverein steht Szonns Auseinandersetzung mit einem Heugebläse. Die Maschine stammt ursprünglich aus landwirtschaftlicher Nutzung, wo sie in der Vergangenheit verwendet wurden, um Heu automatisch weiter zu befördern. Heute, als zu monofunktional und behäbig erachtet, hat diese Technik ausgedient. Szonn schafft aus diesem gefundenen Objekt eine kinetische Maschinen-Plastik. Sie zerlegt das Rohrsystem und ergänzt es mit neuen Versatzstücken ganz unterschiedlicher Materialbeschaffenheit. Der Mechanismus addiert sich zu einer komponierten Überlänge, wächst zurück auf seinen Rumpf und wird zum Kreislauf.

In regelmäßigen Abständen springt die motorangetriebene Maschine mit dissonantem Lärm an. Nicht Heu sondern Papier befindet sich im Inneren des Systems. Die Textfragmente auf den einzelnen Blättern verweisen auf die Thematik der Warenzirkulation. Sie ist bereits eingesogen und im Inneren der Maschine. Sie werden nicht wegbefördert sondern immerfort durch den geschlossenen Kreislauf geblasen und im Häckslersystem verdaut.

Aus zersetztem Papier sind auch die weißen Blöcke, die gestapelt das prekäre Rohrgebilde stützen. Auch Abfallprodukte unserer Konsum-und Warengesellschaft, ausgediente Einwegverpackungen, Transportkisten und Kartons fungieren als Pfeiler des sich selbst nicht tragenden Systems.

Die Maschine widerspricht den uns inzwischen geläufigen zeitgenössischen Ästhetiken von Fortschritt und Effizienz.

Catharina Szonns Konstruktion stellt einen ironischen Angriff auf den Sinn des konsumgetriebenen Zeitalters unaufhaltsamer technischer Erneuerungen dar. Sie formuliert Kritik an der Gleichförmigkeit industrieller Vorgänge und der Produktion von unnützen Dingen.

(Text: Franziska Nori, Dennis Brzek)