Die Schmiere

Im 2. Obergeschoss wird ein zeitlicher Bogen in die unmittelbare Nachkriegszeit des Steinernen Hauses gespannt. Der Ausstellungsraum ist dem Kabarett- und Satiretheater Die Schmiere gewidmet.

Gegründet 1950 von Rudolf Rolfs, der ursprünglich plante Die Schmiere als fahrende Bühne mit einem hölzernen Bauwagen als Transportmittel durch die Republik zu lenken, was allerdings so nie stattfand. Zu Zeiten des Wirtschaftswunders und des Wiederaufbaus ließ sich das Satiretheater und literarische Kabarett dann im Steinernen Haus nieder – das Motto: »Die Schmiere, das schlechteste Theater der Welt«.

Die Schmiere zog in das Kellergewölbe des stark zerstörten Gebäudes, wo bis heute Spuren in Form von Wandmalereien sichtbar sind. Auf einfachen Stühlen und beim Licht einer 100 Watt Glüh-Birne spielte man auf der improvisierten Bühne unabhängiges und hoch politisches Theater, das mit unerhörtem Ungehorsam der Nachkriegsgesellschaft einen Spiegel vorhielt und sich Themen wie Atompolitik oder Friedensbewegung satirisch annahm. Rolfs betrieb das Theater bewusst ohne institutionelle Förderung, um keiner Zensur zum Opfer zu fallen. Er etablierte eine Praxis, die sich als frühe Form subkultureller Produktion in Deutschland lesen lässt. »Wenn es eine ‚Subkultur‘ in der Bundesrepublik gibt, begann sie 1950 mit der Schmiere«, heißt es in der 1985 erschienenen Chronik des Theaters.

Seit 1990 wird Die Schmiere von Rolfs Tochter Effi B. Rolfs und Matthias Stich weitergeführt und ist im Gewölbekeller des Karmeliterkloster ansässig. Die Flugblätter, Pamphlete und Bücher der Schmiere muten heute bedrückend aktuell an. Und gleichzeitig bringen sie die gesellschaftliche Notwendigkeit für geistig wache, mutige und unangepasste Kunst zum Ausdruck. Dass bürgernahe, innovative und mutige Formen der Kunst im Steinernen Haus ihre Heimat haben, ist bis heute ein zentrales Anliegen des Frankfurter Kunstvereins.

Aktuelle Informationen und der Spielplan sind online zu finden unter die-schmiere.de.