Hannibal Tarkan Daldaban

Die Theke

Kunstinstallation & Performance

2026

Die Theke ist überall. Sie empfängt uns am Eingang, trennt uns vom DJ, reicht uns den Drink. Sie ist das stillste und gleichzeitig  mächtigste Möbelstück der Veranstaltungskultur – eine Linie, die Rollen definiert, bevor ein einziges Wort gesprochen wird.

In seiner Installation untersucht Hannibal Tarkan Daldaban die Theke als sozialen Apparat. Ob Kassenpult, Bartheke oder DJ Booth: stets markiert sie eine Grenze zwischen Funktion und Begehren, zwischen Arbeit und Genuss, zwischen denen, die geben, und denen, die empfangen. Die Frontverkleidung ist dabei mehr als Ästhetik – sie ist Architektur der Macht.
Sie sagt: Hier bin ich, dort bist du.

Im Zentrum der Performance steht ein einziger Eingriff: Die Verkleidung wird entfernt. Was bleibt, ist eine Oberfläche ohne Hierarchie. Keine Seite ist privilegiert. Keine Rolle ist festgeschrieben. Der Raum zwischen zwei Menschen wird neu verhandelt – auf Augenhöhe, zum ersten Mal.

Ein Leben zwischen Kulturen, Musik, Kunst und urbanem Raum

Profil

Hannibal Tarkan Daldaban ist Kulturproduzent, Kurator und Eventmanager mit über drei Jahrzehnten Erfahrung in der Entwicklung, Organisation und Leitung von kulturellen Formaten an der Schnittstelle von Kunst, Musik, Clubkultur und urbanem Raum. Sein beruflicher Schwerpunkt liegt in der Initiierung und Transformation von Orten, der kuratorischen Arbeit mit zeitgenössischer Kunst sowie im Aufbau nachhaltiger Netzwerke zwischen Künstler:innen, Institutionen, Marken und Öffentlichkeit. Kultur versteht er als sozialen Prozess – geprägt von Offenheit, Zugänglichkeit und nachhaltiger Zusammenarbeit.

Die ersten Stunden – Frankfurt-Höchst, 1970er Jahre

Die Geschichte von Hannibal Tarkan Daldaban beginnt in Frankfurt am Main, im Stadtteil Höchst – als Sohn türkischer Einwanderer. Doch schon wenige Stunden nach seiner Geburt nimmt sein Leben eine außergewöhnliche Wendung. Sechs Stunden alt, wird er von seiner Pflegemutter Rosel Hönge aus dem Krankenhaus mitgenommen und in ihrer Pflegefamilie versteckt – eine Tat voller Liebe und Entschlossenheit, um ihn vor der Adoption zu bewahren. Bei Rosel und ihrem Mann Alfred Hönge wächst Hannibal auf – als Hannibal Hönge, umgeben von einer großen, lebendigen Pflegefamilie mit oft acht bis zwölf Kindern verschiedener Altersstufen. Es ist eine Kindheit voller Wärme, klarer Werte und menschlicher Verbundenheit. Rosel und Alfred geben ihm ein Fundament mit, das sein Leben prägen wird – auch dann noch, wenn er längst nicht mehr bei ihnen ist.

Zwischen zwei Welten – Die Rückkehr zu den leiblichen Eltern

Mit zehn Jahren endet diese Kindheit abrupt. Hannibal wird an seine leiblichen Eltern zurückgegeben. Für ihn, der ein Leben lang gesehen hatte, wie Kinder aus der Pflegefamilie zur Adoption übergeben wurden, fühlt sich auch dieser Moment wie eine Übergabe an – nicht wie eine Rückkehr. Was ihn erwartet, ist eine ihm fremde Welt: eine andere Kultur, eine andere Sprache, ein anderes Milieu.

Er muss lernen, sich zu behaupten – in einem Kulturkreis, der formal seine Herkunft ist, ihm aber völlig fremd erscheint. Er wechselt die Schule, findet neue Freunde und bringt sich selbst Türkisch bei. Schritt für Schritt setzt er sich mit der Kultur auseinander, die in seinen Wurzeln liegt.

Der Wendepunkt – Rückkehr zum eigenen Kompass

Die ersten Teenagerjahre sind schwierig. Er kämpft, macht Fehler, verliert sich zeitweise auf einem Pfad, der nicht seiner ist. Doch mit 15, 16 Jahren geschieht etwas Entscheidendes: Ein einschneidendes Erlebnis verursacht tiefe Gewissensbisse. Es ist der Moment, in dem er sich besinnt – auf die Werte, die Rosel und Alfred ihm einst mitgegeben haben. Er beschließt, nie wieder den Weg der Unrechtsschaffenden zu gehen. Sein moralischer Kompass ist wieder gefunden, und er wird ihn für immer behalten.

Eine neue Welt – Elektronische Musik und Kultur (1992–1999)

Was folgt, ist ein Leben im Zentrum einer kulturellen Revolution. Frankfurt ist in den frühen 1990er Jahren einer der Hotspots der aufkommenden elektronischen Musikszene, und Hannibal ist mittendrin. Er arbeitet als Veranstalter und DJ, leitet den Aufbau des bundesweiten Vertriebsnetzes für das legendäre Groove Magazin und schreibt als Redakteur für den Prinz.
Er ist kein Beobachter – er ist Mitgestalter.

Sein Aktionsradius wächst schnell: vom Rhein-Main-Gebiet über Mannheim, Heidelberg und das Saarland bis nach Berlin und in die großen deutschen Städte. Er bringt Künstler wie DJ Hype, Grooverider, LTJ Bukem, Andy C, Roni Size und Nicolette auf die Bühnen. Er erfindet das Konzept des Alternatent auf dem Rock am Ring mit, bringt 1997 als Konzertpromoter bei 2day/ Bizarre in Hamburg Rock und elektronische Musik zusammen – mit Acts wie Portishead, Daft Punk, Foo Fighters, Beastie Boys, Oasis und den Chemical Brothers. 1998 organisiert er die UNKLE LP-Release Tour für Mo‘Wax und James Lavelle, inklusive einer Kunstausstellung mit Futura 2000 und dem Lodown Magazin. Die späten 1990er erleben ihn auch in Berlin, wo er die Jahrtausendwende in der aufregendsten Stadt der Welt mit unvergesslichen Partys begleitet.

Clubs, Bars und neue Welten (2000–2013)

Im Jahr 2000 ist Hannibal einer von vier Gründern des Monza, das sich zu einem der beliebtesten House-Music-Clubs Frankfurts entwickelt. 2001 folgt der Club Sam Lord – heute bekannt als Orange Peel, noch immer einer der beliebtesten Veranstaltungsorte der Stadt. 2003 gründet er IMA, eine Multibar und ein Label, das Musik, Kunst und Kulinarik vereint. 2006 betreibt er Endless Summer, einen 2ndHand-Laden mit Eventlocation im Keller und Gründerbüros im Hinterzimmer.

In den Folgejahren entstehen weitere Projekte: Pink Pony Parties (2007) mit aufstrebenden internationalen Acts wie Justice aus Paris, L.L. Cool Club (2008) für internationale Künstler in kleinen Venues, und Lipsticks & Lazerbeams (2009). Er arbeitet als Event Manager mit Kunden wie VICE Magazine, Levi‘s und Bright Tradeshow, betreut die Grafikerschmiede The Zonders und ist Gast an der Universität der Künste Berlin und der HfG Offenbach. Er betreibt mit Aleks Dust und The Zonders den erfolgreichen Musikblog DISCODUST, als DJ Creathief und als Teil von DISCODUST DJ’s (mit J-Bounce) spielt er in Hamburg, München, Berlin, Köln, Warschau und auf Festivals wie Melt und dem Berlin Festival.

2013 realisiert er PUNKT – eine 4D-Ausstellung in einem Off Location-Raum über zwei Monate, die den ehemaligen Club in ein tägliches Kunstprogramm verwandelt. Im selben Jahr ist er beim Peaches-Konzert während der Yoko-Ono-Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt dabei.

Kulturräume und kuratorische Arbeit (2013–2022)

Aus dem Veranstalter wird in diesen Jahren zunehmend ein Kurator und Transformator von Räumen. Zwischen 2013 und 2022 ist Hannibal Mitbegründer, Veranstalter und Kurator des Punkt – Off Location Performance Space Art, einer langfristigen Ausstellungsreihe, die zunächst in Clubräumen und später an wechselnden Orten im Frankfurter Stadtgebiet realisiert wird. Ziel ist es, Kunst niederschwellig zugänglich zu machen und neue Kontexte für zeitgenössische Positionen zu schaffen.

2015 bis 2017 reorganisiert er ein ehemaliges Lagergelände zu  inem multifunktionalen Kulturund Gastronomieraum (Korrekt / Konfuzius Franz / Fabel). 2018 bis 2019 folgt die Mitbegründung und kuratorische Leitung des Künstlerareals Ost-Stern – ein stillgelegtes Autohaus wird zum lebendigen Kunst- und Begegnungsort umgenutzt.

Von 2020 bis 2022 leitet er als Kurator den Ausstellungs- und Begegnungsort Umweg by Punkt in Frankfurt am Main, in Zusammenarbeit mit der Franziskustreff Stiftung. Dort verantwortet er Konzeption, Organisation und Durchführung von Kunstausstellungen und Veranstaltungen mit sozialem und kulturellem Fokus.

Ein Leben als Verbinder

Hannibal Tarkan Daldaban ist vieles: Veranstalter, DJ, Redakteur, Gründer, Kulturmacher, Kurator. Aber vor allem ist er ein Verbinder – von Menschen, Ideen, Kulturen und Welten. Aufgewachsen zwischen zwei Kulturen, geprägt von einer deutschen Pflegefamilie und türkischen Wurzeln, hat er gelernt, Brücken zu bauen. Diese Fähigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Wirken – von der Frankfurter Clubszene der 1990er Jahre über internationale Musikprojekte bis hin zur kuratorischen Arbeit mit zeitgenössischer Kunst und sozialen Institutionen.

Als Natural Born Visionary und digitaler Kommunikator verbindet er bis heute auf allen Ebenen: als Produzent, als Inhaltsgeber, als Markenstratege. Sein interdisziplinärer Ansatz verbindet kulturelle Inhalte, Räume und Menschen – und zeigt: Herkunft ist nicht Schicksal, sondern Ausgangspunkt.

Webseite Hannibal Tarkan Daldaban

Instagram Hannibal Tarkan Daldaban