Max Geisler

Die Installationen von Max Geisler sind begehbare Bildräume aus Farbexplosionen und Materialcollagen. Die spezifisch für den Frankfurter Kunstverein geschaffene Installation scheint das Ergebnis einer unsichtbaren Kraft zu sein, die wie ein Projektil die Architektur in der Mitte durchschossen und auseinander gesprengt hat. Der Raum begegnet uns als Standbild, als Spur einer vollzogenen Handlung.

Geisler baut einen Raum im Raum. Er begreift diesen als materiellen Träger seiner malerischen Interventionen. Er plant präzise die konstruierte Architektur, stimmt sie auf den weiteren Prozess ab und unterzieht sie dann einem kontrollierten Akt der Zerstörung. Aus der Frontalperspektive wird der Blick durch die Abfolge durchbrochener Wände in die Tiefe freigegeben. Der Betrachter kann in den sich physisch öffnenden Raum eintauchen, sodass sich in der Bewegung immer neue Ansichten auf Bild- und Farbkonstellationen ergeben.

Geisler hat seine Malerei vom zweidimensionalen illusionistischen Bildraum in den realen, dreidimensionalen überführt. Hier arbeitet er mit Farbmaterial, das er nicht weiter abmischt. Die Schichtungen der abgerissenen Wände und des Dämmmaterials sind integraler Bestandteil der malerischen Komposition. Auch das angebrachte Armierungsgitter erzeugt im Farbauftrag poröse Durchlässigkeit, die wie die visuelle Qualität digitaler Bildstörungen anmutet. Durch die Risse und Lücken in den Wänden verschmelzen reale und illusorische Perspektive. Durch die großen Fensterfronten wird die Einsicht in die Installation bruchteilhaft bereits aus der Ferne des umliegenden Stadtareals sichtbar. Umgekehrt stellt sich dem Betrachter im Ausstellungsraum die Außenwelt als visuelles Versatzstück dar, das durch die Bruchstellen in das Innere eindringt wodurch Realität und künstlerische Abstraktion gleichermaßen als gestalterischen Fragmente fungieren.

(Text: Franziska Nori, Dennis Brzek)