Raum der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh

DER MORD AN OURY JALLOH

Die dritte Tür in dieser Ausstellung ist die der Zelle Nummer 5 im Polizeirevier Dessau in Sachsen-Anhalt. Hinter dieser Tür verbrannte Oury Jalloh am Morgen des 7. Januar 2005.

Oury war am Morgen auf der Straße verhaftet worden. Nachdem er einer Leibesvisitation unterzogen und ihm sein Hab und Gut abgenommen worden war, wurde er in eine Zelle im Keller gebracht. Dort lag er auf einer Matratze, mit Händen und Füßen an Wand und Boden gefesselt.

Stunden später, kurz vor Mittag, brach in Zelle Nummer 5 ein Feuer aus. Als das Feuer etwa eine halbe Stunde später gelöscht wurde, war Jallohs Körper vollständig verbrannt.

Offiziellen Berichten zufolge wurde der Brand durch ein Feuerzeug entzündet, von denen die Behörden behaupten, dass Oury es trotz der Leibesvisitation in die Zelle geschmuggelt hätte.

In den Jahren seit seinem Tod hat die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh eigene physikalische Experimente durchgeführt und bei Expert*innen Gutachten in Auftrag gegeben. Eines dieser Gutachten legt eine alternative Erklärung für Ourys Tod nahe, da aus ihm hervorgeht, dass er vor seinem Tod schwere Knochenbrüche erlitten hatte. Das legt nahe, dass das Feuer möglicherweise seinen Mord vertuschen sollte.

Oury war die dritte Person, die im Dessauer Polizeirevier in Gewahrsam gestorben ist, und die zweite in dieser Zelle.

Forensic Architecture, London & Forensis, Berlin / Initiative in Gedenken an Oury Jalloh

 

17 JAHRE SELBSTORGANISIERTE AUFKLÄRUNG IM FALL OURY JALLOH

Oury Jalloh ist am 7. Januar 2005 an Händen und Füßen gefesselt in der Zelle 5 des Polizeireviers Dessau bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Polizei und Staatsanwaltschaft legten sich von Anfang an darauf fest, dass Oury Jalloh das Feuer selbst entzündet hat. Die tatsächliche Brand- und Todesursache haben sie jedoch bis heute nicht aufgeklärt.

Der Film 17 Jahre selbstorganisierte Aufklärung im Fall Oury Jalloh zeigt eine Chronologie der kontinuierlichen Arbeit der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, die im Rahmen der Kampagne Break the Silence seit 2005 an der Seite der in Guinea lebenden Familie für Aufklärung und Gerechtigkeit kämpft. Die Kampagne beinhaltet neben langjährigen Protestaktionen vor den zuständigen Staatsanwaltschaften und Gerichten vor allem die selbstorganisierte, staatlich unabhängige Aufklärungsarbeit der Initiative.

Seit 2013 führen Aktivist*innen fortlaufend eigene Recherchen durch, beauftragen internationale Sachverständige mit forensischen Gutachten und bauen mit Hilfe einer kritischen Öffentlichkeit enormen Druck auf die zuständigen Behörden auf. Mit der Gründung einer Internationalen Unabhängigen Kommission zur Aufklärung der Wahrheit über den Tod von Oury Jalloh hat die Initiative zudem verschiedene Expert*innen aus aktivistischen, wissenschaftlichen und juristischen Bereichen vereint und somit eine weitere souveräne und repräsentative Kompetenz geschaffen.

Die Zusammenarbeit mit Forensic Architecture/Forensis ist Teil dieser eigenständigen Ermittlungsarbeit, in welcher durch die gemeinsame Anstrengung zivilgesellschaftlicher Akteur*innen die Aufdeckung staatlicher Verbrechen systematisch und beispielhaft vorangetrieben wird.

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh

Credits für den Film
Mario Pfeifer, Forensic Architecture/Forensis, Left Side Media, Initiative in Gedenken an Oury Jalloh