Viviana Abelson

Die Skulpturen von Viviana Abelson entspringen aus dem spezifischen Interesse der Künstlerin an den physischen und alchemistischen Potentialen von Materialien und ihren unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten. Ihre Werke arbeiten ein Vokabular an Formen und Texturen aus, in dem Gummi, Leder und Stahl in spannungsreiche Verknüpfungen gebracht werden.

Im Zentrum von Viviana Abelsons künstlerischer Praxis steht der Austausch von körperlichen und physischen Energien. Ihre Werke spiegeln die gegensätzlichen Eigenschaften von Materialien wider, die zwischen Hart und Weich, zwischen Elastisch und Rigide schwanken.  Die notwendige Kraft, die sie den einzelnen Objekten zufügt, um sie in Form zu bringen, wird durch gesteigerte Verhältnisse von Spannung und Druck lesbar. Der Körper der Künstlerin wird zum primären Werkzeug, mit dem die Skulpturen entstehen.

Das visuelle Vokabular der Werke von Viviana Abelson umfasst Materialien und Oberflächen, die vor allem in der industriellen Fertigung zum Einsatz kommen. Es sind zumeist toxische Stoffe, die aus natürlichen Ressourcen aus dem Boden produziert wurden und in einem chemischen Verfahren zu verkäuflichen Produkten weiterverarbeitet worden sind. Sie alle eint ein tief schwarzer Farbton, der an Stoffe wie Erdöl erinnert, die nicht nur in der Industrie Verwendung finden, sondern darüber hinaus symbolisch von unserem Umgang mit der Erde erzählen.

Ausgangspunkt für ihre skulpturale Formfindung ist genau jener alchemistische Prozess, aus dem diese Materialien bestehen. Ihre künstlerischen Griffe knüpfen an die Abläufe an, die die Materialien bereits durchlaufen haben und bringen diese zum Vorschein. So verwendet sie zum Beispiel Paraffin, das in einem mehrstufigen Verfahren aus Erdöl gewonnen wird, welches selbst wiederum eine komplexe Verbindung aus unterschiedlichen Chemikalien ist. Der Stoff verhält sich wie Wachs, das man ebenfalls unter Hitze schmelzen, in Form gießen und aushärten lassen kann. Die Künstlerin aktiviert diese Veränderungsprozesse und lässt durch ein Repertoire an Prozeduren wie Brennen, Schweißen, Nähen, Schmelzen und Kleben neue Kombinationen entstehen.

Im Umgang mit ihren Materialien nimmt Viviana Abelson eine beobachtende Rolle ein. Sie begegnet den Werkstoffen mit Aufmerksamkeit für ihre jeweiligen Eigenschaften und Qualitäten und folgt in der Formfindung den Weg, den sie einschlagen. Die schweren und mächtigen Materialien werden brüchig und an die Grenzen ihrer Beständigkeit gebracht. Sie werden damit zu symbolischen Trägern einer machtausübenden Kraft, die andeutet, wie politische Körper entstehen.

(Text: Franziska Nori, Dennis Brzek)