Wagehe Raufi

Wagehe Raufis künstlerische Untersuchung gilt einer Hinterfragung der Oberfläche zwischen materieller Präsenz und digitaler Brüchigkeit. Ihre Installationen lösen die Grenzen zwischen analogem und digitalen Raum auf, in den sie reale Objekte auf deren logarithmische Abbildung treffen lässt und diese zu artifiziellen Landschaften zusammensetzt. Mit ihren Skulpturen und Videoarbeiten versucht sie, den digitalen Raum zu erweitern und in unsere unmittelbare Gegenwart einzufalten.

Mit Laserscannern erfasst Wagehe Raufi sowohl vorgefundene Objekte als auch ihre eigenen plastischen Werke. Sie doppelt die realen Gegenstände in ihre digitale Spiegelung, sodass sich deren Abgrenzungen aufzulösen scheien. Das Ergebnis ist eine scheinbar niemals enden wollende Kamerafahrt über ineinander verschmelzende Oberflächenstrukturen. In hypnotischer Beständigkeit tauchen am Horizont des Videos digitale Objekte auf, deren brüchige Oberflächen sich Pixel für Pixel aufzubauen scheinen. Die Gegenstände in der gerenderten Sequenz gleiten aus der Tiefe eines nicht ausformulierten Bildhintergrunds. Denkt der Betrachter die Fortsetzung der Bewegung in den realen Raum weiter, würden sich die digitalen Objekte zu realen ausformulieren und einen Bildraum schaffen, in dem auch der Betrachter Teil der Konstruktion wird.

Wagehe Raufi bearbeitet transparente und opake Hartplastikplatten, die sie erhitzt und zu dreidimensionalen Bodenobjekten formt. Das thermoplastische Material, das zur Abformung von Gegenständen genutzt wurde, umhüllt nun einen Negativraum auf die sie zusätzlich Bildfragmente einarbeitet. Hinter der Oberfläche dieser transparenten Volumina zeichnen sich Liniengitter ab. Zusätzlich formt die Künstlerin dreidimensionale Gitterstrukturen, auf die sie Pigmente, chemische Substanzen und organische Materialien wie Hydrogel oder Agar-Agar aufträgt. Die lebendigen Prozesse der organischen Substanzen sorgen dafür, dass sie im Werden und Vergehen ihre Konsistenz und Farbigkeit ändern. Im Austausch mit der Umgebung und den umliegenden Materialien trocknen und verziehen sich die Stoffe und lösen die Oberfläche auf. Die hybriden Objekte vereinen organische und synthetische Materialien zu neuartigen Bildoberflächen aus Farben und Texturen, die eigenständig im Prozess miteinander reagieren.

Wagehe Raufi lotet aus, wie sich durch unterschiedliche technische und analoge Verfahren Gegenstände in andere Medien und Formen übersetzen lassen. Oberflächen werden in ihren Arbeiten immer wieder gescannt, übertragen und transferiert. Das Gittermuster auf den transparenten Objekten verweist auf digitale Software, die zur Erkennung und Abmessung von Gegenständen genutzt wird. Diese Arten, die Realität abzutasten, lässt Festes zu Porösem und scheinbar lose zusammenhängende Oberflächengebilde werden und verweisen dabei darauf, wie wir unsere Umwelt verstehen und konstruieren.

(Text: Franziska Nori, Dennis Brzek)