Jeremy Shaw – Phase Shifting Index

25.09.2020 — 24.01.2021

Soft Opening: 24. September 2020, 17 – 22 Uhr

Pressekonferenz im FKV: 24. September 2020, 11.00 Uhr

Der Frankfurter Kunstverein freut sich, die Deutschlandpremiere der jüngsten und größten Produktion des kanadischen Künstlers Jeremy Shaw, Phase Shifting Index (2020), zu präsentieren, eine Sieben-Kanal-Videoinstallation, die sich über das gesamte Gebäude erstreckt.

Phase Shifting Index (2020) zeigt sieben autonome Gruppen, die in verkörperlichten, bewegungsbasierten Glaubenssystemen agieren, die danach streben, parallele Realitäten herbeizuführen. Unter Verwendung verschiedener Medien des 20. Jahrhunderts, vom 16mm-Film bis zum Hi-8 Videoformat, präsentiert Shaw scheinbar dokumentarisches Filmmaterial aus der Perspektive einer fernen Zukunft. Dies erzeugt bei den BesucherInnen kognitive Dissonanzen in ihrer gefühlten Beziehung zu Ort und Zeit. Die Videos werden in der Vergangenheitsform erzählt und von einer männlichen Stimme im Stil britischer ethnografischer Dokumentarfilme des 20. Jahrhunderts vorgetragen. Sie beschreiben Praktiken und Überzeugungen fremder Kulturen im Detail. Kleidung, Stil und Choreographie der Personen verorten sie zeitlich und verweisen auf gefundenes historisches Filmmaterial aus den 1960er bis 1990er Jahren. Die Menschen drücken sich in körperlichen Gesten aus, die unterschiedliche subkulturelle und spirituelle Bewegungscodes aufgreifen, von analytisch über somatisch und meditativ bis hin zu ekstatisch. Durch Variationen von modernem Tanz, Popping und Locking, Jump-Style, Hardcore-Skanking und Vertrauensübungen erforschen die DarstellerInnen die Möglichkeiten der physischen Veränderung der Realität.

Auf dem Höhepunkt der dramatischen Handlung lösen sich die Filme in einem ekstatischen Chaos auf, das die gesamte Installation in eine zeitübergreifende choreografische Synchronisation bringt. Alle Filme verschmelzen zu einem sich wiederholenden und kathartischen Tanz, der zu einer einzigen hypnotischen musikalischen Spur wird, die die Räume zu einem pulsierenden, synchronisierten Ganzen vereint. Dieses in sich geschlossene Moment des Tanzes erstreckt sich über Zeit und Medien. Plötzlich lösen sich alle Bildwelten in einer Verschmelzung digitaler visueller Effekte auf, die die gesamte Installation erfasst. Körper zerreißen, kollidieren und verpixeln, während sie sich zwischen den Bildschirmen und Welten bewegen und sich innerhalb von Sekunden von einer parafiktionalen, dokumentarischen Zusammenstellung zu einer immersiven, psychedelischen Kunstinstallation verwandeln.

Jeremy Shaw (1977 North Vancouver, Kalifornien) arbeitet in einer Vielzahl von Medien, um veränderte Zustände und die kulturellen und wissenschaftlichen Praktiken zu erforschen, die danach streben, transzendentale Erfahrungen zu kartografieren. Er kombiniert und erweitert Strategien des Cinéma Verité, der Konzeptkunst, Musikvideos und wissenschaftlicher Forschung und schafft so einen postdokumentarischen Raum, in dem unterschiedliche Glaubenssysteme und Geschichten in einer interpretatorische Schwebe verhandelt werden. Shaw hatte Einzelausstellungen im Centre Pompidou, Paris, im MoMA PS1, New York, im Schinkel Pavillon, Berlin, und im MOCA, Toronto und war in internationalen Ausstellungen wie der 57. Venedig Biennale und der Manifesta 11 vertreten. Werke von Shaw befinden sich weltweit in öffentlichen Sammlungen, darunter das Museum of Modern Art, New York, das Centre Pompidou, Paris, die Tate Modern, London und die Sammlung zeitgenössische Kunst der Bundesrepublik.

 

Der Frankfurter Kunstverein präsentiert Phase Shifting Index als Beitrag zu Kanadas Kulturprogramm als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse und wird unterstützt vom Canada Council for the Arts und der Regierung von Kanada (Botschaft von Kanada).

­­Produziert wurde die Arbeit Phase Shifting Index als Kooperation des Frankfurter Kunstvereins mit dem Centre Pompidou, Paris, dem Swiss Institute, New York, dem Museum of Old and New Art, Tasmania.

Der Frankfurter Kunstverein dankt der KÖNIG GALERIE, Berlin, London and Tokyo.

Der Frankfurter Kunstverein wird dauerhaft gefördert durch die Stadt Frankfurt.

Mit freundlicher Unterstützung von Samsung The Wall und Mediativ, Stuttgart.