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	<title>Biodiversität | Frankfurter Kunstverein</title>
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		<title>La Caoba (Larry Bonćhaka und Sopo Kashakashvili)</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Feb 2025 10:19:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[La Caoba, 2025-fortlaufend Performative Installation Maße variabel Mit Beiträgen von Anna Pezzoli, Tracy Naa Koshie Thompson, Elene Gelovani und Lizi Kashakashvili Realisiert dank der Unterstützung von Sonja Prochorow, Samuel Götschin, Leonie Englert und Romildo Olympio Courtesy der Künstler:innen La Caoba ist eine globale off-the-grid Bewegung, die von Larry Bonćhaka (*1994, Accra, GH) und Sopo Kashakashvili <a href="https://www.fkv.de/la-caoba-larry-bonchaka-und-sopo-kashakashvili/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>La Caoba</em>, 2025-fortlaufend</p>
<p>Performative Installation</p>
<p>Maße variabel</p>
<p>Mit Beiträgen von Anna Pezzoli, Tracy Naa Koshie Thompson, Elene Gelovani und Lizi Kashakashvili</p>
<p>Realisiert dank der Unterstützung von Sonja Prochorow, Samuel Götschin, Leonie Englert und Romildo Olympio</p>
<p>Courtesy der Künstler:innen</p>
<p>La Caoba ist eine globale <em>off-the-grid</em> Bewegung, die von Larry Bonćhaka (*1994, Accra, GH) und Sopo Kashakashvili (*1994, Tiflis, GE) ins Leben gerufen wurde und sich für die Wiederherstellung der Umwelt, die nachhaltige Entwicklung der Gemeinden und die Stärkung der Wirtschaft einsetzt. Durch die Integration groß angelegter Aufforstungsprojekte mit gemeinschaftlich geführten Initiativen zielt La Caoba darauf ab, sich selbst erhaltende Ökosysteme zu schaffen, in denen Mensch und Natur gemeinsam gedeihen.</p>
<p>Im Frankfurter Kunstverein wächst ein lebendiger Raum heran. Ein gemeinsamer Esstisch steht im Mittelpunkt – ein Ort, an dem das Brot gebrochen und Brücken geschlagen werden. Workshops, forschungsbasierte Beiträge/künstlerische Recherchen und Materialien rund um Landwirtschaft und um den Handel und Transport von Lebensmitteln beleben den Raum im Verlauf der Ausstellung <em>And This is Us 2025</em>. Wir arbeiten mit örtlichen Landwirt:innen, Umweltstiftungen und weiteren kreativen Menschen zusammen, die wie wir tief in den Rhythmen der Natur verwurzelt sind und die Umwelt und Lebensmittel als Orte der Heilung und der Hoffnung neugestalten wollen.</p>
<p>Unsere Präsentation beinhaltet externe Beiträge von Anna Pezzoli, Tracy Naa Koshie Thompson, Elene Gelovani und der Designerin und Architektin Lizi Kashakashvili und wurde realisiert dank der Unterstützung von Sonja Prochorow, Samuel Götschin, Leonie Englert und Romildo Olympio. Gemeinsam verwandeln wir diesen Raum in ein lebendiges Ökosystem – eine gemeinsame Basis für Dialog, Aktion und kollektives Träumen.</p>
<p>Unser gemeinsamer Hunger nach Veränderung brachte uns zusammen. Durch die universellen Sprachen der Musik und des Kochens fanden wir nicht nur eine gemeinsame Basis, sondern auch einen gemeinsamen Herzschlag. Das Vertrauen in die Ideen und Projekte der anderen wuchs organisch, so dass wir ein Geflecht der Zusammenarbeit webten, welches zu einem Kollektiv wurde. Indem wir Menschen mit unterschiedlichen Leidenschaften zusammenbrachten, lernten wir, gemeinsam zu recherchieren, Performances zu entwickeln, Interventionen zu inszenieren, Vorträge zu halten und etwas aufzubauen, das größer ist als wir selbst – eine Familie.</p>
<p>Doch die Fragen, die uns antreiben, sind nach wie vor dringend und unnachgiebig: Wie kann Kunst zu einer lebendigen, atmenden Kraft der Veränderung werden? Welche Arten von Gemeinschaften formen wir, wenn wir Menschen über die Grenzen hinweg zusammenbringen?</p>
<p>Unsere Arbeit beginnt immer mit dem Persönlichen – unseren eigenen Geschichten, unseren Autobiografien. Wir tauschen Ideen aus, graben in Archiven und beschäftigen uns mit Objekten, Architektur und Raum als Orte der Aktivierung. In einer Welt, die durch Spaltung und Angst zerrissen ist, wurzelt unser Widerstand in der Praxis und im Austausch unserer Traditionen. Für uns ist Widerstand keine große Geste, sondern ein intimer Akt – eine gemeinsame Mahlzeit, ein Gespräch, ein Samen, der von Hand zu Hand weitergegeben wird.</p>
<p>Mit La Caoba, unserem Projekt und unserer Bewegung, richten wir unser Augenmerk auf Ghana, wo die Abholzung der Wälder eine Krise darstellt, die sofortiges Handeln erfordert. Dies ist nicht nur ein Umweltproblem, es ist ein Kampf ums Überleben, um das Erbe, um die Zukunft. Ihre Anwesenheit und Ihre Unterstützung sind nicht nur wertvoll &#8211; sie sind lebenswichtig. Schließen Sie sich uns an, wenn wir die Aromen Georgiens und Ghanas miteinander teilen und die Heilung der Vorfahren in einen globalen Wandteppich einweben.</p>
<p>Lebensmittel sind unsere Waffe des Widerstands und der Erneuerung. Durch den Austausch von Konservierungstechniken, Rezepten und Gewürzen beseitigen wir Grenzen &#8211; sowohl physische als auch metaphorische. Wir lehnen Kategorisierung und Trennung ab und laden Sie stattdessen zu Zeremonien des „Wurzelteilens“ und zu kollaborativen Kunstpraktiken ein, die Verbindung statt Trennung feiern.</p>
<p>Handel, Austausch und Gewerbe waren schon immer das Lebenselixier des menschlichen Überlebens und der Gemeinschaft. Wir fordern diese Handlungen zurück und verleihen ihnen einen Sinn. Diese Ausstellung ist nicht nur eine Präsentation, sie ist ein Aufruf zum Handeln, eine Plattform für den Wandel.</p>
<p>La Caoba &#8211; Mahagoni auf Deutsch &#8211; ist mehr als nur ein Baum. Es ist die Verkörperung der Widerstandsfähigkeit. Das in den Tropen beheimatete Mahagoni wurde zu Möbeln, Booten und Musikinstrumenten verarbeitet, und seine Stärke zeugt von seinem Wert. Und doch hat genau diese Stärke zu seinem Niedergang geführt. La Caoba ist auch der zweite Vorname unseres Sohnes, ein Symbol für Wachstum und Vermächtnis. Mit der Unterstützung unseres Projekts leisten Sie einen Beitrag zu einem Wiederaufforstungs- und Skulpturenparkprojekt in Prampram, Ghana, im Großraum Accra &#8211; ein lebendiges Denkmal der Regeneration.</p>
<p>Text von Sopo Kashakashvili und Larry Bonćhaka</p>
<p><strong>WARUM LA CAOBA IHRE UNTERSTÜTZUNG BENÖTIGT</strong></p>
<p>Eingebettet in die Küstenstadt Prampram, Ghana, liegt dieses wertvolle Stück Land – reich an Biodiversität, kulturellem Erbe und natürlicher Schönheit. Benannt nach den majestätischen Mahagonibäumen (<em>caoba</em> auf Spanisch), die einst hier wuchsen, war dieses Gebiet ein Rückzugsort für Wildtiere, eine Quelle heilender Pflanzen und ein unverzichtbarer grüner Raum für die lokale Gemeinschaft.</p>
<p>Doch im Laufe der Jahre haben unkontrollierte Bebauung und Landraub das empfindliche Gleichgewicht von Pflanzen- und Bodenleben bedroht. Wälder wurden gerodet, Feuchtgebiete trockengelegt, Wildtiere verdrängt – und so steht dieses ökologische Juwel kurz davor, für immer verloren zu gehen.</p>
<p>Aber es gibt noch Hoffnung. Wir setzen uns mit aller Kraft dafür ein, dieses Land vollständig zu erwerben und dauerhaft zu schützen – als Zufluchtsort für die Natur, als CO₂-Speicher und als lebendiges Vermächtnis für kommende Generationen. Durch die Sicherung des Landes können wir seine Ökosysteme wiederherstellen, nachhaltige Landwirtschaft fördern und ein Modell für gemeinschaftlich getragene Naturschutzprojekte schaffen.</p>
<p>Dieses Land ist mehr als nur Boden – es ist unser Erbe, unsere Umwelt und unsere Zukunft. Mit Ihrer Unterstützung können wir es wieder zum Leben erwecken – mit Pflanzen, Wasser und Tierwelt.</p>
<p>Unser Ziel ist es, ein etwa 4.000 Quadratmeter großes Grundstück vollständig zu erwerben, den Boden zu regenerieren, Bäume wie Akazien als natürlichen Windschutz zu pflanzen, Betreuer:innen auszubilden und einen Brunnen zu graben, da es in dieser Region bislang keinen Zugang zu Wasser gibt. Um das Wiederaufforstungsprojekt voranzubringen, benötigen wir 25.000 Euro.</p>
<p><strong>UNSERE ZIELE UND WOZU WIR UNS VERPFLICHTEN</strong></p>
<ul>
<li>Erwerb eines 4.000 Quadratmeter großen Grundstücks – 15.000 Euro</li>
<li>Bodensanierung mit Kompost und stickstoffbindenden Pflanzen – 2.500 Euro</li>
<li>Pflanzung von Bäumen wie Akazien, Eichen und Mahagoni als natürlicher Windschutz – 3.000 Euro</li>
<li>Gartenbau-Schulung für Betreuer:innen (Dauer: 3 Monate) – 2.500 Euro</li>
<li>Schaffung eines Wasserzugangs für die Gemeinschaft, Pflanzenwelt und Tierwelt – 2.000 Euro</li>
</ul>
<p>Mit Ihrer Unterstützung – durch den Kauf von Naturprodukten von La Caoba und Spenden über GoFundMe – können wir sicherstellen, dass neues Leben entsteht und die Menschen in Prampram inspiriert werden, Teil dieser Bewegung zu werden.</p>
<p><strong>Spenden Sie jetzt</strong> und werden Sie Teil dieser wichtigen Mission!</p>
<p>GoFundMe-Link: <a href="https://gofund.me/fb6c6e79">https://gofund.me/fb6c6e79</a></p>
<p><strong>Vielen Dank!</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Anna Pezzoli</strong></p>
<p><em>Aliveness</em>, 2025</p>
<p>Sojabohnensprossen führen im Inneren eines Aquariums die Choreografie mit dem Titel <em>Aliveness</em> (<em>Lebendigkeit)</em> auf.<br />
Geleitet von der Pumpe – dem pulsierenden Herzen, das durch Luftstöße den Rhythmus vorgibt – drehen sie sich in stillen Schleifen.<br />
Der Blick wird hineingezogen, verführt von der Transparenz, sicher an seinem trockenen Ort.<br />
Diese keimenden Samen stecken im Kreislauf fest. Ist das Drehen eine Überlebensstrategie? Was, wenn wir aufhören? Wäre Wurzeln schlagen vielleicht fruchtbarer? Würde die Ruhe neue Formen des Wachstums ermöglichen?</p>
<p><strong>Tracy Naa Koshie Thompson</strong></p>
<p><em>Kanzo Caves</em>, 2025</p>
<p>Die <em>Kanzo-Höhlen</em> sind Teil meiner topografischen Erkundung der Mikrowelten der Lebensmittel. „Kanzo“ bedeutet in der ghanaischen kulinarischen Tradition ‚verkohlter Reis‘, der sich am Boden von Töpfen bildet. Die digitalen Landschaften für diese Virtual-Reality-Erkundung entstehen durch eine Kombination aus Digital Elevation Modelling und Mikroskopie modifizierter Lebensmittel. Ich verändere Lebensmittel aus Reis, Weizen und Hirse zu unterschiedlichen Kristallisationsstrukturen, die anschließend in digitale Formen zurückübersetzt werden. Dieses Werk verschmilzt und hinterfragt die Genres Stillleben und Landschaft, um sich mit der gemeinsamen Morphogenese und Ökologie der Dinge auf unterschiedlichen Maßstabsebenen auseinanderzusetzen – einschließlich mikrobiellen Lebens und ungewöhnlicher Formen. Auf den digitalen Terrains erscheinen auch die Körper von Buchläusen, die als Teil des Ökosystems die von mir verwendeten Lebensmittel zersetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Larry Bonćhaka und Sopo Kashakashvili arbeiten als künstlerisches Duo zusammen und verbinden in ihrer Arbeit kulinarische Praktiken, theoretische Forschung und Improvisation, um partizipative Erfahrungen zu schaffen. Beide sind Gründungsmitglieder des Künstler:innen- und Architekt:innenkollektivs commune6x3 und haben ihr Studium an der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main (DE) absolviert, Bonćhaka 2023 und Kashakashvili 2024.</p>
<p>Ihre Performances und Interventionen wurden u.a. im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden e.V., Wiesbaden (DE), den Opelvillen, Rüsselsheim (DE), dem Theater der Welt, Frankfurt am Main (DE), der Kressmann Halle, Offenbach am Main (DE), dem Diamant Museum of Urban Culture, Offenbach am Main (DE), der Documenta 15 mit commune6x3, Kassel (DE), dem Künstler*innenhaus Mousonturm, Frankfurt am Main (DE) und den Royal Parade Grounds, Kumasi (GH) präsentiert. Sie haben auch Interventionen im öffentlichen Raum geschaffen, Dinner-Performances veranstaltet, an Modenschauen gearbeitet und 2024 ein mobiles Skulpturenpark-Projekt in Kumasi (GH) initiiert.</p>
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		<title>Pressestimmen zu „Bending the Curve”</title>
		<link>https://www.fkv.de/pressestimmen-zu-bending-the-curve/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Feb 2024 15:30:46 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„Und deshalb setzt die Schau auf positive Erzählungen und nicht auf apokalyptische Narrative, von denen die Künste in Zeiten von Krisen überschwemmt werden. Die Präsentation wird vielmehr von dem positiven Impuls getragen, dass der steile Anstieg des Artensterbens durch neue Handlungsoptionen gemildert werden kann. Doch so wenig, wie sie die ökologische Kränkung durcharbeitet, die dem Menschen derzeit widerfährt, die lähmende Macht von Verlustangst und Umwelttrauer, so wenig ist die Ausstellung ein einhegendes Unternehmen, das falschen Optimismus durch die Illusionsmaschine Kunst verbreitet. Die Finesse, Kunst und Wissenschaft als gleichberechtigte und sich gegenseitig ergänzende Sichtweisen zu präsentieren, ist ein Gewinn und folgt aktuellen Ansätzen von Donna Haraway, Anna Lowenhaupt Tsing, Stefano Mancuso und einer Reihe anderer theoretischer Positionen. (…) Seit Jahren profiliert sich der Frankfurter Kunstverein mit Projekten zur Transformation von Mensch-Natur-Verhältnissen, die die utopischen Potentiale der Kunst mit wissenschaftlichen Erkenntnissen verflechten, wie etwa in den Ausstellungen <em>Trees of Life</em> (2019 / 20) oder <em>Die Intelligenz der Pflanzen </em>(2021 / 22). (…) Könnte die Präsentation dieser fein austarierten Mikrowelten symbiotischer Existenz nicht zu einer Kultur des Staunens verhelfen? Und könnte nicht das Staunen über das Winzige, das eine grandiose Wirkung zu entfalten vermag, zu mehr Behutsamkeit und Fürsorge führen? In der Begriffstradition jedenfalls begegnet die <em>admiratio</em>, das Staunen über die Natur, als Demutsbegriff, und in diesem Sinne bräuchte es noch viel mehr Ausstellungen wie diese.”</p>
<p><a href="https://www.kunstforum.de/artikel/bending-the-curve/">Judith Elisabeth Weiss, <em>Bending the Curve</em></a><a href="https://www.kunstforum.de/artikel/bending-the-curve/">, Kunstforum International, Band 294, Februar 2024</a></p>
<p>„Im ersten Obergeschoss zeigt ein munteres Diagramm mit Tieren, Bäumen, Menschen auf der weißen Wand, wie das tatsächlich gelingen kann, die Kurve abzuflachen, wenn nicht gar zu drehen, bis ins Jahr 2100. Wenn wir mehr Erhaltungspflege betreiben, unsere Konsum umstellen und nachhaltig produzieren. Das hat man schon oft gehört – aber in Zeiten, in denen die einen mit Protest auf jedes gefühlte Verbot reagieren und zugleich viele, vor allem junge Leute bis zur psychischen Erkrankung hoffnungslos sind angesichts der ökologischen Entwicklung, ist das Diagramm, bunt auf weiß, samt einiger Zitate, die den großen Wandel in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft in machbare Päckchen aufteilen, geradezu tröstlich. Und Trost, so seltsam das klingen mag, ist ein Gefühl, das die Besucher durchaus ergreifen kann angesichts der künstlerischen Positionen, die regelrecht verschmelzen mit der Wissenschaft in „Bending The Curve“. Trägt die Ausstellung doch den Untertitel „Wissen, Handeln, (Für)sorge für Biodiversität“. (…) So versucht der Parcours durch den Kunstverein, die fatal nach unten zeigende Kurve unserer Zuversicht und Tatkraft umzukehren. Er spricht die Empathie jedes Einzelnen an und eine Ermunterung aus: Sich als Teil eines Ganzen zu verstehen. Für das es sich zu kämpfen lohnt.”</p>
<p><a href="https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/frankfurter-kunstverein-zeigt-kunst-zum-klimawandel-19242404.html">Eva-Maria Magel, <em>Die Kurve der Zuversicht</em>, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2023</a></p>
<p>„Zugvögel, Ameisen und Biodaten sollen Kunst schaffen? Der Frankfurter Kunstverein zeigt Schönes aus der Natur, um ihrer Zerstörung entgegenzutreten. (…) Die ungewöhnliche Zusammenarbeit zwischen Franziska Nori vom Kunstverein und Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszen­trums, zeigt aber keine – oft effekthascherische – „Bio Art“. Die Ausstellung präsentiert bedacht ausgewählte Exponate aus Naturwissenschaft und bildender Kunst unter einer prägnanten These: Um Klimawandel, Verlust von Biodiversität und Umweltverschmutzung zu stoppen und so die Ökosysteme zu schützen, bedürfe es „positiver Erzählungen“. (&#8230;) Wenn man erst mal angefangen hat, die Exponate wie reine Kunstwerke zu betrachten, kommen die erstaunlichsten Assoziationen. Da sind zum Beispiel sechs Aluminiumabgüsse von unterirdischen Ameisenbauten des US-amerikanischen Biologen Walter R. Tschinkel. Von der Decke hängend sehen sie aus wie abstrakte Kleinskulpturen, die von Calder, Giacometti oder Brâncuși inspiriert sein könnten.”</p>
<p><a href="https://taz.de/Ausstellung-ueber-Schoenes-aus-der-Natur/!5971864/">Tilman Baumgärtel, <em>Die Kunst der Tiere</em>, taz, 15.11.23</a></p>
<p>„Die mit Glasröhren verbundenen Glaskuben ziehen das Publikum unwiderstehlich an. In ihrem Inneren krabbeln Ameisen, zerschneiden Blätter, legen Pilzgärten an. Was fasziniert uns so? (…) Stundenlang möchte man staunen: über die Präzision des Ablaufs, die Fresskammern oder Abfallhaufen – ausgeschiedene organische Reste, die so gar nichts mit unseren toxischen Müllhaufen zu tun haben.“</p>
<p><a href="https://www.springerin.at/aktuell/">Yvonne Volkart, <em>Bending the Curve. Wissen, Handeln, [Für]Sorge für Biodiversität</em>, Springerin, 4/2023</a></p>
<p>Umwerfend, was Design-Professorin Julia Lohmann präsentiert: eine begehbare Skulptur aus Seetang und eine Werkschau ihrer Arbeit mit den Pflanzen der Ozeane, die schnell wachsen und umweltfreundliches Baumaterial abgeben. (…) Noch mehr wow: Alexandra Daisy Ginsberg entwarf einen Algorithmus, der Pflanzen und Bestäuber mit den größten Erfolgsaussichten je nach Standort zusammenbringt – und schuf fünf großformatige digitale Pflanzengemälde in den Farben, in denen die Bestäuber sie sehen. Wow. Und noch einmal wow: Oben unterm Dach wachsen zu sphärischen Klängen im Dämmerlicht Kohlenstoff-Felsen aus dem Boden, die man berühren darf, eine interaktive Rauminstallation. Dazu Virtual-Reality-Brillen als Einladung, an atemberaubenden Vogelflügen teilzunehmen. Und warum „Bending the Curve“? Weil es darum geht, noch die Kurve zu kriegen fürs Klima und die Biodiversität. Die Kurve in ihren verschiedenen Verläufen ist Teil der Ausstellung. Sie zeigt: Es liegt an uns, dass es wieder aufwärts geht mit der Vielfalt.“</p>
<p><a href="https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-die-artenvielfalt-retten-aber-aesthetisch-92574194.html">Thomas Stillbauer, <em>Die Artenvielfalt retten, aber ästhetisch</em>, Frankfurter Rundschau, 12.10.23</a></p>
<p>„Ein Stockwerk höher findet sich ein ganz besonderes Ausstellungsstück: ein zeltähnliches Gebilde aus Algen. Die Gestalterin Julia Lohmann hat es gebildet. (…) Das Erstaunliche: Von der Konsistenz und der Struktur her erinnert das Material tatsächlich an Leder. Das begehbare Algenhäuschen und andere Algenexponate dürfen nämlich – was ansonsten oft nicht erlaubt ist – berührt werden. Dadurch solle das Museum als Raum dienen, um intensiver nachzudenken und mit anderen zusammenzukommen, statt die Stücke nur allein zu begutachten.“</p>
<p><a href="https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Kultur-9/Artenvielfalt-im-Frankfurter-Kunstverein-Kunst-und-Wissenschaft-Algenhaeuschen-Tier-Pilz-Symbiosen-und-Blumengemaelde-41441.html">Till Geginat, <em>Kunst und Wissenschaft: Algenhäuschen, Tier-Pilz-Symbiosen und Blumengemälde</em>, Journal Frankfurt, 13.10.23</a></p>
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		<title>Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie, Abteilung Tierwanderungen</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Oct 2023 08:51:40 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Geleitet von Prof. Dr. Martin Wikelski und Team ICARUS (Uschi Müller &#38; Team) Schäuffelhut &#38; Berger GmbH, Movebank Babette Eid &#38; Team, MPIAB, MaxCine couchbits GmbH, Michael Quetting, MPIAB, Movebank Museum und AnimalTracker Dr. Kamran Safi, Dr. Andrea Kölzsch, Dr. Anne Scharf, MPIAB, MoveApps Carla Avolio, MPIAB, Presse und Outreach Movebank Zwei Videos, 3D-Animation 3 <a href="https://www.fkv.de/max-planck-institut-fuer-verhaltensbiologie-abteilung-tierwanderungen/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Geleitet von Prof. Dr. Martin Wikelski</p>
<p>und Team</p>
<p>ICARUS (Uschi Müller &amp; Team)<br />
Schäuffelhut &amp; Berger GmbH, Movebank<br />
Babette Eid &amp; Team, MPIAB, MaxCine</p>
<p>couchbits GmbH, Michael Quetting, MPIAB, Movebank Museum und AnimalTracker<br />
Dr. Kamran Safi, Dr. Andrea Kölzsch, Dr. Anne Scharf, MPIAB, MoveApps<br />
Carla Avolio, MPIAB, Presse und Outreach</p>
<p><strong>Movebank</strong><br />
Zwei Videos, 3D-Animation<br />
3 min; 1:30 min</p>
<p>ICARUS Basic tag &#8211; Fitnessarmband für Wildtiere<br />
Solarbetrieben, zur Erfassung von Position und Geschwindigkeit, 3D-Beschleunigung, Magnetfeldvektor und Temperatur<br />
Kunststoff<br />
4,5 – 5 g</p>
<p>Courtesy Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie, Rohde &amp; Schwarz INRADIOS GmbH, TALOS GmbH</p>
<p>Movebank ist eine Open-Source-Plattform, die vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Zusammenarbeit mit dem North Carolina Museum of Natural Sciences, der Ohio State University und der Universität Konstanz entwickelt wurde. Die Plattform hilft Wissenschaftler:innen und Wildtiermanager:innen weltweit, Milliarden von Tierbewegungsdaten und andere datenbasierte Informationen von Tieren zu sammeln, zu verwalten, zu teilen, zu analysieren und zu archivieren. Bewegungsdaten tragen dazu bei, Wissen und Verständnis zu schaffen, wie Tiere leben, wie sie auf den wachsenden Einfluss von Menschen reagieren und wie sie auf die gemeinsam bewohnten Ökosysteme Einfluss nehmen.</p>
<p>Wohin bewegen sich Tiere und warum? Wie beeinflusst das Verhalten von Tieren das Ökosystem und umgekehrt? Wie reagieren Tiere auf menschengemachte Eingriffe in die Landschaft und wie auf veränderte Klimabedingungen? Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um gefährdete Tierarten zu schützen und zu erhalten? Diesen und vielen weiteren Fragen versuchen Wissenschaftler:innen weltweit auf den Grund zu gehen. Die menschliche Existenz hängt von Biodiversität ab. Sie ist die Grundlage für die Bereitstellung von Nahrung, sauberem Wasser und zahlreichen anderen Ökosystemleistungen, die das Leben auf dem Planeten möglich machen. In einer Zeit, in der die globale Artenvielfalt alarmierend abnimmt und Maßnahmen zu ihrer Bewahrung immer wichtiger werden, ist die Movebank ein wichtiges Projekt und Instrument, um Wissen zu erlangen und unser Handeln anzupassen.</p>
<p>Für den Frankfurter Kunstverein wurden einige der Daten animiert. Präsentiert werden sie als grafische Linien, die sich auf einem 3D-Globus bewegen und so die Routen zahlreicher Tierarten auf ihren Migrationsstrecken sichtbar machen. Tiere wandern weit über die Erdkugel und überwinden menschengemachte Grenzen. Die Linien zeigen, wo und zu welcher Zeit sich verschiedene Tierarten aufhalten, und machen so eine komplexe globale Vernetzung von Lebensräumen und Ökosystemen sichtbar.</p>
<p>Der Biologe und Ornithologe Professor Dr. Martin Wikelski leitet das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und ist Gründer des Icarus-Projekts (International Cooperation for Animal Research Using Space), aus dem das Movebank-Projekt hervorging. Das Team um Wikelski verfolgt die Idee eines „Internets der Tiere“. Tausende Tiere mit Sendern werden per Satellit bei ihren weltweiten Bewegungen und Wanderungen geortet und ihre Positionen aufgezeichnet, auch in schwer zugänglichen Gebieten wie Ozeanen, Wüsten oder Regenwäldern.</p>
<p>Die Movebank ist eine Plattform, die sowohl für Wissenschaftler:innen als auch für Laienforscher:innen offen nutzbar ist. Alle können mitmachen, Beobachtungsdaten in die Datenbank eintragen und dadurch Teil eines internationalen Netzwerks werden. Werden Tiere mit Sendern vermisst oder ihr Standort als unbeweglich angezeigt, kann ein Aufruf an alle Community-Mitglieder ergehen, bei der Suche von Tieren im Gelände vor Ort zu helfen. Die Anzahl der Daten, die weltweit zusammengetragen werden, ermöglicht es den Wissenschaftler:innen, Wissen über Tierwanderungen und Verhaltensweisen zu erlangen und somit komplexe Zusammenhänge zwischen menschlichem Verhalten und den Tieren zu verstehen, um für Schutzmaßnahmen einzutreten.</p>
<p>Die Movebank trägt dazu bei, die Einflüsse menschlicher Eingriffe in die Landschaft und in Ökosysteme zu erkennen und die Veränderung der Artenvielfalt zu verfolgen. In Deutschland finden jährlich etwa hundert Millionen Vögel allein durch die verspiegelten Fassaden von Hochhäusern oder durch Luftverschmutzung einen frühzeitigen Tod. Andererseits ermöglicht es genaueres Wissen, gefährdete Tierarten unter Schutz zu stellen und zu erkennen, dass geschützte Lebensräume ihnen erneut eine Zuflucht bieten können. Hinter jeder Lichtlinie der Movebank-Animation verbergen sich unzählige Einzelschicksale, die in der Datenbank gespeichert sind. So können Wanderpopulationen von Zebras im Westen Botswanas nach Jahren kurzer, chaotischer Laufwege wieder weite Strecken zurücklegen, weil Weidezäune, die zu wirtschaftlichen Zwecken errichtet worden waren, entfernt wurden. Die Zebras nahmen die ursprünglichen Routen ihrer Vorfahren auf, obwohl sie diese nicht aus eigener Erfahrung kannten.</p>
<p>Was die Animation der Movebank vermitteln kann, ist die Relativität menschengemachter Räume, wie zum Beispiel nationale Grenzen, über die sich Tiere hinwegsetzen. Aber auch die Gefahr, die von unbedachten Ökosystemzerstörungen ausgeht. Die Movebank-Animation kann ein Gefühl für größere Zusammenhänge herstellen, so wie es Astronaut:innen erleben, wenn sie die Erde aus dem Weltraum betrachten. Sie berichten von einem Gefühl von Ganzheit, wenn sie den Planeten ohne politische Grenzen in seiner ganzen Schönheit aus der Ferne sehen und erfasst werden von dem tiefen Verständnis für die Verletzlichkeit des Lebens auf der Erde.</p>
<p>Wenn Sie, liebe Besucher:innen, Interesse an der Teilnahme am Movebank-Projekt haben, wenden Sie sich bitte an lokale Umwelt- oder Naturschutzorganisationen oder informieren Sie sich auf Plattformen wie Bürger schaffen Wissen (www.buergerschaffenwissen.de). In Frankfurt am Main können Sie sich zum Beispiel an folgende Organisationen wenden: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Goethe-Universität Frankfurt, NABU, BUND, SLInBio – Städtische Lebensstile und die Inwertsetzung von Biodiversität.</p>
<p>Oder laden Sie sich die Movebank-Applikation auf Ihr Mobiltelefon und machen Sie aktiv<br />
bei der Beobachtung von Wildtieren mit. Die mobil nutzbare Animal-Tracker-App kann die Bewegungen getrackter Tiere live auf dem Handy anzeigen. Ctmm (Continuous-Time Movement Modeling) bietet Funktionen zur Identifizierung, Anpassung und Anwendung zufallsbedingter und zeitkontinuierlicher Bewegungsmodelle von Tierverfolgungsdaten.</p>
<p>Durch leichte Handhabe und die Zugänglichkeit über mobile Endgeräte steht Movebank auch Laienforscher:innen offen und ermöglicht es Bürger:innen, aktiv an wissenschaftlichen Beobachtungen und Dateneingaben teilzunehmen. Jede:r kann mitmachen, Beobachtungen zu Tierpopulationen, Verhaltensweisen und Verbreitungsgebieten von Wildtieren einbringen und über Sichtungen Protokoll führen (Online-Tools: Animal Tracker, Cat Tracker oder Snapshot Europe).</p>
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<p>&nbsp;</p>
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		<title>Neue Materialien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Oct 2023 08:51:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Magna Glaskeramik Stormy Grey Bodenplatten, 2017 24 Glasplatten aus recyceltem Glasbruch und Überschuss beschichteter Solarpaneele Jeweils 135 x 60 x 2 cm Samples 6 Glasfliesen aus recyceltem Glasbruch und Überschuss beschichteter Solarpaneele Courtesy Magna Glaskeramik BlueBlocks: Seawood Samples Faserplatten aus braunem Seetang Courtesy BlueBlocks RikMakes: Compostboard Samples Bretter aus agrarwirtschaftlichen Abfällen Courtesy RikMakes Shards – <a href="https://www.fkv.de/neue-materialien/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Magna Glaskeramik<br />
</strong></p>
<p>Stormy Grey Bodenplatten, 2017<br />
24 Glasplatten aus recyceltem Glasbruch und Überschuss beschichteter Solarpaneele<br />
Jeweils 135 x 60 x 2 cm</p>
<p>Samples<br />
6 Glasfliesen aus recyceltem Glasbruch und Überschuss beschichteter Solarpaneele</p>
<p>Courtesy Magna Glaskeramik</p>
<p><strong>BlueBlocks: Seawood</strong><br />
Samples<br />
Faserplatten aus braunem Seetang<br />
Courtesy BlueBlocks</p>
<p><strong>RikMakes: Compostboard</strong><br />
Samples<br />
Bretter aus agrarwirtschaftlichen Abfällen<br />
Courtesy RikMakes</p>
<p><strong>Shards – Fliesen aus Bauschutt</strong><br />
Samples<br />
Fliesen aus Bauschutt<br />
Courtesy Shards – Fliesen aus Bauschutt</p>
<p><strong>Smile Plastics  </strong><br />
Samples<br />
Paneele aus recycelten Kunststoffabfällen<br />
Courtesy Smile Plastics</p>
<p><strong>Spared</strong><br />
Samples<br />
Recycelte Muscheln aus der Fischereiindustrie</p>
<p><strong>StoneCycling</strong><br />
Samples<br />
Ziegelsteine aus Bauschutt<br />
Courtesy StoneCycling</p>
<p><strong>UpBoards</strong><br />
Samples<br />
Platten aus recycelten Kunststoffabfällen</p>
<p>Das 21. Jahrhundert steht vor einem radikalen Paradigmenwechsel dafür, wie viele Materialien unter welchen Produktionsbedingungen hergestellt werden und zum Einsatz kommen. Das lineare Konzept von „Produzieren, verwenden, wegwerfen“ hat sich angesichts knapper Ressourcen und eines exponentiell wachsenden Abfallaufkommens sowie einer rapide steigenden Weltbevölkerung als nicht tragbar für die zukünftige Bewohnbarkeit des Planeten erwiesen. Um den Abbau natürlicher Rohstoffe zu minimieren, müssen Kreisläufe aus Produktion, Nutzung und Wiederverwendung entwickelt werden, die neben einem geringeren Verbrauch von Ressourcen eine Transformation des Wirtschaftens ermöglichen.</p>
<p><em>Knowing, Acting, Caring</em> als Haltung eines veränderten Handelns hat unterschiedliche Stufen der Produktion und eine Bandbreite von Materialien hervorgebracht, die nicht mehr nur als spekulative Forschungsprojekte, sondern zur realen Anwendung zur Verfügung stehen.</p>
<p>Die hier präsentierte Auswahl junger Unternehmen steht stellvertretend für eine neue Generation von Firmen, die ihr wirtschaftliches Modell im Zeichen der Transformation entwickelt haben. Magna Glaskeramik, Blue Blocks Seawood, Compost Board, Shards-Fliesen aus Bauschutt, Smile Plastics, Spared, Stone Cycling, UpBoards und Mogu stehen für innovatives Wirtschaften im Bereich der New Materials. Recycling, Urban Mining, der Einsatz natürlich nachwachsender und abbaubarer Rohstoffe bilden das Zentrum ihrer Produktpaletten.</p>
<p>Die erste Stufe für veränderten Wertstoffverbrauch besteht im Ansatz des Recyclings bereits bestehender Stoffe. Hier geht es darum, bereits vorhandene, oft ölbasierte Materialien wieder zu verwerten, anstatt sie zu entsorgen. Dies reduziert nicht nur den Energieverbrauch bei Neuproduktionen, sondern verringert auch die Menge der Abfälle, die weltweit auf den Deponien landen. Recycling trägt dazu bei, unsere begrenzten natürlichen Ressourcen zu schonen und die Umweltbelastung zu minimieren. Voraussetzung für das Recycling ist die Trennung in einzelne Stoffe. Weil viele Produkte als Verbund zahlreicher Einzelstoffe designt werden, deren Trennung schwierig ist, landen wertvolle Materialien als Ganzes auf den Deponien. Verändertes Design, neue Produktionsverfahren und effizientere Trennung in einzelne Stoffe sind daher die neuen Herausforderungen.</p>
<p>Städte und die gebaute Umwelt befinden sich im ständigen Wandel. Was bleibt, sind Tonnen von Trümmern aus Beton, Ziegeln und diversen anderen Baumaterialien. Die Reste werden als Bauschutt auf Müllhalden entsorgt. Immer mehr wird jedoch verstanden, dass dieser Abbruch auch recycelbare Stoffe liefern kann. Als Urban Mining werden eine neue Wirtschaft und ein Prozess genannt, der Rohstoff nicht aus der Natur, sondern aus bereits verursachtem Abbruch extrahiert und die Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe aus städtischen Abfällen und Altprodukten betreibt. Dabei werden Techniken wie Recycling, Wiederverwendung und Aufbereitung eingesetzt, um Metalle, Kunststoffe, Elektronik und andere Ressourcen aus Haushalten, Gewerbegebieten und Industrieabfällen zurückzugewinnen. Urban Mining trägt dazu bei, die Abhängigkeit von primären Rohstoffquellen zu reduzieren, und fördert eine nachhaltigere Nutzung von Ressourcen in urbanen Umgebungen.</p>
<p>Shards ist ein junges Unternehmen aus Kassel, das sich auf die nachhaltige Verwertung von Abfällen aus der Bauindustrie spezialisiert hat, indem es Fliesen aus Bauschutt herstellt. Die Fliesen verzichten vollständig auf Primärrohstoffe, geben mineralischen Abfallstoffen, die normalerweise auf Deponien landen würden, ein zweites Leben und etablieren gleichzeitig ein zirkuläres System. Bei einer Beschädigung können sie, ohne zu Abfall zu werden, zu neuen Fliesen recycelt werden. Die Palette von Farben und Oberflächenstrukturen wird ohne Farbstoffe produziert und reicht von Weiß, Creme, Braun, Grau, Schwarz bis zu Grün- und Blautönen. Sie können glänzend, griffig oder rau sein. Bei der Herstellung der Shards-Fliesen setzt das Unternehmen auf erneuerbare Energiequellen und verzichtet vollständig auf fossile Brennstoffe. Aufgrund seiner Nachhaltigkeit wurde das Unternehmen 2018 mit dem Bundespreis Ecodesign und 2021 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Design ausgezeichnet.</p>
<p>StoneCycling ist ein niederländisches Unternehmen mit Sitz in Amsterdam, das ebenfalls das Ziel verfolgt, den Einsatz von Primärrohstoffen in der Baubranche zu reduzieren. Bereits im Studium hatte der Industrial-Designer Tom van Soest einen Mixer entworfen, der Abbruchabfälle wie Fensterglas, Ziegel und Beton pulverisiert. Dieses Verfahren brachte er später in einem größeren Maßstab mit der Gründung von StoneCycling zu unternehmerischer Reife. Das resultierende Pulver wird gemischt und gebrannt. Recyceltes Glas dient als Bindemittel. Das Material, das aus dem Ofen kommt, hat steinähnliche Eigenschaften. Das Unternehmen StoneCycling produziert heute Ziegel oder Fliesen für nachhaltige Bauprojekte. In der Ausstellung <em>Bending the Curve</em> werden Produkte aus der Serie WasteBasedBricks vorgestellt. Die Backsteine werden zu zwischen 60 % und 100 % aus Abfallmaterialien hergestellt und tragen zur Abfallreduzierung bei, indem sie zwischen 91 kg und 150 kg Abfall pro Quadratmeter aufwerten. Die Produktion ist CO₂-kompensiert und entspricht den Branchenstandards. WasteBasedBricks eignen sich sowohl für den Innen- als auch den Außenbereich und können in individuellen Formen und Größen geliefert werden.</p>
<p>Die Firma Magna Glaskeramik mit Sitz in Teutschenthal produziert Designprodukte mit Glasabfällen. Für die Ausstellung <em>Bending the Curve</em> präsentiert die Firma eine Installation mit Bodenplatten in der Farbe Stormy Grey. Aus 100 % recyceltem Brauchglas stellt Magna Glaskeramik-Platten her, die aus farblich getrennten und geschmolzenen Scherben bestehen. Die Farbpalette umfasst Grau, das aus dem Glas beschichteter Solarpaneele hergestellt wird, Blau aus blauen Mineralwasserflaschen, Grün aus Bierflaschen, Schwarz aus Fehlproduktionen von grauem Flachglas und Weiß aus Abfallglas von Schutzgläsern für Solarzellen. Bei der Herstellung von Flach-, Solar-, Farb- oder Flaschenglas fallen Ausschüsse, Fehlproduktionen und Übermengen von ca. 5 % der gesamten Glasproduktion an. Diese Industrieabfälle stellen die Rohstoffquelle für die Produktion von Magna Glaskeramik dar: Sie werden kontrolliert in Scherben gebrochen und durchlaufen ohne Zusatz von Bindemitteln und ohne Druck, nur mithilfe von Temperatur und Zeit, einen aufwendigen Kompaktierungsprozess, Sinterungsprozess genannt. Anschließend werden die gesinterten Platten in Kühlhauben abgekühlt. In der Endverarbeitung werden die Rohplatten kalibriert, auf Wunsch poliert und auf Endmaß geschnitten. Der Energiebedarf im Produktionsprozess wird aus eigenen Solaranlagen generiert und das Wasser für den Herstellungsprozess wiederaufbereitet und mehrfach verwendet.</p>
<p>Die Unternehmen Smile Plastics, Spared und UpBoards präsentieren in <em>Bending the Curve</em> Materialproben aus ihren Produktpaletten, die zu 100 % aus recyceltem Plastikgranulat herstellt wurden. Plastikabfälle lassen sich zu allen möglichen Formen pressen. Die so entstandenen neuen Materialien haben jeweils eigene Qualitäten und ein verschieden designtes Aussehen. Sie sind für eine breite Palette von Anwendungen konzipiert, die an den Bedarf angepasst werden können. Zusätzlich präsentiert das Unternehmen Spared auch eine Probe des Verbundmaterials Molelk, das aus recycelten Muscheln aus der Fischereiindustrie entsteht. 6 bis 8 Millionen Tonnen Muschelabfälle fallen jedes Jahr in der Lebensmittelindustrie an. Der größte Teil davon landet auf der Mülldeponie.</p>
<p>Für das Recycling von Plastik setzen sich nicht nur junge Unternehmen aus der Designbranche ein. Dafür engagieren sich auch weltweite Bürger:innenbewegungen, wie zum Beispiel die Initiative „Precious Plastic“. Diese wurde 2012 von Dave Hakkens in den Niederlanden gegründet. Die Idee basiert auf von Hakkens selbstgebautem Werkzeug für das Recycling von Plastik: einem Schredder, einer Spritzgussmaschine und einer Formpresse. Später stellte Hakkens die Baupläne für die „Recycling-Infrastruktur“ unter dem Creative-Commons-Siegel für jeden verfügbar ins Internet, was bewirkte, dass sich weltweit ca. vierhundert von Bürger:innen gegründete Werkstätten der Bewegung anschlossen.</p>
<p>Diese zweite Stufe veränderter Produktion konzentriert sich auf die Entwicklung und Verwendung neuer Materialien, die organisch und abbaubar sind. Die Materialien sind eine Alternative zu herkömmlichen, nicht abbaubaren Kunststoffen und Chemikalien. Sie sind umweltfreundlicher und bauen sich nach ihrer Verwendung schneller ab, indem sie möglichst wenige oder gar keine schädlichen Rückstände hinterlassen. Solche Materialien sind besonders wichtig, um die Verschmutzung der Ozeane und Böden zu reduzieren.</p>
<p>Das Holz-ähnliche Produkt CompostBoard basiert auf dem Prinzip Zero Waste. Das Material besteht aus landwirtschaftlichen Abfällen und ist zu 100 % biobasiert, erneuerbar und vollständig kompostierbar. Die Fasern für CompostBoard stammen aus den Niederlanden (Flachs) und Belgien (Hanf), die Verarbeitung erfolgt auf herkömmlichen Holzbearbeitungsmaschinen mit Verfahren wie Fräsen, Sägen und Mahlen. Das Material fördert eine Kreislaufwirtschaft, da es nach Gebrauch zu fruchtbarem Boden für den Anbau von Nutzpflanzen verwandelt werden kann. Der verwendete Klebstoff ist umweltschonend hergestellt und ungiftig, da er keine ölbasierten Stoffe verwendet. Er ist nicht flüchtig sowie umweltschonend hergestellt. Das damit kompaktierte Material bleibt intakt, solange es trocken gehalten wird, und bietet den Benutzer:innen vorteilhafte Eigenschaften wie Atmungsaktivität und ein neutrales Raumklima. Es bindet Wasserdampf, wenn die Luft feucht ist, und gibt ihn in trockenen Zeiten wieder ab. CompostBoard beginnt zu zerfallen, wenn es mehrere Tage lang Regen ausgesetzt ist. Nach sieben bis 14 Tagen in Kontakt mit Wasser zerfällt das Material und kann von Würmen und Insekten zersetzt werden.</p>
<p>SeaWood ist das Resultat einer Kooperation zwischen The Seaweed Company, North Sea Farmers, BlueCity und Circular Factory. Sie produzieren Faserplatten, die aus braunem Seetang hergestellt werden. SeaWood ist ein zu 100 % natürliches, kompostierbares und chemikalienfreies Plattenmaterial, das als Baumaterial für Produkte im Bereich der Inneneinrichtung und als akustische Wandpaneele verwendet werden kann.</p>
<p>Die dritte Stufe transformativen Wirtschaftens wird aktuell unter dem Begriff der Regeneration diskutiert. Der Begriff wurde von Paul Hawkens geprägt und sieht eine Umstellung in allen Bereichen der Herstellung, der Gewinnung, des Verbrauchs und der Wiederverwendung von Dingen vor, die Menschen zum Leben brauchen. Die zentrale Forderung ist, dass der Mensch einen weiter belebbaren Planeten hinterlässt und Ökosysteme, Klima und Biodiversität versteht und respektiert. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn ein radikaler kultureller Wandel stattfindet und damit einhergehend neue Methoden und Materialien in möglichst allen Bereichen menschlichen Lebens zum Einsatz kommen.</p>
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			</item>
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		<title>Bending the Curve – Eine Einführung von Katrin Böhning-Gaese (Co-Kreation Wissenschaft)</title>
		<link>https://www.fkv.de/bending-the-curve-eine-einfuehrung-von-katrin-boehning-gaese-co-kreation-wissenschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Oct 2023 08:51:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Bending the Curve – Wie gelingt die Kehrtwende im Naturschutz? Co-Kreation Wissenschaft: Katrin Böhning-Gaese Franziska Nori und ich haben uns Anfang 2019 bei einem Workshop zum „Neuen Senckenberg Naturmuseum“ kennengelernt. Franziska hat mich mit einem Wortbeitrag sehr beeindruckt. Sie sagte, dass „die Kunst neue Perspektiven eröffnen kann“. Idealerweise „schafft die Kunst ‚erhabene Momente‘, die transformativen <a href="https://www.fkv.de/bending-the-curve-eine-einfuehrung-von-katrin-boehning-gaese-co-kreation-wissenschaft/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bending the Curve – Wie gelingt die Kehrtwende im Naturschutz?</strong><br />
<strong>Co-Kreation Wissenschaft: Katrin Böhning-Gaese</strong></p>
<p>Franziska Nori und ich haben uns Anfang 2019 bei einem Workshop zum „Neuen Senckenberg Naturmuseum“ kennengelernt. Franziska hat mich mit einem Wortbeitrag sehr beeindruckt. Sie sagte, dass „die Kunst neue Perspektiven eröffnen kann“. Idealerweise „schafft die Kunst ‚erhabene Momente‘, die transformativen Charakter haben“. Seitdem sind wir im engen Austausch geblieben, insbesondere im Hinblick auf die Ausstellung <em>Trees of Life</em>, die in Kooperation mit Senckenberg erarbeitet wurde, und die Ausstellung Die Intelligenz der Pflanzen. Warum arbeiten wir zusammen? Warum halte ich, als Biodiversitätsforscherin, eine Zusammenarbeit mit der Direktorin einer Kunstinstitution für spannend und sinnvoll? Und welche Rolle spielen „erhabene Momente“?</p>
<p>Die Biodiversität auf unserer Erde ist in dramatischem Ausmaß bedroht. Im ersten Globalen Bericht des Weltbiodiversitätsrats (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES), veröffentlicht im Jahr 2019, wurde im wissenschaftlichen Konsens erarbeitet, dass von den derzeit etwa 8 Mio. Arten auf der Erde 1 Mio. Arten vom Aussterben bedroht sind. Eine besonders hohe Gefährdung gibt es mit über 60 % bedrohter Arten bei Palmfarnen, 40 % bedrohter Arten bei Amphibien, also Fröschen, Kröten und Lurchen, und fast 40 % bei Korallen. Darüber hinaus gehen die Bestände vieler Arten dramatisch zurück. Ein Index, der die Häufigkeit von Arten widerspiegelt, der Living-Planet-Index, zeigt einen Rückgang in der Häufigkeit von Arten um mehr als 60 % über einen Zeitraum von 50 Jahren. In Deutschland und Europa messen wir vor allem bei den Arten der Agrarlandschaft, d. h. den Äckern, Wiesen und Weiden, Rückgänge. So findet man bei Vögeln der Agrarlandschaft über einen Zeitraum von 37 Jahren einen Rückgang von fast 60 %.</p>
<p>Neben den Arten verschwinden auch natürliche Ökosysteme und werden in vom Menschen genutzte und oft degradierte Ökosysteme überführt. Die Hälfte aller Ökosysteme wurde bereits massiv verändert. In den letzten 30 Jahren ist die Ausdehnung natürlicher Wälder um eine Fläche zurückgegangen, die insgesamt zwölfmal der Fläche der Bundesrepublik entspricht. In Deutschland sind nur 4 % der früher ausgedehnten Moore Naturschutzflächen.</p>
<p>Die Veränderungen in der Biodiversität haben Folgen für die Beiträge, die die Natur für uns Menschen leistet (nature’s contributions to people). Die Biodiversität ist die Existenzgrundlage für die Menschen: Fast alles, was wir Menschen nutzen, wird durch die Biodiversität bereitgestellt. Zu den materiellen Beiträgen der Natur gehören Luft zum Atmen, sauberes Trinkwasser, Nahrung, Baustoffe, Energie, Fasern oder Medikamente, zu den regulierenden Beiträgen unter anderem die Bestäubung, die Samenausbreitung und die natürliche Regeneration von Wäldern, die Regulierung des Klimas oder die Bildung fruchtbarer Böden. Und schließlich liefert Biodiversität ein breites Spektrum an nicht-materiellen Beiträgen: Schönheit, Entspannung, Erholung und psychische Gesundheit, Spiritualität, Heimat und Identität. Der Verlust der Biodiversität hat auch Folgen für die Beiträge der Natur. Nach wissenschaftlichem Konsens (IPBES Global Assessment Report 2019) gehen von den 27 Unter-Kategorien an Beiträgen der Natur alle bis auf drei zurück; die einzigen Beiträge, die ansteigen, sind die Anbauflächen für Nahrungsmittel und Tierfutter, für Energiepflanzen (z. B. Ölpalmen) und für Materialien (z. B. Baumwolle). Ökosysteme werden offensichtlich im Hinblick auf die kurzfristige Produktivität für den Menschen gemanagt.</p>
<p>Was sind die Ursachen für den Verlust der Biodiversität? Es gibt fünf wichtige direkte Ursachen, die sogenannten „Big Five“ des Biodiversitätsverlusts. Auf Platz eins steht die Landnutzung, das ist im Wesentlichen die Landwirtschaft. Die landwirtschaftliche Anbaufläche wird derzeit vor allem in tropischen Ländern massiv ausgedehnt. Dabei werden natürliche Ökosysteme, d. h. Wälder, Savannen, Grasland-Ökosysteme oder Feuchtgebiete, zerstört. In Deutschland und Europa ist die Ursache für den Rückgang der Arten in der Agrarlandschaft eine sehr intensive landwirtschaftliche Nutzung, mit hohem Einsatz an Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln, großflächigen Monokulturen, mit dem Verschwinden von Hecken, Bäumen, Bachläufen und Brachflächen. Auf Platz zwei steht die Ausbeutung von Arten. Dadurch sind vor allem die Meere betroffen; über 35 % der kommerziell genutzten Fischbestände sind derzeit überfischt. Daneben sind der Klimawandel, die Umweltverschmutzung und das Einwandern gebietsfremder, sogenannter „exotischer“ Arten von Bedeutung.</p>
<p>Allerdings stehen hinter diesen direkten Einflussfaktoren indirekte oder tiefe Faktoren, die u. a. Landnutzungsänderungen und die Ausbeutung von Arten verursachen. Dazu gehören demographische und sozio-kulturelle Veränderungen, wie der Anstieg der Weltbevölkerung, der zunehmende Pro-Kopf-Konsum natürlicher Ressourcen und eine zunehmend fleischbasierte Ernährung. Weitere Faktoren sind ökonomische und technologische Veränderungen, Änderungen in Institutionen und Governance, Konflikte und Epidemien. Dazu gehören zum Beispiel zunehmender Wohlstand oder die institutionellen und technischen Möglichkeiten für globale Handelsketten.</p>
<p>Es ist aus der Sicht der Wissenschaft glasklar, dass der Verlust der Biodiversität und ihrer Beiträge für uns Menschen bereits heute die Gesundheit, den Wohlstand und das Wohlergehen vieler Menschen beeinträchtigt. Bei weiteren Rückgängen der Biodiversität und ihrer Beiträge für die Menschen ist ein immer größerer Personenkreis gefährdet. Aber was können wir tun, um eine Kehrtwende einzuleiten, um einen weiteren Rückgang der Biodiversität aufzuhalten und die Biodiversität idealerweise wieder zu fördern?</p>
<p>Bei den Maßnahmen stehen an erster Stelle internationale Vereinbarungen, wie das Übereinkommen über die biologische Vielfalt, das auf dem Erdgipfel in Rio 1992 aufgesetzt wurde und das in der Zwischenzeit 196 Nationen unterzeichnet haben. Bei der 15. Vertragsstaatenkonferenz Ende 2022 in Montreal, dem sogenannten Weltnaturgipfel, wurden neue Ziele vereinbart. Dazu gehören unter anderem das Ziel, bis zum Jahr 2030 30 % der Landes- und Meeresflächen effektiv unter Schutz zu stellen, bis zum Jahr 2030 30 % der degradierten Landes- und Meeresflächen wieder zu renaturieren oder die Förderung einer nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei. Die große Stärke dieser Abkommen ist, dass es internationale Übereinkünfte sind, denen fast alle Länder dieser Erde zugestimmt haben. Leider gibt es keine juristischen Instrumente, um diese Ziele einzuklagen und durchzusetzen: Der internationale Gerichtshof beschäftigt sich nicht mit diesen Fragen; es gibt auch keine Weltpolizei. Dennoch stehen damit alle Länder der Erde in der moralischen Verpflichtung, diese Ziele umzusetzen. Es liegt in der Verantwortung der Zivilgesellschaft und der Medien, die Einhaltung dieser Ziele einzufordern.</p>
<p>Zudem spielen internationale Science-Policy-Interfaces auch beim Schutz der Biodiversität eine zentrale Rolle. Die entsprechende internationale Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik ist für Biodiversität der bereits genannte Weltbiodiversitätsrat IPBES. Er ist das Äquivalent des Weltklimarats IPCC, der für das Thema „Klima“ schon vor vielen Jahren etabliert wurde. Der Weltbiodiversitätsrat erarbeitet den Stand des Wissens und Handlungsoptionen sowohl für einzelne Weltregionen als auch global. Ein wesentliches Ergebnis der bisherigen Berichte ist, dass Schutz und Förderung der Biodiversität nicht mehr durch Einzelmaßnahmen zu erreichen sind. Das heißt, dass das Einrichten von Schutzgebieten oder die reduzierte Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln allein zwar gute und notwendige Maßnahmen sind, aber nicht ausreichen werden, um die Biodiversität zu erhalten. Stattdessen wird eine sozial-ökologische Transformation eingefordert, definiert als eine fundamentale systemweite Umgestaltung der ganzen Gesellschaft, d. h. der Politik, Rechtsprechung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft (IPBES Global Assessment Report 2019).</p>
<p>Ergänzend dazu gibt es tausende wissenschaftlicher Publikationen, die den Einfluss der Menschen auf die Biodiversität und die Folgen für Ökosysteme und die Menschen untersucht haben. Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei Publikationen, bei denen Biodiversitätsmodelle eingesetzt werden. Diese Modelle funktionieren wie die bekannteren Klimamodelle: Sie werden mit bestehenden Daten und nachgewiesenen Zusammenhängen parametrisiert und validiert, dann erstellt man alternative Zukunftsszenarien. Diese eröffnen alternative Zukünfte, die je nach ergriffenen Maßnahmen eine positive Entwicklung der Biodiversität, eine Stabilisierung oder einen weiteren Rückgang vorhersagen. Eine besonders umfassende und anspruchsvolle Studie von Leclère und Ko-Autor:innen aus dem Jahr 2020 kommt zu der Schlussfolgerung, dass wir mit einem Bündel von drei Maßnahmenpaketen bis zum Jahr 2030 den Rückgang der Biodiversität stoppen und bis zum Jahr 2050 wieder eine Zunahme der Biodiversität erreichen können. Die Maßnahmenpakete sind: 1. Große, gut gemanagte Schutzgebiete plus Renaturierung von Ökosystemen, 2. produktive, aber nachhaltige Land- und Forstwirtschaft und mehr Handel, und 3. Änderungen unseres Konsum- und Ernährungsverhaltens in Richtung weniger Lebensmittelverschwendung und, für Länder wie Deutschland, hin zu einer stärker pflanzenbasierten Ernährung. Diese Studie zeigt: Eine Zunahme der Biodiversität ist möglich! Das ist eine sehr positive Nachricht. Wir brauchen positive Bilder und Geschichten für die Zukunft.</p>
<p>Wenn Änderungen und Maßnahmen angegangen werden, ist es hilfreich, zwischen flachen und tiefen Hebelpunkten des Systems (shallow and deep leverage points) zu unterscheiden (Meadows 1999, Leverage Points: Places to Intervene in a System). Flache Hebelpunkte greifen u. a. an Parametern an, zum Beispiel der Giftigkeit von Pflanzenschutzmitteln. Tiefe Hebelpunkte adressieren u. a. Denkmuster und Paradigmen, auf denen das System basiert. Bisher beruhen Maßnahmen, die zum Schutz der Biodiversität ergriffen werden, eher auf flachen Hebelpunkten, zum Beispiel dem Einrichten von Schutzgebieten. Dagegen werden Maßnahmen, die an tiefen Hebelpunkten ansetzen, sehr selten angewandt. Zugegebenermaßen sind diese tiefen Hebelpunkte sehr schwer zugänglich. Dennoch haben Ansätze an tiefen Hebelpunkten, an Denkmustern und Paradigmen, ein riesiges Potenzial, wirklich tiefe und nachhaltige, langfristige Veränderungen in Richtung besserer Mensch-Natur-Beziehungen zu bewirken.</p>
<p>Und an diesem Punkt setzt die Kunst an (unter anderem). Das Erlebnis „erhabener Momente“ kann die Denkmuster einer Person so tief erschüttern, dass eine Bereitschaft geschaffen werden kann, eigene Haltungen, Präferenzen und Verhalten ganz grundsätzlich infrage zu stellen und vielleicht sogar zu ändern. Das ist der Grund (oder zumindest einer der Gründe), warum ich als Biodiversitätsforscherin mit Franziska Nori zusammenarbeite. Tiefe Hebelpunkte eines Systems sind für Naturwissenschaftler:innen so gut wie unzugänglich, aber sie werden (vielleicht) durch die Kunst erreicht.</p>
<p>Dennoch bleibt es eine riesige Herausforderung, die Kehrtwende zum Schutz der Biodiversität einzuleiten. Die Gestaltung sozial-ökologischer Transformationen ist komplex und kompliziert. Die gute Nachricht ist jedoch, dass bei den notwendigen Transformationen jede und jeder einen Beitrag leisten kann. Um die Zahl möglicher Maßnahmen überschaubar und konkret zu machen, haben Friederike Bauer und ich in unserem Buch „Vom Verschwinden der Arten: Der Kampf um die Zukunft der Menschheit“ (Böhning-Gaese und Bauer 2023, Vom Verschwinden der Arten) einen Katalog von zehn Maßnahmen erarbeitet, die wir aus unserer gemeinsamen Erfahrung heraus für die zehn wirksamsten halten. Jede Maßnahme adressiert dabei andere Sektoren der Gesellschaft:</p>
<ol>
<li><strong>30 Prozent der Erde unter Schutz stellen, 30 Prozent davon unter strengen Schutz (Politik und Naturschutz). </strong>Bis zum Jahr 2030 sollten weltweit mindestens dreißig Prozent der Erdoberfläche effektiv geschützt werden (nicht nur auf dem Papier) – von heute 17 Prozent an Land und acht Prozent im Meer; davon dreißig Prozent, das heißt zehn Prozent der Gesamtfläche, mit wenig menschlichen Eingriffen – als Wildnis. Diese Gebiete können dann die Funktion von Archen der Biodiversität für die Zukunft übernehmen.</li>
<li><strong>Den Anteil des Ökolandbaus global bis 2030 auf 25 Prozent erhöhen … (Politik und Landwirtschaft). </strong>Ökologischer Landbau fördert Biodiversität. Bisher macht er in Europa rund neun Prozent, weltweit erst 1,5 Prozent aus. Den Ökolandbau auszuweiten, bei uns in Europa, aber auch in Ländern des globalen Südens, dient der Gesundheit der Natur, der Gesundheit von Nutzpflanzen und -tieren und damit auch der Gesundheit der Menschen.</li>
<li><strong>Naturschädliche Subventionen schrittweise bis 2030 um mindestens 500 Milliarden Dollar jährlich reduzieren (Politik). </strong>Heute gehen irrsinnig hohe Summen in die Förderung von fossilen Energien, umweltschädlicher Landwirtschaft und Fischerei. Diese müssen umgelenkt werden, um biodiversitätsfreundliche Maßnahmen, wie Renaturierung und ökologischen Landbau, zu fördern und soziale Härten abzufedern.</li>
<li><strong>Berichtspflichten von Unternehmen und der Finanzbranche zu ihrem Einfluss auf Biodiversität weltweit bis 2030 festlegen … (Politik und Unternehmen). </strong>Solche Berichtspflichten machen den negativen (und positiven) Einfluss der Wirtschaft auf die Natur sicht- und messbar. Das dürfte zum Umdenken in Unternehmen, zum Umlenken von Investitionen und zu neuen Geschäftsmodellen führen. Denn: There is no business on a dead planet.</li>
<li><strong>Den Anteil der Green Bonds, die Naturschutz finanzieren, von derzeit drei Prozent bis 2030 auf dreißig Prozent erhöhen (Finanzwirtschaft). </strong>Bisher steht der Klimaschutz, z. B. mithilfe von Windkraft und Solaranlagen, bei Green Bonds im Vordergrund. Das ist grundsätzlich gut und richtig. Doch wir brauchen mehr Finanzprodukte, deren Gelder in den Erhalt der Natur fließen, in den Arten- und Naturschutz oder den Ökolandbau.</li>
<li><strong>Den Fleischkonsum radikal herunterschrauben und höchstens 300 Gramm pro Person und Woche essen, davon maximal 100 Gramm rotes Fleisch, idealerweise von Weidetieren (jede und jeder). </strong>Derzeit werden weltweit rund siebzig Prozent der Ackerfläche für Tierfutter verwendet, statt direkt der menschlichen Ernährung zu dienen. Ein geringerer Fleischkonsum wäre eine wichtige Voraussetzung, um Flächen für Biodiversität oder menschliche Ernährung zu schaffen, selbst bei weiterem Bevölkerungswachstum.</li>
<li><strong>So wenig Lebensmittel wie möglich verschwenden</strong> <strong>(jede und jeder, Restaurants, Unternehmen). </strong>Allein Europa verschwendet 173 Kilogramm Lebensmittel pro Person und Jahr; rechnerisch fast ein halbes Kilo pro Tag. Diese Praxis möglichst abzustellen, spart Flächen für den Anbau. Es hilft zudem, den Wert von Lebensmitteln zu entdecken, macht Spaß und schont den Geldbeutel.</li>
<li><strong>Sich fünfzehn Minuten am Tag oder zwei Stunden in der Woche mit der Natur beschäftigen (jede und jeder). </strong>Den Balkon begrünen, Gemüse anbauen, im Park spazieren, in den Wald gehen, mit anderen über Kräuter sprechen etc. Die Beschäftigung hilft, ein engeres Verhältnis zur Natur zu entwickeln oder zu pflegen und deren vielfältigen Werte besser zu begreifen. Man schützt nur, was man liebt, man liebt nur, was man kennt. Außerdem dient es der Entspannung, Erholung, macht uns nachweislich gesünder und zufriedener.</li>
<li><strong>Die Städte wo immer möglich begrünen; Balkone, Dächer, Seitenstreifen, Hinterhöfe etc. (Stadtverwaltungen, jede und jeder). </strong>Das ist ein Gewinn für die Biodiversität, kühlt die Innenstädte, stärkt unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Wichtig ist auch hier die Vielfalt: Bäume und Sträucher mit Blüten und Beeren statt Thuja, Wiesen statt Rasen, Totholz statt Rabatten – und das Ganze darf gerne etwas unordentlich aussehen.</li>
<li><strong>Medien, Filme, Bücher, Ausstellungen und Lernmaterialien müssen sich ernsthaft mit Natur auseinandersetzen, sie weder überhöhen noch ignorieren (Journalist:innen, Pädagog:innen und Kulturschaffende). </strong>Das Thema Natur muss in die Politik- und Wirtschaftsteile der Zeitungen, nicht nur in die Rubriken „Vermischtes“ oder „Panorama“. Es geht um mehr als Koalabären, Gorillas und Tiger: um Zusammenhänge, Ökosysteme und um die Natur als Existenzgrundlage. Dafür braucht es eingängige Geschichten und Bilder, die Menschen auf unterschiedlichste Weise erreichen und uns immer wieder klarmachen, dass es auf jede und jeden Einzelnen ankommt.“ (Böhning-Gaese und Bauer 2023, Vom Verschwinden der Arten).</li>
</ol>
<p>Wir sehen daher, dass die Kunst die Möglichkeit hat, Beiträge zu den notwendigen sozial-ökologischen Transformationen zu leisten; vielleicht hat sie sogar die Pflicht?</p>
<p>Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese<br />
Direktorin Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Fernando Laposse</title>
		<link>https://www.fkv.de/fernando-laposse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Oct 2023 08:51:23 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Sisalfasern]]></category>
		<category><![CDATA[sozial-ökologisch]]></category>
		<category><![CDATA[Tonahuixtla]]></category>
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					<description><![CDATA[Pink Hammock, 2019 Hängematte, Gewebtes Sisal, pink eingefärbt 200 x 400 x 100 cm Dog benches (pups), 2023 Gewobene Agaven-Fasern, Sperrholzstruktur Jeweils 67 x 40 x 45 cm Totomoxtle, 2023 Vieleckige mehrfarbige Maisplatten 12 m2 Agave Regeneration, 2019 Video 5:34 min Totomoxtle – Biomaterial Made from Mexican Heirloom Corn Husks, 2019 Video 7:19 min Courtesy <a href="https://www.fkv.de/fernando-laposse/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Pink Hammock</em></strong>, 2019<br />
Hängematte, Gewebtes Sisal, pink eingefärbt<br />
200 x 400 x 100 cm</p>
<p><strong><em>Dog benches (pups)</em></strong>, 2023<br />
Gewobene Agaven-Fasern, Sperrholzstruktur<br />
Jeweils 67 x 40 x 45 cm</p>
<p><strong><em>Totomoxtle</em></strong>, 2023<br />
Vieleckige mehrfarbige Maisplatten<br />
12 m<sup>2</sup></p>
<p><strong><em>Agave Regeneration</em></strong>, 2019<br />
Video<br />
5:34 min</p>
<p><strong><em>Totomoxtle – Biomaterial Made from Mexican Heirloom Corn Husks</em></strong>, 2019<br />
Video<br />
7:19 min</p>
<p>Courtesy Fernando Laposse</p>
<p>Fernando Laposse fasst Kunst als sozial-ökologische Handlung auf. Für <em>Bending the Curve</em> hat der mexikanische Künstler eine sich über 140 Quadratmeter erstreckende Rauminstallation konzipiert, in der die Erzeugnisse der indigenen Gemeinschaft der Mixteken als Exponate in einer inszenierten Landschaft präsentiert werden. Laposse gründete mit ihnen eine Genossenschaft in der ländlichen Gegend Tonahuixtla. Dadurch verbindet er lokales Wissen, ökologischen Wiederaufbau, soziales Gemeinschaftsleben und nachhaltiges Wirtschaften miteinander. Der Künstler revitalisiert brachliegende Gebiete, beugt Bodenerosion vor und engagiert sich für Ernährungssouveränität sowie den Schutz der kulturellen Pflanzenvielfalt und indigenen Wissens.</p>
<p>In dieser Ausstellung konzentriert sich Fernando Laposse auf zwei natürliche Materialien, die aus Tonahuixtla stammen: Maisblätter und Sisalfasern. Sie werden in der Genossenschaft kollektiv hergestellt, traditionell verarbeitet und durch die Kontextverschiebung in den musealen Raum zu zeitgenössischen Kunstwerken. Aus den Maisblättern wurden die bunten Intarsien <em>Totomoxtle</em> produziert, die an der Wand präsentiert werden. Die Hängematte <em>Pink Hammock</em> und die drei skulpturalen <em>Dog benches (pups)</em> sind aus Sisalfasern von Agavenpflanzen entstanden. Die beiden Filme <em>Agave Regeneration</em> und <em>Totomoxtle</em> <em>– Biomaterial Made from Mexican Heirloom</em> <em>Corn Husks</em> erläutern die Geschichte der Kunstwerke und von Tonahuixtla.</p>
<p>2015 begann die Zusammenarbeit von Laposse mit der indigenen Mixtekengemeinde in Tonahuixtla. Das ländliche Dorf liegt weniger als 50 Kilometer von der weltweit ältesten Stätte der Domestizierung von Mais entfernt – einer Pflanze, die schon immer eine zentrale kulturelle und finanzielle Rolle für die Identität der Gemeinschaft gespielt hat. Die Geschichte dieses Ortes ist geprägt von sozial-ökologischen Herausforderungen, die in den 1990er-Jahren mit der Einführung von Hybridmaissamen und dem Aufgeben traditioneller Anbaumethoden begannen. Diese Entwicklung führte zu einer Vielzahl von Problemen, darunter Bodenerosion, Abwanderung, Arbeitslosigkeit und dem Verlust der Agrobiodiversität und endemischer Pflanzenarten, insbesondere von Mais.</p>
<p>Die Gemeinde Tonahuixtla steht mit ihrer Geschichte nicht allein da. Ihre historische Entwicklung ist exemplarisch für das Schicksal unzähliger ländlicher Gemeinschaften in Südasien und Lateinamerika durch die Verbreitung neuer landwirtschaftlicher Systeme. In Mexiko begann die Modernisierung der Landwirtschaft in den 1950er-Jahren und zielte auf die Steigerung der interen Nachfrage ab. Diese führte zur verstärkten Nutzung hoch ertragreicher, aber weniger qualitätvoller und anpassungsfähiger industrieller Saaten, die teure synthetische Düngemittel, Pestizide und Maschinen erfordern. Im Verlauf weniger Jahre gingen in Mexiko 80 % der Maisvielfalt verloren. Die Folgen dieser Veränderungen waren in Tonahuixtla besonders gravierend, da die Böden dort stark ausgelaugt waren und viele der in die Abhängigkeit von großen Konzernen geratenen Bewohner:innen in die Vereinigten Staaten emigrieren mussten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.</p>
<p>Laposse, der die Gemeinschaft in Tonahuixtla seit seiner Kindheit besuchte, kehrte nach seinen Kunststudium in London dorthin zurück und fand ein Dorf vor, das kurz vor dem Aussterben stand. Als Zeichen des Wandels und der Hoffnung für die Gemeinschaft initiierte er <em>Totomoxtle</em>: ein sozial-ökologisches künstlerisches Projekt zur Wiedereinführung einheimischer Maissorten in Zusammenarbeit mit lokalen Familien, die traditionelle Saatgutsorten über Generationen aufbewahrt hatten, sowie mit der Saatgutbank International Maize and Wheat Improvement Center (CIMMYT) in Texcoco, Mexiko. In nur vier Jahren konnten über 50 Menschen beschäftigt werden und sechs vom Aussterben bedrohte Maissorten in der lokalen Landwirtschaft wieder eingeführt werden. In Kooperation mit der von ihm gegründeten Genossenschaft nutzte Laposse die bunten Blätter des Criollo-Maises, Abfälle aus der Landwirtschaft, um Intarsien für Möbel und Innenräume herzustellen. Der Name dieses neuen Materials, <em>Totomoxtle</em>, bezieht sich auf das indigene Nahuatl Wort für Maishülsen. Dabei handelt es sich um ein Furnier, 0,5 bis 8 mm dicke Blätter, die normalerweise aus Holz und in diesem Fall aus Resten der Maislandwirtschaft bestehen. Nachdem sie von der Pflanze abgeschnitten wurden, behalten Maisblätter ihre Farbe und können dank ihrer Faserstruktur flachgedrückt oder gebogen werden. Die Produktion von <em>Totomoxtle</em> schuf Arbeitsplätze vor Ort und motivierte die Gemeinschaft zur Rückkehr zu traditionellen Anbaupraktiken. Handwerk wurde zu einem Motor für eine sozial-ökologische Transformation auf einem niedrigen Level.</p>
<p>In einem zweiten Schritt suchten Laposse und die Genossenschaft nach einer Lösung für das gravierende Problem der Bodenerosion, was zur Wiedereinführung von Agavenpflanzen auf einer Fläche von 120 Hektar führte. Bis zu 150.000 Agaven konnten dort gepflanzt werden. Ihre Wurzeln können sich an Felsen verankern und somit Bodenerosionen vermeiden sowie Wasser in trockenem Boden speichern und die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen stärken. Die Nutzung der Agavenpflanzen in Tonahuixtla weicht jedoch von der in Mexiko üblichen Verwendung ab. Agaven werden normalerweise industriell für die Herstellung der nationalen Spirituosen Mezcal oder Tequila gezüchtet. Dafür werden die Agaven auf den Feldern gerodet und ihre Blätter als Abfall liegen gelassen, was zu Insektenbefall führen und in großen Mengen schädlich für den Boden sein kann. In Tonahuixtla bleiben die Agavenpflanzen bestehen. Nur ihre Blätter werden geerntet und zermahlen, um Sisalfasern zu gewinnen, die in Textilskulpturen gewebt werden. Die drei Skulpturen <em>Dog benches (pups)</em> im Frankfurter Kunstverein weisen die natürliche helle Farbe der Sisalfasern auf. Die Skulptur <em>Pink Hammock</em> hingegen wurde mit einem natürlichen Pigment gefärbt. Der rote Farbstoff Cochineal stammt von einem Käfer, der in Mittelamerika auf Kakteen lebt.</p>
<p>In Laposses Wiederaufforstungsprojekt mit Agaven ist die Herstellung von Textilien aus Sisal ein Akt der Vorsorge, der sich von der herkömmlichen Textilindustrie unterscheidet, die natürliche Ressourcen schneller entzieht, als sie sich regenerieren können. Laposses Praxis geht über die Nachhaltigkeit hinaus und regeneriert Ökosysteme und Gemeinschaften, um den lokalen biokulturellen Reichtum für künftige Generationen zu bewahren. Damit demonstriert er die regenerative Kraft der Kunst, komplexe Probleme anzugehen, und zeigt, wie Kunst nicht nur ästhetisch sein, sondern auch eine sozial-ökologische Transformation hervorrufen kann. Laposse handelt im Sinne einer finanziell unabhängigen Gemeinschaft, die in Verbindung mit dem lokalen Ökosystem agiert. Landschaft und Menschen sind in Tonahuixtla vereint in einem ökologisch ausgerichteten Wirtschaftskreislauf. Dabei unterstreicht Laposse die Wichtigkeit der Sensibilisierung und der Förderung von Veränderungen, auch wenn sie nur auf lokaler Ebene stattfinden.</p>
<p>Die Präsentation von Fernando Laposses Werk in der Ausstellung <em>Bending the Curve</em> ist exemplarisch für eine ganze Reihe an Künstler:innen, die sich mit ihrer Kunst für die Bewahrung von Agrobiodiversität und für einen Wandel der landwirtschaftlichen Techniken mit lokalen Lösungs- und Forschungsansätzen einsetzen. Dazu zählen u. a. Vivien Sansour mit der <em>Palestine Heirloom Seed Library</em>, Marwa Arsanios in ihrer Filmtrilogie <em>Who is Afraid of Ideology?</em>, Jumana Manna mit ihren Filmen <em>Foragers</em> und <em>Wild Relatives</em>, Nida Sinnokrot mit dem Residency-Programm <em>Sakiya</em> <em>– Art/Science/Agriculture</em> sowie das Künstler:innenduo Cooking Sections mit seinen Kunstforschungsprojekten <em>CLIMAVORE</em> und <em>Monoculture Meltdown</em>.</p>
<p><u>HINTERGRÜNDE ZUM ERNÄHRUNGSSYSTEM</u></p>
<p>Die Klimakrise konfrontiert unser Ernährungssystem – Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Aquakultur – mit neuen Herausforderungen wie steigenden Temperaturen, Waldbränden, Dürren und Überschwemmungen. Was wir essen, wie viel Lebensmittel kosten, wo Land bewirtschaftet werden kann und wie viel Nahrung Menschen zur Verfügung steht, hängt u. a. eng mit der Biodiversität sowie mit dem zunehmend extremeren Klima zusammen. Ein wesentlicher Teil der Biodiversität ist die genetische Diversität, die es erlaubt, dass sich Arten und Populationen an ständig neue Umweltveränderungen anpassen können. Dies eröffnete auch den Menschen eine breite Palette von Optionen an Pflanzen, die sie nutzen und anbauen konnten.</p>
<p>Die Vielfalt der Organismen, die in unseren landwirtschaftlichen Ökosystemen leben, nennt man Agrobiodiversität. Dazu zählen Kulturpflanzen, Nutztiere, Mikroorganismen und Wildpflanzenarten. Es handelt sich zu großen Teilen um ein vom Menschen über die Jahrhunderte geschaffenes Kulturgut und somit um eine Sonderform der Biodiversität. Agrobiodiversität umfasst nicht nur Landwirtschaft und Ernährung, sondern auch Geschichte, Tradition, Identität, Kultur, Geografie, Genetik, Wissenschaft und Handwerk. Da Agrobiodiversität die genetische Grundlage für Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Produktion bildet, hängt auch unsere Zukunft davon ab. Die Vielfalt in der Landwirtschaft stärkt die Gesamtwiderstandsfähigkeit unserer Ernährungssysteme und ermöglicht es, widerstandsfähigere Pflanzenarten zu züchten, die den Herausforderungen von Krankheiten, Schädlingen, sich verändernden Umweltbedingungen und anderen Bedrohungen besser standhalten können. Gerade wegen der globalen Erwärmung verbreiten sich zunehmend Krankheitserreger, die Ernten zerstören und ganze Pflanzenarten auslöschen können. Jedoch ist heute die Agrobiodiversität stark gefährdet und damit auch ihr Beitrag zur Zukunft der menschlichen Ernährung.</p>
<p>Wie die Klimakrise ist auch die Vielfaltskrise menschengemacht. Der größte Verlust an Agrobiodiversität begann in den 1960er-Jahren, als Wissenschaftler:innen versuchten, die globale Ernährungssicherheit zu verbessern, indem sie den Ertrag von Weizen, Reis und Mais erhöhten. Um die dringend benötigten zusätzlichen Nahrungsmittel anzubauen, wurden Tausende traditioneller Sorten durch eine kleine Anzahl neuer Sorten (v. a. bei Mais und Soja) ersetzt. Diese wurden mit einer Mischung traditioneller und gentechnologischer Methoden gezüchtet. Die Strategie, die dies durch den Einsatz neuer Technologien gewährleistete – neue Saatgutsorten, mehr Agrochemikalien, höhere Bewässerung– wurde als „Grüne Revolution“ bekannt. Diese Bewegung wurde von verschiedenen Organisationen und Wissenschaftler:innen unterstützt, darunter die Rockefeller Foundation und die Ford Foundation, sowie von Agrarwissenschaftler:innen wie Norman Borlaug. Die Grüne Revolution verbreitete sich weltweit, besonders in Südasien und Lateinamerika, und markierte den Beginn der modernen industriellen Landwirtschaft in Ländern des globalen Südens. Die Einführung von Hybridsorten war oft mit intensivem Einsatz  von Agrochemikalien – Düngemitteln und Pestiziden (Herbiziden, Insektiziden, Fungiziden) verbunden. Lediglich vier Agrochemieunternehmen kontrollieren 60 % des weltweiten Saatgutmarktes (und 75 % des Pestizidmarktes); diese Unternehmen repräsentieren damit eine riesige Marktmacht. Durch die Abhängigkeit von Hybridsorten, Düngemitteln und Pestiziden und in den Händen weniger Konzerne gerieten lokale Gemeinschaften von Kleinbauern und -bäuerinnen oft in finanzielle Schwierigkeiten und ihre Widerstandsfähigkeit sowie das traditionelle landwirtschaftliche Wissen gingen verloren. Denn auch wenn die neuen Verfahren und neue wissenschaftliche Erkenntnisse akute Hungerprobleme in vielen Regionen mildern konnten, rückten dadurch die biologische Vielfalt, lokale Ernährungssysteme, soziale Gerechtigkeit sowie auch die Gesundheit von Böden, Ökosystemen und Gewässern in den Hintergrund.</p>
<p>Als Reaktion auf die negativen Auswirkungen der Globalisierung und der industrialisierten Landwirtschaft entwickelten sich in den 1990er-Jahren Protestbewegungen von Bauern und Bäuerinnen, Landarbeiter:innen und indigenen Gemeinschaften, die sich gegen eine industrielle globalisierte Landwirtschaft stellten und lokale Lösungsansätze priorisierten. Sie propagierten das Konzept der Ernährungssouveränität, das das dominante Modell der Ernährungssicherheit als Priorität infrage stellte. Ernährungssouveränität bezieht sich auf das Recht von Einzelpersonen und Gemeinschaften, die Kontrolle über ihre eigenen Ernährungssysteme zu haben, einschließlich der Art und Weise, wie Nahrungsmittel produziert, verteilt und konsumiert werden. Der Fokus liegt dabei auf lokalem und traditionellem Wissen sowie auf nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken (Agroökologie).</p>
<p>Heute sind diverse Pflanzenarten, mit denen wir in unserem Alltag vertraut sind, vom Verlust der Agrobiodiversität betroffen. Ein bekanntes Beispiel ist die Geschichte der Bananen. Von den über 100 Arten dieser Musa paradisiaca, die aus einem natürlichen Selektionsprozess entstanden waren, wurde die Sorte Gros Michel ohne Samen gezüchtet, weltweit verbreitet und angepflanzt. Nachdem Plantagen der Gros Michel durch einen Bodenpilz fast komplett vernichtet worden waren, setzte die Industrie auf eine gegen den Pilz resistente Sorte: die Cavendish-Banane. Diese könnte jedoch als einzelne Sorte jederzeit ebenfalls von Pilzen und Krankheitserregern befallen werden. Immer mehr Pflanzen, die auf wenige Sorten reduziert wurden, sind durch den Klimawandel verursachten Gefahren ausgesetzt: die beliebte Avocado-Sorte „Hass“, Arabica-Kaffee, Kakao sowie Äpfel und Kartoffeln und viele mehr. Doch vor allem Pflanzen, auf denen die globale Ernährung basiert, sind in ihrer Vielfalt bedroht: Weizen, Reis und Mais. Bei vielen, auf hohe Erträge optimierten Anbausystemen haben Menschen heute große Herausforderungen – Erträge und Gewinne wurden kurzfristig optimiert, aber langfristig die Vielfalt, die Resilienz und Robustheit des Agrarsystems unterminiert.</p>
<p>Es gibt jedoch gute Möglichkeiten, das Agrarsystem wieder zu verbessern. Parallel mit der  Grünen Revolution gibt es seit Jahrzehnten weltweit Bemühungen, die Arten- und Sortenvielfalt in Gen- oder Saatgutbanken zu erhalten. Saatgutbanken sind eine Ressource zur Aufrechterhaltung zumindest eines Teils der historisch gewachsenen Agrobiodiversität; mit großem Potential für die zukünftige Ernährungssicherung. Dort können Forscher:innen Populationen und alte Sorten finden, um damit heute und in Zukunft klimaresistentere oder schädlingsresistentere Sorten zu züchten, die den derzeitigen Umweltveränderungen besser gewachsen sind. Es gibt weltweit etwa 1.700 Saatgutbanken, die Sammlungen von Pflanzenarten beherbergen, die von unschätzbarem Wert für die wissenschaftliche Forschung, Bildung, Artenschutz und die Bewahrung indigener Kulturen sind.</p>
<p>Das Konzept der Genbanken hat sich bei der Rettung von Grundnahrungsmitteln als recht erfolgreich erwiesen, bei Gemüse und Obst jedoch weit weniger. Während die Lagerung von Saatgut unter sorgfältig kontrollierten Bedingungen nicht einfach, aber möglich ist, müssen viele Lebensmittel wie Kaffee, Äpfel, Pfirsiche und Vanille als Pflanzen oder Bäume konserviert werden, was eine weitaus komplexere und teurere Herausforderung ist. Ein Lösungsansatz könnte darin bestehen, die Vielfalt aus den Saatgutbanken zurück auf die Felder der Landwirt:innen zu bringen, wo alte Sorten erneut Teil der Sortenvielfalt und Weiterentwicklung unserer Agrobiodiversität werden können.</p>
<p>In Zukunft brauchen wir eine Vielfalt unterschiedlicher Ansätze, um genug gute, gesunde Lebensmittel zur Verfügung zu haben. Wir brauchen auf der eine Seite hoch produktive Sorten, die unter klimatisch günstigen Bedingungen auf guten Böden, wie in der Ukraine, angebaut werden; dies spielt eine wichtige Rolle für die globale Ernährungssicherung. Auf der anderen Seite müssen wir lokales und indigenes Wissen nutzen, die traditionellen Sorten wiederzuentdecken und weiterzuentwickeln. Von großem Vorteil ist, dabei Techniken zu verwenden, die die Natur nachahmen, die auf Sortenvielfalt, diverse Kulturen und Landschaftsdiversität sowie auf natürliche Schädlingskontrolle setzen. Traditionelles Wissen anzuwenden bedeutet nicht, in die Vergangenheit zurückzugehen. Es bedeutet vielmehr, auf die verschiedenen Ernährungssysteme zu schauen, die die Menschen über Jahrtausende hinweg bewahrt haben, und zu überlegen, wie diese Praktiken unter lokalen Ansätzen im modernen Ernährungssystem des 21. Jahrhunderts Anwendung finden und weiterentwickelt werden können.</p>
<p><strong>Fernando Laposse</strong> (*1988, Paris, FR) ist ein mexikanischer Künstler mit einem Abschluss in Produktdesign vom Central St. Martins in London (UK). Heute lebt und arbeitet er abwechselnd zwischen Mexico City (MX) und Tonahuixtla (MX), wo er seit 2015 in Zusammenarbeit mit der Mixtekischen Gemeinschaft an sozial-ökologischen Projekten beteiligt ist. Die gemeinsam mit ihnen entwickelten Werke wurden in zahlreichen internationalen Museen und auf Festivals ausgestellt, darunter das Museum of Modern Art in New York (US), das Victoria and Albert Museum in London (UK), die Triennale di Milano (IT), das Cooper Hewitt Smithsonian Design Museum in New York (US), das World Economic Forum in Davos (CH) und die Dutch Design Week in Eindhoven (NL). Fernando wurde für zahlreiche internationale Preise nominiert und erhielt den Future Food Design Award 2017 des Dutch Institute of Food and Design in Eindhoven (NL).</p>
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<p style=" color:#c9c8cd; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; line-height:17px; margin-bottom:0; margin-top:8px; overflow:hidden; padding:8px 0 7px; text-align:center; text-overflow:ellipsis; white-space:nowrap;"><a href="https://www.instagram.com/p/C3Co4Zsoo_c/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading" style=" color:#c9c8cd; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; font-style:normal; font-weight:normal; line-height:17px; text-decoration:none;" target="_blank" rel="noopener">Ein Beitrag geteilt von Frankfurter Kunstverein (@frankfurterkunstverein)</a></p>
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		<title>International Institute for Applied System Analysis, IIASA</title>
		<link>https://www.fkv.de/international-institute-for-applied-system-analysis-iiasa/</link>
		
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		<pubDate>Thu, 19 Oct 2023 08:51:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[David Leclère et al. Bending the Curve of Biodiversity Loss, 2020 Infografik aus: Leclère D, Obersteiner M, Barrett M, Butchart SHM, Chaudhary A, De Palma A, DeClerck FAJ, Di Marco M, et al. (2020). Bending the curve of terrestrial biodiversity needs an integrated strategy. Courtesy Adam Islaam &#124; IIASA Immer mehr Pflanzen- und Tierarten auf <a href="https://www.fkv.de/international-institute-for-applied-system-analysis-iiasa/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>David Leclère et al.</strong></p>
<p><strong>Bending the Curve of Biodiversity Loss</strong>, 2020</p>
<p>Infografik aus: Leclère D, Obersteiner M, Barrett M, Butchart SHM, Chaudhary A, De Palma A, DeClerck FAJ, Di Marco M, et al. (2020). <em>Bending the curve of terrestrial biodiversity needs an integrated strategy</em>.<br />
Courtesy Adam Islaam | IIASA</p>
<p>Immer mehr Pflanzen- und Tierarten auf der ganzen Welt verschwinden aufgrund menschlicher Aktivitäten. Laut einer großen, vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) durchgeführten Studie kann der Verlust der biologischen Vielfalt bis 2050 nur gestoppt werden, wenn ehrgeizige, aufeinander abgestimmte Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung der Natur und eine tiefgreifende Änderung der weltweiten Nahrungsmittelsysteme umgesetzt werden. Die Studie hat dabei durch die Modelle und Szenarien zur Erforschung der Zukunft biologischer Vielfalt neue Maßstäbe gesetzt. Die Studienergebnisse liefern essenzielle Eckdaten für die Gestaltung des Biodiversitätsrahmens des völkerrechtlichen Vertrags Kunming-Montreal, der 2022 in Kraft getreten ist. Diese Methoden können auch dabei unterstützen, gerechte Maßnahmen für Klima, biologische Vielfalt und menschliche Entwicklung umzusetzen.</p>
<p>Die biologische Vielfalt, also der Reichtum an Arten, nimmt seit vielen Jahren in alarmierendem Tempo ab und der Umfang und der Zustand der Ökosysteme, die sie beherbergen, verschlechtert sich. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Denn wenn dies geschieht, wird nicht genug Natur übrig bleiben, um künftige Generationen zu versorgen. Die Frage, wie die rapide wachsende Weltbevölkerung ernährt werden kann, macht das Erreichen der ehrgeizigen Ziele zur Herausforderung.</p>
<p>Die Studie, die in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde und deren Ergebnisse in den <em>Living Planet Report </em>von 2020 und 2022 des <em>World Wide Fund for Nature</em> (WWF) einflossen, untersucht erstmals das ehrgeizige Ziel einer Umkehrung des globalen Biodiversitätstrends. Sie zeigt, welche aufeinander abgestimmten Maßnahmen zur Erreichung der Ziele nötig sind.</p>
<p>Die Autor:innen untersuchen in ihrer fundierten Analyse, ob der von der heutigen Landnutzungsrate verursachte Rückgang terrestrischer Biodiversität aufzuhalten ist, ohne die Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen zu gefährden. Darüber hinaus wurde analysiert, welche Maßnahmen in welcher Kombination erforderlich sind, um möglichst wenig Kompromisse einzugehen, und wo sich Synergieeffekte einstellen.</p>
<p>Mithilfe zahlreicher Modelle und unterschiedlicher Szenarien wurde untersucht, wie Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden können, um die Biodiversitätsziele zu erreichen. Die Studie liefert wichtige Informationen, wie die Vision des UN-Übereinkommens zur biologischen Vielfalt 2050 „Living in Harmony with Nature“ konkret verwirklicht werden kann. Die Forscher:innen betonen, dass in zwei wesentlichen Bereichen am dringendsten gehandelt werden muss, um den Rückgang biologischer Vielfalt zu stoppen, der durch Landnutzung ausgelöst wurde, und eine Erholung bis 2050 in Gang zu bringen. Diese Maßnahmen sind:</p>
<ul>
<li>Ein<strong> sofortiger, dezidierter Schutz und die Wiederherstellung von Landflächen</strong> in Verbindung mit einer verbesserten Wirksamkeit des Flächenmanagements. Für eine Erholung müssen Gebiete unter Schutz gestellt werden, und zwar bis zu 40 % der weltweiten Landflächen. Zusätzlich müssen ausgelaugte Böden und Land wiederhergestellt werden (in den Szenarien der Studie betrifft dies bis 2050 etwa 8 % der weltweiten Flächen). Landnutzungspläne müssen aufgestellt werden, die auf allen bewirtschafteten Flächen ein Gleichgewicht zwischen Produktions- und Schutzzielen herstellen. Ohne diese Anstrengungen kann der Rückgang der biologischen Vielfalt nur noch verlangsamt, nicht aber aufgehalten werden.</li>
<li><strong>Umgestaltung der Nahrungsmittelsysteme</strong>: Weil massive Schutz- und Wiederherstellungsbemühungen allein nicht ausreichen werden, sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich und hierzu müssen Forderungen an die weltweiten Nahrungsmittelsysteme gestellt werden. Dazu gehört die Verringerung der Lebensmittelverschwendung. Zudem müssen Nahrungsmittel mit geringeren Umweltauswirkungen produziert werden sowie eine nachhaltige Herstellung und Handel stattfinden.</li>
</ul>
<p>Um die Kurve des Biodiversitätsverlustes bis 2050 oder früher nach oben zu führen, müssen integrierte Maßnahmen in beiden Bereichen gleichzeitig ergriffen werden.</p>
<p>Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass fast die Hälfte der Biodiversität verloren gehen wird, wenn wir so weitermachen wie jetzt oder nur wenig tun. Bei einem gezielten Schutz von Landschaften könnte eine mögliche Verbesserung ab der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts einsetzen. Die Studie zeigt auch, dass dezidierte Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise führen könnten, wodurch wiederum Fortschritte bei der Beseitigung des Hungers möglicherweise behindert würden.</p>
<p>Im Gegenzug zeigen Szenarien, die verstärkt Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung der Natur mit Bemühungen zur Umgestaltung des Ernährungssystems kombinieren, dass die Chancen für ehrgeizige Naturschutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen steigen. Potenziell nachteilige Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit wurden entschärft. Demnach würde dies dazu beitragen, die weltweiten Trends bei der Artenvielfalt bis 2050 durch Landnutzungsänderungen zu verbessern. Zusätzlich bringen Veränderungen bei der Ernährung und Landnutzung weitere Vorteile wie eine bessere Bekämpfung des Klimawandels, eine geringere Belastung für Wasserressourcen, weniger schädlichen Stickstoff in der Umwelt und Gesundheitsvorteile.</p>
<p>Zusätzlich stellt die Studie fest, dass in Zukunft die Artenvielfalt durch weitere unvorhersehbare Faktoren wie den Klimawandel und biologische Invasionen unter Druck geraten wird. Um den Verlust der Artenvielfalt umzukehren, sind ehrgeizige Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels erforderlich, die Synergien mit der Artenvielfalt nutzen, statt sie weiter zu verschlechtern.</p>
<p>Die Ergebnisse der wegweisenden Studie spiegeln sich im kürzlich verabschiedeten globalen Rahmenabkommen für Biodiversität <em>Kunming-Montreal</em> wider. Das Abkommen legt international vereinbarte Ziele und Maßnahmen fest, um den Rückgang der Artenvielfalt in den kommenden Jahrzehnten umzukehren. Es wird jedoch auch noch viel wissenschaftliche Arbeit nötig sein, um eine erfolgreiche Umsetzung der Ziele des Pariser Abkommens der Vereinten Nationen zur Klimarahmenkonvention zu unterstützen.</p>
<p>Ein Schlüsselthema, um den notwendigen Wandel gemäß diesen beiden Abkommen zu erreichen, ist die gerechte Verteilung von Anstrengungen auf dem Weg zu einer „Nature-positiven“ Zukunft. Weiterentwickelte Nationen, die für einen erheblichen Teil der Treibhausgasemissionen und der Naturzerstörung verantwortlich sind und über mehr Ressourcen verfügen, sollten gemäß den Prinzipien der Gerechtigkeit einen größeren Beitrag zu den Klima- und Biodiversitätsmaßnahmen sowie zur Schließung von Finanzierungslücken leisten. Die Anerkennung und Einbeziehung marginalisierter Akteure wie indigener Völker und lokaler Gemeinschaften wird entscheidend sein, um einen gerechten Übergang zu schaffen.</p>
<p>Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist es wichtig, sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf das Leben und die Lebensgrundlagen der Menschen zu berücksichtigen und bestehende Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zu reduzieren. Dies erfordert die Anerkennung der Werte, Rechte und Interessen aller Individuen, eine Verschiebung hin zu einer rechtebasierten Kontrolle, die Sicherstellung einer inklusiven Vertretung und eine systematische Bewertung, wie die Maßnahmen, Kosten und Nutzen unter den verschiedenen Akteuren zu verteilen sind. Modelle und Szenarien können bei der Erforschung alternativer Zukunftsperspektiven für die Natur und die Menschen entscheidend sein.</p>
<p>Insgesamt hat die Studie „Bending the curve of biodiversity loss“ gezeigt, dass die Weltgemeinschaft noch in der Lage ist, den Verlust der Natur zu stabilisieren und umzukehren. Um dies jedoch so früh wie möglich zu erreichen, müssen wir die Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren und konsumieren, fair und grundlegend ändern und uns mutiger und ehrgeiziger für den Naturschutz einsetzen. Wenn wir dies nicht tun und so weitermachen wie bisher, wird unser Planet heutige und künftige Generationen von Menschen nicht mehr ernähren können.</p>
<p>Referenz: Leclère, D., Obersteiner, M., Barrett, M., Butchart, SHM., Chaudhary, A., De Palma, A., DeClerck, FAJ., Di Marco, M. et al. (2020). Bending the curve of terrestrial biodiversity needs an integrated strategy. <em>Nature</em> DOI: <u>10.1038/s41586-020-2705-y</u></p>
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		<title>Alexandra Daisy Ginsberg</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Oct 2023 08:50:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Pollinator Pathmaker: AfyLbwTriWhuR7PDkd77LZ (Pollinator Vision, Late Spring) Pollinator Pathmaker: ARr77zvQW8Bq8q6hgDHUmp (Pollinator Vision, Late Summer) Pollinator Pathmaker: AfyLbwTriWhuR7PDkd77LZ (Pollinator Vision, Late Summer)  Pollinator Pathmaker: iFADDiPqc5HU3KiFxjBEuG (Pollinator Vision, Early Summer) Pollinator Pathmaker: AfyLbwTriWhuR7PDkd77LZ (Pollinator Vision, Midsummer), 2023 Fünf Pigmentdrucke auf Barytpapier mit Landschaftskreationen, hergestellt mit der Software Pollinator Pathmaker Jeweils 203 x 125 cm Beauftragt von Frankfurter <a href="https://www.fkv.de/alexandra-daisy-ginsberg/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Pollinator Pathmaker: AfyLbwTriWhuR7PDkd77LZ (Pollinator Vision, Late Spring)<br />
</em><em>Pollinator Pathmaker: ARr77zvQW8Bq8q6hgDHUmp (Pollinator Vision, Late Summer)<br />
</em><em>Pollinator Pathmaker: AfyLbwTriWhuR7PDkd77LZ (Pollinator Vision, Late Summer)</em> </strong><br />
<strong><em>Pollinator Pathmaker: iFADDiPqc5HU3KiFxjBEuG (Pollinator Vision, Early Summer)</em> </strong><br />
<strong><em>Pollinator Pathmaker: AfyLbwTriWhuR7PDkd77LZ (Pollinator Vision, Midsummer)</em></strong>, 2023<br />
Fünf Pigmentdrucke auf Barytpapier mit Landschaftskreationen, hergestellt mit der Software <em>Pollinator Pathmaker<br />
</em>Jeweils 203 x 125 cm<br />
Beauftragt von Frankfurter Kunstverein</p>
<p><strong><em>Pollinator Pathmaker</em></strong>, 2021<br />
Online Tool pollinator.art<br />
© Alexandra Daisy Ginsberg Ltd</p>
<p>Courtesy die Künstlerin</p>
<p>Alexandra Daisy Ginsberg arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Ökologie und Technologie. Für den Frankfurter Kunstverein hat sie eine neue Werkserie geschaffen. Fünf großformatige Drucke zeigen die verschiedenen Jahreszeiten der noch nicht realisierten lebenden Kunstwerke von Pollinator Pathmaker. Die gewählte Perspektive ihrer Bilder ist die von Bestäuberinsekten. <em>Pollinator Pathmaker</em> ist Ginsbergs fortlaufendes Kunstwerk, bei dem die Künstlerin Grundstücke zu biodiversen Landschaften umgestaltet. Sie hat einen Algorithmus entwickelt, der standortspezifische Bepflanzungsschemata erstellt, die, sobald sie gepflanzt sind, zu lebenden Kunstwerken für andere Arten werden. Das Design des Algorithmus gestaltet die Bepflanzung nicht nach menschlichen ästhetischen Kriterien, sondern nach den Bedürfnissen und der Art der Nahrungssuche der Bestäuberinsekten, darunter Bienen, Wespen, Motten, Käfer und Schmetterlinge. Die Auswahl der Pflanzen ergibt sich aus den jeweiligen Bioregionen, an denen bereits <em>Pollinator-Pathmaker </em>&#8222;Plant Palettes&#8220; (Pflanzenpaletten) bisher in Auftrag gegeben wurden – zurzeit in Atlantik- und Kontinental-Europa. Die Liste der Pflanzen wurde von der Künstlerin in Zusammenarbeit mit Gartenbaukünstler:innen und Expert:innen für Bestäubung recherchiert und kuratiert.</p>
<p>Jeder Garten ist ein Unikat mit einzigartigem Bepflanzungsplan, der die größtmögliche Vielfalt an lokalen Bestäuberarten unterstützt. Die Künstlerin bezeichnet die Technologie, die sie geschaffen hat, als „altruistischen Algorithmus“ oder als „Empathie-Tool“, weil ihre Priorisierung auf die größtmögliche Anzahl von Vorteilen für Bestäuber und nicht auf Menschen ausgerichtet ist. Berücksichtigt werden Bestäubertypen, Blütezeiten, die Verträglichkeit von Pflanzen miteinander, Blütenform und visuelle Wahrnehmungsspektren von Farbfrequenzen werden berücksichtig. Der Algorithmus kalkuliert die Auswahl und Anordnung der Pflanzen so, sodass die ganzjährige Blütezeit und die Formen der Nahrungssuche berücksichtig werden: Einige Insektenarten merken sich die effizientesten Routen zwischen den Blumen, um mit minimalem Energieaufwand so viel Nektar wie möglich zu sammeln, während andere eher zufällig suchen.</p>
<p>Für <em>Bending the Curve</em> sind fünf großformatige Drucke von nicht realisierten Bepflanzungsplänen entstanden, die nicht die menschliche Sichtweise abbilden. Alexandra Daisy Ginsberg malt digital jede Pflanze, die in ihren &#8222;Plant Palettes&#8220; erscheint, so dass man sich jedes potentielle lebende Kunstwerk in einem virtuellen raum vorstellen kann, bevor es gepflanzt wird. Ginsberg ist durch digitale Gärten geflogen und hat die Perspektive von Bestäubern gewählt – aus der Sicht eines niedrigen Fluges oder vom Boden aus. Die Farben der Blüten lassen auf die verschieden Farbwahrnehmungsspektren von verschiedenen Insektenarten schließen. Bewusst bricht Ginsberg mit den Prinzipien klassischer Landschaftsmalerei. Man könnte fast an eine extreme Erweiterung der Idee englischer Landschaftsgärten denken. Im 18. Jahrhundert brachen diese mit den mathematisch-geometrischen Anordnungen der damals dominierenden französischen Barockgärten, um sich der natürlichen Pflanzenanordnung anzunähern.</p>
<p>Trotz der Nutzung von Technologie distanziert sich Ginsberg ausdrücklich von der Idee, Klima und Biodiversitätskrisen über sogenannte Techno-Fixes zu lösen. Sie plädiert für eine grundlegende Veränderung des menschlichen Verhaltens, politischer Entscheidungen und wirtschaftlichen Handelns. Alexandra Daisy Ginsbergs Arbeit wird weniger von einer Idee der Reparation geleitet als der einer Fürsorge für nicht-menschliche Mitlebewesen. <em>Pollinator Pathmaker</em> strebt einen Perspektivenwechsel sowohl in der Betrachtung als auch in der Gestaltung des Miteinanders an. Sich von einer rein menschlichen, anthropozentrischen Sicht zu lösen, bedeutet, die vielfältigen nicht-menschlichen Welten wahrzunehmen und in den Blick zu bekommen.</p>
<p>Alexandra Daisy Ginsberg steht für einen Kunstbegriff, der nicht allein das Werk in den Mittelpunkt stellt, sondern auch eine Haltung. Sie schafft Langzeitprojekte, die auf einer wissenschaftlichen Grundlage beruhen und durch einen erweiterten Kunstbegriff in den realen gesellschaftlichen Raum eingreifen. <em>Pollinator Pathmaker</em> aktiviert Menschen und gewinnt sie für gemeinschaftliche Bepflanzungsaktionen. Auf den Flächen entstehen lebende Werke als artenübergreifende soziale Plastiken im öffentlichen Raum. Dafür sucht sie explizit auch die Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen. So entstanden im Auftrag der LAS Art Foundation ein <em>Pollinator-Pathmaker</em>-Kunstwerk auf dem Vorplatz des Museums für Naturkunde in Berlin, ein weiteres in den Kensington Gardens für die Serpentine Gallery in London und das Eden Project in Cornwall (UK). Ginsberg betrachtet jeden Auftrag als Kunstedition einer stetig wachsenden Serie lebender, prozesshafter Kunstwerke.</p>
<p>Die Künstlerin will ihr Wissen teilen und stellt auf der Webseite pollinator.art den <em>Pollinator-Pathmaker</em>-Algorithmus der Allgemeinheit zur Verfügung. Von der Größe eines Blumenkastens bis zu einer Fläche von 15 x 15 Metern kann ein Bepflanzungsplan zur individuellen Umsetzung erstellt werden. Anhand von Größe und geografischer Lage des Areals, der Bodenart, des Lichts und der Exposition berechnet der Algorithmus individuelle Entwürfe für die Bepflanzung. Indem es Ginsbergs digitale Gemälde verwendet erstellt das System ein einzigartiges Design, eine Pflanzanleitung und grundlegende Informationen über die empfohlenen Pflanzen, ihre Entwicklung zu unterschiedlichen Jahreszeiten sowie eine Visualisierung des Gartens aus menschlicher Sicht und aus der von Bestäubern.</p>
<p>Ginsbergs Vision ist es, immer mehr Mitstreiter:innen zu finden, die mit dem <em>Pollinator-Pathmaker</em>-Algorithmus auf dem gesamten Globus ortsspezifische Kunstwerke für Insekten anlegen. Entstehen könnte ein global verteiltes Kunstwerk mit kollektiver Autor:innenenschaft und nicht-menschlicher Nutzung. Jede Edition würde als weiterer Zufluchtsort für Bestäuber dienen und dazu beitragen, ein grenzüberschreitendes Kunstwerk und Netzwerk zu schaffen.</p>
<p>Regeneration, so der Umweltschützer Paul Hawken in seinem Buch <em>Regeneration:</em> <em>Ending the Climate Crisis in One Generation</em>, bedeutet, das Leben in den Mittelpunkt jeder Handlung und Entscheidung der Gesellschaft zu stellen. Es rücken Fragen der Ethik zwischen den Arten und die Notwendigkeit praktischer Wege in den Vordergrund, wie Menschen und andere Lebewesen Räume gerecht teilen können und wie eine radikale Neuplanung und Neuausrichtung unserer Beziehungen, zum Beispiel zu Insekten, aussehen kann. Es würde bedeuten, anzuerkennen, dass alles Wachstum auf Gegenseitigkeit beruht.</p>
<p>Auch in der zeitgenössischen Kunst tragen Künstler:innen seit Jahren Ideen und praktische Anweisungen für regenerative Ansätze bei. Regeneratives Handeln fordert ein Umdenken in der Art und Weise, wie wir die gebaute Umwelt gestalten und schaffen. Regeneratives Wirtschaften und Handeln trägt mit Ideen und verändertem Vorgehen dazu bei, die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft zu verbessern, die Gesundheit des Planeten wiederherzustellen und ökologische Systeme zu regenerieren. In diesem Kontext bietet <em>Pollinator Pathmaker</em> von Alexandra Daisy Ginsberg einen wegweisenden Ansatz, eine Haltung der Selbstermächtigung im Kampf für den Erhalt der Artenvielfalt.</p>
<p><u>BESTÄUBER UND BLUMEN: EINE (NUN GEFÄHRDETE) SYMBIOSE SEIT ÜBER 200 MILLIONEN JAHREN</u></p>
<p>Bienen, Schmetterlinge, Motten, Fliegen, Käfer und Wespen zählen zu den Bestäuberinsekten. Weltweit gibt es 350.000 Arten von Bestäubern. Sie besuchen Blüten, um Nektar zu trinken oder sich von Pollen zu ernähren, und transportieren dabei Pollenkörner von Ort zu Ort. Sie helfen somit der Pflanze bei ihrer Reproduktion und Verbreitung. Weil sich Pflanzen nicht fortbewegen können, gehen sie eine Kooperation mit den Insekten ein, um ihre eigene Existenz zu sichern. Die Schönheit von Blumen, einschließlich ihrer leuchtenden Farben, spielt eine wichtige Rolle bei der Anziehung von Bestäubern. Insekten werden besonders von blauen Farben angezogen, die in der Natur selten vorkommen. Einige Blumen erzeugen dafür optische Effekte wie das sogenannte Irisieren. Auch Duft spielt eine zentrale Rolle.</p>
<p>Neue Forschungen an der Universität von Tel Aviv (Prof. Lilach Hadany, Molecular Biology Ecology of Plants, Faculty of Life Sciences) beschäftigen sich mit der Phytoakustik, die die Wirkung von Geräuschen auf Pflanzen untersucht. Ihre Erkenntnisse zeigen, dass Blumen die Vibrationen anfliegender Insekten wahrnehmen und darauf reagieren, indem sie süßeren Nektar für diese produzieren. Diese Art symbiotischer Beziehung wird „Mutualismus“ genannt. Die Wechselseitigkeit zwischen Pflanzen und bestäubenden Insekten hat die Geschwindigkeit der Evolution blühender Pflanzen erhöht. Sie passen sich an die körperlichen Merkmale der Insekten innerhalb weniger Generationen an.</p>
<p>Blumenwiesen gehören zu den Ökosystemen mit der höchsten Biodiversität. Ein Drittel der heimischen Pflanzenarten, Bestäuberinsekten und weiterer Tierarten lebt in Blühwiesen. Im letzten Jahrhundert sind rund 98 % der Blumenwiesen aufgrund von Flächenversiegelung sowie der Umwandlung von Land in Monokulturen für agroindustrielle Landwirtschaft, intensiver Düngung mit Gülle und Kunstdünger sowie kurzer Mähintervalle verschwunden. Durch staatliche finanzielle Unterstützung, beachtliche Mittel aus Steuergeldern und EU-Subventionen werden Magerwiesen und Feuchtwiesen in profitables Grünland verwandelt. Die Bedrohung der Blumenwiesen als Lebensraum steht im direkten Zusammenhang mit dem Rückgang der Bestäuberinsekten. Allein in Deutschland sind in den letzten 25 Jahren 75 % der Insekten verschwunden, was einen alarmierenden Rückgang der bestäubenden Insekten bedeutet und den rapiden Verlust der Artenvielfalt verdeutlicht. Der Rückgang betrifft nicht nur die Biomasse der Insekten, sondern vor allem ihre Vielfalt.</p>
<p>Ein Rückgang der Artenvielfalt bei Bestäubungsinsekten steht zudem im direkten Zusammenhang mit dem Rückgang der Pflanzenvielfalt. Der rasante Rückgang der Arten verarmt Ökosysteme und in letzter Instanz bedroht es das menschliche Überleben. Denn Bestäuber unterstützen Ökosysteme und drei Viertel des weltweiten Nahrungssystems. Eine neue Achtsamkeit für die Bedürfnisse von Insekten würde bedeuten, unser Leben auf dem Planeten zu sichern – nicht nur, weil diese Lebewesen den Menschen zugutekommen (nature for people, IPBES), sondern auch, weil sie allein durch ihre Existenz einen Wert haben (nature for nature, IPBES). Der Wert eines Lebewesens kann nicht nur in monetären Begriffen gemessen werden.</p>
<p>Unter der Berücksichtigung, dass die Veränderung der Landnutzung ein direkter Auslöser ist für das Artensterben, die Zerstörung von Ökosystemen und somit das Verschwinden von Insekten, ist die Rückgabe von Raum an die Natur ein regenerativer Lösungsansatz, der von zahlreichen internationalen Wissenschaftler:innen gefordert wird (Bending the Curve of Biodiversity Loss; IPBES; Club of Rome).</p>
<p><strong>Alexandra Daisy Ginsberg</strong> (*1982, London, GB) ist eine multidisziplinäre Künstlerin, die in London lebt und arbeitet. Sie promovierte im Fach Design Interactions am Royal College of Art, London (GB) und erlangte einen Masterabschluss in Architektur an der University of Cambridge (GB). Seit vielen Jahren beschäftigt sich Ginsberg mit unseren komplexen Beziehungen zur Natur und Technologie. Anhand verschiedener Themen wie Künstliche Intelligenz, synthetische Biologie, Naturschutz und Evolution untersucht sie den menschlichen Drang, die Welt zu verbessern, während er die natürliche Welt um uns herum vernachlässigt. Ihr Projekt Pollinator Pathmaker, das sie im Jahr 2021 veröffentlichte, wurde mit dem S+T+ARTS Grand Prize 2023 for Artistic Exploration bei der Ars Electronica ausgezeichnet. Ihre Arbeiten sind Teil von internationalen Sammlungen wie der des Art Institute of Chicago (US), dem Cooper Hewitt Smithsonian Design Museum in New York (US) und dem ZKM Karlsruhe (DE). Sie hat in zahlreichen internationalen Institutionen ausgestellt, unter anderem im MoMa, New York (US), Centre Pompidou (FR), Bozar &#8211; Palais des Beaux Art, Brüssel (BE), Serpentine Galleries, London (GB), Vitra Design Museum, Weil am Rhein (DE) und der Royal Academy of Arts, London (GB). Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen gehören Präsentationen im Museum für Naturkunde, Berlin (DE) und im Toledo Museum of Art, Toledo (US).</p>
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		<title>Walter R. Tschinkel</title>
		<link>https://www.fkv.de/walter-r-tschinkel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Oct 2023 08:50:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sechs Ameisenbauten der Arten Camponotus socius, Pogonomyrmex badius, Trachymyrmex septentrionalis, Formica Dolosa, Pheidole morrisi, Cyphomyrmex rimosus Zinnguss Verschiedene Größen Courtesy Walter R. Tschinkel Walter R. Tschinkel ist ein US-amerikanischer Biologe, der zur Soziobiologie und Verhaltensökologie sozialer Insekten, insbesondere Ameisen, forscht. Tschinkels jahrzehntelange Arbeit hat dazu beigetragen, die Lebensweise von Ameisen umfassender zu verstehen. In besonderem <a href="https://www.fkv.de/walter-r-tschinkel/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sechs Ameisenbauten der Arten <em>Camponotus socius</em>,<em> Pogonomyrmex badius</em>, <em>Trachymyrmex septentrionalis</em>,<em> Formica Dolosa</em>,<em> Pheidole morrisi</em>,<em> Cyphomyrmex rimosus</em><strong><em><br />
</em></strong>Zinnguss<br />
Verschiedene Größen<br />
Courtesy Walter R. Tschinkel</p>
<p>Walter R. Tschinkel ist ein US-amerikanischer Biologe, der zur Soziobiologie und Verhaltensökologie sozialer Insekten, insbesondere Ameisen, forscht. Tschinkels jahrzehntelange Arbeit hat dazu beigetragen, die Lebensweise von Ameisen umfassender zu verstehen. In besonderem Maße hat er sich ihrer Nesterarchitektur gewidmet. Seine Studien zeigen, wie Ameisen die Temperatur und Feuchtigkeit in ihren Nestern regulieren. In der Ausstellung sind sechs Objekte aus Walter R. Tschinkels Sammlung zu sehen, die der Wissenschaftler für Forschungseinrichtungen geschaffen hat. Es handelt sich um Aluminium- und Zinnabgüsse von sechs unterirdischen Nestern. Jedes wurde von einer anderen Population gebaut, die alle in demselben 30 ha großen Lebensraum in den Sandhügeln der Kiefernwälder an der Küstenebene Nordfloridas leben. Insgesamt gibt es in diesem Landstrich bis zu 50 verschiedene Ameisenarten in hunderten Populationen.</p>
<p>Walter Tschinkel interessiert sich für diesen speziellen Raum, den er „das Ameisenparadies“ nennt, weil er hier Biodiversität sichtbar machen kann. Auf diesem begrenzten Areal haben Ameisen ganz unterschiedliche Merkmale und Fähigkeiten entwickelt. So hat sich die Riesenameise Florida-Harvester auf Pflanzensamen spezialisiert und sich einen ganz anderen Lebensraum geschaffen als die winzige Pheidole adrianoi, die ihre Nestkammern mit Pilzen auskleidet. Nachtaktive Arten können mit tagaktiven Ameisen koexistieren. Sie haben sich auf unterschiedliche Nahrung spezialisiert: Die einen sammeln Raupenkot, andere getrocknete Insektenteile, um ihre Pilzgärten zu ernähren. Die Körpergröße der Arbeiterinnen weicht um das bis zu Hundertfache voneinander ab, ebenso die Koloniengröße, und entsprechend unterschiedlich bauen sie ihre Nestarchitekturen.</p>
<p>Die verschiedenen Arten nutzen denselben Lebensraum und passen sich so vielfältig an, dass sie in einer erweiterten Gemeinschaft miteinander leben können.</p>
<p>Die Auswahl der Abgüsse in der Ausstellung zeigt, wie die Natur Vielfalt schafft und was genau Vielfalt ist. Auf den ersten Blick sehen die Architekturen unterschiedlich aus, doch Tschinkel stellt fest, dass nestbauende Ameisen individuelle Abwandlungen des gleichen Grundplans schaffen. Diese Grundstruktur – ein vertikaler Schacht mit einer oder mehreren untereinander verbundenen horizontalen Kammern – geht zurück auf die Jagdvespe, aus der sich Ameisen entwickelt haben.</p>
<p>Fast alle modernen Ameisennester folgen diesem Ur-Muster. Die Vielfalt ergibt sich aus vielen kleinen Veränderungen eines Grundmusters.</p>
<p>Für Ökosysteme sind Ameisen als sehr anpassungsfähige Wesen, deren Populationen über kollektive Intelligenz funktionieren, unerlässlich. Sie lockern Böden auf, tragen zur Humusbildung bei, entsorgen abgestorbene Organismen und Parasiten, verteilen Samen und kultivieren Pilzarten in symbiotischer Fürsorge. Zunehmend interessieren sich Wissenschaftler:innen für Ameisen auch wegen ihres biochemischen Bakterienfilms, der sie vor Krankheiten und Pilzbefall schützt. Sie sind wahre Meister der Verwertung und der Logistik.</p>
<p>Immer wieder präsentiert der Frankfurter Kunstverein in seinen Ausstellungen wissenschaftliche Präparate und Kunstwerke in gemeinsamen Räumen. Sowohl Kunst als auch Wissenschaft können Erkenntnisse und Ideen durch materielle Manifestationen sinnlich erfahrbar machen. Durch Sichtbarmachung entsteht Ersichtlichkeit.</p>
<p>Die Hohlraumabgüsse von Tschinkel schaffen eine besondere Brücke zwischen wissenschaftlichem Exponat und skulpturalem Objekt. Sie verdichten Erkenntnisse, die auf langjähriger Beobachtung und Wissenssammlung beruhen. Tschinkel betrachtet Ameisen nicht allein als Objekte wissenschaftlichen Interesses, sondern als Mitbewohnerinnen und Mitgestalterinnen einer gemeinsamen Welt. In der Ausstellung fungieren die Nestabgüsse als Erkenntnisobjekte und gleichzeitig als Materie gewordene Spur der komplexen Lebensprozesse von Wesen, deren Existenz auf dem Planeten seit Millionen von Jahren besteht.</p>
<p><u>INFORMATIONEN ZU DEN EINZELNEN AMEISENARTEN </u></p>
<p>CAMPONOTUS SOCIUS<br />
Dies ist die größte Ameisenart in Tschinkels Areal. Beim Ausheben ihrer Nester verstreuen die Ameisen die ausgehobene Erde in einem fächerartigen Muster, sodass ihre Nestöffnungen an der Basis von Grasbüscheln leicht zu entdecken sind. Die Nester können zwischen bis zu 30 cm oder über einen Meter tief sein, sind aber immer sehr stabil. Die Kolonien haben eine einzige Königin. Sie bewohnen im Sommer bis zu 15 Nester. Gegen Ende der Saison geben sie alle bis auf eines oder zwei auf, um zu überwintern. Die Arbeiterinnen suchen meist einzeln nach Honigtau von Blattläusen und Schildläusen und bringen diese Flüssigkeit ins Nest. Wie andere Camponotus verpuppen sich die Larven in einem seidenen Kokon, den sie selbst spinnen.</p>
<p>POGONOMYRMEX BADIUS<br />
Eine der größeren Ameisenarten, die in den trockenen, sandigen Böden der Küstenebenen von North Carolina bis Mississippi lebt. Die Nestkammern sind auffällig, weil die ältesten Arbeiterinnen in der Umgebung Holzkohlestücke sammeln und diese auf der Nestscheibe ablegen. Die schwarze Nestscheibe hebt sich dadurch von dem weißen Sand ab, in dem das Nest angelegt wird. Von April bis November verlassen die älteren Arbeiterinnen den Bau um acht Uhr morgens. Sie sammeln Samen von bis zu 50 verschiedenen Pflanzenarten sowie Beuteinsekten. Sie lassen alles in die oberen Nestkammern fallen, von wo jüngere Arbeiterinnen das Gesammelte in die unteren Kammern oder zu den Larven im unteren Drittel des Nestes tragen. Da die Samen für die Ameisen zu groß sind, um sie zu öffnen, warten sie darauf, dass diese keimen. Die Keimung variiert je nach Jahreszeit, Art und Bodentemperatur.</p>
<p>Bei allen Ameisenpopulationen besteht eine strikte Arbeitsteilung. Diese richtet sich nach ihrem Alter und geht einher mit ihrer Verortung im Nest. Junge Arbeiterinnen werden im unteren Drittel des Nestes geboren und verbringen die erste Phase ihres Lebens mit der Pflege der Brut. Mit zunehmendem Alter wandern sie im Nest auf und ab und verrichten allgemeinere Arbeiten wie den Transport von Nahrung, die Lagerung von Samen und das Ausheben von Kammern. Sie nehmen die ins Nest gebrachte Nahrung auf und transportieren sie ins Innere des Nestes. Nur die ältesten Arbeiterinnen verlassen für die Nahrungssuche das Nest. Ihre Lebenserwartung beträgt dann nur noch etwa drei Wochen. Im Nest ist eine ständige Aufwärtsbewegung alternder Arbeiterinnen zu beobachten, die diejenigen ersetzen, die während der Nahrungssuche sterben. Der Tod tritt seltener aufgrund des Alters ein, sondern wegen Umweltbelastungen wie Hitze und Austrocknung oder Revierkämpfen.</p>
<p>Die Nester der Harvester-Ameisen sind am größten und schönsten. Sie sind bis zu drei Meter tief und haben schraubenförmige Schächte, die lappige, pfannkuchenartige Kammern miteinander verbinden. Die oberflächennahen Kammern liegen sehr dicht beieinander und sind sehr komplex; mit zunehmender Tiefe werden sie einfacher und liegen weiter auseinander. Die Samenkammern befinden sich in der Regel in den mittleren Tiefen zwischen 40 und 100 cm. Eine Kolonie zieht im Durchschnitt einmal pro Jahr um, meist im Sommer. Sie zieht nicht weit weg – das neue Nest ist meist etwa vier Meter vom alten entfernt. Das neue Nest ist dem alten in Größe und Architektur ähnlich, was die Frage aufwirft, warum sie überhaupt umzieht. Bemerkenswert ist, dass der Aushub des neuen Nestes und der Transport des gesamten Inhalts des ursprünglichen Nestes (einschließlich der Samen) in das neue Nest nur vier bis sechs Tage dauert. Die meisten von Tschinkels Nestabgüssen wurden von kürzlich verlassenen Nestern gemacht, sodass keine Kolonie dafür getötet wurde.</p>
<p>Kolonien sind sehr langlebig. Ihre Reife erreichen sie mit etwa vier bis fünf Jahren, ihre Lebenserwartung beträgt über 30 Jahre. Das Bestehen der Kolonie hängt mit der Lebensdauer der Königin zusammen. Sie ist die Mutter aller Ameisen während der gesamten Lebensdauer der Kolonie. Sie paart sich nur zu Beginn ihres reproduktiven Lebens mit einem Dutzend oder mehr Männchen und speichert einen lebenslangen Vorrat an Sperma in einem kleinen Beutel, der Spermathek. Alle Weibchen entwickeln sich aus befruchteten Eiern, die Männchen aus unbefruchteten Eiern (wie es für alle Ameisen, Wespen und Bienen typisch ist).</p>
<p><u></u>TRACHYMYRMEX SEPTENTRIONALIS<br />
Dies ist eine von zwei Arten von Pilzgärtner-Ameisen im Sandhills-Lebensraum. Ihr Verbreitungsgebiet reicht bis nach Long Island, NY, und bis nach Illinois. Die Arbeiterinnen haben stachelige, wulstige Körper. Sie bewegen sich langsam, sind aber extrem zahlreich mit bis zu 1.000 Populationen pro Hektar. Die Nester sind leicht zu erkennen, weil der ausgegrabene Sand halbmondförmig an einer Seite der Öffnung aufgehäuft wird. Wird der Haufen entfernt, schichten die Ameisen den Sand in der gleichen Richtung wieder auf. Auf abschüssigem Gelände befindet sich die Sichel normalerweise hangabwärts. Wenn die Ameisen in der Nähe ihres Nestes einen markanten Orientierungspunkt sichten, richten sie danach ihren Sandhügel aus. Sie orientieren sich also visuell. Offen bleibt eine Frage: Der Sandhügel wird von Arbeiterinnen errichtet, die sich offensichtlich über die Ausrichtung abstimmen. Wie das erfolgt, ist noch nicht erforscht.</p>
<p>In den circa 150 cm tiefen Nestern züchten die Ameisen in eiförmigen Kammern ihren Pilz. Diesen lassen sie auf einem Substrat aus Pflanzenresten und Raupenkot wachsen. Der Pilz ist die einzige Nahrung dieser Ameisen und ihrer Larven.</p>
<p>Etwa im Oktober nehmen die Ameisen die Pilzgärten auseinander und entsorgen sie. Wenn sich der Boden im Lauf des Sommers erwärmt, graben die Ameisen tiefere Kammern und verlegen die Gärten dorthin, wobei sie die höher gelegenen Kammern mit der ausgehobenen Erde auffüllen. Trotz der geringen Größe bewegen diese Ameisen etwa eine Tonne Erde pro Hektar und Jahr und sind somit wichtige Akteure bei der Erddurchmischung.</p>
<p><u></u>FORMICA DOLOSA<br />
Diese Ameisen sind groß, graben gedrungene Nester und ernähren sich hauptsächlich vom Honigtau von Blattläusen und Schildläusen. Ihre Arbeiterinnen sind flink, beweglich und recht aggressiv. Ihre helle Färbung deutet darauf hin, dass sie hauptsächlich nachts auf Nahrungssuche sind. Die Arbeiterinnen haben große Giftdrüsen in ihren Kiefern und können zur Verteidigung Ameisensäure versprühen, die nach Essig riecht. Ihre dicht unter der Erdoberfläche gebauten Nester sind jedoch für Gürteltiere und Stinktiere dennoch leichte Beute.</p>
<p>Einige Arten lassen Blatt- und Schildläuse von dafür eingesetzten Arbeiterinnen züchten und bewachen. Diese übergeben den gemolkenen Tau anderen Arbeiterinnen, den sogenannten „Tankerinnen“, die zwischen der Blattlauspflanze und dem Nest pendeln. Manche Populationen bewachen ihre Läuse rund um die Uhr.</p>
<p><u></u>PHEIDOLE MORRISI<br />
Diese Art bildet eine Koloniegröße mit bis zu 80.000 Arbeiterinnen. Sie baut Hügel über ihren unterirdischen Nestern. Diese bestehen aus bis zu vier Schächten mit kleinen, eng beieinander liegenden Seitenkammern. In den Flachwäldern begrenzt der Grundwasserspiegel die Tiefe des Nestes. Die Ameisen und ihre Brut sind abhängig von der Bodentemperatur und -feuchtigkeit. Die Population verteidigt ihre Grenzen gegen benachbarte Kolonien.</p>
<p><u></u>CYPHOMYRMEX RIMOSUS<br />
Die von der Evolution ausgebildete Fähigkeit, Pilze als Nahrung zu züchten, hat sich nach jetzigem Wissenstand nur bei amerikanischen Ameisen nachweisen lassen. In dem Areal, das Tschinkel untersucht, fand er zwei Arten, die Cyphomyrmex rimosus und die Trachymyrmex septentrionalis. Erstere wanderte ursprünglich aus Argentinien ein, wo sie weit verbreitet ist. Pilzgärtner-Ameisen ernähren sich von Futter, das von anderen Ameisen nicht verwertet wird, insbesondere von toten Insekten. Aus diesen bilden die Ameisen Strukturen, auf denen sie einen hefeartigen Pilz wachsen lassen, den sie fressen. Die Larven werden in Kammern gehalten, die von den Pilzgärten getrennt sind. Der Pilz wächst normalerweise fadenförmig. Wenn Ameisen ihn in Gärten züchten, bildet er eine andere, zellartige Form aus.</p>
<p>Wie die meisten anderen pilzbewohnenden Ameisen beherbergen die Arbeiterinnen auf ihrer Körperoberfläche mehrere Arten von Bakterien und Pilzen, die Antibiotika produzieren, um das Wachstum von Unkrautpilzen in ihren Gärten zu unterdrücken.</p>
<p>Die Nestarchitektur dieser Ameisenart ist anders als die der Artgenossinnen – unregelmäßig, ohne echte Kammern, scheinbar chaotisch. Der Grund ist noch ungeklärt, denn die meisten anderen Ameisenarten bauen eiförmige Kammern, die ihre Pilzgärten beherbergen.</p>
<p>Paarungsflüge finden im Frühsommer statt. Die Männchen bilden einen schwebenden Schwarm, in dessen Mitte die Weibchen fliegen. Die geflügelten, geschlechtsreifen Weibchen nehmen auf ihren Paarungsflügen ein Stück des Pilzes aus ihrem Geburtsnest mit. Wenn sie dann ihr neues Nest durch Graben anlegen, schaffen sie mit toten Insektenteilen wieder eine Struktur, auf der sie die Pilzstücke pflanzen und so einen neuen Garten anlegen.</p>
<p><strong>Walter R. Tschinkel</strong> (*1940, Lobositz, CZ) ist ein US-amerikanischer Biologe, Myrmekologe, Entomologe und R.O. Lawton Distinguished Professor Emeritus an der Florida State University, Tallahassee (US), an der er über 40 Jahre lehrte. Er ist der Autor des für den Pulitzer-Preis nominierten Buches <em>The Fire Ants</em> (Harvard University/Belknap Press 2006), des Buches <em>Ant Architecture: The Wonder, Beauty, and Science of Underground Nests</em> (Princeton University Press 2021) sowie von mehr als 150 Original-Forschungsarbeiten über die Naturgeschichte, Ökologie, Nestarchitektur und Organisation von Ameisengesellschaften. In den frühen 2000er Jahren begann er mit der Erforschung der Architektur unterirdischer Ameisennester und erfand die Verwendung von geschmolzenem Aluminium und Zink zur Herstellung von Abgüssen im Feld. Seine Abgüsse wurden weltweit ausgestellt, unter anderem in Museen in San Francisco, New Orleans, New York, Houston, Minneapolis, Washington, DC, dem E.O. Wilson Biophilia Center in West Florida, San Diego (US), und Birmingham sowie in Paris (FR), Amsterdam (NL), Mailand (IT) und Vancouver (CA). In seinem Ruhestand setzt Walter seine Ameisenforschung in kleinem Rahmen fort. Unter anderem teilt er seine Erkenntnisse in YouTube-Videos und kurzen Aufsätzen in einem Substack-Newsletter.</p>
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		<title>Zoo Frankfurt</title>
		<link>https://www.fkv.de/zoo-frankfurt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FKV]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Oct 2023 08:50:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Exponat erarbeitet von Dr. Johannes Köhler Atta-Blattschneiderameisenkolonie System aus Röhren und Kuben mit Ameisen, Nahrungskammern, Abfallkammern Verschiedene Größen Courtesy Dr. Johannes Köhler, Zoo Frankfurt Dank der Kooperation mit dem Zoo Frankfurt präsentiert der Frankfurter Kunstverein eine Atta-Blattschneiderameisenkolonie, die über die Dauer der Ausstellung in den Ausstellungsräumen lebt. Unter der Leitung des Kurators Dr. Johannes Köhler <a href="https://www.fkv.de/zoo-frankfurt/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Exponat erarbeitet von Dr. Johannes Köhler</strong></p>
<p>Atta-Blattschneiderameisenkolonie<br />
System aus Röhren und Kuben mit Ameisen, Nahrungskammern, Abfallkammern<br />
Verschiedene Größen<br />
Courtesy Dr. Johannes Köhler, Zoo Frankfurt</p>
<p>Dank der Kooperation mit dem Zoo Frankfurt präsentiert der Frankfurter Kunstverein eine Atta-Blattschneiderameisenkolonie, die über die Dauer der Ausstellung in den Ausstellungsräumen lebt. Unter der Leitung des Kurators Dr. Johannes Köhler hat der Frankfurter Zoo das Ameisenvolk in gläsernen Kunstbauten herangezogen, sodass Besucher:innen das komplexe, ansonsten unterhalb der Erde stattfindende Leben der Tiere aus der Nähe betrachten können. Blattschneiderameisen sind in den tropischen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas beheimatet. Sie leben in einer komplexen und doch extrem effizienten Symbiose mit Pilzen. Die Lebensgemeinschaft ermöglicht es beiden Arten, ihre Lebensfunktionen gegenseitig zu unterstützen oder sogar erst zu ermöglichen. Die Symbiose ist dabei so eng, dass die beiden Arten nicht mehr ohne einander existieren können. Die Atta-Blattschneiderameisen sind eine von mehreren Ameisen-Gattungen, die diesen Lebensstil entwickelt haben.</p>
<p>Ameisen sind ein essenzieller Teil funktionierender Ökosysteme. Sie züchten andere Insekten (Ko-Existenz), ernähren sich unter anderem von ihnen (Eindämmung von Schädlingen), sie verbreiten Pflanzensamen, entsorgen verstorbene Lebewesen und lockern Böden mit ihren komplexen Bauten auf. Sie tragen große Mengen von Nährstoffen in tiefere Bodenschichten, wodurch diese fruchtbarer werden. Ameisen verwerten große Mengen von Grünpflanzen, sodass der Nährstoffkreislauf intakt bleibt und ein wachstumsfördernder Einfluss auf die Vegetation entsteht.</p>
<p><u>SYMBIOSE<br />
</u>In kollektiver Arbeit zerschneiden die großen Blattschneider-Arbeiterinnen mit ihren Mundwerkzeugen Pflanzen in kleinere Stücke und bringen diese in ihren Bau. In speziellen Kammern züchten die Ameisen sogenannte „Pilzgärten“ oder „Pilzfarmen“. Die kleinen Arbeiterinnen in diesen Kammern kauen die Blätter zu einer breiigen Masse, die als Nährboden für die Pilze dient. Sie tasten die Oberfläche des Pilzgeflechts sorgfältig ab und reinigen es von Sporen und Pilzfäden anderer Schimmelpilzarten. Immer wieder pflücken sie kleine Stücke aus der Pilzstruktur heraus, um sie ihren Artgenossinnen als Nahrung zu bringen. Sie setzen auch neue Pilzfäden auf frisches Pflanzenmaterial, um weitere Kulturen heranzuziehen. Die Ameisen düngen den Pilz mit Abfallprodukten und ihrem Kot. Die von den Ameisen gesammelten, schwer verdaulichen Pflanzeninhaltsstoffe werden vom Pilzmyzel durchwurzelt und zersetzt und so in ein für die Ameisen verdauliches Substrat umgewandelt. Studien deuten darauf hin, dass die Ameisen Bakterien auf ihrem Körper tragen, die nicht nur das Wachstum schädlicher Pilze hemmen, sondern auch den Nährpilz düngen.</p>
<p>Im Gegenzug bildet der Pilz an seinen Enden eiweißreiche Knoten, die den Ameisen Proteine spenden, um ihre Larven zu füttern. Zusätzlich schlüsseln die Pilze die Cellulose der Pflanzen so auf, dass sie von den Ameisen verwertet werden kann. Der Pilz hat die Fähigkeit, Gifte abzubauen, die für Ameisen schädlich sind. Das Wachstum des Pilzes hängt direkt von der Nahrungsversorgung und der Anzahl der Arbeiterinnen ab, die sich um ihn kümmern. Die Größe der Ameisengemeinschaft wiederum verhält sich proportional zur Größe des Myzels. Die Königin sorgt mit der Anzahl der von ihr abgelegten Larven dafür, dass die Population im Bau im Verhältnis zur verfügbaren Nahrungsmenge steht.</p>
<p><u>ARCHITEKTUR DER AMEISENNESTER<br />
</u>Blattschneiderameisen bauen unterirdische Nester, die aus einem komplexen Netzwerk von Tunneln und Kammern bestehen. Nester können unterirdisch bis zu 70 Quadratmeter Fläche umfassen und mehrere Millionen Ameisen beherbergen. Die verschiedenen Kammern erfüllen dabei spezialisierte Funktionen, die wichtig für das Überleben der Population sind.</p>
<p>Die Pilzkammern sind die zentralen Räume der Nester. In Abfallkammern entsorgen Ameisen die Pflanzenreste aus der Pilzkammer. Die Ameisenkönigin legt ihre Eier in den Brutkammern ab, in denen auch die Larven und Puppen aufgezogen werden. Umsorgt wird die Brut von den Arbeiterinnen. Neben den Pilzen lagern die Ameisen auch Nahrungsreserven in speziellen Vorratskammern. Die Vorräte bestehen aus Pilzen, aber auch Blättern, Blumen, Samen und Tierresten. Jedes Volk baut sein Nest ganz individuell. Die Ameisen reagieren auf Veränderungen ihres Umfeldes und auf äußere Bedingungen mit der Anpassung der Nestarchitektur. Welche Korrelationen hier eine Rolle spielen, ist noch nicht gänzlich erforscht. Wie unterschiedlich Ameisennester sein können, zeigt die Arbeit von Professor Dr. Walter R. Tschinkel.</p>
<p><u>DIE VIELFALT DER AMEISENPOPULATION – EINE SCHWARMINTELLIGENZ</u><br />
Blattschneiderameisen funktionieren wie alle Ameisenarten als Schwarmintelligenz. Jedes Individuum ist Träger einer beschränkten Zahl von Informationen. Durch koordinierte Interaktionen und Kommunikation entstehen effiziente Lösungen für komplexe Aufgaben, durch kollektive Intelligenz ohne eine zentrale Instanz. Die Ameisenpopulation funktioniert durch ein komplexes, emergentes System aus einzelnen Individuen, die nur über lokale Informationen verfügen. Ameisen haben keine Kenntnisse über den Gesamtzustand der Gemeinschaft, funktionieren aber durch soziale Koordinationsmechanismen. So entstehen Ameisenstraßen dadurch, dass einzelne Ameisen bei ihrer Suche nach Nahrung eine Pheromonspur hinterlassen. Benutzt eine Ameise den gleichen Weg mehrmals, verstärkt sich diese Spur.</p>
<p><u>AUFBAU DES STAATES<br />
</u>Königinnen sind die reproduktiven Weibchen in der Population. Sie sind deutlich größer als die anderen Artgenossinnen und haben nur die Aufgabe, Eier zu legen. Die Ameisengemeinschaft hat normalerweise nur eine Königin, nur in Ausnahmefällen mehrere. Die Königinnen sind die einzigen weiblichen Ameisen, die Eier legen können. Königinnen und Männchen sind die einzigen Mitglieder der Population, die fliegen können. Dies ist in der Paarungszeit wichtig und um neue Gemeinschaften zu gründen.</p>
<p>Die Hauptfunktion männlicher Ameisen besteht darin, die Königinnen während des Hochzeitsfluges zu befruchten. Die Männchen sind kleiner als die Arbeiterinnen und haben meistens nur eine kurze Lebensdauer. Wenn sie ihre reproduktive Aufgabe erfüllt haben, sterben sie.</p>
<p>Arbeiterinnen sind nicht reproduktive Weibchen. Sie können in verschiedene Kasten unterteilt sein und mit unterschiedlichen Körpergrößen innerhalb einer Population vorkommen. Sie bilden die große Mehrheit des Volkes und sind für das Sammeln von Blättern, das Versorgen der Königin und der Brut, die Pflege der Pilzkulturen und die Verteidigung der Gemeinschaft zuständig.</p>
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