Nevin Aladağ – Body Instruments

09.09.2021, 17:00 Uhr

„Body Instruments“ interpretiert die klassischen und folkloristischen Instrumente auf eigensinnige Art am Körper der Musizierenden immer in Bewegungn und nie leise.
(Nevin Aladağ)

Mit der Performance Body Instruments (2021) führt Nevin Aladağ ihr Interesse an instrumentalen Interventionen fort. Eine Performerin oder ein Performer trägt spezifisch angefertigte Musikinstrumente am Körper und bewegt sich damit im Stadtraum. Die Instrumente, zwei Akkordeons, Schellen und ein auf dem Kopf getragenes Percussioninstrument, werden durch die Körperbewegungen gespielt. Bereits grundlegende Bewegungen, wie Gehen, Drehen des Kopfes oder Heben und Senken der Arme, erzeugen musikalische Klänge. Der ergänzte Körper wird so selbst zum Instrument. Untrennbar ist Bewegung mit Klangerzeugung verknüpft.

Die Arbeit nimmt einerseits Bezug auf kunsthistorische Traditionen, etwa auf die moderne Avantgarde mit Oskar Schlemmers Das Triadische Ballett (1919-1922), dessen spielerischen Umgang mit geometrischen Formen im Zusammenhang mit Tanz und Performance die Künstlerin bereits als Schülerin in der Staatsgalerie Stuttgart entdecken konnte. Ebenfalls wichtig sind Referenzen zur Performance der 70er Jahre. Die sich gleichsam zu Flügeln ausfaltenden Akkordeons und er Balance und Körperbeherrschung erfordernde Rainmaker-Hut von Aladağs Arbeit verweisen insbesondere auf die Körperinstrumente Rebecca Horns (z. B. Weisser Körperfächer, Balancestab, beide 1972). Die dort verhandelten Fragen nach dem Verhältnis von Körper und Bewegung und den Potentialen von skulpturalen Körperergänzungen verfolgt Body Instruments im Hinblick auf Klang weiter.

Ihre Aktualität und Prägnanz erhält Body Instruments, indem Aladağ jene kunsthistorischen Ansätze und Formensprache anwendet und zugleich mit historischen und gesellschaftlichen Bedeutungsdimensionen durchwirkt. So verweist die Arbeit auf die vielfältigen Traditionen von Klangerzeugung im öffentlichen Raum, die von mittelalterlichen Narrenschellen, das Märchen vom Rattenfänger, über sakrale wie profane Prozessionsbräuche bis hin zur modernen Straßenmusik reichen. Mit der Figur der Straßenmusikerin oder des Straßenmusikers werden zugleich auch Fragen nach sozialem Status und nach der gesellschaftlichen Verhandlung über die Nutzung des öffentlichen Raums aufgerufen. Mit Schellen, Akkordeon und den zwei verschiedenen Trommelformen vereint die Performance aus unterschiedlichen zeitlichen und räumlichen Kontexten stammende Instrumente. Ihr gemeinsames Charakteristikum ist, dass sie alle jenseits der klassischen Musik westlicher Prägung zu verorten sind. Im Zusammenspiel entsteht so ein Stück experimenteller Musik, das zwischen zwingend-notwendigen, beispielsweise beim Gehen erzeugten Tönen und bewusst eingesetzten Bewegungen und poetischen Klängen balanciert.

Über die Künstlerin

Die seit 2002 in Berlin lebende Künstlerin Nevin Aladağ (*1972) nutzt für ihre Arbeiten Skulptur, Video und Fotografie. Sie kreiert Performances und skulpturale Installationen im Museum ebenso wie im öffentlichen Raum. Aladağ ist in Stuttgart aufgewachsen. Sie studierte von 1993 bis 2000 Bildhauerei bei Olaf Metzel an der Akademie der Bildenden Künste in München. Ihre Werke wurden zuletzt unter anderem in Einzelausstellungen im Lehmbruck Museum Duisburg (2021), dem Museum of Modern Art San Francisco (2020) und der Hayward Gallery, London (2020) gezeigt. Besondere Aufmerksamkeit erhielten Aladağs Arbeiten insbesondere durch ihre Teilnahme im Jahr 2017 an der documenta 14 in Athen und Kassel und der 57. Biennale von Venedig. 2017 erhielt die Künstlerin den Ernst-Rietschel-Kunstpreis für Skulptur in Dresden.

Veranstaltungsort: Frankfurter Kunstverein
Termin: Donnerstag, 9. September, 17:00 Uhr Nizzawerft, 19:30 Uhr Frankfurter Kunstverein
Ort: Die Performance startet am Tinguely Museumsschiff und bewegt sich von der Nizzawerft am Mainufer entlang über den Römerberg zum Frankfurter Kunstverein. Um circa. 19.30 Uhr findet vor dem Frankfurter Kunstverein ein weiterer Teil der Performance statt.
Eintritt: frei
Anmeldung bitte an post@fkv.de

Credits
Im Auftrag von Museum Tinguely, Basel, im Rahmen von Museum Tinguely AHOY!
Konzept und Choreografie: Nevin Aladağ
Performer: Przemek Kamiński, Darko Radosavljev
Kuratorin Museum Tinguely: Dr. Beate Reimann
Produktionsmanager: Attila Gaspar

Der Frankfurter Kunstverein freut sich über die Partnerschaft zum 25jährigen Jubiläum des Museum Tinguely. Erfahren Sie hier mehr zu Museum Tinguely AHOY!